Reinhard Bonnke: Operation Pfingsten (1)

Dieser Artikel trägt die Überschrift Operation Pfingsten. Pfingsten ist das Codewort für Sieg und bezieht sich auf das aktive Mitwirken des Heiligen Geistes. Dieser wiederum birgt Gottes großes Geheimnis für eine endgültige Welterlösung. Zuerst müssen wir klar erkennen und wissen, dass Gott für diese Welt einen Plan hat, wer der Heilige Geist ist und wie er den Willen Gottes auf der Erde erfüllt.
Das Geheimnis des unbekannten Namens
Als Erstes: Wer ist der Heilige Geist, der Geist von Pfingsten? Als Gott Manoach, den Vater Simsons besuchte, fragte er ihn: "Warum fragst du mich nach meinem Namen?" (Richter 13,18). Hat der Geist Gottes einen wirklichen Namen? Wir wissen es nicht. Manoach fand ihn auch nicht heraus. Die Frage reichte, um den Fragesteller zu identifizieren. Wenn wir die Ausdrucksweise betrachten, mit der die Bibel beginnt, dann erkennen wir, dass "Geist" auch "Wind" oder "Atem" bedeutet. Im neutestamentlichen Griechisch wird "Geist" mit dem Wort "pneuma" wiedergegeben. Jahrzehnte zuvor bezeichneten die Griechen damit das Wesen des Lebens, und das war der treffende Begriff für den Heiligen Geist.
Viel wichtiger, als den verborgenen Namen zu kennen, ist es, das Wesen des Heiligen Geistes zu kennen. Zunächst möchte ich betonen, dass der Heilige Geist kein gespenstisches Wesen ist. Zahlreiche Leute hatten diese verkehrte Vorstellung und glaubten an ein Phantom, das sich in sakralen Gebäuden und Kirchen aufhält und durch sein geheimnisvolles Ambiente den Anbetungsstätten eine gewisse weihevolle Atmosphäre verleiht. In mittelalterlichen Kathedralen und großen Kirchen kann die prachtvolle architektonische Ausgestaltung ein Gefühl der Ehrfurcht hervorrufen, das nicht unbedingt vom Geist Gottes gewirkt ist. Dennoch bezeugen viele von uns, dass der Heilige Geist tatsächlich eine persönliche Ausstrahlung besitzt. Wo immer er auch wirkt, können wir seine Nähe spüren. Das bringt das Ganze auf den Punkt: Anstelle einer mystischen Erscheinung offenbart sich der Heilige Geist durch sein Handeln.
Es ist nicht leicht zu akzeptieren, dass das Wort "Geist" auch Handeln bedeutet. Die Israeliten des Alten Bundes brachten Gott mit den Ereignissen in Verbindung, die sie geschehen sahen, und sie zogen eine Parallele zwischen seiner unsichtbaren Macht und der unsichtbaren Kraft des Windes. Tatsächlich brachte der Wind immer wieder wundersame Ereignisse hervor - so teilte der Wind oder Atem Gottes das Rote Meer und geleitete die Israeliten sicher hindurch. Etliche Bibelkommentare erklären das hebräische Wort "ruach" als "Luftströmung". Ich denke, dass das Wort "Luft" damals unter den Israeliten kaum verwendet wurde. Zumindest gebrauchte niemand diesen Begriff. Dort wo Bewegung war, vermuteten sie Gott: "Du fliegst auf den Flügeln des Windes" (Psalm 104,3). Selbst wenn sie atmeten, sprachen sie davon, dass Gott seinen Atem aussende und ihnen das Leben schenke und erhalte (Psalm 104,29-30).
Israel sah Gott in allem, was geschah. Obwohl einige prophetische Bücher keinen Hinweis auf den Geist enthalten, erklärten die Propheten, dass "sie durch das Wort des Herrn" gesprochen haben. Das Neue Testament drückt es so aus, dass sie "getrieben vom Heiligen Geist im Namen Gottes geredet haben" (2. Petrus 1,21).
Die einzige Person, die im Neuen Testament mit "Luft" in Verbindung gebracht wird, ist Satan, "der im Bereich der Lüfte regiert" (Epheser 2,2). Die Atmosphäre der Luft verfügt über Druck. Das ist alles, was Satan zu bieten hat: eine Atmosphäre heraufzubeschwören und Druck auszuüben. Gott tut das nicht. Gott zu kennen bedeutet, die Worte Jesu aufzunehmen: "Gott ist Geist (pneuma). Der Wind weht, wo er will. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist" (Johannes 4,24; 3,8). Der Geist ist also eine allgegenwärtige Lebenskraft.
Geistliche Photosynthese
Die biblischen Schriften spielen eine wesentliche Rolle in der Welterlösung, deshalb wurden sie nicht völlig der menschlichen Urheberschaft überlassen. In seinen Briefen an Timotheus verwendete Paulus das Wort "theopneustos", das "von Gott eingehaucht" bedeutet: "Alle Schrift ist von Gott eingegeben" (2. Timotheus 3,16). Gott hauchte dem Wort seinen Odem ein, das sein göttliches Wesen so aufnahm, wie eine Blume den Wind und Sonnenschein aufsaugt. Danach atmet die Blume den Sonnenschein in Form von Schönheit und Duft wieder aus. Dieser botanische Prozess wird Photosynthese genannt. Im Leben jedes Christen sollte eine Art geistlicher Photosynthese stattfinden. In Epheser 5, 18 werden wir aufgefordert: "Lasst euch vom Geist erfüllen." Wenn wir das getan haben, zeigt es sich nicht nur in unserer geistlichen Hingabe, sondern auch in der Schönheit unseres Charakters, durch den wir auf Schritt und Tritt seinen Wohlgeruch verbreiten (2. Korinther 2,14). Wir sind die Hauptaufgabe des Heiligen Geistes! Er macht uns zu seinen Vertretern. Gott schenke es, dass wir auch entsprechend aussehen. Auf diese Weise wird die Welt ihn kennen lernen.
Ich habe bereits erwähnt, dass der Heilige Geist nicht als weihevolle Atmosphäre in einer Kirche erscheint. In unseren Gottesdiensten ist man allgemein um eine gute Atmospäre bemüht, doch hüte man sich davor, sie mit dem Heiligen Geist zu verwechseln. Die Atmosphäre entsteht aus unserer gemeinsamen Haltung. Als die 120 Jünger an Pfingsten beisammen waren, herrschte unter ihnen ein herzlicher gemeinschaftlicher Geist wie nirgendwo sonst in Jerusalem und schon gar nicht im Tempel. Christliche Gemeinschaft ist unvergleichlich. Die Jünger mögen diese einzigartige freundliche Erfahrung genossen und sich gewünscht haben, dass diese Zusammenkünfte regelmäßig stattfinden, beispielweise jeden Sonntagmorgen. Tatsächlich scheinen sie eine ganze Zeit lang diese Form der Gemeinschaft gepflegt zu haben.
Eine neue Dynamik
Plötzlich kam vom Himmel her "ein Brausen wie von einem gewaltigen Sturm" (Apostelgeschichte. 2,2). Ein Sturm leitet keine "geheiligte" Atmosphäre ein, sondern er verändert manches ganz radikal. Die Jünger wurden aus ihrer Routine geworfen. Eine neue Dynamik erfasste sie, den Menschen in Jerusalem gegenüberzutreten, und eine aufgeschreckte, aufmerksame Zuhörerschar hörte die allererste Evangeliumspredigt.
Christliche Gemeinschaft ist eine kostbare und notwendige Erfahrung. Es ist gut für Brüder, Gemeinschaft zu pflegen (Psalm 133,1). In Christus besitzen wir ein außergewöhnliches Vorrecht der Gemeinschaft. Doch dieses Gemeinschaftsgefühl ist nicht zum Selbstzweck gedacht. "Mein Vater ist ständig am Werk, und deshalb bin ich es auch", erklärte Jesus (Johannes 5,17). Der Geist wirkt dort, wo Einheit und Übereinstimmung herrscht. Er ist glücklich in einer glücklichen Gemeinde. Wir sind zusammengeführt durch das Band der Liebe Jesu, um sein Werk zu tun, und werden dabei zu einem Werkzeug der Gerechtigkeit in der Hand Gottes geformt.
Wir sollen erkennen, wer unser "Mitarbeiter" ist. Der Heilige Geist ist nicht durch eine geheimnisvolle Zelle in diese Welt gekommen, sondern an Pfingsten. Er kam am ersten Tag der Woche - einer Arbeitswoche voll geschäftigen Treibens - und nicht am still beschaulichen Sabbat. Der Heilige Geist bewegt sich in der Welt des Handels und Wandels. So sehen wir den Heiligen Geist, den Gott von Pfingsten. Jetzt, da wir wissen, wo wir ihn finden, können wir sein Werk betrachten.
Das finstere Land
Vor dem Kommen Jesu war die Welt Feindesland. Die Lichter waren alle erloschen, jedes Volk war in Götzendienste verstrickt. Die Welt war in tiefste geistliche Finsternis gehüllt, voll von Unwissenheit und grausamem Aberglauben. Die Nacht besaß nur einen Stern, der ruhelos in der Dunkelheit blinkte. Er leuchtete im kleinen Israel. Drei Viertel des Volkes aber hatten sich der überwältigenden Finsternis ergeben und den Weg der Welt gewählt, indem sie gedankenlos die Wesensmerkmale und das Wissen um ihre göttliche Berufung von sich wiesen.
Die Leuchtkraft menschlicher Intelligenz war nicht in der Lage, die Finsternis zu durchbrechen. Rom schuf mit seinen großen Städten, Straßennetzen und gewaltigen Bauwerken ein beeindruckendes Imperium. Die Griechen brillierten mit ihrem Intellekt, ihren Philosophien und ihren eindrucksvollen Kunstwerken, dennoch war ihr Leben primitiv, armselig und ohne jede Sicherheit. Sie schufen sich Götter, die sich zu Monstern und Tyrannen entwickelten und dazu neigten, ihnen das tägliche Leben so schwierig wie nur möglich zu machen. Weder an Land noch auf See hatte jemand die geringste Ahnung vom lebendigen Gott und seinem liebevollen Herzen.
Der Sündenfall
Wie kam es dazu, dass die Erde in eine derartige stockfinstere Nacht versank? Die Ursache liegt im "Sündenfall". Gott verlieh Adam die Herrschaft über die Erde. Er wandelte als König der Erde. Aber dann kam es zur großen Katastrophe - aus der Hand des Versuchers, der listigen Schlange. Adam unterlag der Versuchung und trat seine Herrschaft an den Verführer ab. Die Erde wurde zum besetzten Gebiet, beherrscht von den Mächten der Finsternis unter Satan, "dem Fürst dieser Welt", wie Jesus ihn in Johannes 12,31 bezeichnete. Gott wandelte nicht mehr länger im Garten Eden, den er geschaffen hatte. Der Himmel war weit weggerückt und die Kommunikation versiegte. Die wenigsten Menschen beteten. Zur Zeit Noahs waren es nur acht. Die Menschen bauten einen Turm zum Himmel, aber sie taten es aus Geltungssucht und nicht, um Gott zu finden. Ihr Bemühen endete in einer totalen Verwirrung, keiner konnte mehr verstehen, was der andere sagte. Die Welt war von ihrem Schöpfer getrennt und hatte sich ihm entfremdet.
Es gab zu allen Zeiten Geheimagenten, wagemutige Männer und Frauen, die hier und dort eingeschmuggelt wurden, um Widerstandskämpfer und nach Freiheit strebende Regierungen zu unterstützen. Sie kannten die Gedanken ihrer Aktionsziele und ihr Geheimauftrag war ein Beitrag für künftige Siege. Ähnlich liefen die Dinge in der frühen heidnischen Welt ab. Gott hatte seine Agenten, die Propheten Israels. "Gott der Herr tut nichts, er offenbare denn seinen Ratschluss den Propheten, seinen Knechten" (Amos 3,7). Sie waren seine Geheimagenten hinter den feindlichen Reihen und sagten nur das, was er ihnen auftrug. Ihre Macht und Autorität kam von Gott. Micha sagte: "Mich aber hat der Herr stark gemacht und mit seinem Geist erfüllt! (Micha 3,8). So liefen die Dinge, bis Jesus auf die Erde kam.
Operation Himmelreich
Während seines ersten öffentlichen Auftritts machte Jesus eine erstaunliche Aussage: "Das Himmelreich ist nahe." Er fügte später weitere Details hinzu, als er sagte: "Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen" (Lukas 11,20). Das war etwas zum Nachdenken. Gott war nicht länger mehr in der Finsternis verborgen. Jesus selber führte das Reich Gottes an und brachte dessen Absichten ans Licht, indem er durch Austreiben von Dämonen die Existenz Satans direkt angriff, die sich hinter der Unterdrückung der Welt und dem Götzendienst verbarg. Israel hatte gebetet: "Herr, reiß doch den Himmel auf, und komm herab" (Jesaja 64,1), und über ihre Erwartungen hinaus, tat er genau das.
Das Reich Gottes hat die Finsternis dieser Erde eingenommen. Das war weder ein Ausflug noch ein Erkundungsmarsch, sondern Gottes Invasionstag. Mit Jesus als Vorkämpfer, brachen sich Befreiung, Licht und Wahrheit auf der Erde Bahn. Jesus sagte: "Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen" (Lukas 10,18). Der unbesiegbare Heilige Geist war nicht länger mehr durch Geheimagenten am Werk, sondern operierte jetzt offen auf den Straßen und in den Synagogen. Was immer Jesus tat, das tat er durch den Heiligen Geist (siehe Apostelgeschichte 10,38; Lukas 4,18).
Wir haben die vier Evangelien, und evangelistisch ausgerichtete Prediger gebrauchen dabei fleißig das Johannes-Evangelium, weil es wichtige Verse über die Errettung enthält. In Matthäus, Markus und Lukas betont Jesus das Reich Gottes und weist dabei auf etwas hin, das damals noch nicht völlig offenbart war, nämlich, dass jeder von uns den Heiligen Geist erbitten soll. Der Geist der Propheten soll uns alle ausrüsten, denn wir sind die Marschtruppe des kommenden Sieges des Reiches Gottes. Der Geist ist unsere Waffe im Kampf gegen die Hölle.
Das Johannes-Evangelium ist ganz gewiss das Buch der Errettung, aber es ist im Wesentlichen auch das Buch des Heiligen Geistes. In den Kapiteln 14-16 spricht Jesus eindringlich mit seinen Jüngern, dass er zum Vater gehen müsse, damit dieser den Heiligen Geist senden könne. Es sei "zweckmäßig" und für jeden von uns zum Besten, betonte er. Wäre der Heilige Geist nicht gekommen, wäre die Welt wieder in dem Zustand wie in den finsteren Tagen Israels, als keine Dämonen ausgetrieben wurden, keine Lahmen, Blinden und andere Kranken geheilt wurden, und sich auch keine Volksmengen bekehrten.
Jesus hatte die Invasion durch den Geist begonnen. Jetzt muss sie weitergehen. Die Apostelgeschichte berichtet von den Anfängen des Gottesreiches, als die Jünger die Kraft erkannten, die der Heilige Geist ihnen zugeteilt hatte. Wie ich bereits sagte, werden wir dazu ermutigt, "voll Geistes zu werden". Diese ersten Jünger haben das Werk begonnen, und wir führen es weiter.
Wir sind keine Geheimagenten. Jesus erklärte, dass die Propheten weissagten, bis Johannes der Täufer kam (Matthäus 11,13). Unser Auftrag lautet anders; wir sollen nicht das Gericht, sondern die Gute Nachricht verkünden: Kein Gerichtsurteil über Nationen, sondern die Hoffnung des Evangeliums - und "Leben in Fülle". Wir sind Teil der Truppen des Gottesreiches, mit demselben Geist erfüllt wie die Propheten, aber mit einem anderen Auftrag, nämlich das Reich Gottes zu proklamieren. Wir wissen, wie es in der Welt zugeht, was Finsternis ist, was Bosheit, Verrat, Betrug und Gräueltaten sind. Wir sind nicht nur dazu da, um den Leuten zu erzählen, dass wir gegen all diese Dinge sind - wer wäre das denn nicht -, sondern ihnen den Schlüssel anzubieten, mit dem sie dem schrecklichen Gefängnis entfliehen können, und sie aus dessen finsteren Tiefen und stickigen Atmosphäre in die herrliche Freiheit des Reiches Gottes zu führen.
Wir errichten keine Festungen - wir reißen sie nieder! Dies ist weder ein Grabengefecht noch ein Blitzkrieg. Unser Auftrag drängt uns unerbittlich vorwärts und fördert die Gerechtigkeit und Gottgefälligkeit. Der Geist "wird die Welt überführen über das, was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist" (Johannes 16,8). Die Truppen des Gottesreiches sind so lange hier, bis Jesus selbst als ihr Heerführer erscheint, um den endgültigen Sieg des Heiligen Geistes zu vollenden. Wir sind nicht hier, um unseren Intellekt mit anderen zu messen oder Argumente gegeneinander auszutauschen, sondern wir sind durch den Heiligen Geist zu Botschaftern berufen, um der Welt die Kapitulations-Bedingungen zu unterbreiten: "Tut Buße und bekehrt euch!" Das ist kein Vorschlag, sondern ein Ultimatum der Liebe. Es geschieht nicht durch rohe Gewalt. "Nicht durch Macht, nicht durch Kraft, allein durch meinen Geist! - spricht der Herr der Heere" (Sacharja 4,6).
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Dieser Artikel wird fortgesetzt unter "Operation Pfingsten (2)"
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Quelle: Christus für alle Nationen
Autor: Reinhard Bonnke
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