Reinhold Ulonska: Die Gaben des heiligen Geistes

Charisma wird mit "Gnadengabe" übersetzt, abgeleitet von Charis = Gnade und Ma = Wirkung. Somit müssen wir Charisma als Konkretisierung der vielfältigen Gnade verstehen. Der Ursprung jedes Charismas ist Gnade. Durch die Gnade manifestiert sich eine besondere Gabe. Ursprung und Wirkung gehören zusammen. Wo der Geist der Gnade den Ursprung und die Wirkung vereinigt, entsteht das, was wir Charisma nennen.Â
Der biblische Befund
Welches sind die 17 Stellen, in denen der Begriff Charisma vorkommt? Manchmal wird er in der Mehrzahl gebraucht, womit gesagt werden soll, daß es offensichtlich mehr als 17 Charismen gibt. Zunächst einmal sind sich alle Ausleger einig: Der Begriff Charisma wird im Neuen Testament unterschiedlich verwendet. Er will das Beschenktwerden durch den Reichtum der Gnade des dreieinigen Gottes deutlich machen. Ebenso finden alle Ausleger folgendes bemerkenswert: Fast alle Stellen weisen einen direkten Bezug zur Gemeinde auf. Wer also von Charisma redet, muß auch von Gemeinde reden. Elfmal wird der Begriff direkt mit der Gemeinde in Verbindung gebracht und nur dreimal wird er allgemein gebraucht.Â
Römer 6, 23: <FONT color=darkred>Charisma Tou Theou</FONT> = Charisma Gottes. Hier heißt es: Das Charisma Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.
Römer 5, 15 und Römer 5, 16: Hier wird von einem Charisma Christi geredet. Es ist die Vergebung der Sünden und die Rechtfertigung des Sünders gemeint.Â
Römer 11, 29 spricht von <FONT color=darkred>Charismata Tou Theou</FONT> in Verbindung mit der Erwählung des Volkes Israel und dem Bund Gottes. Es sind jene berühmten Worte: Gottes Gnadengaben und Berufung können Ihn nicht gereuen.Â
Römer 12, 6: <FONT color=darkred>Charismata Kata Ten Charin</FONT> = Gnadengaben nach der Gnade... Der Begriff Charisma wird hier zur vielfältigen Gnade in Beziehung gebracht und in einem breiten, umfassenden Sinn offengehalten.Â
1. Korinther 1, 7: Durch die Formulierung <FONT color=darkred>En Medeni Charismati</FONT> = "an irgendeiner Gnadengabe" wird das ganze weite Gebiet der Charismen angesprochen. Denn Medeni heißt "irgendein", und damit ist also offen gelassen, von welcher Art Charismen hier geredet wird.Â
1. Korinther 7, 7 spricht von eigenem, persönlichem Charisma aus Gott, <FONT color=darkred>Idion Charisma Ek Theou</FONT>. Wenn wir diese Stelle näher untersuchen, wird sichtbar, daß hier von einer natürlichen Begabung die Rede ist. Es handelt sich um die Begabung zur Ehe oder zur Ehelosigkeit. Häufig wird diese Stelle meiner Meinung nach falsch angewandt, indem man sagt, daß die Ehe als solche ein Charisma ist. Dieser Text spricht aber von der Fähigkeit zur Ehe: "Jeder hat seine eigene Gnadengabe aus Gott, einer so, der andere so." Hier fällt also auf, daß auch diese ganz natürliche Fähigkeit, die schon in der Geburt programmiert ist und sich durch die Pubertät entwickelt, ein Charisma genannt wird.Â
2. Korinther 1, 11: <FONT color=darkred>To Charisma</FONT>. Paulus spricht davon, daß er gerettet wurde, und er sieht in dieser Rettung eine Gnadengabe Gottes.Â
1. Korinther 12, 4 spricht der Apostel von mancherlei Gnadengaben des Geistes = <FONT color=darkred>Diareseis Te Charismaton (Pneumati)</FONT>. Diese Verschiedenheiten der Gnadengaben des Heiligen Geistes sind ganz offensichtlich ein bestimmter Sektor der verschiedenartigen Charismen.Â
Römer 1, 11 schreibt Paulus davon, daß er Gnadengabe des Geistes = <FONT color=darkred>Charisma Hiumin Pneumatikon</FONT> mitteilen möchte.Â
1. Korinther 12, 9 und 1. Korinther 12, 28 sowie 1. Korinther 12, 30 sprechen von Gnadengaben der Heilungen - <FONT color=darkred>Charismata Iamaton</FONT>. Beide Wörter stehen jeweils in der Mehrzahl.Â
1. Korinther 12 31 fordert auf, nach den größeren Gnadengaben zu trachten. Was das bedeuten mag, werden wir später noch untersuchen. Hier haben wir also wieder Gnadengaben im Plural.Â
1. Timotheus 4, 14 und 2. Timotheus 1, 6 spricht Paulus von dem Charisma, das Timotheus gegeben wurde. Ganz bewußt erinnert er ihn daran. Es fällt uns auf, daß hier also nicht von einem Naturtalent, wie es manchmal dargestellt wird, die Rede ist und auch nicht von einer Amtseinsetzung, wie es einige verstehen wollen. Dieses Charisma ist ihm erst durch Handauflegung der Ältestenschaft gegeben worden und wurde ihm durch eine Weissagung zugesprochen. Der Apostel Paulus hat selbst die Hände mit aufgelegt. Der Empfang dieser Gabe hatte etwas zu tun mit dem Empfang des Geistes, der nicht ein "Geist der Furcht" ist (2. Timotheus 1,6).Â
1. Petrus 4, 10 ist die einzige nichtpaulinische Schriftstelle, in welcher dieser Begriff vorkommt: Wir sollten gute Haushalter der verschiedenen Arten - das ist ein sehr wichtiger Begriff -Â der Gnadengaben sein (als gute <FONT color=darkred>Oikonomoi Poikiles Charitos</FONT>).
Vier Begriffe für das Wort "Gabe"
Wir können im Neuen Testament zahlreiche Charismen zählen. Da Paulus diesen Begriff am meisten gebraucht und von der geistlichen Erfahrung bzw. Praxis her beleuchtet, sind seine Schriften zum Verständnis und für die Praxis der Anwendung der Gnadengaben besonders wichtig. Das Neue Testament kennt im Grundtext noch andere Ausdrücke für Gabe mit einem anderen, bestimmten Bedeutungshorizont. Gerade auf diesem Hintergrund wird die Bedeutung des Wortes Charisma deutlich und verständlich, warum Paulus es so betont gebrauchte.
1. <FONT color=darkred>Doma</FONT> (Epheser 4, 8; Matthäus 7, 11; Lukas 11, 13; Philipper 4,17): Eine Gabe die jemand als Liebes- oder Werbegabe gibt.
2. <FONT color=darkred>Dorea</FONT> und <FONT color=darkred>Doron</FONT>. Diese Gabe gibt ein Niederer einem Höheren, um sich ihm nahen zu dürfen. Erstaunlich ist, daß nach Apostelgeschichte 2, 38 der Heilige Geist selbst eine Dorea Gottes genannt wird. Das heißt doch: Im Heiligen Geist läßt sich Gott herab und versucht, sich dem Menschen zu nahen. Jemand hat es so formuliert: "Der Heilige Geist ist Gottes Selbstweggabe an den Menschen." Im Heiligen Geist erleben wir Gottes Dabeisein bei den Menschen. Durch den Heiligen Geist ist Er, der den Himmel und alle Herrlichkeiten besitzt, dein Menschen ganz nahe, selbst im Alltäglichsten des alltäglichen Lebens. Der Apostel Paulus kann diese Dorea nicht genug rühmen. Sie wird in Errettung erfahren (Epheser 2, 8). Er nennt sie "unaussprechlich" (2. Korinther 9, 15). Es ist ein so großes Wunder, daß Gott sich für die Menschen gibt, daß Gott bei den Menschen wohnt und durch Menschen wirkt! Man kann diese himmlische Opfergabe schmecken, indem man Mitteilhaber des Heiligen Geistes wird (Hebräer 6, 4).
Im Blick auf die Berufungen und Dienste wird einem jeden gegeben "nach dem Maße der Opfergabe Christi". Das Maß, nachdem jemand berufen wird, ist die Opfergabe Gottes, d. h. die Selbsthingabe in Christus. Nachdem Er uns durch Sein Blut gereinigt hat, macht Er uns fähig, Ihm, dem lebendigen Gott zu dienen (Hebräer 9, 14).
3. <FONT color=darkred>Dosis</FONT>. Jakobus 1, 17: "Jede gute Dosis und jede vollkommene Opfergabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts." Den Begriff Dosis kennen wir aus der Medizin. Er heißt ", viel wie Zuteilung, also etwas mit Maß geben.
4. <FONT color=darkred>Charisma</FONT>. Der Begriff Charisma ist, wie viele Begriffe, die besonders der Apostel Paulus verwendet, der weltlichen Umgangssprache entnommen.
Es ist ein spezielles Wort mit einem speziellen Bedeutungshorizont. Zwei Dinge gehören zu dem Begriff Charisma:
a) Ein Charisma ist immer eine unverdiente Gabe. Es ist ein freies Geschenk. Dieser Ausdruck wurde in der Antike direkt in Gegensatz zu Lohn und Sold gestellt. Diese Gabe ist deshalb kein Orden und kein Rangabzeichen für den, der sie empfangen hat, sondern sie ist ein Treuezeichen der Gnade Gottes.
Der Einzige, der über einem Charisma gerühmt werden kann, ist der gnädige Herr. Diese Tatsache ist für die Selbsteinschätzung bzw. die Schätzung eines Charismatikers wichtig, weil viel Not dadurch gekommen ist, daß Menschen, die besondere Gnadengaben empfangen hatten, sich etwas darauf einbildeten oder ungeistlich von anderen verhimmelt wurden. Entweder hielten sie sich für große Gottesmänner oder wurden von anderen als solche gerühmt. Dadurch macht man den Charismatiker zum geistlichen Supermann, und das geht nie gut. Die Apostel wußten sehr wohl, daß alles Gnade war und haben jede falsche Verherrlichung im Keim erstickt. Lies Apostelgeschichte 3, 11-16. Im Charisma wird Gottes freie Gnade sichtbar. Deshalb sollte nur der Gott aller Gnade gerühmt werden. Die Gemeinde lebt von der Gnade, deshalb muß sie offen sein für das breite Spektrum der Gnade Gottes Ihm zur Ehre und den Menschen zum Heil. Charismen sind nicht von der Gnade (Charis) zu trennen. Bei allen Gnadengaben will Gott die bestimmende Größe bleiben.
b) Der Begriff enthält aber nicht nur den Gedanken des freien Gnadengeschenkes, sondern auch den des Geschenkes zur Lebensrettung (Paulus gebraucht ihn z. g. für eine Rettung aus Gefahr in 2. Korinther 1, 11), Lebenserhaltung (vgl. Ehefähigkeit 1. Korinther 7, 7) oder Lebensförderung. Charisma hat im Neuen Testament immer etwas mit Leben zu tun. Es handelt sich hier nicht um eine Werbegabe wie ein Blumenstrauß oder ein Geschenk, es ist auch kein Spielzeug oder Hobby, sondern es ist eine notwendige Gabe. Der Gedanke, daß es sich bei den Geistesgaben um mehr oder weniger schöne, aber doch nicht unbedingt nötige Dinge handelt, hat im Reich Gottes Schaden verursacht In der Kirchengeschichte hat man sich lange Zeit damit getröstet: "Die Charismen gehören nur zum Reichtum der Kirche, aber nicht zu ihrem Wesen," Mit anderen Worten: "Man muß keine Gnadengaben haben, um im Vollsinn des Wortes neutestamentliche Gemeinde zu sein." Das ist falsch. Wenn man diesen Gedanken konsequent verfolgt, müßte man auch sagen: "Wir brauchen nicht unbedingt Sündenvergebung" die ja auch ein Charisma ist. Ebenso müßte man sagen: "Das ewige Leben (das Charisma Gottes) gehört nur zum Reichtum, aber nicht zum Wesen der Kirche." Der Begriff Charisma wird im Neuen Testament nur für Gaben gebraucht, die für das persönliche Leben und für die Gemeinde wichtig sind. Charismen sind "Lebensmittel", die das Leben, das uns Christus geschenkt hat, verwirklichen, fördern und erhalten.
VERSCHIEDENE ARTEN VON CHARISMEN
Es gibt eine recht verbreitete Auslegung: Alle Charismen seien Naturtalente, die einfach in den Dienst Gottes gestellt werden.
In den meisten Arbeiten über die Gaben werden die beiden "Charismenlisten" in Römer 12 und 1. Korinther 12 gleichartig betrachtet, obwohl sie verschiedene Akzente setzen wollen. Römer 12 spricht aber nicht von den Gnadengaben des Geistes speziell, sondern gibt einen Einblick in das weite Feld der Gnadengaben nach der Gnade: "...daß wir Gnadengaben besitzen, die nach der uns verliehenen Gnade verschieden sind. Wer also die Gabe prophetischer Rede besitzt, bleibe in Übereinstimmung mit dem Maß des Glaubens; wem die Gabe des Gemeindedienstes zuteil geworden ist, der betätige sie durch Dienstleistungen; wer die Lehrgabe besitzt, verwende sie als Lehrer; hat jemand die Gabe des Ermahnens, so betätige er sich im Ermahnen; wer Mildtätigkeit übt, tue es in Einfalt; wer zu den Vorstehern gehört, zeige rechten Eifer; wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freudigkeit" (Römer 12, 68). Hier werden die Charismen in Beziehung zur vielfältigen Gnade gesetzt. "Nach der Gnade" griech. Kata, hat die Bedeutung: Der Linie der Gnade entlang, nach dem Maßstab der Gnade.
In Römer 12, 6 betont Paulus extra, daß es sich hier um verschiedenartige Gnadengaben handelt.
In 1. Korinther 12 wird aber von Gnadengaben des Geistes gesprochen. Siebenmal werden die hier erwähnten Charismata mit dem Geist (Pneuma) in Verbindung gebracht (vgl. Vers 4, Vers 7, Vers 8 = 2x, Vers 9 = 2x, Vers 11). Der Abschnitt beginnt und schließt mit der Feststellung, daß dies alles ein und derselbe Geist wirkt. Dazu werden die hier erwähnten Gnadengaben dreimal "Geistesgaben" (1. Korinther 12, 1; 14, 1 und 14, 12), griech. <FONT color=darkred>Pneumatika</FONT>, genannt.
Wir stellen fest: In Römer 12 werden alle Gaben "nach der Gnade" erwähnt, d.h. es wird uns ein Einblick in die Weite der Gnade gegeben. In 1. Korinther 12 und 14 wird aber ein bestimmter Sektor aus diesem breiten Feld zur Sprache gebracht. Hier werden nicht die Gnadengaben allgemein, sondern speziell die Gnadengaben des Geistes (Geistesgaben) behandelt.
Welche verschiedenen Arten von Charismen (Gnadengaben) werden im Neuen Testament erwähnt?:
Eigenes natürliches Charisma aus Gott
(l. Korinther 7, 7) Hier wird eine ganz natürliche Fähigkeit ein eigenes Charisma aus Gott (Idion Charisma Ek Theou) erwähnt. Dieses Charisma ist eine Gabe Gottes zur Erhaltung von Leben und Art, die trotz Sündenfall der Schöpfung verblieb. Die Fähigkeit zur Ehe oder auch die Fähigkeit zur Ehelosigkeit ist etwas, das Gott schon in die Schöpfung hineingelegt und damit die Berufung verbunden hat, z. B. Vater und Mutter zu werden oder auch in der Ehelosigkeit Gott zu dienen. Wer sein Leben Gott ausliefert, entdeckt alle seine Begabungen und Talente als unverdiente Gnadengaben. Allerdings hat jeder Mensch irgendeines von den hier erwähnten Charismen, auch der Gottlose, der es zum Sündigen mißbraucht. Es kann niemand Mensch sein, ohne ein Charisma zu haben. Aber damit ist er nicht erlöst.
Merken wir, wie unklar der Begriff "Charismatiker" ist? Aufgrund der Tatsache, daß Naturtalente auch Charismen genannt werden, zu schließen, daß alle Charismen Naturtalente sind, ist ein Irrtum, der daher kommt, daß man die verschiedenen Arten von Charismen nicht unterscheidet. Schon bei der nächsten Art stellen wir fest, daß es notwendige übernatürliche Charismen gibt, die wir empfangen müssen.
Charisma Gottes
Die zweite Art ist das Charisma Gottes, <FONT color=darkred>Charisma Theou</FONT>, von dem wir in Römer 6, 23 lesen: "Die Gnadengabe Gottes aber ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn." Daß dieses Charisma nicht ein "Naturtalent" oder etwas aus uns selbst ist, liegt auf der Hand. Alle Charismen des dreieinigen Gottes sind übernatürlich. Sie werden uns gegeben und werden im Glauben empfangen. Nicht unsere Natur gibt ewiges Leben, sondern Gott gibt es in uns hinein.
Charisma ChristiÂ
Drittens spricht das Neue Testament von den Gnadengaben Christi, d. h. dem <FONT color=darkred>Charisma Christou</FONT>. Diese Gabe ist nach Römer 5, 15 + 16 die Vergebung der Sünden und die Rechtfertigung des Sünders, aus Gnaden durch den Glauben. Dieses Charisma ist ganz gewiß etwas anderes als eine Naturfähigkeit oder auch eine Geistesgabe. Gewiß, alle Charismen haben einen gemeinsamen Nenner: Die unendliche Gnade Gottes. Dennoch haben sie alle ihre Besonderheit und sind in der Art, Bedeutung und Wirksamkeit verschieden.
Charismen des GeistesÂ
In 1. Korinther 12, 4 - 11 (vgl. auch Römer 1, 11, wo <FONT color=darkred>Charisma Humin Pneumatikon</FONT> = Gnadengaben des Geistes steht) wird nun von einer besonderen Art von Gnadengaben, nämlich von den Gnadengaben des Geistes geredet. Diese Gaben sind Dienstgaben für den Dienst vor Gott, an der Gemeinde und in der Welt. Das Wort für "Verschiedenheiten" in Vers 4 kann mit "Austeilungen" übersetzt werden. Es kommt vom Verteilen der Siegesbeute her. Die Ausrüstung mit Geistesgaben ist eine Folge des Kreuzessieges, diesem Triumph der Gnade. Der Begriff will andeuten: Alles das, was wir an geistlichen Charismen haben, fließt aus dem Sieg Christi. Deshalb werden diese Gaben unter dem Kreuz empfangen und helfen dazu, das Wort vom Kreuz zu verkündigen und das Heil des Kreuzes in den Mittelpunkt zu stellen.
Ein Ablehnen der Charismata des Geistes ist aus der Bibel nicht nachvollziehbar. Paulus hat zum eifrigen Streben nach diesen Gaben ermahnt. Bei Paulus haben die Begriffe Charis (Gnade) und Charisma eine zentrale Bedeutung. Er führt die beiden aufeinander zurück und weiß, daß beides für die Gemeinde wichtig ist. Die Gnade, die sich in verschiedenen Gaben erfahren läßt, soll dem Menschen zum Heil und Segen gereichen.
Also sind die Gnadengaben des Heiligen Geistes nicht einfach Naturtalente, die in den Dienst Gottes gestellt werden, etwa wie die Fähigkeit zu singen, sondern Gaben des Heiligen Geistes. Die Bibel sagt uns: "Dem einen wird gegeben ... dem andern wird gegeben..." und am Schluß: "Dies alles wirkt ein und derselbe Geist."
Voraussetzung zum Empfang
Wer Gaben des Geistes haben will, muß erst ein Gotteskind sein. Er muß Vergebung der Sünden und den Empfang göttlichen Lebens erfahren haben. Gewiß, jemand kann schon eine Offenbarung des Geistes haben, bevor er den Geist Christi hat. Das ist möglich. Er kann, um ein Beispiel zu nehmen, ein göttliches Traumgesicht haben, durch welches er erweckt wird. Aber dadurch hat er noch keine Gabe des Geistes. Die einmalige Offenbarung ist für einen ganz bestimmten Zweck da. Sie ist aber keine Gabe, die gegeben ist, um immer wieder neu Offenbarungen zu empfangen.
Ein klassisches Beispiel dafür ist Kornelius. Zu ihm trat ein Engel in einem Gesicht und gab ihm einen Auftrag. Damals war Kornelius noch kein Christ und hatte nicht Christi Geist. Dennoch hatte er eine Offenbarung des Geistes. Später, als er den Heiligen Geist empfing, redete er in Zungen und pries den Herrn. Nun hatte er eine Gabe des Geistes empfangen. Der Engel im Gesicht sagte auch nicht zu Kornelius: "Hör zu, bleibe offen für weitere Offenbarungen, die ich dir geben werde, und so wirst du die ganze Wahrheit erkennen", sondern: "Und nun sende Männer nach Joppe und laß holen Simon, mit dem Zunamen Petrus..., und der wird dir sagen, was du tun sollst."
Um die Gaben des Heiligen Geistes empfangen zu können, muß man Eigentum Jesu sein. Man muß durch den einen Geist zu Seinem Leibe getauft sein. Paulus könnte dieses ganze Bild vom Leib und seinen Gliedern nicht gebrauchen, wenn nicht die Grundvoraussetzung, um Gnadengaben des Geistes zu empfangen, die wäre, daß man Glied am Leibe Christi ist. Das ganze Bild würde hinken. Es kann nur einer, der Glied am Leibe Christi ist, echte Gnadengaben des Heiligen Geistes empfangen. Diese Klarstellung scheint mir in unserer Zeit besonders wichtig zu sein.
Deshalb muß die Predigt von Bekehrung und Wiedergeburt der Botschaft vom Empfang der Gnadengaben des Heiligen Geistes vorausgehen. Wo man Bekehrung und Wiedergeburt ablehnt, kann es auch nicht zum Empfang echter Geistesgaben kommen. Sowohl in Römer 12 als auch in 1. Korinther 12 werden die Charismen mit Gliederdiensten im Leibe Christi verglichen.
Offenbarung des dreieinigen Gottes
In 1. Korinther 12, 47 lesen wir: "Es gibt nun zwar verschiedene Arten von Gnadengaben, aber nur einen und denselben Geist; und es gibt verschiedene Arten von Dienstleistungen, doch nur einen und denselben Herrn; und es gibt verschiedene Arten von Kraftwirkungen, aber nur einen und denselben Gott, der alles in allen wirkt. Jedem wird aber die Offenbarung des Geistes zum allgemeinen Besten verliehen."
Die Gemeinde Jesu ist immer die Gemeinde des dreieinigen Gottes. Sie ist geradeso Gemeinde Gottes wie sie Gemeinde Jesu ist. Sie ist geradeso Gemeinschaft des Heiligen Geistes wie sie Gemeinde Gottes ist. Dieser dreieinige Gott offenbart sich in der Gemeinde auf dreierlei Weise. Man kann von einer Heils und Segenstrinität sprechen: Der eine Heilige Geist offenbart sich durch die verschiedenen Gnadengaben des Geistes (Charismata), der eine erhöhte Herr durch die verschiedenen Ämter oder Dienste (Diakonieis) und der eine Gott (Vater) durch die verschiedenen geistlichen Kraftwirkungen (Energemata). Alle drei Offenbarungen des dreieinigen Gottes sind zum Bau der Gemeinde wichtig, denn die Gemeinde soll eine Offenbarungsstätte des dreieinigen Gottes sein. Vater, Sohn und Heiliger Geist sollen auf Ihre Weise in der Gemeinde speziell wirken können.
Wir müssen feststellen, daß der Gemeinde Jesu der Blick für diese Segenstrinität verloren ging. Vom Anfang des Christentums an wurde das geistliche Amt nie ernstlich angefochten. Was man unter dem Amt verstand und dabei als wesentlich ansah, das waren Dinge, über die man evtl. stritt. Aber die Dienste als solche wurden kaum in Zweifel gezogen, obwohl manche dieser Diener durch ihre Verkündigung falsche Lehren brachten. Doch die Tatsache, daß ein Amt der Verkündigung nötig ist, wurde nie bestritten. Den Kraftwirkungen stand man schon eher reserviert gegenüber. Aber Offenbarungen der Geistesgaben hatten es noch schwerer. Wo sie aufbrachen, wurden sie entweder mißtrauisch beobachtet oder gar bekämpft. Wo man sie duldete, sah man in ihnen eher eine Kuriosität. Nach einer Zeit verschwanden sie dann wieder. Aber wir brauchen Gemeinden, in denen alle drei Offenbarungen des dreieinigen Gottes vorhanden sind.
Zusammenfassend können wir sagen: Wo die Gnade sich voll auswirken kann, wird sie konkret werden in verschiedenen Gnadengaben. Wo der Geist der Gnade ernstgenommen wird, da müssen auch Gnadengaben des Heiligen Geistes vorhanden sein.
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Ein Artikel von www.glaube.de
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus/ Redaktionsmitarbeiter Glaube.de
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Mit freundlicher Genehmigung: Reinhold Ulonska - "Geistesgaben in Lehre und Praxis" Buchauszug - Das Buch ist in der Leuchter-Edition erschienen. ISBN 3-87482-103-X, © 1983 by Leuchter-Verlag
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