Rick Joyner: Liebe mit Urteilsvermögen und Treue im Kleinen

Nicht nach dem Augenschein
Ich habe mit Interesse die Debatten unter Christen verfolgt, bei denen es darum ging, ob die Filmreihe "Der Herr der Ringe" gut oder böse sei. Einige hielten es für ein machtvolles prophetisches Wort vom Herrn und einige meinten, die Filme kämen vom Teufel. Ich persönlich denke, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt, aber es war die Argumentation, die mich interessierte und ich fand, dass diese viele Wahrheiten beleuchtet hat.
Es gibt viele profunde und eindrücklich artikulierte Einblicke in die Natur von Gut und Böse in Tolkiens Büchern, die durch den Film gut in Szene gesetzt wurden. Ich denke, dass diese Einblicke auch für die Zeit, die kommen wird, sehr relevant sind. Wie auch immer, es handelt sich hierbei nicht um die Heilige Schrift und ich persönlich glaube nicht, dass solche Dinge zu ernst genommen werden sollten. Ich zweifle nicht an Tolkiens persönlichem Glauben und denke, dass er durch seine Arbeit einen großartigen Beitrag zu unserer Zeit geleistet hat - besonders durch seinen Einfluss auf C. S. Lewis. Aber beide Männer hatten auch einige Ansichten und Methoden, diese Ansichten zu vermitteln, die in Frage gestellt werden können. Aber wie das bei allen derartigen Werken ist - die Weisen werden das Fleisch essen und die Knochen wegwerfen. Die Unreifen und Unbeständigen werden das Fleisch wegwerfen, weil es Knochen enthält.
Eines der großen Beispiele von Urteilsvermögen finden wir im ersten Band des Herrn der Ringe, in "Die Gefährten", als Frodo sich entscheiden musste, ob er mit einem Mann gehen wollte, der ihn in die Falle führen würde oder mit Strider. Über den mit den bösen Absichten sagte Frodo "Er scheint redlich, aber ich spüre die Schlechtigkeit." Von Strider, der versuchte, ihn zu retten, aber viel härter und gefühlloser erschien, sagte Frodo "Er scheint schlecht, aber ich spüre die Redlichkeit." Frodo folgte in einer weisen Entscheidung Strider und wurde vor seinen Feinden gerettet. Wenn wir zu oberflächlich urteilen, ist es wahrscheinlich, dass wir getäuscht werden.
Obwohl ich persönlich keine Studien kenne, die das belegen, glaube ich, dass es heute mehr Christen gibt, die der Kirche entfremdet sind als solche, die in der echter Beziehung eines Leibes wachsen, die für wahre christliche Reife unabdingbar ist. Die meisten der gemeindelosen Christen, die ich getroffen habe, sind entweder verletzt oder von der Kirche enttäuscht und haben deshalb die Kirche aufgegeben. Von solchen Menschen habe ich oft gehört: "Ich liebe Gott, ich kann nur einfach sein Volk nicht leiden." Das mag vielleicht wortgewandt klingen, ist aber, wie Johannes erklärt, eine völlige Täuschung. Wir lieben Gott nicht wirklich, wenn wir nicht auch Sein Volk lieben. Die Schrift erklärt außerdem ausführlich, dass Liebe nicht darauf basiert, ob Menschen liebenswert sind oder nicht. Auch Liebe an sich ist nicht das, was viele meinen.
Jede echte Erkenntnis muss auf Liebe gegründet sein. Was oft wie Mitleid (und damit in unseren Augen wie Liebe) aussieht, kann in Wirklichkeit die Wurzel einer teuflischen Verführung sein. Wir dürfen nie vergessen, dass die Frucht von der guten Seite des Baums der Erkenntnis von Gut und Böse genauso tödlich ist, wie die von seiner bösen Seite. Humanistische Güte ist eine sehr grundlegende Beleidigung Gottes und hat ihre Wurzel eher im Stolz des Menschen, als in wahrer Barmherzigkeit. Humanistische Güte wird so auch in wachsender Gebundenheit resultieren, anstatt in Freiheit.
Wahre Einsicht beruht auf Liebe, humanistische Güte jedoch ist keine wirkliche Liebe. Sie ist vielmehr ein selbstsüchtiger Versuch, um andere entweder zu manipulieren oder das eigene Gewissen durch Werke zu beruhigen, anstatt die Gerechtigkeit zu erlangen, die am Kreuz für uns bereitgestellt wurde. So können uns zum Beispiel Mitleidsgefühle dazu bringen, uns selbst gerechter zu fühlen, aber wie Jakobus schreibt ist Glauben ohne Werke tot (Jakobus 2:26), und das trifft auch auf Liebe ohne Werke zu. Diejenigen, welche am meisten über Liebe sprechen, sind meist auch diejenigen, welche am wenigsten dafür tun. Diejenigen dagegen, welche anderen wirklich helfen, sprechen selten darüber und erscheinen deshalb gar nicht so sehr von Liebe motiviert. Aber, wie der Herr sagte, an der Frucht wird erkannt, was wahre Liebe ist, nicht an den Worten.
Eine leichte Möglichkeit, den Baum anhand der Frucht zu beurteilen: Unser Finanzverhalten
Bei unserem Studium der biblischen Prophetien zur Endzeit und der Betrachtung, wie wir auf diese Ereignisse vorbereitet sein können, haben wir bereits mehrfach festgestellt, wie wichtig es ist, die Wahrheit zu besitzen und die Wahrheit zu lieben. Das ist deshalb von so entscheidender Bedeutung, weil die biblische Definition der Finsternis, die in der letzten Zeit über die Welt kommt, sich fast ausschließlich auf Täuschung und Unwahrheit bezieht. Wenn die Bibel von einem "Wandel im Licht" spricht, meint sie einen Wandel in der Wahrheit. Es mag auf den ersten Blick vielleicht unmöglich scheinen, aber man kann die Wahrheit kennen und sogar lieben, aber trotzdem nicht in Wahrheit wandeln. Wie kann das sein?
Es ist eine viel subtilere Verführung, als wir meinen mögen. Ich kenne Menschen, welche die Wahrheit des Wortes Gottes so sehr lieben, dass sie jede Woche viele Stunden damit verbringen, darin nach Erkenntnis zu suchen. Sie erachten diese Wahrheiten als große Schätze. Das ist sicher ein edles Bestreben, und sollte die Hingabe jedes Mannes und jeder Frau Gottes sein. Wie dem auch sei, ich habe etliche mit dieser Hingabe getroffen, die kein Problem darin sehen, bei der Steuer zu betrügen, obwohl das im Konflikt mit der Schrift steht, die sie so hoch schätzen. Wir lesen zum Beispiel in Römer 13:6-7:
Denn deshalb entrichtet ihr auch Steuern; denn es sind Gottes Diener, die eben hierzu fortwährend beschäftigt sind. Gebt allen, was ihnen gebührt: die Steuer, dem die Steuer, den Zoll, dem der Zoll, die Furcht, dem die Furcht, die Ehre, dem die Ehre gebührt.
Vor einigen Jahren traf ich eine Gruppe von Gläubigen, die einst die Menschen mit der wahrscheinlich größten Hingabe an das Ergründen der Schrift gewesen waren, die mir je begegnet sind. Aber sie waren zu dem Entschluss gekommen, die oben zitierten Verse nicht zu befolgen, weil sie nicht damit einverstanden waren, wie die Regierung einen Teil ihrer Steuern verwendete. Nirgends in der Schrift heißt es aber, dass wir nur den Regierungen Steuern zahlen sollten, die sie auch richtig verwenden. Wenn das der Fall wäre, gäbe es keine Regierung der Welt, der man Steuern zahlen müsste, und diese Verse wäre nicht geschrieben worden. Zu der Zeit, als Paulus diese Sätze schrieb, war Nero der Kaiser. Nero war wohl einer der schlimmsten aller römischen Herrscher und es war derjenige, der Paulus später töten ließ.
Wenn jemand dazu neigt, das Wort Gottes auf solche Weise zu beurteilen, schadet es ihm selbst am meisten. Einer der Wege, auf denen ein Geist der Armut Herrschaft über das Leben eines Menschen erlangen kann, ist das Betrügen bei Steuern und das Nichtbezahlen von Verpflichtungen, die man rechtmäßig schuldet. Das wird in Sprüche 11:24 ausgedrückt: Da ist einer, der mehr spart, als recht ist, und es gereicht ihm nur zum Mangel. (im Englischen: "hält zurück was er rechtens schuldig ist...") Ob es dir gefällt oder nicht, Steuern sind wir "rechtens schuldig", egal wofür sie verwendet werden. Und wenn wir an allen Vorteilen der modernen Gesellschaft oder unserer nationalen Verteidigung teilhaben wollen, sollten wir freudig unseren Anteil an den Kosten begleichen. Genauso gilt: wenn wir unsere Rechnungen, die wir "rechtens schuldig" sind, nicht begleichen, wird das früher oder später zu unserem eigenen Verderben führen. Das schließt auch ein, dass unsere Schulden rechtzeitig beglichen werden. Es ist eine sichere Wahrheit, dass wir die Tür für einen Geist der Armut in unserem Leben öffnen, wenn wir bei solchen einfachen Dingen knausern, was letztendlich in unserer eigenen Not endet.
Diejenigen, welche die Wahrheit lieben, werden auch wahrhaftig in allen ihren Wegen sein. Ich höre oft Christen, die Sprüche 13:22 zitieren: "...das Vermögen des Sünders wird aufbewahrt für den Gerechten." Es gibt auch andere biblische Prophetien, die davon sprechen, dass der Reichtum der Nationen den Gerechten gegeben wird. Es gibt keinen Zweifel daran, dass das geschehen wird, aber es ist wichtig zu untersuchen, wer die Gerechten sind. Die Schrift macht nämlich auch klar, dass diejenigen, welche ihren Schwur nicht halten, gottlos sind.
Ich war schockiert als mir der Prozentsatz der Christen bekannt wurde, die versprechen, Kirchen oder Diensten etwas zu spenden, aber dann ihr Wort nicht halten. Salomo schrieb in Prediger 5:3-4: Wenn du Gott ein Gelübde ablegst, zögere nicht, es zu erfüllen! Denn er hat kein Gefallen an den Toren. Was du gelobst, erfülle! Besser, dass du nicht gelobst, als dass du gelobst und nicht erfüllst. War es nicht genau diese Torheit, die das Gericht über Ananias uns Sapphira brachte?
Die Christen sind auf der Erde, um Gott zu repräsentieren und um Seine Botschafter zu sein. Wenn es eine fundamentale Charakteristik der Natur Gottes gibt, dann die, dass Sein Wort wahr ist und Er Sein Wort immer hält. Wie Jesus in Matthäus 5:37 sagt: "Es sei aber eure Rede: Ja, ja! Nein, nein! Was aber mehr ist als dieses, ist vom Bösen."
Ich kenne eine Reihe christlicher Geschäftsleute, die wegen ihren schlechten Erfahrungen keine Geschäfte mit anderen Christen machen wollen. Es scheint, als ob viele Christen ihre Rechnungen bei anderen Christen absichtlich nicht begleichen, weil sie wissen, dass diese ihnen vergeben müssen. Es mag vielleicht scheinen, als wäre das eine extreme Aussage, aber diese Praxis ist viel verbreiteter, als die meisten sich vorstellen können. Als Dienst und als Gemeinde sind wir ständig Opfer dieser Art Behandlung durch andere Christen, Dienste und Gemeinden. Es schadet uns, aber es schadet uns bei weitem nicht so sehr, wie es ihnen selbst schadet.
In den letzten Jahren hatte ich etliche Treffen mit Bänkern und einmal sogar ein langes Treffen mit dem Geschäftsführer der zu jener Zeit größten Bank im Land. Bei jedem Gespräch wurde deutlich, dass diese Banken nicht länger mit Kirchen oder Diensten Geschäfte machen wollten, weil diese so ein großes Ausfallrisiko darstellten. Das war vor einigen Jahrzehnten noch nicht so, als Kirchen oder Dienste noch als eines der sichersten Geschäfte im Bankenwesen galten.
Wie Jesus in Lukas 16:11 sagt: "Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen?" Die Art und Weise, wie wir mit unseren Finanzen umgehen, entscheidet darüber, welche wirklichen Reichtümer uns anvertraut werden können.
Es gibt einen Grund dafür, dass das Zeichen des Tieres ein ökonomisches Zeichen ist. Die Liebe zum Geld ist einer der höchsten Götzen des menschlichen Herzens, und diejenigen, die diesen Götzen anbeten, beten das Tier an. Eines der wichtigsten Dinge in wahrer christlicher Reife ist es, zu lernen, mit dem ungerechten Mammon richtig umzugehen. Das prüft einige der tiefsten Dinge des Herzens und scheidet sehr schnell die Wahrheit vom Falschen.
Ich bin dankbar, dass es immer noch einige christliche Gruppen, Dienste und Kirchen gibt, die für ihre Integrität bekannt sind. Das sind diejenigen, für die der Reichtum der Sünder aufbewahrt wird. Ich denke, es wird uns überraschen, wen der Herr als Sünder einstuft. Da uns ja gesagt wird, dass Gericht im Hause Gottes beginnt (siehe 1. Petrus 4:17), können wir davon ausgehen, dass der Reichtum, der zuerst transferiert wird, von vielen Christen, Gemeinden und Diensten kommt, die auf diese grundlegende Art und Weise sündigen.
Lasst uns danach streben, in allem, was wir tun, in der Wahrheit wandeln und unsere Steuern und Rechnungen bezahlen. Wenn du im Laden zuviel Wechselgeld erhältst, gib es zurück. Etwas zu behalten, was uns nicht rechtmäßig gehört, wird mit unserer eigenen Verarmung enden. Das ist einer dieser "kleinen Füchse" (siehe Hohelied Salomos 2:15) die leicht übersehen werden - er stiehlt nicht nur viel Frucht, sondern verdirbt auch den Wein.
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Ein Artikel von www.glaube.de
Quelle: 'Word for the Week' von Rick Joyner, www.morningstarministries.org
Mit freundlicher Genehmigung
Übersetzung: Torsten Reichold, Textbearbeitung: Günter J. Matthia
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