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17-11-11

Rick Shallenberger: Erhörtes Gebet

Vor noch nicht allzu langer Zeit hatte ich das Bedürfnis, Gott zu bitten, mich doch deutlich spüren zu lassen, dass er in mir und durch mich wirkt.


Und wie es so oft bei mir ist, schenkte ich dem Gegenstand meiner vor den himmlischen Vater gebrachten Bitte danach keinerlei weitere Gedanken mehr. Bereits einige Stunden daheim, erhielt ich, während ich an meinem Computer arbeitete, eine E-Mail von jemandem, mit dem ich lange Zeit keinen Kontakt gehabt hatte. So freute ich mich von ihm zu hören und öffnete gespannt seine Nachricht. Sprachlos vor Entsetzen las ich die racheerfüllteste, herzloseste E-Mail, die ich je zu Gesicht bekommen hatte. Darin wurde ich beschuldigt, egoistisch, kaltherzig, geizig und von meinem Glauben vollkommen besessen zu sein, sodass es mir nicht gelänge, anderen Belangen meines Lebens mit der gebotenen Ausgeglichenheit zu begegnen. So hielt man mir vor, ich stellte meinen Glauben über meine Familie und meine Überzeugungen beeinträchtigten mein Urteilsvermögen. Viele Wörter waren ganz in Großbuchstaben geschrieben, andere unterstrichen bzw. fett gedruckt. Geradezu schockiert starrte ich auf das Schreiben und fragte mich, wie in aller Welt ich darauf antworten sollte. Sein verbaler Sturmangriff basierte auf Fehlinformationen und unzureichender Kommunikation und hatte sich offensichtlich schon eine Zeit lang drohend zusammengebraut. Ein Großteil seiner falschen Informationen ging auf einen Dritten zurück, der ihn über eine von mir getroffene Entscheidung in Kenntnis gesetzt hatte. In seiner E-Mail ließ mich der Verfasser nicht nur wissen, dass er nicht nur angesichts meiner Entscheidung erbost war, sondern auch angesichts der dahinter stehenden Gründe, die er mir im Fortlauf des Textes darlegte. Keine seiner Informationen entsprach den Tatsachen!

Da kam mir plötzlich wieder mein morgendliches Gebet in den Sinn, und ich wandte mich an Gott: „Na danke, das habe ich nun gerade nicht gebraucht!“ Ich hatte wirklich keine Vorstellung, wie ich die E-Mail erwidern bzw. was ich überhaupt dazu sagen sollte. Während ich sie ein weiteres Mal durchlas, stachen mir die Worte kränkend und verletzend ins Auge. Also sprach ich ein weiteres Gebet, holte noch einmal tief Luft und fing an zu schreiben.

Ich begann mit den Worten, wie leid es mir täte, dem Schreiber der E-Mail so wehgetan zu haben. Ich teilte ihm mit, es sei nicht meine Absicht gewesen, ihn in welcher Form auch immer zu verärgern, und ich hätte nicht im Entferntesten geahnt, was sich bei ihm zusammengebraut hat, sodass er sich schließlich genötigt sah, mir diese E-Mail zu schicken. Dann ging ich auf jeden einzelnen Absatz seines Schreibens ein und versuchte dabei, keine Anschuldigungen zum Ausdruck zu bringen, sondern lediglich jegliche Fehlinformationen auszuräumen und die Sachlage zu klären, sodass er meine Absicht, meine Gedanken und – nun ja, auch mich – besser verstehen konnte. Ich betrachtete jeden Abschnitt und jede seiner Anschuldigungen aus seiner Perspektive und versuchte zu begreifen, warum er so gekränkt und verletzt war. Betend ging ich die E-Mail nochmals durch und bat Gott, mir zu helfen so zu antworten, wie Jesus es vielleicht getan hätte.

An einer Stelle führte der Schreiber aus, er sei sich der Tatsache bewusst, dass er mit dieser E-Mail alle Brücken zwischen uns einreißt, aber er fühle sich dennoch gezwungen auszusprechen, was es zu sagen gebe. Ich antwortete ihm, dass ich erkennen kann, dass er tief getroffen seinem Ärger Luft mache, und ich ihm gern bei der Überwindung seines Kummers helfen möchte, um mit ihm zusammen neue freundschaftliche Bande zu knüpfen und unsere Beziehung zu verbessern, anstatt sie zu zerstören.

Ich war erstaunt, angesichts meiner inneren Zerrissenheit dennoch so tröstende und vergebende Worte zu finden. Wie gern hätte ich es ihm mit gleicher Münze heimgezahlt, aber ich wusste, dass dies nicht angebracht war. Und ich war mir bewusst, dass ich damit nicht zur Heilung seiner Wunden beitragen, sondern sie vielmehr noch vertiefen würde. Ich wusste, dass meine Antwort von Liebe getragen sein musste – Christi Liebe.

Als ich mein Schreiben beendet hatte und es, nachdem ich nochmals darüber gebetet hatte, schnurstracks abschickte, war ich mir absolut nicht sicher, damit etwas Gutes bewirkt zu haben. Und ich war zugegebenermaßen noch immer ein wenig mit Gott uneins. Ich hatte ihn um Bestätigung gebeten, und er hatte es zugelassen, dass man mich mit Vorwürfen traktiert. Entschlossen, meine Arbeit eine Weile ruhen zu lassen, erhob ich mich von meinem Schreibplatz.
Erst beim morgendlichen Gebet am folgenden Tag erkannte ich, dass Gott tatsächlich auf mein Anliegen eingegangen war – zwar nicht annähernd so, wie ich es mir gewünscht oder erhofft hatte, aber doch konstruktiv. Er hatte mein Gebet erhört, indem er mir die Möglichkeit gab, mich jemandem gegenüber christlich zu verhalten, der meine Familie und mich angriff. Er ließ mich auf falsche Anschuldigungen mit Demut und Feingefühl reagieren, wobei sein Hauptaugenmerk eher deren Urheber als mir selbst galt. Gottes Antwort nahm mir nicht den inneren Schmerz angesichts der mir entgegengebrachten Be- schuldigungen, aber sie bewirkte genau das, worum ich gebeten hatte. Der himmlische Vater zeigte mir, dass er in mir am Wirken war.

Inmitten meines Schmerzes ließ er mich als Glaubenslicht leuchten – nicht aus eigener Kraft, dafür war ich viel zu verletzt, aber dank seiner Gnade und meinem Leid zum Trotz.

 

NACHFOLGE 10-12.2011 

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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Autor: Rick Shallenberger, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: www.sxc.hu
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