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10-10-06

Rob Robertson: Mein Kampf mit der Pornografie

"Herr, ich schaffe es nicht."

"Ja, Rob, aber ich schaffe es!"


Wie groß ist doch unser Gott! Dass ich lebe und Ihnen diese meine Geschichte erzählen kann, zeugt von seiner Macht. In gewisser Hinsicht ist es eine ganz gewöhnliche Geschichte - bin ich doch ein ganz normaler Christ. Für mich spiegelt sie jedoch das Außergewöhnliche am Leben wider.

Ich wuchs als introvertiertes Kind in einer heute typischen gestörten Familie auf. Da ich im Umgang mit dem anderen Geschlecht schüchtern war, zogen mich in meiner frühen Jugend Zeitschriften mit Abbildungen nackter Mädchen magisch an, weil ich so meine Neugier auf diesem Gebiet befriedigen konnte. Sehr schnell entwickelte sich daraus eine feste Gewohnheit. Schon bald verfügte ich über einen geheimen Vorrat an Zeitschriften, die ich sorgfältig vor den Augen anderer verbarg. Sie dienten mir als Ersatz für das tatsächliche Erleben - die Mädchenbekanntschaften, mit denen meine Brüder prahlten.

Soweit ich mich erinnere, entrüstete ich mich in meiner Selbstgerechtigkeit sogar über ihre "moralischen Übertretungen", erachtete ich doch mein irriges Verhalten als nicht so schlecht wie das ihrige, wenngleich mir im tiefsten Inneren sehr wohl bewusst war, dass dies nicht stimmte.

Was mir Angst machte, war die Macht, die mein Verlangen nach diesen zweidimensionalen Bildern über mich hatte. Ich versuchte, nicht allzu viel darüber nachzudenken, obwohl ich gleichzeitig ernsthaft danach trachtete, das große Warum des Lebens zu verstehen und eine - wenngleich noch recht schlichte - Beziehung zum Herrn aufzubauen. Eine merkwürdige und widersprüchliche Situation also.

Mit 19 Jahren traf ich ein wundervolles Mädchen, in das ich mich verliebte; 10 Monate später heirateten wir. Alle Gedanken an Pornografisches lösten sich wie auch das Verlangen danach in Luft auf. Ich denke, eine nicht ungewöhnliche Erfahrung, dass das wirkliche Erleben die Ersatzhandlung ersetzt - zumindest eine Zeit lang! In den folgenden 20 Jahren flammte mein Verlangen nach Pornografie nur hier und da einmal auf, hatte ich doch nun Kinder, eine liebevolle Frau und strebte eine ausgereifte Beziehung zum Herrn an. Ich praktizierte jedoch einen strikt buchstabengetreuen Glauben, was mir schließlich fast zum Verhängnis wurde.

Wenn ich sage, mein Hang zur Pornografie sei nur noch sporadisch aufgetreten, so meine ich damit, dass er oft nur flüchtig in Erscheinung trat. So beispielsweise, wenn ich zufällig in Momenten, die mir ganz allein gehörten, auf Playboy-Magazine stieß und mich nicht imstande fühlte, der Versuchung, darin zu blättern, zu widerstehen. Es erfüllte mich mit Sorge, der Versuchung stets nachgeben zu müssen; da sich jedoch nur selten Gelegenheiten ergaben, hielt ich es für besser, diese Male aus meiner Erinnerung zu verbannen und mich zukünftig zu bessern.

Vor etwa neun Jahren, in einer Zeit großer persönlicher Belastungen sowohl für meine Frau als auch für mich, gaben wir beide eingedenk der Überlegung, "eine Spur Voyeurismus könne unserem Sexualleben mehr Pep verleihen", der Versuchung nach. Meine Frau hatte damit kein großes Problem, da sie noch keine Christin war; überdies erlahmte ihr Interesse ohnehin schon bald. Für mich aber war es ein furchtbares Gefühlschaos. Auf der einen Seite sah ich mich der äußersten Verdammung eines Rache übenden, zornigen Gottes ausgesetzt (mein vom strikt buchstabengetreuen Glauben geprägtes Gemeindeleben!), auf der anderen Seite erlebte ich die Freuden und ungeahnten Höhen sexuellen Vergnügens, nachdem sich unsere ehelichen Beziehungen, mit den Jahren vernachlässigt, merklich abgekühlt hatten (ich hatte diese Vernachlässigung oder vielmehr die Fülle der Freuden, die Gott dem fleischlichen Bund zwischen Mann und Frau zugedacht hatte, zu der Zeit jedoch nicht wahrgenommen).

Nach zahlreichen vergeblichen Versuchen, mein Schlafzimmer wie auch mein Denken
von jenem Gedankengut, das mich so sehr gefangen nahm, zu befreien, war ich bald der Verzweiflung nahe. Jedes Mal war mein Verlangen nach diesen Niederungen der Obszönität einfach zu stark. Ich kann mich erinnern, im letzten Jahr dieser schweren Zeit so tief gesunken zu sein, dass ich auf dem Hinweg zu einem kirchlichen Treffen einen mehrstündigen Umweg in Kauf nahm, um mir noch weitere Videos zu besorgen, und dann die Hälfte der Versammlungszeit dem Lobpreis Gottes widmete, die andere Hälfte aber Schande über meinen himmlischen Vater und seinen geliebten Sohn brachte. Das Gefühl der Verdammnis angesichts meiner Schwäche und meiner Heuchelei, zur Kirche zu gehen, ja selbst dort zu predigen (wenngleich in untergeordneter Funktion) und sogleich des Nachts wieder der Sündhaftigkeit zu verfallen (nein, ich sollte ehrlicherweise davon sprechen, dass ich mich Hals über Kopf wieder versündigte), wurde zunehmend unerträglich.

Kirchlicherseits war ich gelehrt worden, dass der Schlüssel zum Erfolg im Gehorsam liege, aber es funktionierte einfach nicht - was für ein elender Mensch war ich doch! Diese letzten sechs Monate stellten für mich schon einen bitteren Lebensabschnitt dar. Jede Nacht, wenn ich vergeblich Schlaf suchte, trat mir deutlich dasselbe Bild vor Augen, das Bild einer auf meine Schläfe gerichteten Waffe, dann der Todesschuss und die darauf folgende Stille. Oh, wie sehr wünschte ich mir meinen Tod herbei! Zum Glück sind Waffen bei uns im Lande nicht so sehr verbreitet, ganz zu schweigen von Handfeuerwaffen. Jedenfalls trug ich mich, wenn nicht gerade die Pornografie mein Denken beherrschte, mit Gedanken an
Selbstmord, den ich als einzigen Ausweg sah. Vor meinem geistigen Auge liefen mittlerweile sogar meine eigenen obszönen Bilder und Geschichten ab, so besessen war ich. Heute erkenne ich, wie tief die Narben sind, die die Sünde in unserem Denken hinterlässt, wenn sie zur Sucht wird. Bald schon nahmen Gedanken, dem Ganzen tatsächlich ein Ende zu setzen, klare Formen an. Gott sei Dank vollzog sich in unserer kleinen Kirche zur selben Zeit ein gewaltiger Wandel vom streng buchstabengetreuen Glauben des Alten Bundes hin zum Neuen Bund der Gnade.

Ich meine, dass dies meine Rettung war; denn in den wenigen noch verbliebenen rationalen Momenten ging ich diesen Fragen in unserer Bibelarbeitsgruppe nach und nahm so nach und nach einige dieser neuen Erkenntnisse auf.

Aber meine Not wurde immer größer. Nur wenige Wochen zuvor hatte ich wieder einmal alles Pornografische aus meinem häuslichen Umfeld verbannt und mich wenige Tage darauf wieder damit eingedeckt, und so fühlte ich mich angesichts meiner absoluten Unfähigkeit, Selbstdisziplin zu üben, am Boden zerstört.
Eines Abends sagte ich meiner Frau, ich kehrte noch einmal für ein paar Stunden zur Arbeitsstelle zurück, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten. Auf dem Boden hinter dem Fahrersitz hielt ich jedoch schon einen Strick bereit, und ich wusste auch schon, wo ich ihn im Lagerschuppen aufhängen würde - am Balken neben einer hohen Werkbank. Im Nachhinein ist mir bewusst, dass ich an jenem Abend noch nicht zum Äußersten bereit war; denn ich nahm den Strick nicht mit aus dem Auto, als ich mich an meinen Arbeitsplatz begab. Vielmehr ging ich hinaus auf die hintere Koppel, stand einfach nur so da und weinte. Nach einer Weile schaute ich hinauf in den kristallklaren Himmel und schrie in meiner Verzweiflung laut auf: "Herr, ich schaffe es nicht!"

Und dann vernahm ich seine Stimme - so sanft, so leise und zart: "Ja, Rob, aber ich schaffe es."

Es war eine Offenbarung. Es war, als durchströmte mich göttliche Erkenntnis. Natürlich konnte ich es nicht schaffen. Meine Versuche zu widerstehen waren selbst mit seiner Hilfe zum Scheitern verurteilt. Alles stand wieder vor meinem geistigen Auge. Ich schaute nach oben und sagte: "Ja Herr, Du schaffst es."

Am eindrucksvollsten war die Erkenntnis, dass er mich wirklich liebte, selbst angesichts meiner übelsten Sünde. Er liebte mich inniglich. Seine Worte waren voller Liebe. Es war einfach unglaublich. Ich hatte so sehr gekämpft, weil ich immer dachte, Gott hasse und verachte mich, und gerade diese Haltung hatte mich in den Teufelskreis der Sünde verbannt: Sünde, Selbstverurteilung, Sünde, Selbstverurteilung...

Ich kehrte nach Hause zurück und entsorgte das widerwärtige Zeug, das ich gerade wenige Wochen zuvor gekauft hatte. Ich hatte dies schon mehrmals getan, jedes Mal jedoch verbunden mit dem Gefühl des Bedauerns angesichts des Verlustes der Objekte meiner Begierde. Ich hatte aus Gehorsam Gott gegenüber gehandelt, nicht aber getrieben vom Verlangen nach ihm. Diesmal jedoch geschah es aus dem innigen Wunsch heraus, mehr von dieser göttlichen Erkenntnis und Freude zu erfahren. Diesmal tat ich es allein für ihn. Unmittelbar nachdem all dies geschehen war, begann ich, mich ihm ganz und gar zuzuwenden und seine Herrlichkeit, Heiligkeit und Reinheit in den Mittelpunkt meines Interesses zu rücken. Welch eine Freude! Und welche Freiheit, dank des mir durch ihn zuteil gewordenen Verlangens nach ihm der üblen Begierde ledig zu sein!


Stand der Dinge im Jahre 2002:

Jetzt, sieben Jahre später, kann ich rückblickend sagen, dass jedes einzelne Jahr ein Jahr zunehmender Stärke und Freiheit im Herrn war. Ab und an (heute jedoch selten) tauchen die Bilder wieder vor meinem geistigen Auge auf. Aber die Ketten sind durchbrochen. In jenen Momenten suche ich sogleich bei ihm Zuflucht und wende meine Gedanken meinem Erlöser zu, der mich in jener sternenklaren Nacht vor dem Tode bewahrte und mich für die Ewigkeit errettete. In ihm finde ich immer mehr Gnade, Erkenntnis und Kraft. Ich bin befreit worden! Gelobt sei unser zärtlich liebender, gnädiger Gott!

Möge er auch Ihnen Erlösung und Freiheit schenken. Dies erbitte ich für alle, die denselben Kampf wie ich auszufechten haben.



Rob Robertson




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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.

Autor: Rob Robertson

Quelle: Magazin Nachfolge der Weltweiten Kirche Gottes, Ausgabe 10-11/2006

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Mit freundlicher Genehmigung: Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: WKG
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