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Rolf Trauernicht: Storno dem Porno

„Eltern schauen mit ihren Kindern Hardcorefilme.“ „14-Jährige treffen sich zum Gruppensex.“ „Ein Teil der Gesellschaft driftet ab in die sexuelle Verwahrlosung.“ „Wir stehen vor einer sexuellen Revolution.“ - So lauten einige Überschriften aus einem Artikel, der in der Zeitschrift „Stern“ am 14.2.07 veröffentlicht wurde. Diese Tatsachen sind längst auch in christlichen Gemeinden aktuell.
Tja, Liebe – was ist das überhaupt? Und Sex? Wo gibt´s das? Vielleicht im Internet? Schnell mal reinklicken! Nichts einfacher als das. Aber schneller und einfacher hat man auch ein echtes Problem: Cybersex, Onlinesex … klingt irgendwie cool – aber immer mehr Menschen sind der Sexsucht im Internet erlegen. Weit mehr als 500.000 Internetnutzer alleine in Deutschland befinden sich bereits in der Spirale der Abhängigkeit, täglich kommen weitere hinzu. Studien haben gezeigt, dass schon 8 bis 16-Jährige im Internet Seiten mit pornographischem Inhalt aufsuchen – mal eben so, während der Hausaufgaben. Bei rund 600 Millionen Pornoseiten im Internet (Experten-Schätzung) wird man schnell fündig, gefährlich schnell. Denn, auch das zeigen Studien: 97% der Pädophilen nutzen die Anonymität des Internets, um hier Kontakte zu Kindern zu knüpfen. All das sind nicht irgendwelche Zahlen - sondern Tatsachen, die auch in Ihrer Gemeinde „zu Hause“ sind.
Die Sucht hat viele Gesichter
Das Internet hat wirklich alles zu bieten: Bilder, Filme, ... alles, was irgendwie „anmacht“. Meist führen die hier entwickelten sexuellen Gedanken zur Selbstbefriedigung. Aber sehr oft wird auch ein realer Kontakt über entsprechende Suchanzeigen gesucht. Oft werden andere zu sexuellen, teilweise perversen Praktiken verführt. Dabei verlieren leider sehr viele Menschen (übrigens zumeist Männer) die Fähigkeit und auch den Wunsch, einen echten Partner zu finden bzw. eine echte Partnerschaft einzugehen. Im Anderen wird oft nur ein Körper gesehen – zum eigenen Lustgewinn. Die der süchtigen Männer? Sie zeigen sehr unterschiedliche Reaktionen: Oft ist es Resignation.
Und die Partnerinnen? Traumkörper des Internets lassen schnell den Bezug zu den normalen, echten Körpern verlieren. „Traumpartner, wo bist Du?“ Während die Suche im „richtigen Leben“ immer und immer mehr versagt, steigen die Besuche im Internet an. Es besteht das häufig unüberwindbare Verlangen, Internet-Porno-Seiten anzuschauen. Die Sucht beginnt ... Bei vielen Berufstätigen lässt die Arbeitsfähigkeit nach, weil sie nachts ausgedehnt im Internet surfen. Viele gefährden ihre Ehen und führen ein Doppelleben.
Mit der Internetsexsucht ist es wie mit jeder anderen Krankheit: Sie hat Auslöser und Erreger, sie zeigt Symptome, und bestimmte Menschen sind besonders anfällig. Die Ursachen sind äußerst vielfältig und bedingen sich wechselseitig. Der „Vorteil“ des Internets besteht darin, dass es leicht zugänglich, kostengünstig und anonym ist. Außerdem finden viele diese Form der Sexualität interessant, weil die anderen Facetten einer Beziehung wie Leidenschaft, Beziehungsfähigkeit oder Einfühlungsvermögen bei manchen kaum vorhanden sind – und beim Internetsex keine Rolle spielen. Nur die eigene Sexualität wird ausgelebt. Vor allem Menschen, die einsam sind, ein zu geringes Selbstwertgefühl oder Bindungsprobleme haben, stehen besonders in Gefahr, sich hier befriedigen zu wollen. Im Internet können sie ihren Vorstellungen und Idealen freien Lauf lassen. Sie verstecken sich hinter einer Identität, die real nicht vorhanden ist.
Ausweg gesucht?
Aus der Suchttherapie stammt der Satz: „Du bist so krank wie deine Geheimnisse“. Anders als bei anderen Süchten sieht man es dem Sexsüchtigen fast nicht an. Das macht es lange bis lebenslang möglich, unentdeckt zu bleiben. Doch das sollte nicht so sein. Wichtig ist zunächst, seine eigene Sucht zu erkennen. Ein Selbsteingeständnis ist die Voraussetzung dafür, das Problem zu besiegen. Hier helfen einige wichtige Faustregeln:
- Ursachen klären! Es kann ungemein entlastend, meistens sogar entscheidend sein, mit einer Person des Vertrauens über das eigene Problem zu reden. Dabei werden in der Regel vielfältige Ursachen zur Sprache kommen: Probleme in der Ehe stellen nur eine Möglichkeit dar. Häufig stehen unverarbeitete Erlebnisse und Defizite in der Persönlichkeitsstruktur im Hintergrund, über die sich Berater und Betroffener miteinander Klarheit verschaffen. Daraus können Strategien zur Veränderung entworfen werden. Hierbei wird auch die Vergebung durch Gott eine entscheidende Rolle spielen. Denn dass pervertierte Formen der Sexualität nicht gottgewollt sind, sollte klar sein.
- Frustrationstoleranz entwickeln! Die Entwicklung der persönlichen Sexualität ist oft spannungsgeladen. Gerade Teenager und junge Männer tun sich oft schwer damit, mit ihren sexuellen Bedürfnissen und Phantasien verantwortungsbewusst umzugehen. Das Aushalten dieser Spannung führt in der Regel dazu, dass Jugendliche eine Frustrationstoleranz entwickeln, die im Leben sehr wichtig ist. Durch Internetsex wird dieser Lernprozess gestört. Dies wiederum führt in einer späteren Partnerschaft leicht zu einem egozentrischen, oft auch „härteren“ und weniger zärtlichen Sexualverhalten. Eine normale, partnerschaftliche und zärtliche Sexualität ist mit solch eingefahrenen Phantasievorstellungen aber kaum mehr möglich und auch kaum beidseitig erregend. Der Zauber einer gesunden Sexualität ist nach ein paar Jahren Pornokonsum dahin. Darunter leiden viele Betroffene. Manchen hat es übrigens geholfen, eine Online- oder Telefonberatung in Anspruch zu nehmen (s. Internet-Adressen).
- Riskante Situationen umgehen! Zu einer Therapie gehört immer die Trennung vom leichten Zugang zum Internet. Der PC sollte aus dem Bereich entfernt werden, der einen unbeobachteten Zugang erlaubt. Außerdem kann man eine Software erwerben, die Sexanbieter erkennt und die bildhafte Darstellung decodiert.
- Verzicht üben! Ohne Abstinenz ist in der Regel keine Heilung möglich. Zu einem Ausweg aus der Porno-Falle gehört darum immer auch die radikale Abwendung vom Porno-Konsum: Experten raten zu einer Abstinenz von ein bis drei Monaten – nicht nur von der Internetsexsucht, sondern auch von der Sucht, sich selbst zu befriedigen. Durch die Abstinenz werden Bilder, Phantasien und Gewohnheiten sozusagen „ausgehungert“. Die Veränderungen zeigen sich sogar in hirnbiologischen Prozessen. Abstinenz kann natürlich, wie bei jeder Sucht, eine echte Herausforderung werden. Aber: Millionen Menschen alleine in Deutschland leben ohne Sex und sind trotzdem glücklich. Sexsüchtige können sich das kaum vorstellen – aber es ist den Selbstversuch wert!
- Neues entdecken! „Nicht immer nur Sex im Kopf“ ist salopp gesagt, aber gut gemeint. Denn Bedürfnisse, die zur Internetsucht geführt haben, müssen jetzt anders gestillt werden. Momente der Einsamkeit müssen mit Leben gefüllt und die Freizeit will neu gestaltet werden. Bücher! Freunde! Spaziergänge! Sport! Musik! … Und übrigens: Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht. Es kann darum hilfreich sein, sie zu definieren und dann sinnvoll zu stillen. Sexsüchtige haben oft kaum wirkliche Freunde, weil sie selten gegenüber Anderen Offenheit zeigten und die Beziehungen daher oberflächlich geblieben sind. Aber es ist nie zu spät, gute Beziehungen aufzubauen.
- Auf Augen und Gedanken achten! Internetsexsüchtige Menschen sind besonders auf visuelle Reize fixiert. Sie müssen die Entscheidung fällen, den entsprechenden Bildern aus dem Weg zu gehen. „Ja gut“, sagen viele, „wir leben doch in einer sexualisierten Welt“ – aber wir können entscheiden, ob wir intensiv Prospekte mit aufreizender Unterwäsche anschauen, im Schwimmbad Frauen beobachten oder in die gemischte Sauna gehen. Es gilt herauszufinden, wo die besonderen Gefahrenquellen liegen. Denn nicht nur das, was wir anschauen, prägt uns, sondern bekanntlich auch unsere Gedankenwelt. Hier gilt das biblische Aussage: „Wir nehmen alles Denken gefangen, sodass es Christus gehorcht.“ (2 Kor 10,5)
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Ein Artikel von Glaube.de
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus; Redakteur bei Glaube.de
Autor: Rolf Trauernicht (r.trauernicht@weisses-kreuz.de) ist Geschäftsführer des Weißen Kreuzes e. V.
mit freundlicher Genehmgiung von Adam online e.V
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