Siegfried Müller: Gott will Dankbarkeit und Heiligung

„Einer aber von ihnen, als er sah, dass er geheilt worden war, kehrte wieder um und pries Gott mit lauter Stimme, warf sich auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm; und das war ein Samariter. Da antwortete Jesus und sprach: Sind nicht ihrer zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der umgekehrt wäre, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremdling?“
Welch ein Anblick war das wohl für den Heiland, als die zehn armen, aussätzigen Männer vor ihm standen und ihn um Heilung baten? Ihre Gesichter waren von Leid und Schmerzen gezeichnet. Jesus sah sie an und sein Herz war von Mitleid erfüllt. Hier sehen wir sehr deutlich das Wesen des Heilands. Jesus heilte nicht nur einen, sondern gleich alle zehn, die zu ihm kamen und ihn um Heilung baten.
Keiner von uns kann die Freude nachempfinden, welche diese Aussätzigen verspürten, als sie bemerkten, dass sie geheilt waren. Ihre Heilung mag ihnen in der Tat wie eine neue Geburt vorgekommen sein und es wäre nicht verwunderlich gewesen, wenn alle zurückgeeilt und Jesus zu Füßen gefallen wären, um ihre Stimmen zu einem zehnstimmigen Loblied zu erheben.
Das Traurige bei dieser Sache ist jedoch, dass neun Aussätzige, obwohl geheilt, kalt und gleichgültig ihren Weg zu den Priestern fortgesetzt haben. Wir lesen nirgends von ihrer Rückkehr. Sie verschwinden vielmehr ganz aus der Geschichte. Obwohl sie vom HERRN einen Segen erlangten, gingen sie ihres Weges und damit ist ihre Geschichte schon zu Ende. Aber einer von ihnen, nämlich ein Samariter, der kein Jude war und nicht dem jüdischen Geschlecht angehörte, kehrte zurück, um dem HERRN seinen Dank laut auszusprechen.
Jeden Tag dürfen auch wir alle die Liebe und Freundlichkeit Gottes erfahren. Sei es unser Leben, die Gesundheit, unser Augenlicht und Gehör sowie die Liebe unserer Angehörigen, welche wir täglich empfangen. Dies alles ist dankenswert, aber dennoch ist es hier unter zehn nur einer, der Gott für das alles dankt. Von vielen hört man immer nur ein Bitten, aber kein lautes Danken. Dieser Fremdling hingegen fiel zu Jesu Füßen und dankte ihm laut. - Möge es doch auch in unseren Tagen so sein, dass all diejenigen, die ebenfalls göttliche Heilung erfahren haben wie jener Fremdling, auch mit lauter Stimme dem HERRN dafür danken.
Es ist erstaunlich, dass die Zahl derer, die bitten, weitaus größer ist als die Zahl derjenigen, die danken. Dies unterstreicht auch das Bibelwort sehr, sehr deutlich. Zehn baten den Herrn Jesus um Heilung, aber nur einer kam zurück und dankte mit lauter Stimme für das, was er an ihm getan hat. Alle zehn Aussätzigen baten um Hilfe. So schwach und heiser ihre Stimmen durch die Krankheit auch schon waren, sie erhoben dennoch gemeinsam ihre Stimmen zu dem Ruf: „Jesus, Meister und Erretter, erbarme dich unser!“ Als es aber zum Loben und Danken kommen sollte, blieben sie stumm. Sie waren zwar geheilt, aber kein Dank (ausgenommen des Samariters) kam von ihren Lippen.
Man sollte annehmen, dass alle, die beten, auch danken würden. Dies ist aber leider nicht der Fall. Viele beten zwar, wenn sie krank oder dem Tode nahe sind, aber wenn der HERR sie geheilt hat und sie wieder gesund sind, vermisst man den Dank wie auch das Lobopfer ihrer Lippen, das Gott gebührt. So viele bitten: „HERR, bitte, bitte, bitte“ - und danach, wenn der Herr Jesus ihre Bitten erhört hat, hört man kein Loben und Danken mehr. Die meisten Gebete bestehen aus Bitten und weniger aus Danken und doch sagt die Bibel in Psalm 95,1+2: „Kommt herzu und lasset uns dem Herrn frohlocken und jauchzen dem Hort unseres Heils! Lasst uns mit Dank vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen!“
Bitten ist als Dienst bei Weitem nicht so wertvoll wie Danken. Das Danken sollte in unseren Gottesdiensten den ersten Platz einnehmen. Lasst uns das üben, womit sich auch die Himmelsbewohner beschäftigen. Erinnert sei da an die Engel, von denen der Prophet Jesaja im 6. Kapitel berichtet oder an die 24 Ältesten, die in der Offenbarung, Kapitel 4, beschrieben werden.
Bitten kennt man von einem Bettler. Ist nicht derjenige ein bedauernswerter Mensch, der nicht dankt, wenn er eine Gabe empfangen hat? Dem Bitten sollte also unbedingt das Danken folgen. Lasst uns doch darauf achten, dass weniger Bittgebete über unsere Lippen kommen, sondern dass viel mehr Lob- und Dankopfer zum Himmel emporsteigen. In Psalm 50, Vers 23, hört der Sänger, wie Gott sagt:„Wer Dank opfert, der preiset mich; und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.“ Gott will Dankbarkeit und Heiligung; in ihnen allein liegt Verheißung.
Die Christen zu Korinth ermahnte Paulus mit den Worten: „Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist [...]“ (1 Kor 6,19). Ein Tempel ist der Ort, in dem Gott gelobt und gepriesen wird. Weil uns durch Christus das Himmelreich nahegekommen ist und der Heilige Geist in unserem Tempel (Herzen) wohnt, bewirkt er den Lobpreis unserer Lippen.
David, der Gott so wunderbar erfahren durfte, bezeugt in Psalm 34,2: „Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.“ Und in Psalm 63,6 bezeugt er:„Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann.“
Vielfach hört man immer nur ein Bitten, aber kein lautes Loben und Danken. Jener Fremdling hingegen fiel zu Jesu Füßen und dankte ihm laut. Gott erwartet also ein lautes Dankopfer unserer Lippen, so wie es jener Samariter tat. - Die anderen neun gingen undankbar ihres Weges. Aber der eine Fremdling lief nicht mehr weiter auf diesem Weg der Undankbaren. Nein, er ließ sich nicht von der „Kälte“ jener neun Genossen anstecken, sondern seine Dankbarkeit trieb ihn zum Herrn Jesus zurück. Diese Einstellung jenes Mannes hat auch für die Christen eine große Bedeutung. Gott will von uns Dankbarkeit und Heiligung. Die Bibel sagt: „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung […]“ (1 Th 4,3).
Siegfried Müller
----------------------------------------------------------------------------------------------------
Ein Artikel von Glaube.de mit freundlicher Genehmigung vom Missionswerk Karlsruhe www.missionswerk.de
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus, ehrenamtlicher Redakteur bei www.glaube.de
Foto: Siegfried Müller
Dieser Artikel ist in der Zeitschrift "Der Weg zur Freude" Ausgabe vom März 2009 erscheinen.
----------------------------------------------------------------------------------------------------






