Sigrid Baron: Ungeteilte Herzen

Glitzernde Begehrlichkeiten
Ich versuchte, gegen den Strom zu schwimmen, um ein helles Schaufenster zu erreichen, das, schon von Weitem sichtbar, einladend und vielversprechend funkelte. Endlich stand ich davor. Ein Weihnachtszimmer war dort aufgebaut. So idealistisch und über-schön, dass es meinem Empfinden durchaus einen kleinen Stoß versetzte. Unter dem überaus üppig geschmückten Baum, dessen Plastikgrün nur noch zu erahnen war, türmten sich verheißungsvoll eingepackte Geschenke. Hier und da ließen halb offene Schachteln unter viel glitzerndem Seidenpapier etwas von teurer Bekleidung und genialen Spielsachen erkennen – von Dingen, welche nicht nur Kinderherzen höher schlagen lassen.
Schaufensterpuppen stellen die fröhlich intakte Weihnachtsfamilie dar. Der Hausherr überreicht (mit teurer Uhr am Handgelenk) der Dame des Hauses (überaus schick gekleidet) fröhlich lächelnd ein glitzerndes Kästchen, in dem sich sicher nicht nur Modeschmuck befinden wird.
Mit mir bleiben auch viele andere Menschen stehen, um sich diese glänzende Herrlichkeit anzusehen. Das, was wir da vor uns sehen, wird etwas mit unseren Gedanken und Herzen machen, dessen bin ich mir ziemlich sicher. Wünsche und Erwartungen entstehen, Begehrlichkeiten werden geweckt.
An den Menschen vorbei fiel mein Blick auf die hoch aufragenden Türme der abendlichen Finanzmetropole. Hinter erleuchteten Fenstern saßen Menschen, die an komplizierten Zahlenkonstrukten bauten – und der Zement, der diese Gebilde zusammenhält, sind eigentlich, wenn man es sich richtig durchdenkt, nichts anderes als die Begehrlichkeiten unserer Herzen. Unserer Herzen, die umkämpft sind, die in einer großen Zerreißprobe stehen und die oft so geteilt sind.
Nein, nicht die Menschen dort an den Schreibtischen hinter den edlen Glasfassaden haben den tiefen Sturz der weltweiten Finanzwelt herbeigeführt. Eigentlich waren unsere geteilten Herzen die Ursache. Genau der Teil von uns, der sich von der glitzernden Verpackung blenden ließ, der Teil, der nie zufrieden sein wird.
Alle Jahre wieder …
Hinter mir ertönte aus Lautsprechern etwas blechern: „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind, auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind!“
Ja, das stimmt schon. Zu uns Menschen kam er, zu unseren Herzen, die so voller Niedrigkeiten, Sehnsüchten und Begehrlichkeiten sind. Welch ein krasser Gegensatz ist das doch! Heiligkeit kommt in unsere Welt. Er ist Mensch wie wir und doch so anders: heilig, gerecht, liebevoll, erbarmend, heilend …
Und: Nein, das stimmt nicht! „Alle Jahre wieder …“ das ist Irrglaube, das ist völliger Unsinn, absolut unbiblisch. Das ist gefühlsbetonter Zuckerguss, mit dem bis zum 26. Dezember emotional besetzter Umsatz mit dem Krippenkind gemacht wird. Und dann, unmittelbar anschließend, werden Böller zum Geistervertreiben zum Umsatzträger und Verkaufsschlager. Was wird in unseren Herzen bleiben? Zu allen Zeiten versucht der Teufel unsere Herzen zu teilen, zu berauben und abstumpfen zu lassen.
Aber Gott …!
Weihnachten ist eine Botschaft für unsere Herzen! Gott schuf etwas völlig Neues, nie Dagewesenes: er sandte seinen Sohn, dass er für die Heilung unserer Herzen geboren werden sollte. Sein Licht will alles Dunkel, alles Unwerte hell machen. Sein Blut will alle Sünde bedecken. Sein Heiliger Geist will neues Auferstehungsleben in uns schaffen. Er will die Wiederherstellung unseres Herzens, aus allen Verletzungen und dem, was der Teufel uns geraubt hat.
Der Grund seines Kommens war weitaus mehr, als wir bei den (übernatürlichen) Umständen seiner Geburt erahnen können. Der Weihnachtsrummel verschleiert uns diese Wahrheit jedes Jahr aufs Neue. Seine eigentliche Berufung finden wir in Lukas 4,18-19:
Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat,
- Armen gute Botschaft zu verkündigen;
- er hat mich gesandt, Gefangenen Freiheit auszurufen
- und Blinden, dass sie wieder sehen,
- Zerschlagene in Freiheit hinzusenden,
- auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn!
Diese Berufung - die identisch auch für uns als seine Nachfolger gilt - ist genau diametral entgegengesetzt zu der Strömung des Systems dieser Welt, zu all dem Glanz und den Begehrlichkeiten, dem Glitzer und den unerfüllten Wünschen. Es wird immer ein Konflikt zwischen dem Königreich Gottes und dem dieser Welt bestehen. Zion und Babylon sind nicht kompatibel
Mehr als alles: Bewahre dein herz!
Man spricht ja von der „besinnlichen Zeit der Weihnachtsfeiertage.“ Und in der Tat: es ist Zeit, sich zu besinnen, über den Sinn unseres Lebens nachzudenken.
Vielleicht nimmst du dir Zeit, spontan einen Bibelvers, in dem es um dein Herz geht,
aufzuschreiben. Oder einen Satz, der den Wunsch deines Herzens beschreibt, um ihn zu einem Gebet umzuformulieren.
Nimm einen Zettel und sinne darüber nach, umbete ihn und sprich ihn als Proklamation über deinem Leben aus. Das ist viel mehr, als ein guter Vorsatz für das neue Jahr!
Mein Verlangen ist es, dass mein Herz und Leben mit der Herrlichkeit Gottes erfüllt ist und das diese Herrlichkeit so, wie es uns verheißen ist, einmal die ganze Welt erfüllen wird. Die Herrlichkeit des Reiches Gottes.
Was der Herr sucht, sind ungeteilte Herzen, in denen er wohnen darf. Herzen, die nicht zerrissen sind von einem Leben als Christ auf der einen Seite und einem Leben in dem, was die Welt bietet, auf der anderen Seite.
Jesus verspricht, dass er diejenigen heilt, die zerbrochenen Herzens zu ihm kommen, dass er ihre Wunden verbinden wird (Psalm 147,3).
Ich bete, dass wir einen Hunger, ein echtes Begehren, nach ihm und seinem Reich entwickeln, um – jeden Tag – in Mittelpunkt seines Lebens leben zu können. Unser Leben und unsere Worte sollen die Kraft Gottes in sich tragen, so dass andere Menschen davon berührt werden.
Ich bin sicher: dies kann geschehen:
„Und der, welcher auf dem Thron saß, sprach: siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)
Was wir brauchen, ist eine feste Entscheidung, mehr als alles, unsere Herzen zu bewahren, denn aus dem Herz entspringt das Leben (Sprüche 5,23).
Der Herr sucht ungeteilte Herzen, die auf ihn allein ausgerichtet sind und die sich nicht von Aktien, Wertpapieren, Sicherheiten, Verlockungen in glitzerndem Geschenkpapier und fröhlich intakten Weihnachtsfamilien aus toten Schaufensterpuppen verführen lassen.
Dank sei Gott, dass wir mit ihm gehen können und er uns in Kraft und Treue in allen Dingen beistehen wird, wie er es in seinem Wort sagt:
„Denn die Augen des Herrn durchlaufen die ganze Erde, um denen treu beizustehen,
(oder: um seine Macht an denen zu erweisen) deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist!“
(2.Chronik, 16,9).
In dem Sinne: ungeteilte Weihnachtsfreude!
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Ein Artikel von Glaube.de
Mit freundlicher Genehmigung von den Autoren:
© Sigrid und Martin Baron: www.gottes-haus.eu
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus; Redakteur bei www.glaube.de
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