Silvia Mair: Eine erstaunliche Geschichte

In einem abgelegenen Ort irgendwo in Amerika wohnte ein Mann, den wegen seines groben Verhaltens eigentlich niemand recht mochte. Zudem vermuteten und tuschelten die Leute untereinander, dass dieser üble Geselle seine Mitmenschen wohl schon des Öfteren betrogen und gar bestohlen hatte. Doch bislang war ihm niemand auf die Schliche gekommen. Wie das Leben so
spielt, geschah es aber eines Tages, dass der Mann auf frischer Tat bei einem Einbruch ertappt wurde. Die Leute nahmen den Mann in Gewahrsam und versammelten sich, um untereinander zu beraten, was denn mit ihm zu tun sei. Schließlich kamen sie zu einem einstimmigen Urteil: Der Übeltäter sollte aus ihrem Dorf verbannt und für jeden ersichtlich als Sünder gekennzeichnet werden, indem ihm ein großes „S“ auf die Stirn gebrannt werden sollte. Das S sollte für Sinner (das englische Wort für Sünder) stehen.
Nach vielen Jahren in der „Verbannung“ geschah es, dass der Mann seine Sündhaftigkeit erkannte und Jesus Christus als seinen Erlöser annahm. Er änderte von dem Tag seiner Bekehrung an, sein Leben grundlegend. Viele der Leute, die ihn damals verstoßen und buchstäblich gebrandmarkt hatten, waren in der Zwischenzeit gestorben und ihre Kinder wussten nichts mehr von der Geschichte des Übeltäters mit dem S für „Sinner“ auf der Stirn. Immer wenn Menschen mit ihm zusammentrafen, half der Mann diesen mit großer Hingabe und bald war er bei vielen Leuten sehr beliebt und mehr noch: Er wurde überaus geliebt. Eines Tages fragte ein Kind seine junge Mutter: „Mutti, was bedeutet eigentlich das „S“ auf der Stirn des Mannes?“ Die junge Frau dachte eine Weile nach und meinte dann: „Sicherlich bedeutet es Saint“ (das englische Wort für Heiliger).Und von diesem Tag an, wurde der ehemalige Übeltäter bei seinen Mitmenschen als ein heiliger Mann angesehen!
Die Rotte Korach
Diese Geschichte erinnert mich unter einem gewissen Aspekt an Korach und seine Nachfahren. Korach war einer der Israeliten, die unter Moses Führung Ägypten verlassen hatten und auf dem Weg in das gelobte Land waren. Korach aber, war eifersüchtig auf Mose und seinen Bruder Aaron, weil diese von Gott auserwählt worden waren, Israel anzuführen und zu leiten. Indem er für sich
eine Leitungsposition einforderte, lehnte er sich nicht gegen Mose, sondern gegen Gott selbst auf.
Wir finden diese Begebenheit in 4. Mose Kapitel 16: „Und Korach, der Sohn Jizhars, des Sohnes Kehats, des Sohnes Levis, dazu Datan und Abiram, die Söhne Eliabs, und On, der Sohn Pelets, die Söhne Rubens, die empörten sich gegen Mose, dazu zweihundertundfünfzig Männer unter den Israeliten, Vorsteher der Gemeinde, von der Versammlung berufen, namhafte Leute. Und sie versammelten sich gegen Mose und Aaron und sprachen zu ihnen: Ihr geht zu weit! Denn die ganze Gemeinde, sie alle sind heilig, und der Herr ist unter ihnen. Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde des Herrn? Als Mose das hörte, fiel er auf sein Angesicht und sprach zu Korach und zu seiner ganzen Rotte: Morgen wird der Herr kundtun, wer ihm gehört, wer heilig ist und zu ihm nahen soll; wen er erwählt, der soll zu ihm nahen. Dies tut morgen: Nehmt euch Pfannen, Korach und seine ganze Rotte, und legt Feuer hinein und tut Räucherwerk darauf vor dem Herrn. Wen dann der Herr erwählt, der ist heilig. Ihr geht zu weit, ihr Söhne Levi!“ (Verse 1–7).
Wahrscheinlich kennen Sie den Fortgang dieser Begebenheit aus dem Alten Testament: Korach und die Seinen wurden von der Erde verschlungen, die buchstäblich unter ihnen zerriss, sodass sie lebendig zu den Toten hinab fuhren! In der Tat ein abschreckendes Beispiel.
Eine erstaunliche Familienchronik
Doch die „Familienchronik“ der Sippe Korach war damit noch lange nicht beendet. In 4. Mose 26,10–11 heißt es dazu: „Und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie mit Korach, während die Rotte starb, indem das Feuer zweihundertundfünfzig Männer fraß und sie zum Zeichen wurden. Aber die Söhne Korach starben nicht alle.“ Einige Nachfahren von Korach überlebten das schreckliche Strafgericht. Wir finden sie in der Bibel unter der Bezeichnung „Korachiter“ z.B. in 1. Chronik 26, wo sie als Torhüter am Tempel zu Jerusalem aufgelistet werden.
Ein schönes Beispiel werden wir vielleicht denken – aus den ehemaligen Gegnern Gottes wurden Diener seines Tempels. Doch noch schöner und noch erhabener ist der Fortgang der Geschichte der Korachiter, die auch als die „Söhne Korachs“ benannt werden, wenn wir den Psalter aufschlagen.
Viele der Psalmen wurden von David verfasst, doch eine nicht unbeträchtliche Zahl stammt aus der Feder der Söhne Korach, aus denen ein Geschlecht von Tempelsängern hervorgegangen war (1Chr 6)! Es sind die Psalmen 42 und 43, die wohl miteinander verbunden sind sowie die Psalmen 44 bis 49; 84 und 85; 87 und 88. Oftmals steht zu Beginn dieser Psalmen die Erklärung: „Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen.“
Die Chance zu einem Neuanfang genutzt
Ebenso wie der eingangs erwähnte Mann, der buchstäblich als Sünder gebrandmarkt worden war, mag es vielleicht in der ersten Zeit auch den Söhnen Korachs ergangen sein. Sie trugen den Makel zu den Menschen gehört zu haben, die sich offen gegen Gott aufgelehnt hatten. Gewissermaßen trugen sie ein unsichtbares „S“ auf ihrer Stirn. Aber Gott hatte ihnen die Möglichkeit eines Neuanfangs angeboten. Und diese Gnade hatten sie voll und ganz und mit großer Dankbarkeit angenommen. Die von den Söhnen Korachs verfassten Psalmen zeugen von dem Sinneswandel nicht nur eines Menschen, sondern einer ganzen Gruppe. Bekannte Psalmen wie „Ein feste Burg ist unser Gott“ (Ps 46) gehören zu ihren Liedern. Auch der bekannte Bibelvers „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir“(Ps 42) stammt aus der Feder der Korachiter.
Es ist nie zu spät!
Was können wir aus den Geschichten des Mannes mit dem Brandmal auf der Stirn und der Söhne Korachs für uns lernen? Nun,wenn wir eines von ihnen lernen können, dann sicherlich die Tatsache, dass es nie zu spät ist, sich Gott zuzuwenden. Aus den Überlebenden einer Rotte offensichtlicher Sünder war eine Dynastie von Psalmisten zur Ehre Gottes geworden! „Sela“! Es ist nie zu spät zu bereuen. Es ist nie zu spät, sich nach Gottes Nähe zu sehnen! Darin zeigt sich auch die herrliche Gnade Gottes an uns Menschen! Es ist nie zu spät wirklich damit zu beginnen, zu leben. Denn wer sich Christus zuwendet (oder wieder zuwendet), der hat ein Leben, das wirklich lebenswert ist und das für immer.
Psalm 87
Zion wird die Mutter der Völker
„Ein Psalmlied der Söhne Korach:. Sie ist fest gegründet auf den heiligen Bergen. Der Herr liebt die Tore Zions mehr als alle Wohnungen in Jakob. Herrliche Dinge werden in dir gepredigt, du Stadt Gottes. Sela
Ich zähle Ägypten und Babel zu denen, die mich kennen, auch die Philister und Tyrer samt den Mohren: «Die sind hier geboren.»
Doch von Zion wird man sagen: «Mann für Mann ist darin geboren»; und er selbst, der Höchste, erhält es.
Der Herr spricht, wenn er aufschreibt die Völker: «Die sind hier geboren.» Sela.
Und sie singen beim Reigen: Alle meine Quellen sind in dir!“
Dieser Psalm der Korachiter lässt sich in drei Teile aufteilen. Die ersten drei Verse heben Zion als die von Gott erwählte Stadt hervor.
Der mittlere Teil erzählt davon, wie die Völker in Zion versammelt werden. Indem Gott ihre Namen aufschreibt, sichert er ihnen damit einen Platz in der Gottesstadt zu. Sie werden wie seine Kinder sein, die in Zion geboren wurden. Im siebenten Vers wird schließlich die Freude hervorgehoben, die in der Gottesstadt gegenwärtig ist. Der Psalm endet mit dem Satz: „Alle meine Quellen sind in dir!“ Mit dieser Wortwahl wollen die Psalmisten zum Ausdruck geben,
dass Zion die Quelle aller Freude sein wird, weil Gott in ihrer Mitte ist.
Der Aspekt der Sammlung der fremden Völker in der Gottesstadt, zeigt an, dass Gott diese, ihm einst feindlich gesinnten Völker, mit sich versöhnen will.
Im Brief an die Hebräer (12,22) wird Zion mit dem himmlischen Jerusalem in Verbindung gebracht.
Diesen Psalm der Söhne Korach kann man also auch als einen Psalm der Versöhnung Gottes mit den Menschen bezeichnen. Zudem gibt er uns einen Einblick in die herrliche Zukunft der erlösten Menschen aus allen Nationen in der „Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem“ (Hebr 12,22).
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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Autorin: Solvia Mair , mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: sxc.hu
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