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10-09-05

Steve Fry: Ein Gott der Vergebung

Wie denkst Du wirklich über Menschen, die Gott nicht kennen? Betrachtest Du sie als Deine Feinde? Ich habe erfahren, wenn wir die Menschen als solche betrachten, die nicht mit Gott durch das Kreuz versöhnt wurden, werden wir sie eher als feindselige Fremde behandeln, statt als Sklaven des Bösen. Wir entwickeln eine antagonistische Einstellung, durch die wir die bedürftigen Menschen letztendlich weiter von der Guten Nachricht distanzieren, nach der sie sich sehnen. Ich erinnere mich noch, wie es war, als diese Tatsache mir zum ersten Mal bewusst wurde. Als ich begriff, dass Gottes Vergebung schon jetzt gültig ist, sagte ich mir: Kein Wunder, dass man es Gute Nachricht nennt...



Als ich kürzlich kreuz und quer durchs Land reiste, landete ich dort, wo ich mich in letzter Zeit allzu oft wieder finde - in irgendeinem Hotel, wo ich auf die Zimmerservicekarte starre. Ich beschloss, den Fernseher einzuschalten und den Lokalsender eines christlichen Fernsehnetzwerks zu suchen. Ich sah einen schweißgebadeten Evangelisten, der auf der Bühne hin und her schritt, und die Zuhörer mit seinen feurigen Worten anheizte. Neugierig setzte ich mich hin und hörte ihn erzählen, wie der Journalist einer einflussreichen Zeitung ihm kürzlich aufgelauert hatte.

Der Journalist hatte den Evangelisten am Flughafen erkannt und um ein spontanes Interview gebeten, das der Evangelist ihm auch großzügig gewährte. Der Journalist fragte ihn, was er über einen sehr bekannten christlichen Leiter denke. Der Evangelist erklärte der Menge, dass der Journalist ihn offensichtlich ködern wollte, also habe er mit dem Zeigefinger auf den Mann gezielt und gedonnert: "Sie, mein Herr, sind der Feind!" Das christliche Publikum signalisierte mit ausgelassenem Applaus seine Zustimmung, dass dieser "unbeschnittene-Philister-von-einem-Journalisten" in der Tat ein Feind sei.

Während sie zustimmend jubelten und der Evangelist über die ganze Länge der Bühne schritt, offensichtlich angetan von dem Gefühl der Macht, das eine so enthusiastische Reaktion weckt, konnte ich einen inneren Schmerz nicht unterdrücken. Immer wieder hallten in mir die Worte nach: "Sie sind der Feind!" Sowohl der Evangelist wie auch das Publikum ließen, milde gesprochen, einen deutlichen Mangel an Barmherzigkeit erkennen. Mir wurde klar, dass vielleicht gerade die Art und Weise, wie wir die Menschen als Fremde behandeln, einer der wesentlichen Gründe ist, warum wir als Gemeinde in der Gesellschaft kein Gehör mehr finden.

Die Wahrheit ist tatsächlich , dass wir Christen ungläubige Menschen manchmal als Feinde behandeln - nach dem Motto: "sie" gegen "uns". Das ist natürlich weit von dem entfernt, was der Apostel Paulus im fünften Kapitel des Römerbriefs mit solchem Nachdruck sagt, nämlich dass Christus die ganze Menschheit mit Gott versöhnt hat, sodass jeder von uns die Möglichkeit hat, Gottes Geschenk der Erlösung anzunehmen. Anders ausgedrückt gilt Gottes Gunst und Vergebung durch das, was Christus am Kreuz tat, allen Menschen überall. Das ist in der Tat eine gute Nachricht.

Wir neigen zu der Auffassung, dass Vergebung durch den Akt der Buße erlangt wird - dass einer Person, solange sie noch keine Buße getan hat, nicht dieselbe Vergebung angeboten wird, die wir als Christen genießen. Ich würde sagen, dass ist eine tragische Entstellung der Gnade Gottes, die schwerwiegende Folgen in der Gemeinde hat. Unter anderem wirkt sie sich auf unsere Evangelisation aus. Denn wenn wir die Menschen als solche betrachten, die nicht mit Gott durch das Kreuz versöhnt wurden, werden wir sie eher als feindselige Fremde behandeln, statt als hilflose Sklaven des Bösen. Wir entwickeln eine antagonistische Einstellung, durch die wir die bedürftigen Menschen weiter von der Guten Nachricht distanzieren, nach der sie sich sehnen.

Ich erinnere mich noch, wie es war, als diese Tatsache mir zum ersten Mal bewusst wurde. Meinen Glauben zu bezeugen war eine Pflicht, denn ich behandelte Ungläubige so, als gehörten sie zu den Gegnern. Als ich die Tatsache begriff, dass Gottes Vergebung schon jetzt gültig ist, sagte ich mir: Kein Wunder, dass man es Gute Nachricht nennt. Wenige Tage später predigte ich auf den Straßen von Mexiko City und erklärte mehreren hundert Menschen, die sich auf dem Platz versammelt hatten, fröhlich: "Dir ist vergeben. Komm und nimm das Geschenk an, das Gott dir unverdienterweise gibt!"

Natürlich dürfen wir mit dieser Gnade, die uns ein so großes Heil gegeben hat, nicht spielen. Ohne eine gesunde Furcht Gottes gleiten wir allzu leicht in eine Oberflächlichkeit ab, wie der Agnostiker Voltaire sie so zynisch erkennen ließ, als er über Gottes Vergebung sagte: "C?est son métier", was so viel bedeutet wie: "Das ist eben sein Beruf."

Auf eine Liebe, die so erstaunlich ist, dass sie Vergebung bereits angeboten hat, kann man nur mit echtem Glauben und Buße antworten: Das sind die beiden angemessenen Reaktionen auf Gottes unverdientes Geschenk. Im Licht dessen, was Gott für uns getan hat, ist es außerdem nicht überraschend, dass der Schreiber des Hebräerbriefs so dramatisch beschrieb, welche schrecklichen Konsequenzen es hat, wenn wir "ein so großes Heil versäumen" (Hebräer 2,1-4). Trotzdem steht bei vielen von uns Christen im Vordergrund, dass wir sowohl die Reichweite seiner Gnade als auch das Privileg der Verkündigung des Evangeliums vergessen haben. Unsere Sicht der Gnade wirkt sich entscheidend darauf aus, ob wir die Evangelisation als Pflicht oder als Freude betrachten.

Wenn wir Ungläubige als Feinde behandeln, werden sie wie Feinde reagieren. Vielleicht erinnern Sie sich an einen besonders Anstoß erregenden Kinofilm mit dem Titel "Die letzte Versuchung Christi", der vor mehreren Jahren in die Kinos kam. Die Darstellung sexueller Fantasien Christi über Maria Magdalena entrüstete viele Menschen. Hollywood zeigte sich von seiner blasphemischsten Seite. Damals umlagerten Christen die Kinos und konterten so vehement, wie sie nur konnten, dass die säkulare Gesellschaft der Feind sei und sie kämpfen würden.

Vielleicht ist das ja der Grund, weshalb solche Filme überhaupt erst gedreht werden; vielleicht ist das der Grund, weshalb die Gemeinde mit solcher Schärfe verhöhnt wird. Nicht, dass ich eine solche Blasphemie entschuldigen wollte, und ich möchte unseren energischen Protest auch nicht dämpfen. Aber ich kann mein Unbehagen über die Art und Weise, wie wir Ungläubige oft behandeln, nicht abschütteln - als Feinde, die zu bekämpfen sind, statt als Gefangene, die Befreiung brauchen. Haben wir Christen den Sinn für Güte verloren, weil wir selbst unser Bewusstsein der Gnade verloren haben?

Erinnern wir uns daran, dass jede Person, der wir begegnen, bereits mit Gott versöhnt wurde und dass alle Menschen seine Vergebung frei annehmen können - wenn sie wollen. Unser Verhalten ihnen gegenüber kann die Tür der Kommunikation mit Gott entweder weit aufstoßen oder sie noch fester zuschlagen.


Herr, hilf mir, ein Vermittler der guten Nachricht zu sein! Erfülle meine Seele so tief mit der Realität Deiner Gnade, dass ich verwandelt werde. Wecke in mir eine Begeisterung wie nie zuvor, anderen Menschen meinen Glauben weiterzugeben, und hilf mir, Dich der ungläubigen Welt richtig darzustellen. Wirke durch Deinen Heiligen Geist so überfließend in mir, dass andere dadurch zu Jesus hingezogen werden.


Fragen zum Nachdenken:

    1. Wie betrachten Sie andere Menschen, die Jesus Christus noch nicht kennen? Stellen Sie manchmal bei sich fest, dass Sie sie als eine Art Feind betrachten, den Sie besiegen müssen?


    2. Welche Beziehung sollten wir als Christen zu Menschen haben, die Christus nicht kennen?


    3. Auf welcher Grundlage ist uns vergeben worden? Wann wurde diese Vergebung für uns zugänglich gemacht?


    4. Was bedeutet es für Sie, mit Gott versöhnt zu sein?

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Autor: Steve Fry
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "Ich bin - der ich bin" von Steve Fry. Dieses Buch und andere gute Bücher, Kassetten und CDs können bestellt werden unter www.teamwork17-12.de
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