Susanne Dwehus: Gedanken zum Humanismus

Der Humanismus ist eine Geisteshaltung, die schon vor der Epoche der Aufklärung zur Entfaltung kam. Sie begann im 14. Jahrhundert ihre Entwicklung, breitete sich stetig - gerade in Europa - aus, und beeinflusste das Bildungswesen ganz
entscheidend, auch heute noch. Die Zeit der Aufklärung, das Bildungsbürgertum und der Humanismus sind dabei miteinander verwoben.
Der Humanismus entstand bei der Suche nach Antworten auf Probleme der Zeit - aber jenseits der Bibel. Bildung sollte nicht mehr nur den Geistlichen vorbehalten sein. Es wurden neue Denkansätze gesucht, selbst altes Gedankengut aus der Antike wurde dabei wieder aufgegriffen, neue Forschungsmethoden ausprobiert, ein neues Erziehungsprogramm entwickelt. In diesem Zeitalter gab es ständig neue Forschungsergebnisse, neues Wissen wurde regelmäßig veröffentlicht, im 15. Jahrhundert gab es sogar einen offiziellen Lehrplan 'studia humanitatis'.
Nur Gott wurde aus dem Blickpunkt gerückt, statt dessen ging es um den Menschen, und um alles, was ihn betraf. Der Mensch mit seinen Verhaltensweisen wurde nun genauso erforscht wie seine Umwelt, und es wurde schließlich die These vertreten: der Mensch ist von Natur aus gut.
Dieses Denksystem, der Geist des Humanismus, stellt den Menschen voll und ganz in den Mittelpunkt. Der Kerngedanke "der Mensch ist von Grund auf gut" hat auch heute im humanistischen Denken nicht an Bedeutung verloren. So wird auch immer noch das humanistische Menschenbild in der humanistischen Psychologie beschrieben: "Der Mensch ist von Natur aus gut. Er strebt nach Wachstum und Harmonie (lebenslanger Prozess)."
Ein großer humanistischer Verband, die Humanistische Internationale, beschreibt einen seiner Grundsätze wie folgt: "Der Mensch und seine Grundbedürfnisse sollen den zentralen Wert und die zentrale Sorge der Gesellschaft darstellen. Kein anderer Wert darf sich über diesen stellen."
Da der Geist des Humanismus gerade im Bildungswesen zu finden ist, wird auch heute kein Schüler durch seine Schulzeit kommen, ohne mit diesem Geist konfrontiert zu werden, nicht nur im Deutschunterricht sondern fächerübergreifend bis in die wissenschaftlichen Bereiche hinein. Wir wachsen also mit dem Satz "der Mensch ist gut von Natur aus" auf. Und all diejenigen, die keinen Bezug zum Christentum haben, wachsen größtenteils ausschließlich damit auf - wenn sie nicht anderen Religionen anhängen.
Dieser Gedanke ist dem Menschen zutiefst angenehm. Wie schwer ist es, sich von dieser Überzeugung, der Mensch sei gut, wieder zu trennen.
Das hört sich alles sehr harmlos an, wo soll da denn die Gefahr lauern, vor der zum Beispiel Rick Joyner warnt? Es klingt doch wirklich erbaulich, der Mensch sei von Natur aus gut, wer hört das nicht gerne? Da ist man doch gleich 10 cm größer, ja, das baut doch auf! Nicht wahr?
Nicht alles, was (oft fälschlich) unter dem Schlagwort Humanismus behandelt wird, ist schlecht; viele wertvolle Entwicklungen in der Gesellschaft sind im 14. und 15. Jahrhundert angestoßen worden, die wir nicht mehr missen möchten. Es hieße das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn wir eine Wiederherrichtung der Zustände des 13. Jahrhunderts propagieren würden - es geht bei diesem Thema um etwas anderes:
Die Frage ist: Sieht die Wahrheit über den Menschen so aus, wie es der Humanismus lehrt?
Gott sagt: "...denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf" (1. Mose 8,21).
Gottes Wort steht zur These des Humanismus im absoluten Gegensatz. Der Mensch ist eben nicht gut, denn es steht geschrieben: Aber Jesus sprach zu ihm: "Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein." (Markus 10,18) Was meinte Jesus mit dieser Bemerkung? Nur wenn Du anerkennst, dass Jesus Mensch und Gott ist, kannst Du Ihn gut nennen. Denn wir Menschen sind alle Sünder. Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben. (Römer 5,12)
Der Mensch ist also nicht gut und steht auch nicht im Mittelpunkt - sondern Gott. Gott ist gut, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist Schöpfer allen Lebens und Er ist Herrscher dieser Welt. Der Mensch ist lediglich Geschöpf des Allerhöchsten, hat sich durch Sünde von Gott und von dem Leben, das Gott verspricht, getrennt und braucht die Vergebung Gottes. Der Mensch bedarf der Erlösung und der Veränderung - das ist der biblische Widerspruch zu der These des Humanismus, dass der Mensch gut sei.
Ich denke, uns muss klar sein, wenn wir als Christen das Wort Gottes predigen, gerade in Ländern, in denen der Humanismus stark ausgeprägt ist: Wir werden auf dieses gegensätzliche humanistische Selbstbild stoßen, das viele Menschen für sich übernommen haben - in der Regel haben sie nie etwas anderes gehört. Wir müssen verstehen, dass eine Menge der Widerstände, die uns entgegenkommen, in diesem humanistischen Denken begründet sind.
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Ein Artikel von Glaube.de
Autorin: Susanne Dwehus, Mitarbeiterin im Chat und den Foren bei Glaube.de
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