Tammy Tkach: Er kennt uns haargenau

Wenn ich zu ihr sage, dass ich sie verstehe, entgegnet sie mir: „Du kennst mich nicht haargenau!“ Dann sage ich zu ihr, dass ich sie sehr wohl haargenau kenne, da ich ihre Mutter bin. All das hat mich nachdenklich gemacht: Wir kennen andere Menschen nicht wirklich gut – und sie uns auch nicht, nicht im Tiefsten. Wir richten oder beurteilen andere leicht danach, wie wir sie zu kennen meinen, aber berücksichtigen gar nicht, dass sie ja auch gewachsen sein und sich verändert haben können. Wir packen Menschen in Kisten und wissen scheinbar genau welche Wände und Ecken es da gibt.
Und das Gleiche tun wir auch mit Gott. Nähe und Vertrautheit verleiten zu Kritik und Selbstgerechtigkeit. Genauso, wie wir die Menschen oft danach behandeln, wie wir ihr Tun – eben unseren Erwartungen entsprechend – einschätzen, so begegnen wir auch Gott.
Wir nehmen an, dass wir wüssten, wie er unsere Gebete beantworten wird, wie er Menschen behandelt und wie er denkt. Wir tendieren dazu, uns unser eigenes Bild von ihm zu machen, stellen uns vor, er sei wie wir. Wenn wir das tun, kennen wir ihn nicht haargenau. Wir kennen ihn überhaupt nicht.
In 1. Korinther 13, 12 sagt Paulus, dass wir jetzt stückchenweise erkennen, dann aber werden wir erkennen, wie wir erkannt sind. Diese wenigen Worte sagen viel aus. Zum Ersten: Wir werden ihn eines Tages so kennen, wie er uns jetzt schon kennt. Wir
verstehen Gott nicht, und das ist sicherlich gut so. Könnten wir es ertragen, alles über ihn zu wissen, so wie wir jetzt als Menschen sind – mit unseren bescheidenen menschlichen Vermögen? Sowie David es in Psalm 139 ausdrückte: „Diese Dinge sind zu wunderbar für mich.“, so wäre unser Verstand damit überfordert. Gegenwärtig ist Gott für uns noch unbegreiflich.
Und zum Zweiten: Er kennt uns bis ins Innerste, ja bis zu jenem geheimen Ort, wo keiner hinsehen kann. Er weiß, was in uns vor sich geht – und warum uns etwas auf unsere je einzigartige Weise bewegt. David sprach in Psalm 139 davon, wie gut Gott ihn kenne. Und ich bin mir sicher, dass wir diese Verse auch auf uns anwenden können. Macht Ihnen das Angst? – Das sollte es nicht! Gott ist nicht so wie wir. Wir kehren uns manchmal von Menschen ab, je mehr wir sie kennen gelernt haben, aber das tut er nie. Jeder möchte verstanden werden, möchte gehört und wahrgenommen werden. Ich denke, das ist der Grund, warum so viele Menschen etwas in Facebook oder anderen Portalen schreiben. Jeder Mensch hat etwas zu sagen, ob ihm jemand zuhört oder nicht. Wer etwas in Facebook schreibt, macht es sich leicht; denn da kann er sich so darstellen, wie es ihm gefällt. Aber das wird nie die Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht ersetzen. Jemand kann zwar eine Seite im Internet haben, die sehr oft aufgerufen wird, aber er kann trotzdem einsam und traurig sein.
In einer Beziehung mit Gott zu leben, macht uns dessen gewiss, dass wir gehört,
wahrgenommen, verstanden und erkannt werden Er ist der Einzige, der uns ins Herz sehen kann und alles weiß, was wir je gedacht haben. Und das Wunderbare daran ist, dass er uns trotzdem liebt. Wenn die Welt uns kalt und unpersönlich zu sein scheint und ich mich einsam und missverstanden fühle, kann ich Kraft aus der Gewissheit schöpfen, dass wenigstens einer da ist, der mich haargenau kennt.
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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Autorin: Tammy Tkach, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: WKG
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