Tammy Tkach: Was ist das Gebet?

Einerseits lässt es sich in schlichten Worten auf den Punkt bringen: wir sprechen zu Gott, er hört uns und antwortet uns. Andererseits stellt sich die Frage, wie man mit jemandem redet, den man weder sehen noch hören kann und eigentlich auch gar nicht versteht? Und wie verhält es sich, wenn wir auf unsere Fragen keine Antworten erhalten oder diese Antworten so ganz anders ausfallen, als wir es erhofft haben? Und wie sollte man am besten beten? Auf den Knien, im Sitzen, im Gehen, beim Schlangen stehen im Geschäft oder, wie es mal jemand vorschlug, an einem Felsvorsprung hängend? Die Gebete mancher Menschen tragen Züge von Aberglauben, so dass sie unangenehme Antworten auf Gebete einfach ignorieren, weil sie glauben, nicht richtig oder falsch gebetet zu haben. Andere begegnen Gott mit Zweifel oder hadern mit ihm, wenn sie nicht die von ihnen gewünschten Antworten erhalten. Und wieder andere nutzen vermeintlich nicht erhörte Gebete als Vorwand, den Glauben an Gott gänzlich aufzugeben.
Ich gebe mich nicht der Illusion hin, ein absoluter Experte auf diesem Gebiet zu sein, und hinterfrage dieses viel diskutierte Thema weiterhin, indem ich mich allein und im Austausch mit Gott damit auseinandersetze. Vor nicht allzu langer Zeit las ich Peter J. Schakels Buch Is Your Lord Large Enough? (Deutsch: Ist Dein Gott groß genug?), und seine Ausführungen brachten mich ein großes Stück weiter.
Zum einen: es ist hilfreich (bestmöglich) zu begreifen, wer Gott eigentlich ist. Ich glaube, dass viele schon an dieser Stelle von falschen Vorstellungen ausgehen. Vorgefasste Bilder eines Gottes im Geschenkformat, Aberglaube und Fehleinschätzungen stehen wirkmächtigen Gebeten (Jk 5, 16) im Wege. Natürlich vermögen wir als durchaus irrende Menschen, diesen Gebetshemmnissen nicht völlig zu entgehen, aber wir können sie uns bewusst machen und mit Hilfe des Heiligen Geistes lernen, Gott wahrhaftig Gott sein zu lassen. So wie Aslan zu Lucy gewandt in C.S. Lewis‘ Prince Caspian (Deutsch: Wieder- sehen in Narnia) es auf den Punkt brachte: „Mit jedem Jahr, das du im Glauben wächst, wirst du mich größer finden.“
Gott ist Liebe, und er wünscht sich eine Beziehung zu uns; er ist gnädig und freundlich, und nach seinem Willen finden unsere Gebete bei ihm Gehör, weil er unser himmlischer Vater ist, der uns sieht und hört (1. Mo 16, 13). Zum Zweiten: beim Beten treten wir in die Gegenwart Gottes. Tatsächlich befinden wir uns fortwährend in seiner Gegenwart. Er lebt
in den Gläubigen und ist stets bei uns, aber wir sind uns seiner nicht immer bewusst. In diesem Zusammenhang prägte ein Mönch namens Bruder Lorenz den Ausdruck „Leben in Gottes Gegenwart“. Wir sind es, die sich immer wieder ins Gedächtnis rufen müssen, dass er hier ist, und die seiner gewahr werden müssen, indem wir uns ihm in unseren täglichen Verrichtungen in Gedanken und Gebeten zuwenden.
Es ist auch hilfreich, sich vor Augen zu halten, dass wir bei ihm stets und ständig Gehör finden. In seinem Buch Whole Prayer (Deutsch: Wahrhaftiges Gebet) spricht Walt Wangerin davon, dass Gottes Hörbereitschaft unserem Beten vorangeht, so dass unser Gebet auf ein göttliches, gnadenerfülltes Bewusstsein stößt. Zu keiner Zeit weigert sich unser himmlischer Vater, uns Gehör zu schenken, und allein die Tatsache, dass er uns zuhört, verwandelt unser Reden in ein Gebet. Der Heilige Geist hört unser Jammern und das Aufschreien unseres Herzens und verwandelt sie in Gebete an den Vater, und so ist es nicht schlimm, wenn unsere Bemühungen eben einfach nur dürftig sind. Wichtiger als die Form und der Inhalt unseres Gebets ist derjenige, an den es gerichtet ist. Und so ist das Beten im Grunde vielleicht doch nicht so schwer zu ergründen
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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Autorin: Tammy Tkach, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: WKG
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