Todd Martin: Wir brauchen einander

Die jungen Leute gaben ein unreifes, selbstgefälliges Bild ab und hatten wohl nur eines im Kopf: kaufen, kaufen, kaufen! Es wäre eine Schande, würde diese Darstellung junger Konsumenten auch nur auf eine Spur von Akzeptanz beim Zielpublikum stoßen. Ich konnte mit der Werbung nichts anfangen – entweder gehöre ich so langsam zum alten Eisen und habe von nichts mehr eine Ahnung, oder die meisten Werbesendungen sind heutzutage schlichtweg miserabel.
Vielleicht haben wir es hier mit einem Generationenkonflikt zu tun, wenngleich ich den Ausdruck nicht sonderlich schätze. Die Kirche hat ihre Boomer, Buster und Baumeister, die Generation X, die Postmodernen – die Liste lässt sich fortsetzen. Uns wird gesagt, derart verschiedene Gruppen hätten kein Verständnis füreinander, könnten miteinander nichts anfangen oder seien geradezu unvereinbar. So haben wir Kirchen für ältere Leute, Kirchen für jüngere Leute, Kirchen für Leute mit Kindern. Die musikalische Gestaltung, die Kleiderordnung beim Gottesdienst, der Altarschmuck und natürlich die Länge
der Predigt – alles Themen, über die sich in den verschiedenen Altersgruppen trefflich streiten lässt. Dabei geht es nicht um großartige theologische Debatten, wohl aber um kulturelle und generationenbezogene Präferenzen.
Der größte Irrtum einer solchen Generationenabschottung ist meiner festen Überzeugung nach darin zu sehen, dass wir unseren Kontext – unser Beziehungsgefüge – im Leben verloren haben. Auf jeder Reise orientieren wir uns daran, woher wir kommen und wohin wir gehen. Ohne diese Bezugspunkte in Vergangenheit und Zukunft sind wir verloren, orientierungslos. Wir sind so kurzsichtig und scheinbar von jeder Hilfe unabhängig geworden, dass wir nicht mehr erkennen, wo wir andere Menschen brauchen und wo andere uns brauchen. Haben Sie mal darüber nachgedacht, warum all die verschiedenen
Altersgruppen zur gleichen Zeit leben? Warum andererseits nicht alle zusammen groß werden und zusammen sterben – damit dann alles wieder von neuem Neuem beginnt?
Wenn die verschiedenen Altersgruppen die Beziehung zueinander verlieren, durchbrechen wir eine Kette, deren Stärke auf den Verbindungen der Glieder untereinander beruht. Als einzelnes Glied sind wir kaum mehr als ein kleiner Metallklumpen ohne größeren Wert, während wir zusammen stark, belastbar und flexibel genug sind, Großartiges zu bewirken. Demgegenüber vermittelt uns das Beziehungsgefüge der verschiedenen Altersgruppen Orientierung und Halt – Kontext.
Wir haben Erinnerungen an die Vergangenheit und Energie für die Zukunft. Ohne solche Beziehungen stehen „altmodische Käuze“ einer „rücksichtslosen Jugend“ gegenüber. Die Lösung des Problems? Wir müssen wieder Beziehungen zueinander aufbauen. In seinem Brief an den jungen Prediger Timotheus ruft Paulus das Volk Gottes dazu auf, Wegweiser und Vorbild zu sein und nicht in die Fußstapfen einer Gesellschaft zu treten, die nur sich selbst liebt. Paulus nennt Timotheus seinen Sohn. Gordon MacDonald, ein energischer Pastor Ende sechzig, hat kürzlich geäußert, wann immer er öffentlich vortrage,
spreche er zu seinen Zuhörern wie ein Vater:
Möchten wir nicht alle zu jemandem aufschauen, der dort steht und getreu im Glauben seinen Dienst tut? Wann wären wir jemals so erwachsen, als dass wir uns nicht nach einer solchen Stabilität in unserem Leben sehnten? Paulus bezieht sich in seinem Brief an den jungen Timotheus an späterer Stelle auf seine getreuen Vorväter. Das ist Kontext. Und wiederum schreibt Paulus, er fühle sich durch den getreuen Glauben von Timotheus persönlich gestärkt. Der junge Prediger ist für Paulus eine Quelle der Erfrischung. Und der getreue Glauben von Mutter und Großmutter des Timotheus wird geschildert als eine Verkettung, in die nun Timotheus eingebunden ist. Auch das ist der Kontext. Danach ermahnt Paulus Timotheus, er solle sich vor den Irrtümern der Jugend hüten. Da drängt sich die Spruchweisheit auf: „Zu früh alt und zu spät weise.“ Paulus möchte Timotheus auf seiner Lebensreise helfen, indem er ihn darauf aufmerksam macht, wo es Schlaglöcher und enge Kurven auf der Straße des Lebens gibt. Paulus weiß darum – ist er doch schon einen langen Weg gegangen. Jugend, Energie und Vitalität des Timotheus einerseits und das Alter, die Erfahrung und die Weisheit des Paulus andererseits nehmen insgesamt Einfluss auf die Kirche, die viele derjenigen, die diesen Predigttext lesen, allwöchentlich besuchen. Mein Rat für jedermann lautet, er möge sich nach einem Menschen in seinem Leben umsehen, dem er als treuer Ratgeber dienen kann – und der ihm seinerseits hilft. Wer Familienangehörige in der Nähe hat, möge sich ihnen anschließen; wer keine näheren Verwandten
hat, sollte anderweitig Anschluss suchen. Es dürfte kaum an jungen Leuten mangeln, die Beratung und Ausrichtung in ihrem Leben brauchen.
Der Kirche bietet sich die fantastische Möglichkeit, Wegweiser für eine generationenüberbrückende Zusammenarbeit zu sein. Wir brauchen den Kontext – wir brauchen einander!
Todd Martin ist Pastor, Harvest Christian
Fellowship, Abbotsford BC, Kanada
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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Autorin: Todd Martin , mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: WKG
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