Ursula Kischkel: Leben im Geist

Ein schönes Bild dafür, wie Gott sich unser Leben mit dem Heiligen Geist gedacht hat: Er bläst mit dem Wind seines Geistes hinein, bringt uns in Fahrt und Bewegung, alle Dynamik kommt von ihm und wir bekommen eine große Leichtigkeit, ja es macht sogar richtig Spaß.
Was tut der Wind des Geistes? Er bläst uns mit seiner Liebe an, dass unser Leben mit Liebe zu Jesus und mit Liebe zu anderen Menschen erfüllt wird.
· Er bläst Freude hinein, Freude an seiner Gegenwart.
· Auch inneren Frieden, höher als unsere menschliche Vernunft.
· Wir hören Gottes Stimme und können uns von Gott leiten lassen.
· Der Heilige Geist begeistert uns, gibt uns neue Energie.
· Es entsteht Frucht aus unserem Leben, dass z.B. andere Menschen durch uns zu Jesus finden. Ich glaube, wir alle wünschen uns so ein Leben, in dem der Heilige Geist weht!
Bei einem Segelboot ist es ganz einfach, die Kraft des Windes zu nützen, man braucht nur das Segel hochzuziehen und schon bläst der Wind hinein.
Was ist unser Segel als Christen? Ich glaube, es ist unsere Bereitschaft, uns dem Heiligen Geist zu überlassen, dass wir uns ihm mit unserem ganzen Leben hinzuhalten und ihn in unser Leben hineinblasen lassen. Dass wir alles von Jesus und seinem Wirken erwarten - anstatt aus eigener Kraft zu rudern.
Denn das Gegenteil vom Segelboot, das in der Kraft des Windes fährt, ist das Ruderboot, bei dem man aus eigener Kraft rudert. So wie das Segelboot symbolisch für das "Leben im Geist" steht, kann man das Ruderboot als Vergleich für das "Leben im Fleisch" nehmen, so wie es die Bibel nennt (Römer 8).
Was zeichnet das Rudern/ Leben im Fleisch aus?
Das bedeutet v.a., etwas selbst machen zu wollen, darin unabhängig von Gott zu sein, es aus eigener Kraft schaffen zu wollen. Das können sogar gute Dinge sein, die wir da erreichen wollen, z.B. ein besserer Mensch zu werden, der mehr nach Gottes Willen lebt. Aber wenn wir aus eigener Kraft gut werden wollen, sind wir auf dem Holzweg.
Es geht beim "Rudern" nicht um das Aktivsein an sich, also nicht um das Arbeiten, Denken, Planen an sich - auch das Leben im Geist kann sehr aktiv sein - sondern um ein Aktivsein unabhängig von Gott. Das erkennt man an all diesen Wörtern, die mit "Selbst" anfangen:
Selbstgerechtigkeit - aus eigener Kraft gut sein wollen, im Vertrauen auf das eigene Gutsein.
Selbstkontrolle - die Dinge selbst in der Hand haben wollen
Selbstbestimmung - selbst zu sagen, wo es lang geht, den eigenen Willen durchsetzen.
Aus eigener Kraft: Das, denke ich, ist auch mit dem Vers aus Sacharja gemeint: "Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen". Auch hier geht es um die Frage: Auf was verlassen wir uns? Worauf vertrauen wir? Auf die eigene Kraft oder auf Gottes Kraft? Auf die eigene Weisheit, die eigenen Möglichkeiten oder auf Gottes Weisheit und seine Möglichkeiten? Das Volk Israel ist im Auftrag Gottes durchaus auch militärisch aktiv geworden, sie sind auch immer wieder mit einem Heer gegen Feinde angerückt. Aber entscheidend ist, ob sie es unter der Führung Gottes, in seinem Auftrag und im Vertrauen auf ihn getan haben.
Das Gegenteil vom "rudern" ist also nicht Däumchendrehen, sich passiv zurücklehnen, abwarten, sondern in der Abhängigkeit von Gott, auf ihn ausgerichtet sich in Bewegung bringen lassen.
Wenn man zusammenfassen will, was das "Leben im Fleisch" bedeutet, kann man sagen, es sind Denk- und Verhaltensweisen, in denen das eigene Ich im Mittelpunkt steht: mein Wohlergehen, mein Glück, meine Sicherheit, meine Anerkennung, meine Bedeutung.
Je nach Persönlichkeitstyp hat das unterschiedliche Ausdrucksformen. Kürzlich habe ich den Begriff gehört, dass jeder ein eigenes "Fleischprofil" hat, also Dinge, für die er nach seinem Persönlichkeitstyp besonders anfällig ist. Das sind nicht nur Schwächen, die halt neben den eigenen Stärken zum eigenen Typ dazugehören, sondern es sind ungöttliche, ichbezogene Verhaltensweisen, in denen ich nicht unter der Leitung des Heiligen Geistes stehe.
z.B. wird der Choleriker/ der Dominante dafür anfällig sein, seinen eigenen Willen durchzusetzen,
der Phlegmatiker/ Stetige dreht sich um seine eigene Sicherheit.
Der Sanguiniker/ Initiative sucht die eigene Anerkennung.
Der Melancholiker/ Gewissenhafte möchte selbst gut, möglichst perfekt sein.
Bei den einen Typen zeigt sich die Ichbezogenheit mehr durch Aggression, bei den anderen Typen mehr durch Furcht.
Das "Leben im Fleisch" ist immer anstrengend, so wie das "Rudern" anstrengend ist. Aber Gott hat etwas anderes für uns vor, das viel mehr Freiheit und Kraft schenkt! Durchs Rudern komme ich vielleicht auch ein bisschen voran, kann z.B. mit einem Ruderboot die Erzgrube überqueren, aber es würde nie reichen, um den Atlantik zu überqueren. Aber ein großes Segelboot schafft das! Die Kraft des Heiligen Geistes vollbringt in uns Dinge, die wir aus eigener Kraft nie schaffen würden!
Beim "Leben im Geist" steht nicht das eigene Ich im Mittelpunkt, sondern Jesus ist das Zentrum! Das gibt eine unglaublich Freiheit! Sich selbst nicht mehr so wichtig zu nehmen. Jesus über alles zu lieben! Den Heiligen Geist durch unser Leben wehen zu lassen.
Ich merke selbst in letzter Zeit, wie entscheidend wichtig es ist, wer im Mittelpunkt meines Lebens steht. Wenn ich mich um mich selbst drehe, wird mein Denken eng, ich reagiere schnell ängstlich oder ärgerlich. Ich bin wie gefangen in mir selbst, in meinen Gefühlen. Wenn aber Jesus im Mittelpunkt ist, dann spüre ich, wie mein Denken weit wird, ich bekomme Energie, Lebensfreude und reagiere viel gelassener auf äußere Umstände.
Deshalb wünsche ich mir sehr, aus diesem "Leben im Fleisch" herauszukommen und immer mehr in das "Leben im Geist" hineinzukommen. Wie kann das geschehen?
Die gute Nachricht ist: nicht aus eigener Kraft! Das wäre schon wieder "rudern", also fleischlich gedacht. Wir müssen es nicht selbst schaffen! Wir können es auch gar nicht, sondern Jesus schenkt es uns, der in uns lebt. Dazu müssen wir verstehen, was passiert, wenn ein Mensch zum Glauben an Jesus kommt:
Solange jemand noch nicht an Jesus glaubt, ist er in der Selbstbestimmtheit noch gefangen. Er kann es nicht einfach abschütteln, er steht, wie die Bibel sagt, unter der Macht der Sünde. Das ist der "alte Mensch", der unabhängig von Gott lebt.
Wenn wir aber die Erlösung annehmen, die uns Jesus am Kreuz schenkt, dann passiert ein totaler Wechsel: Unser alter Mensch stirbt am Kreuz mit Jesus. Dieses alte Muster hat keine Macht mehr. Es ist tot. Und dafür bekommen wir einen neuen Menschen geschenkt - radikal neu. Wir bekommen einen neuen Geist und der Heilige Geist zieht bei uns ein und nimmt Wohnung in uns. Jesus lebt in uns.
Wir stehen jetzt nicht mehr unter der Macht der Sünde. Natürlich können wir noch sündigen, aber wir müssen es nicht mehr. Es ist kein Zwang mehr. Sondern Jesus in uns ist die Kraftquelle für ein neues Leben.
Ich glaube, es ist ganz wichtig, sich das bewusst zu machen: Ich bin schon ein neuer Mensch! Jesus lebt durch seinen Geist in mir! Gemeinsam laut sprechen!
Denn manchmal haben wir so ein resigniertes und gar nicht biblisches Denken in uns: "Ich bleibe immer ein sündiger Mensch, ich kann mich nie ändern, das einzige ist, dass ich jetzt aus der Vergebung lebe." Aber das stimmt nicht! Wir sind schon neue Menschen geworden, sobald wir Jesus als unseren Retter und Herrn angenommen haben.
Wir haben einen neuen Geist bekommen. Der ist schon komplett und neu. Das ist der Ort, in dem der Heilige Geist in mir lebt. Das Problem ist nur, dass unsere Seele da noch nicht immer mitkommt, dass sie nicht immer unter der Herrschaft des Geistes lebt. Unsere Seele: damit ist unser Verstand, Gefühl und Wille gemeint. Unsere Seele kann noch "fleischlich", also unabhängig von Gott, reagieren. Aber das Ziel ist, dass sie immer mehr in Übereinstimmung mit unserem neuen Geist kommt.
Vielleicht kennt ihr das auch, dass man manchmal richtig spüren kann, wie Geist und Seele in einem unterschiedlich sein können. In meinem Geist weiß ich schon, was die Wahrheit Gottes ist (z.B. Gott ist meine Burg und mein Schutz) aber in meiner Seele hänge ich noch an irgendwelchen Lügen fest (in diesem Fall: "Ich bin schutzlos").
Oder ich bin vielleicht gerade in meiner Seele müde, niedergeschlagen, aber dann kommt eine Situation, in der ich für jemand anderen bete, und plötzlich kann ich Dinge beten, mit Zuversicht und Vertrauen zu Gott, die meine Seele vorher gar nicht fühlte. Es ist klar: Das ist jetzt nicht meine Seele, die hier betet, sondern mein Geist, in dem der Heilige Geist lebt.
Wie kann also auch meine Seele unter die gute Leitung des Geistes kommen?
1. Mir bewusst machen: Ich bin bereits eine neue Kreatur! Der alte Mensch ist bereits gestorben und Jesus lebt jetzt in mir!
Eine Hilfe kann es sein, wenn ich sage: "Der Angsthase in mir ist schon am Kreuz gestorben, und der Löwe von Juda ist schon auferstanden."
Das heisst: Ich muss nicht mehr nach altem Muster reagieren, auch wenn ich es schon so und so oft getan habe. Jesus in mir ist stärker.
Wenn ich z.B. in eine Situation komme, wo ich weiß, da reagiere ich mit meinem natürlichen Menschen immer mit Angst oder aber gereizt und mit Ungeduld, dann kann ich beten: "Jesus, ich danke dir, dass du in mir lebst. Danke, dass du das tust, was ich aus eigener Kraft nicht tun kann, du in mir vertraust dem Vater, du in mir reagierst jetzt gelassen und liebevoll."
2. In meinem Geist kann ich zu meiner Seele sprechen und sie mit der Wahrheit Gottes füttern
Ein Beispiel dafür finden wir schon in der Bibel in Ps. 103: "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Der dir alle deine Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst und dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler ..."
Auch hier spricht der Psalmbeter zu seiner eigenen Seele und spricht ihr die Wahrheit Gottes zu. Am besten ist es, wenn wir das laut tun, und ruhig auch mit Emotionen, mit Gefühl und Ausdruck es unserer Seele zusprechen.
"Der Herr ist dein Hirte. Dir wird nichts mangeln. Er weidet dich auf einer grünen Aue und führet dich zum frischen Wasser."
Es geht hier nicht um positives Denken oder dass ich mir etwas einrede, sondern wenn wir uns die Wahrheit Gottes zusprechen, dann tun wir das im Vertrauen darauf, dass Gottes Wort in sich die Kraft hat, meine Seele zu verändern: mein Denken und meinen Willen zu erneuern, und damit auch meine Gefühle zu verändern.
Gottes Wort und der Heilige Geist sind untrennbar miteinander verbunden. So wie Jesus sagt: Das Wort Gottes ist Geist und ist Leben.
Das heißt: wenn ich dem Wort Gottes Raum gebe und mich seiner Wirkung aussetze, dann setze ich mich gleichzeitig auch dem Wirken des Heiligen Geistes aus.
Ich muss dabei nicht kämpfen und wieder etwas "machen" wollen, sondern es geht darum, das Wort in mich hineinfallen zu lassen, mich durchtränken zu lassen, es in mir wirken zu lassen mit seiner Kraft.
Unsere Seele ist wie ein Kind, das wir erziehen können. Z.B. unseren Gedanken gut zureden: "Hört mal gut zu, ihr Gedanken, was ihr da denkt, das ist nicht nicht Wahrheit Gottes. Denn die Wahrheit lautet folgendermaßen: ........"
Es ist so, als wenn wir einem Kind gute Medizin einflössen: "So, jetzt mach den Mund auf!" und den Löffel mit Medizin in den Mund des Kindes hineinschieben. Manchmal mag das unsere Seele nicht, genauso wenig wie ein Kind, aber es ist heilsam für sie. Und je schneller die Seele unserem Geist gehorcht, umso besser geht es ihr.
Ich kann für meine Gedanken auch den Philipper 4,8 - Filter einbauen: Wie sieht der aus? "Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob - darauf seid bedacht!"
Also checken: Ist dieser Gedanke wahr? Wenn nicht, dann: stopp! Ich will ihn nicht weiterdenken. Mir passiert es immer wieder, dass ich Gedanken denke, von denen ich eigentlich weiß, dass sie gar nicht wahr sind. Wenn ich sie allerdings lang genug denke, glaube ich am Schluss selbst, dass sie stimmen. Deshalb ist es wichtig, sie gleich bei Beginn zu stoppen.
Ist der Gedanke ehrbar? Ist er gerecht, rein, liebenswert? Wenn er es nicht ist: stopp! Ihn nicht weiterverfolgen.
3. Der Kraft des Geistes und des Wortes vertrauen
Um in das Leben im Geist hineinzuwachsen, geht es nicht um einen eigenen Kampf! Sondern dass wir der Kraft des Heiligen Geistes, der in uns lebt, vertrauen, und der Kraft des Wortes.
Wenn ich merke, o hoppla, jetzt habe ich wieder "im Fleisch" reagiert (z.B. kürzlich: in zu scharfem, gereiztem Ton etwas zu meinem Mann gesagt), kann ich überlegen, was es heißt, hier "im Geist" zu reagieren. "Jesus, was würdest du jetzt tun oder sagen? Was ist in deinem Sinn?" Und dann Jesus in mir handeln lassen, mich seiner Führung überlassen. Ich habe mich dann entschuldigt, mir war klar, ich hätte es auch lockerer und netter sagen können.
Ich erinnere mich an eine Konferenz mit Ezekia Francis, einem Pastor aus Indien: Er hat uns immer wieder das Lied singen lassen: "Oh ........., heaven is in my heart". Um uns das bewusst zu machen, uns daran zu freuen: Der Himmel ist schon in meinem Herzen! Jesus lebt in mir!
Und ich habe gemerkt: Das hat eine große Wirkung. Ich werde innerlich leichter, freue mich, mein Glauben bekommt Zuwachs.
Kürzlich habe ich auf der Fahrt zu einem Frauenfrühstück eine Kassette von Ezekia Francis gehört. Als ich dort hinkam, war ich leicht schockiert: die letzte Referentin, die sie dort hatten, war eine Astrologin und die verantwortliche Mitarbeiterin sagte: Wir sind offen für alles, auch für andere Religionen. Eigenartige, unterkühlte Atmosphäre. Aber dann habe ich mich daran erinnert, was ich gerade gesungen habe: heaven is in my heart. Und dann dachte ich mir: Jetzt erst recht! Jesus lebt in mir und ihn werde ich jetzt predigen! Nicht aus eigener Kraft, sondern Jesus in mir. Und ich konnte wirklich ganz klar das Evangelium erklären, die Frauen waren auch sehr offen.
Also: Der Wind Gottes bläst schon in unserem Leben! Sein Geist lebt schon in uns - wenn wir Jesus angenommen haben. Die Frage ist: Öffnen wir unser Segel weit, so dass er unser Boot in Fahrt bringt? Überlassen wir uns seiner Kraft?
Wenn wir unser Leben dem Heiligen Geist überlassen, so dass er uns mit seiner Liebe füllen kann, wird er uns verwandeln, bis wir den Herrn wirklich mit jeder Faser unseres ganzen Seins und Wesens lieben. Das ist das größte Ziel: Jesus über alles zu lieben!
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Ein Artikel von www.glaube.de
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Eingereicht von der Autorin: Ursula Kischkel, theologische Mitarbeiterin
im Wörnersberger Anker, www.ankernetz.de
Foto: www.gebetswaechter.de
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