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02-01-08

Volkmar Janke: Heile du mich, Herr

Wie viele Christen können ehrlich sagen: Ich bin heil; ich bin gesund?


Jeremia 17,14-18 / 15.10.06 V. Janke

Der englische Prediger Charles Spurgeon sagte mal: „Es ist besser ein Patient Christi zu sein als ein Doktor der Theologie.“ Christen sind auch Patienten von Jesus. Jesus hat uns geheilt von der Sünde und vom Leben ohne Gott: Durch seine Wunden seid ihr heil geworden (1.Petrus 2,24) Als Patienten von Jesus haben Christen ein großes Privileg – wir wissen, wo es Hilfe und Heilung gibt. Doch wie viele Christen können ehrlich sagen: Ich bin heil; ich bin gesund? Jesus ist der Heiland, unser Heiland. Wir brauchen einen Heiland, weil wir in einer heillosen Welt leben. Unter der Verkündigung und im Hören auf Gottes Wort begeben wir uns in die Sprechstunde Jesu. Wir haben manche innere Not und ernste Frage. Darum wollen wir uns wie Jeremia Gott anvertrauen und beten: Heile du mich, Herr, so werde ich heil, hilf du mir, so ist mir geholfen.


Durch die Reaktion der Menschen auf seinen Dienst wurde der Prophet Jeremia krank. Der Mann Gottes wurde zum Spott der Menschen: Ich bin ein Hohn für mein ganzes Volk und täglich ihr Spottlied. (...) Sieh doch: ob sie sitzen oder aufstehen, singen sie über mich Spottlieder. (Klagelieder 3,14+63 vgl. 3,52-66) Jeremia leidet an seinen Mitmenschen. Sie machen ihn krank mit ihren Worten, ihrer Mißachtung, ihren Witzen. Ähnlich klagt David Gott seine innere Not: Die Schmach bricht mir mein Herz und macht mich krank. (Ps 69,21)


Ich möchte heute einladen und ermutigen: „Bitte Gott um Heilung.“ Der Herr allein ist der große und starke Arzt, der sagt, ich bin der HERR, dein Arzt. (2. Mose 15,26) Halte Gott deine inneren und äußeren Wunden hin. Vertraue dich ihm an. Gott kann uns bis in die Tiefe unserer Seele heilen und gesund machen. Herr Das hebräische Wort rapha, das mit heilen übersetzt wird, hat in der ursprünglichen Bedeutung den Wortsinn: „flicken, ausbessern, zusammennähen.“ Heilung bedeutet also: Blockaden, Unterbrechungen, Zerbruch wird überwunden; ein neues Miteinander ist möglich, wo ein Miteinander nötig ist. Wenn wir den Herrn bitten: Heile du mich, Herr! dann bitten wir: „Herr, nähe zusammen, was zusammen gehört, besser aus, hilf mir, dass mein Leben, meine Seele wieder funktioniert, hilf zu einem gesunden Miteinander.“ Das Gebet Jeremias zeigt uns:


  1. Wir werden krank (weil wir) in einer heillosen Welt (leben).

Systemische Seelsorge ist Seelsorge, die nicht nur den Hilfesuchenden Menschen im Blick hat, sondern das System, in dem er oder sie lebt. Das System kann eine Familie sein, eine Ehe, eine Kollegenschaft. Wir leben alle in verschiedenen „Systemen“ – einem großen Organismus von Beziehungen, manche sind gesund und funktionieren gut, andere sind krank und wir spüren das.


Dieses kurze und prägnante Gebet Jeremias kann nicht wirklich verstanden werden ohne den großen Zusammenhang. Hinter der kurzen Bitte um Heilung steht eine lange Geschichte – in gewisser Hinsicht eine Krankengeschichte. Die Frage nach den Ursachen für die Krankheit Jeremias weitet unseren Blick auf das ganze Volk Israel und seine geistliche Verfassung vor Gott: (sie ...) heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede (Jer 6,13). Jeremia ist krank, vielleicht weil seine Mitmenschen an der Sünde und am Ungehorsam festhalten (vgl. Klagel. 3,1-19). In der Krankheit und dem Wundsein Jeremias manifestiert sich die Wirklichkeit die Sünde. Sünde und Böses bleiben nicht ohne Folgen. Jeremia leidet vielleicht an der geistlichen Not seines Volkes. Er spürt möglicherweise überdeutlich, was seine Mitmenschen noch nicht spüren – den Bruch, bzw. Zerbruch ihrer Beziehung zu Gott.


Auch unsere Erkrankungen, unsere inneren Wunden, Verletzungen, Geschwüre sind meist nicht einfach so da. Wir leben in einer heillosen Welt. Das bekommen wir zu spüren. Viele Menschen, auch Christen, leiden unter sog. psychosomatischen Krankheiten. Wir leben mit Menschen zusammen, die uns manchmal auch krank oder wund machen. Und wir können uns nicht immer einfach trennen, weggehen. Jeremia blieb.


  1. Wir sind schwach und bedürftig.

Der große Prophet Gottes ist krank. Unsere Wunschbilder und Idealbilder müssen an dem Gebet von Jeremia zerbrechen. Wir werden daran erinnert: Gott beruft und begnadigt schwache Menschen. Die Bibel zeigt uns in wohltuender Offenheit die ganz menschlichen Seiten der „großen“ Frauen und Männern des Glaubens: ihre Ängste, Fehler, Bedürftigkeit, innere Unruhe. So sind wir. Und es fällt uns schwer, das zuzugeben. Jeremias Gebet korrigiert unser Selbstbild und unser Menschenbild. Unsere Helden und Vorbilder sind Menschen wie wir. Das heißt: Es ist ok, schwach und bedürftig sein! Wir dürfen krank sein. Es gibt in Kirchen und Gemeinden auch Verlierer.


Kennst du den Herrn als deinen Arzt, als den, der dich liebt, heilt und stärkt? Unsere Krankheiten, Wunden, Verletzungen und Kränkungen können zu wertvollen Gotteserfahrungen werden. Erst als schwache, bedürftige Menschen lernen wir Gott wirklich kennen. Paulus hat intensiv darum gebetet, dass Gott ihn von dem „Pfahl im Fleisch“ befreien möge. Doch Jesus sagte ihm: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. (2.Kor 12,9) Dass wir deine Herrlichkeit können recht erfassen, wirfst du über uns das Leid, führst und dunkle Straßen... (G. Fritzsche GL 364) Wer nicht weiß und zugibt, wie schwach und verletzbar er ist, der wird nicht wissen, wie das ist, in der Kraft Gottes zu leben! Denn wir haben in uns nicht genug Widerstandskraft. Wie sind nicht so stark, so unverletzbar wie wir gerne wären. Und weil wir schwach sind, brauchen wir den Herrn und Heiland Jesus Christus. Er lädt jeden von uns ein: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Matth 11,28)


  1. Wir sehnen uns nach Heilung.

HERR, sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind erschrocken und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach du, HERR, wie lange! (Ps 6,3+4) Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. (Ps 147,3)

Ein Teil der Heilung war noch immer, geheilt werden zu wollen. Seneca

Das Gebet Jeremias ist ein ansprechendes Gebet, mit dem sich viele Menschen schon identifiziert haben. Dieses Gebet wurde ehrlich und mit aller Berechtigung schon oft nachgesprochen. Es ist ein kurzes Gebet, aber mehr braucht ja auch nicht gesagt zu werden. Hinter jeder Bitte um Heilung verbirgt sich zugleich unsere Sehnsucht nach Leben und Frieden. Denn Krankheit ist immer auch ein Einbruch des Todes in unser Leben, ein Vorgeschmack auf das Sterben. Darum war für den Psalmisten die Genesung von schwerer Krankheit ein Gerettet werden aus dem Tod (Ps 86,13). Doch ursprünglich gehörten Krankheit und Tod nicht zum Plan Gottes.


Heilung beschränkt sich in der Bibel nicht auf körperliche Gebrechen. Auch die gestörte Beziehung zu Gott ist eine Krankheit, die geheilt werden muss: Aber dich will ich wieder gesund machen und deine Wunden heilen, spricht der HERR, weil man dich nennt: »die Verstoßene« und: »Zion, nach der niemand fragt«. (...) Siehe, ich will sie heilen und gesund machen und will ihnen dauernden Frieden gewähren. (Jer 30,17+33,6). Christen haben Heilung erfahren. Dafür sei Gott Lob und Dank. Christen brauchen Heilung. Darum beten wir füreinander. Nicht selten aber brauchen wir auch innere Heilung. Wir können Gott darum bitten. Er will uns von Kränkungen heilen. Manche kränkenden Worte stecken in uns wie feurige Pfeile.Gott will uns heilen von Bitterkeit. Wer schweres Unrecht erlitten hat, kann darüber bitter werden. Wer Schuld nicht vergibt, wird bitter. Wir können Gott bitten: Herr, heile meine Beziehung zu XY. Da sind Beziehungen in der Familie, Verwandtschaft, Gemeinde, die sind zutiefst krank und machen krank. Gott kann kranke Beziehungen heilen! Wir dürfen Gott auch um Heilung unserer Enttäuschungen bitten. Mancher von uns ist schwer enttäuscht worden von Menschen oder von Gott. Jesus kann auch unser Selbstbild und unser Selbstwertgefühl heilen. Weißt du, wie wertvoll und geliebt du bist? Ist dein Selbstbild gesund? Gott zeigt uns, wer wir wirklich sind (Ps 8; 139,14). Doch die wichtigste Heilung ist die Heilung deiner Beziehung zu Gott. Jesus hat alles dafür getan, dass du als geliebtes Kind Gottes leben kannst: Jes 53,4-6. Lass dich von Gott durch Jesus heilen. Dann kannst du dankbar sagen: Ja, ich bin lieber ein Patient Christi!


Heile du mich, Herr, so werde ich heil, hilf du mir, so ist mir geholfen.


Gebet um innere Heilung

Gott, ich weiß nicht wie ich Dich anreden soll, noch nicht einmal, ob Du mich überhaupt hörst. Zweifel leben in mir, ob Du da bist, ob Du für mich da bist. Aber ich habe gehört von Dir als Quelle heilender Liebe. Das hat Körner der Sehnsucht unter meinen Zweifel gestreut.


Wie jene Frau, die nach Jesu Gewand faßt ungewiß, ob es hilft, nur mit einem Funken Hoffnung, so will ich mich jetzt, Gott, nach Deiner heilenden Liebe ausstrecken. Ich will vor Dir aussprechen, was mir so weh getan hat und noch weh tut.


Ich denke an meine Kindheit zurück, spüre noch jetzt den Mangel an bedingungsloser Liebe, Zuwendung und Anerkennung. Manches Wort meiner Eltern sitzt in mir wie ein Stachel. Ihr Versuch, mich an sie zu binden, ihre Erwartung, dass ich meine Aggressionen gegen sie unterdrücke. Ihr Streit, der mich erschreckte, ihr Überfordern und Korrigieren, das ohnmächtige Wut in mir weckte - all das hat mein Selbstwertgefühl verletzt.


Ich ahne, Gott, wo meine Eltern durch Vernachlässigung oder Überbehütung meine Lebensentwickung hemmten. Und vielleicht liegt es an meinem eigenen Vater, dass ich zu Dir, Gott, noch nicht Vater sagen kann.


Ich denke an meine Ehe oder an mein Alleinsein, an den Partner, den ich habe, oder an den, den ich vermisse. Da ist so viel Verbitterung in mir über versäumte Möglichkeiten und unerfüllte Sehnsüchte. Da ist so viel Enttäuschung über dumpfes Aneinander-Vorbeileben. Da sind abgebrochene Träume, Worte, die verletzen, Wunden, die nicht heilen wollen.


Ich denke an meinen beruflichen Werdegang. Mancher Weg wurde mir verbaut, manche Chance gestohlen. Mir hat weh getan, wenn Konkurrenten mir vorgezogen, meine Leistungen übergangen, meine Fähigkeiten unterschätzt wurden. Mein eintöniger Berufsalltag hat mich bitter und stumpf werden lassen.


Ich denke auch an Verletzungen durch Kirche und Christen: so viele hohle Worte, so wenig glaubwürdiges Leben.


Ich denke auch an Verletzungen, die ich mir selber zufügte: durch ständiges Herumnörgeln an mir, durch Selbstverneinung und Selbstüberforderung. Gott, da ist so viel, was in mir weint. Manches kann ich noch nicht aussprechen.


Und noch immer weiß ich nicht, ob du für mich bist. Aber wenn, dann bitte ich dich jetzt: Komm du mit der Kraft deiner heilenden Liebe in mein Leben. Zieh Du die Verbitterung und den Groll aus meinen schmerzhaften Erinnerungen. Fang an, meine Wunden zu heilen.


Amen.


Das Gebet wurde zitiert aus dem Begleitheft des Seminars "Christ werden - Christ bleiben".

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Ein Artikel von Glaube.de
Autor: Pastor Volkmar Janke / Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Nordenham (Baptisten)
Weiterverwendung nur mit dessen Genehmigung. Kontakt über Mitglieder -> Victor
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