W. Nee: Elternschaft - Teil 7

Leitverse: Epheser 6,1-4; Kolosser 3,20-21
Eph. 6,1-4: Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn, denn das ist billig. Ehre deinen Vater und deine Mutter, das ist das erste Gebot mit Verheißung: Auf dass es dir wohl gehe und du lange lebest auf Erden. Und ihrVäter reizet eure Kinder nicht zum Zorn, sondern ziehet sie auf in der Zuchtund Ermahnung des Herrn.
Kol. 3,20-21: Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in allen Dingen, denn das ist dem Herrn wohlgefällig! Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht, damit sie nicht unwillig werden.
Inhalt
Teil 1: Eine große Verantwortung
Teil 2: Mit Gott leben
Teil 3: Eltern müssen sich einig sein
Teil 4: Die Rechte der Kinder achten
Teil 5: Die Kinder nicht zum Zorn reizen
Teil 6: Eine korrekte Rede fahren
Teil 7: Kinder in der Zucht und Ermahnung des HERRN erziehen
Teil 8: Die Kinder zum HERRN führen
Teil 9: Eine Atmosphäre der Liebe schaffen
Teil 10: Mit Bedacht zurechtweisen
Teil 11: Große Eltern bringen große Kinder hervor
Kinder in der Zucht und Ermahnung des HERRN erziehen
Kinder in der Zucht und Ermahnung des HERRN erziehen
Wie kann man den Ausdruck "in der Ermahnung des Herrn" verstehen? Ermahnen bedeutet, Anweisungen geben, wie man sich zu verhalten hat. Wichtig dabei ist, dass Eltern ihre Kinder nicht wie Ungläubige behandeln, sondern mit ihnen als Christen reden. Der Herr möchte, dass Eltern in der Erwartung leben, dass ihre Kinder zum lebendigen Glauben an Gott kommen und darum sollen sie ihre Zöglinge auch so behandeln. Bei den Anweisungen sollte man sich an die gute christliche Norm halten.
1. Ihre Zielsetzung bestimmen
Eine große Aufgabe im Umgang mit Kindern ist, ihr Streben und ihre Wunschvorstellung richtig zu lenken. Könnten Kinder ihre Visitenkarte selbst drucken, würden sie zum größten Teil Titel wie "der zukünftige Präsident", "der künftige Direktor" oder "die zukünftige Königin" darauf vermerken. Haben Eltern keine Glaubensmaßstäbe, werden die Kinder Millionäre, Präsidenten oder Professoren sein wollen. Die Welt der Eltern wird zugleich die Welt der Kinder sein. Eltern müssen deshalb auf das Wünschen und Trachten ihrer Kinder Acht haben und es möglicherweise korrigieren. In der Hauptsache wird es darauf ankommen, dass die Eltern selbst nach dem "Reich Gottes" trachten und den Herrn lieben. Sie müssen es den Kindern mit auf den Weg geben, dass es ein Vorrecht ist, für den Herrn zu leiden und dass Verfolgung um Christi Willen eine Ehre ist. Reden die Eltern über ihre eigenen Ziele und lassen sie ihre Kinder wissen, wie sie sich selbst ihr Christsein vorstellen, werden diese die Ziele und Vorstellungen bald übernehmen.
2. Kindern ihren Stolz nicht nehmen
Kinder sind im Normalfall überzeugt von sich selbst und entwickeln einen gewissen Stolz im Bezug auf ihre eigene Person. Sie geben mit ihrer Klugheit, mit ihrem Wissen oder mit ihrer Beredsamkeit an und finden immer neue Dinge, mit denen sie sich hervortun können. Sie bilden sich ein, sie wären etwas ganz Besonderes. Eltern sollten dieses Verhalten ihrer Kinder nicht ganz unterdrücken, aber auch nicht unterstützen. Viele Eltern machen den Fehler, dass sie die Eitelkeit ihrer Kinder vermehren helfen, indem sie beispielsweise nicht eingreifen, wenn sich ihr Kind vor anderen Leuten brüstet. In diesem Fall können die Eltern ruhig dem Kind sagen, dass es noch viele Kinder wie es auf der Welt gibt. Stolz darf nicht gefördert werden, sondern vielmehr die Zucht und Ermahnung des Herrn. Ein Kind darf die Selbstachtung und das Überzeugtsein von sich selbst nicht verlieren, aber es muss auch erkennen, wo es sich selbst zu hoch einschätzt. Manchmal brauchen junge Menschen zehn oder zwanzig Jahre, bis sie sich die Hörner abgestoßen haben, einfach, weil sie es zu Hause nicht lernten, sich selbst genug zu demütigen. Ihre übersteigerte Selbsteinschätzung verwehrt ihnen, eine Arbeit wirklich zufriedenstellend zu erledigen.
3. Niederlagen einstecken können und Demut lernen
Ein Christ muss andere anerkennen und respektieren können, auch wenn er durch sie angegriffen wird. Es ist zwar einfach, sich als Sieger gut zu benehmen, aber dafür um so schwerer, nach einer Niederlage noch "gute Manieren" zu haben. Es mag etliche geben, die bei einem Erfolg noch bescheiden bleiben können, aber es dürften wenige sein, die als Besiegte nicht gering vom anderen reden. Die Haltung des Christen zeichnet sich durch die Bescheidenheit beim Erfolg und durch den guten Willen bei einer Niederlage aus. Kinder möchten gewinnen. Diese Einstellung ist gut, denn sie hilft ihnen im Sport und beim Lernen, ihr Bestes zu geben. Auch dein Kind sollte gut sein in der Schule und doch gleichzeitig dazu angehalten werden, bescheiden und demütig zu bleiben. Wenn nötig, sag ihm, dass es viele andere Schüler gibt, die noch besser sind als es selbst. Hilf ihm auch, Niederlagen einzustecken, ohne dabei den Mut zu verlieren. Hier haben Kinder ganz besonders Schwierigkeiten. Während beispielsweise beim Ballspiel der Sieger sich rühmt, klagt der Verlierer den Schiedsrichter wegen Parteilichkeit an oder gibt die Schuld der Sonne, die ihn geblendet hat. Kinder müssen zur Bescheidenheit ermutigt und angehalten werden. Wir müssen sie anleiten, in den Geboten und Wegen Jesu zu wandeln, damit sich ihr Charakter richtig entwickeln kann und sie es lernen, andere höher zu achten als sich selbst.
Für einen Schüler ist es normal, seinen Mitschüler als Liebling des Lehrers zu bezeichnen, wenn dieser bei einer Klassenarbeit gut benotet wird. Die eigene schlechte Note fährt er entsprechend auf seine Unbeliebtheit beim Lehrer zurück. Hier wird es deutlich, was ein Mangel an Demut bewirken kann. Christen müssen deshalb die Tugend lernen, verlieren zu können. Man muss zugeben können, dass der andere klüger, fleißiger und besser ist. Es ist eine unchristliche Eigenschaft, eingebildet zu sein, während es eine christliche Tugend ist, verlieren zu können. Auch in der Familie sollten die Kinder gelehrt werden, jene, die fähiger sind als sie, lobend anzuerkennen. Als Christen werden sie dann weniger Schwierigkeiten haben, sich selbst zu erkennen und richtig einzuschätzen. Selbsterkenntnis und Objektivität in der Einschätzung von anderen gehören zum christlichen Glauben. Kinder, die das gelernt haben, sind für geistliche Dinge zugänglicher.
4. Sich entscheiden können
Kindern muss man die Gelegenheit geben, sich selbst entscheiden zu müssen, während sie noch jung sind. Nimmt man ihnen bis zu ihrem 18. Lebensjahr jegliche Entscheidung ab und überlässt sie dann sich selbst, werden sie total unfähig sein, für sich selbst eine Entscheidung zu fällen. Immer wieder muss man sie auch bewusst vor Entscheidungen stellen, indem man sie fragt, was sie mögen oder nicht mögen und ihnen sagt, ob ihre Wahl gut oder schlecht war. Hilf ihnen bei ihren Entscheidungen. Kinder haben schon ein Empfindungsvermögen für Farben und können entscheiden, was ihnen am besten gefällt. Frag sie danach.
Für einen Menschen ist es unmöglich, eine Familie zu fuhren, wenn er es nicht gelernt hat, Entscheidungen selbständig zu fällen. Es ist deshalb geradezu sträflich, Kindern alle Entscheidungen abzunehmen. Gut ist es, sie nach ihrer Entscheidung über die Richtigkeit ihrer Wahl zu informieren.
5. Auf seine Dinge achthaben
Es muss Kindern beigebracht werden, sich um Dinge zu kümmern und ihnen Gelegenheit gegeben werden, ihre eigenen Schuhe, Strümpfe, Zimmer usw. instand zu halten. Nach einigen Erklärungen sollte man sie dazu anhalten, es alleine zu versuchen. So können sie es von Jugend auf lernen, für ihre eigenen Sachen zu sorgen. Manche Eltern machen ihren Kindern den Einstieg ins Leben schwer, weil sie ihnen alle Arbeit abnehmen und sie dadurch verwöhnen. Als Christ muss man den Kindern helfen, es zu lernen, ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln.
Wenn der Herr Seiner Gemeinde Gnade schenkt, glaube ich fest, dass die Hälfte der neuen Gemeindeglieder aus Kindern von gläubigen Eltern besteht und die andere Hälfte durch Gerettete aus der Welt zustande kommt. Eine Gemeinde kann nicht wirklich zunehmen, wenn nur von außen Leute dazukommen. Zur Zeit des Paulus, als die Gemeinden gerade am Entstehen waren, kamen ausschließlich Ungläubige, die eine Umkehr erlebt hatten, zur Gemeinde hinzu. Aber schon in der nächsten Generation waren es die gläubigen Familien, die für Gemeindenachwuchs sorgten. Timotheus ist ein Beispiel dafür. Wir können nicht erwarten, dass unsere Gemeinden nur durch das Hinzukommen von Außenstehenden wachsen. Es sollte uns ein Anliegen sein, dass aus den christlichen Elternhäusern auch viele Gläubige hervorgehen und dass Kinder durch Zucht und Ermahnung zur Gemeinde hinzukommen, so wie Timotheus von seiner Großmutter Lois und seiner Mutter Eunike im Glauben erzogen wurde. Nur so können Gemeinden wirklich wachsen.
Wie sieht die Situation heute aus? Heute muss sich die Gemeinde vielfach um die jungen Leute kümmern, für die die Eltern hätten Sorge tragen müssen. Weil die Eltern keine guten Vorbilder waren und ihre Kinder nicht im Glauben unterwiesen, müssen sie nun von der Gemeinde aus der Welt zurückgewonnen werden. Hätten die Eltern ihre Verantwortung richtig wahrgenommen, wären diese Kinder erst gar nicht verloren gegangen. Der Gemeinde wäre dadurch eine schwere Bürde erspart geblieben.
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Ein Artikel von Glaube.de
Mit freundlicher Genehmigung von Sound Words
Autor: W.Nee,Textbearbeitung Jürgen Motzkus, Redakteur bei www.glaube.de Foto: soundwords
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