Dr. Joseph Tkach: Samenkörner

Zu Jesu Lebzeiten war dies noch eine manuelle Tätigkeit, und während die meisten Samenkörner auf fruchtbaren Boden fielen, gelangten einige an Stellen, an denen sie nicht aufgehen konnten.
Jesus beschreibt, dass einige Samenkörner auf felsigen Grund fallen, andere auf dornigen, manche aber auch auf guten Boden. Die Samenkörner vergleicht er mit den Menschen, um aufzuzeigen, wie diese auf das Evangelium ansprechen.
Wir sollten bedenken, dass das Gleichnis keinesfalls sagen will, Gott bereite den Menschen mit steinigem und dornigem Boden ein Umfeld, das sie unempfänglich für die Botschaft des Evangeliums macht. Es zeigt vielmehr, dass die Art und Weise, wie einige die Gute Botschaft aufnehmen, vergleichbar ist mit einem Samen, der auf felsigen Boden fällt. Es ist ein Vergleich, eine Veranschaulichung, die deutlich macht, wie einige mit dem Evangelium umgehen – keine Rechtfertigung für die falsche Annahme, Gott mache es einigen absichtlich unmöglich, es sich zu eigen zu machen.
Jesus verglich Menschen, die sich aus Angst vor Verfolgung vom Wort Gottes abkehren, mit einer Saat, die auf felsigem Grund aufgeht, deshalb aber nicht richtig wurzelt. Auf ähnliche Weise gleichen Menschen, die das Wort Gottes hinter die alltäglichen Sorgen und das Streben nach Reichtum zurückstellen, Samen, die unter Dornengestrüpp ersticken.
Im Gegensatz dazu sind Menschen, die Gottes Wort hören, es sich zu Eigen machen und fruchtbringend umsetzen, mit Samenkörnern zu vergleichen, die in gutem Boden und ohne jede Beeinträchtigung keimen. Nun sind Menschen natürlich keine Samenkörner, und Gott bringt uns in Wirklichkeit auch nicht in Situationen, die verhindern, dass wir uns das Evangelium zu Eigen machen. Jesu Gleichnisse sollten nicht über ihren eigentlichen Aussagewert hinaus interpretiert werden.
Samenkörner denken nicht. Sie treffen keine Entscheidungen, können Gott nicht um Hilfe bitten. Aber wir können dies. Das Gleichnis will uns nicht vermitteln, dass wir hinsichtlich der Rezeption des Evangeliums wie Samenkörner dem Zufall ausgeliefert sind, deren Gedeih oder Verderb von der mehr oder weniger glücklichen Hand des Sämanns abhängt. Es will uns vielmehr dazu anhalten, uns eben nicht wie hilflose Samenkörner zu verhalten. Mit anderen Worten: Wenn wir merken, dass das Evangelium im Vergleich mit den Werten dieser Welt schlecht wegkommt, sollten wir uns dies bewusst machen und es auch ändern.
Jesus möchte, dass wir unsere Glaubenswurzeln fest verankern, damit wir auf dem zuweilen dornigen geistlichen Weg unseres Lebens bestehen können. Er will, dass wir gut in den fruchtbaren Boden eingebettet sind und seinem Wort Zeit und Raum geben, indem wir unsere Sorgen, Bedürfnisse und Triumphe im Gebet vor ihn bringen. Er möchte, dass wir das Wort Gottes in das von uns gewählte Tun einfließen lassen und in Güte, Gnade und Frieden das Evangelium verkünden.
Es wäre leicht, das Gleichnis vom Sämann heranzuziehen, um über andere zu richten und auf Menschen herabzublicken, die wir für glaubensschwach und abtrünnig halten. Schwerer, aber zugleich deutlich nutzbringender ist es dagegen, darin eine lehrende Mahnung zu sehen, unser Herz zu betrachten und sicherzustellen, dass nicht Gier, Stolz und die ängstliche Sorge um Besitztümer oder Selbstgefälligkeit unsere Begleiter im Leben werden.
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Ein Artikel von www.glaube.de
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Autor: Dr. Joseph Tkach, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: Dr. J. Tkach
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