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05-09-06

J. Michael Feazell: Frei in göttlicher Freiheit

"Okay, ich sehe also, dass ich meines Heils in Christus sicher sein kann. Und ich kann Ihnen sagen, wie großartig es ist, an Gottes Wort zu glauben und den Glauben abzulegen, dass ich für ihn nicht gut genug bin, um mich zu retten. Nun habe ich einige Fragen zur Vorherbestimmung. Was bedeutet die Aussage in Römer 8,29, dass er ?die, die er ausersehen hat, auch vorherbestimmt hat, dass sie gleich seien dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern?. Bedeutet dies, dass ich sowieso gerettet werde, weil Gott mich für das Heil vorherbestimmt hat?"


Ich bin froh, dass Sie diese Frage gestellt haben.
Es ist gewiss wahr, dass wir in unserem Heil ruhen können. Und es ist großartig, Gott auf Grund des Verdienstes Christi - nicht unseren Verdienstes - zu vertrauen, dass unser Heil uns frei geschenkt wird, daher können wir aufhören, uns über die Tatsache, dass wir nicht gut genug sind, Sorgen zu machen. Aber das Konzept der "Vorherbestimmung" kommt in vielen Verpackungen daher, und so wird es nützlich sein, dass wir etwas Zeit dafür verwenden, was die Bibel darüber sagt.

Erste Dinge zuerst
Bevor wir beginnen, wollen wir uns erinnern, dass wir aus Gottes Gnade durch den Glauben an Jesus Christus gerettet sind. Ihre Erlösung hängt nicht davon ab, was Sie tun, sondern was Christus getan hat. Durch die Menschwerdung seines einzigen Sohnes, erlöste Gott nicht weniger als die ganze Schöpfung (nicht nur einen Teil der Schöpfung, nicht nur einige Menschen und andere nicht). Wenn wir über die Erlösung der Schöpfung durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes (Jesu Empfängnis, Geburt, Leben, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt) sprechen, sprechen wir nicht bloß über ein logisches Argument oder einen fein abgestimmten Satz von Thesen. Wir sprechen vom Geheimnis der letztendlichen Wahrheit selber, dem Geheimnis, das im Wesen von Gottes eigenem Sohn enthalten ist.

Wenn der Sohn Gottes die geschaffene Ordnung in sich aufnimmt, indem er etwas wird, was er nicht war (nämlich menschlich), kann das, was er in sich aufnimmt, es nicht verpassen, erlöst zu werden, weil es in den Einen aufgenommen wurde, "der das ganze Universum mit seinem mächtigen Wort trägt" (Hebr 1,3). Wenn Sie auf Christus vertrauen, hoffen sie nicht bloß, dass die Dinge gelingen werden, sondern Sie sind mit der Realität, die alle Dinge richtig stellt, in Gemeinschaft. Es wird alles in Römer 8,31-39 zusammengefasst.

Wir wurden vorherbestimmt, dem Ebenbilde seines Sohnes gleich gestaltet zu werden. Dies war von Anbeginn an Gottes Plan, das Geheimnis der Zeitalter, das in der Fülle der Zeit in Jesus Christus offenbart wurde, um die auf Abwege geratene Menschheit (uns alle) für sich selbst zu erlösen. Einige Menschen sind zum Glauben an Christus gerufen und schmecken die Erlösung vor anderen (Eph 1,12). Diejenigen, die früh zum Glauben berufen werden, sind ein lebendiges Zeugnis für die Gnade, die Gott über die Welt ausgegossen hat, eine Gnade, die beim Erscheinen Christi (Tit 2,11-14) voll sichtbar werden wird. Alles geschieht durch die vorherige Erkenntnis von Gottes Gnade, der in Christus seinen gnädigen Heilsplan für die Gemeinde von Anbeginn ausgearbeitet hat (Mt 25,34).

Die Schöpfung kann nicht ohne Erlösung und Verwandlung bleiben, wenn der Sohn Gottes sie in sein eigenes Wesen aufnimmt. Sie wird zu einer neuen Schöpfung. Wie die ursprüngliche Schöpfung von Gott für "gut" erklärt und dann durch Rebellion verdorben wurde, so wird die neue Schöpfung in Christus "gut" gemacht, und sie kann nicht verdorben werden, weil sie im ewigen Licht des Sohnes weilt. Was Gott macht, ist gut. Menschliche Freiheit ist gut. Was Menschen mit dieser guten Gabe der Freiheit gemacht haben, ist nicht gut. Aber in Christus erlöst Gott Sünder.

In Christus erwählt Gott alle
Die Lehre von der Vorherbestimmung wird manchmal in diesem Sinne als "Auserwählung" bezeichnet, als Gott einige Menschen aus der Menge für seine Zwecke auserwählt. Abraham wurde beispielsweise von Gott gewählt oder auserwählt, so wie auch sein Sohn und sein Enkel Isaak und Jakob. Andere Auserwählte inkludierten Mose, Josua, David, die Propheten und natürlich wurde das Volk Israel aus den anderen Völkern auserwählt.

Der Apostel Paulus schrieb in mehreren Abschnitten über die Vorherbestimmung. In Römer 8,28-30 und Epheser 1,3-6 betont Paulus, dass die Auserwählung spezifisch "in Christus" ist, und dass es allein Gottes eigene Wahl für seine eigenen Zwecke ist. In Römer 9-11 führt Paulus die Fragen der Auserwählung weiter aus, indem er die Frage von Israels Ablehnung seines Messias untersucht.

Im Laufe seines Arguments in Römer 9-11 stellt Paulus die Frage: "Da Gott seinen Zorn erzeigen und seine Macht kundtun wollte, hat er mit großer Geduld ertragen die Gefäße des Zorns, die zum Verderben bestimmt waren, 9,23 damit er den Reichtum seiner Herrlichkeit kundtue an den Gefäßen der Barmherzigkeit, die er zuvor bereitet hatte zur Herrlichkeit. 9,24 Dazu hat er uns berufen, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden" (Röm 9,22-24).

Wie zu erwarten, gab es über diesen Abschnitt im Laufe der Jahrhunderte viele Debatten. Aus dem Kontext gezogen klingt dies sehr nach doppelter Vorherbestimmung - einige sind zur Rettung, der Rest zur Verdammnis vorherbestimmt. Aber wir sollten zwei wichtige Faktoren beachten: Erstens macht Paulus hier keine Aussage. Stattdessen stellt er die Frage Was wäre wenn? Den Punkt, den er in Römer 9 und 10 macht, ist dass 1) Israel die Gerechtigkeit vor Gott nicht erreicht hat, weil sie auf ihre eigene Weise nach Gerechtigkeit trachteten, anstatt ihr Vertrauen in Christus zu setzen. 2) Dies bedeutet jedoch nicht, dass Gottes Bundesverheißungen versagt haben, weil Gott die Freiheit hat, nach seiner Wahl Gnade zu erweisen. 3) Gott hatte den Heiden Barmherzigkeit erwiesen, indem er sie durch den Glauben in das Reich Gottes brachte, und er zeigte gegenüber Israel Barmherzigkeit, indem er einen Rest durch Glauben rettete.

Als nächstes beantwortet Paulus in Kapitel 11 die Dilemmas, die er in den Kapiteln 9 und 10 aufgeworfen hatte. "So frage ich nun: Sind sie gestrauchelt, damit sie fallen? Das sei ferne! Sondern durch ihren Fall ist den Heiden das Heil widerfahren, damit Israel ihnen nacheifern sollte. 11,12 Wenn aber schon ihr Fall Reichtum für die Welt ist und ihr Schade Reichtum für die Heiden, wie viel mehr wird es Reichtum sein, wenn ihre Zahl voll wird (Röm 11,11-12).

Ja, Paulus behauptet, dass Israel Christus ablehnte und daher - außer einem Rest von Gläubigen - unter das Gericht des Bundes fällt. Aber ? dann kommt die größte und beste "Aber"-Aussage in der Welt! "Jene aber, sofern sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott kann sie wieder einpfropfen (Röm 11,23).

Das ist richtig. Anfänglicher Unglaube ist schließlich nicht das Ende der Geschichte. Diese Menschen lehnten Christus ab, aber Gott bietet ihnen immer noch Hoffnung an - Hoffnung, die in seinem ewigen Plan gründet und in seiner gnädigen Liebe und Macht offenbar wird, Menschen durch Christus in sein Reich zu bringen. Der Gott, der in seiner Bundesliebe auf ewig treu ist, bietet Ungläubigen die Gelegenheit, Gläubige zu werden, und er kann das sogar für tote, ungläubige Israeliten tun. Durch Christus kann Unglauben in Glauben verwandelt werden!
Paulus fährt fort: "Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; 11,26 und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. 11,27 Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde" (Röm 11,25-27).

Gott wirkt auf seinen eigenen Wegen und zu seiner eigenen Zeit, aber sein Werk steuert auf ein Endziel zu, seinen Willen, dass alle Menschen gerettet werden. "Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme. 11,33 O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege" (Röm 11,32-33)!

Sogar wenn Gott einige Menschen im Vorhinein der Verdammnis oder dem Heil übergeben würde, hätten wir keinen Grund, uns zu beklagen, weil Töpfe dem Töpfer nicht vorschreiben, wie er sie zu machen hat. Aber die gute Nachricht, das Evangelium lautet, dass, obwohl Gott jedes Recht hat, uns alle zu zerstören, nimmt er stattdessen unsere Sünde in Christus auf sich und erlöst und errettet uns so. Gott weiß, was er tut - er gibt uns sein Reich - egal, wie es manchmal aus unserer Sicht aussieht und wir können ihm vertrauen, dass er es tut.

Weit verbreitete Ideen
Okay, nun können wir über einige weit verbreitete Vorstellungen, die es über die Vorherbestimmung gibt, sprechen. Die vielleicht bekannteste wird als "Calvinismus" bezeichnet. Diese Sicht der Vorherbestimmung ist nach dem reformatorischen Theologen Johannes Calvin benannt. Sie wurde von einigen seiner Nachfolger in dieser Form konstruiert und ist die allgemeine Position der reformierten Kirchen, was viele Presbyterianer, Kongregationalisten und deutsche reformierte Kirchen einschließt.

Obwohl es Variationen gibt, wird die calvinistische Sichtweise gewöhnlich durch das englische Akronym TULIP definiert. Es sieht in etwa wie folgt aus:

? Totale Verderbtheit (Total depravity)
? Bedingungslose Auserwählung (Unconditional election)
? Begrenzte Versöhnung (Limited atonement)
? Unwiderstehliche Gnade (Irrestistible grace)
? Beharrlichkeit der Heiligen (Perseverance of the saints)
Weit TULIP fünf Punkte hat, werden seine Anhänger oft als "Fünf-Punkte-Calvinisten" bezeichnet. Schauen wir uns jeden Punkt von TULIP an.

1. "Totale Verderbtheit" bezieht sich auf den sündigen Zustand der Menschen. Im Gegensatz zu dem, was Sie gehört haben mögen, bedeutet es nicht, dass Menschen "total verdorben" sind. Es bedeutet, dass es keinen Teil des menschlichen Zustandes gibt, der nicht von der Sünde berührt und befleckt wurde. Daher sind alle Menschen ohne Christus für das Reich Gottes untauglich.

2. "Bedingungslose Auserwählung" bedeutet, dass Gott die Entscheidung getroffen hat, einige völlig aus seinem eigenen Willen heraus durch Gnade zu retten, ohne dass für diese Erwählung irgendwelche Bedingungen erforderlich oder erfüllt werden müssen.

3. "Begrenzte Versöhnung" bedeutet, dass Jesu Opfer nicht für alle Menschen wirksam ist. Es ist nur für jene wirksam, die zur Rettung vorherbestimmt, nicht für diejenigen, die zur Verdammnis vorherbestimmt wurden.

4. "Unwiderstehliche Gnade" bedeutet, dass man der Gnade, die Gott denen, die zur Rettung vorherbestimmt wurden, gibt, nicht widerstehen kann. Gottes Gnade wird sie leiten, dass sie Gläubige werden, egal wie hart sie sich dagegen sträuben mögen. Die Idee dahinter ist, dass wenn ein Mensch letztendlich Gottes Gnade ablehnt, es bedeuten würde, dass der Wille Gottes durch Menschen vereitelt werden kann, was Gottes Souveränität unterminieren würde.

5. "Beharrlichkeit der Heiligen" bedeutet, dass die zur Rettung Auserwählten nicht nur Gläubige werden, sondern sie werden unter der Gnade Gottes bleiben, und sie können nicht abfallen, egal was sie tun.

Praktische Anwendung
Schauen wir uns jetzt an, wie sich TULIP in der Praxis auswirkt. Erstens basiert es auf einem bestimmten Konzept der Souveränität oder Regierungsmacht Gottes. In diesem Konzept kann nichts jemals passieren, was Gott nicht vor aller Zeit und vor der Schöpfung bestimmte und plante. Da wir in der Bibel lesen, dass einige Menschen gerettet werden und einige nicht, würde diese Sichtweise bedeuten, dass Gott vor aller Zeit entschied, dass er einige Menschen für das Heil und einige Menschen für die Verdammnis erschaffen würde. Mit anderen Worten, da nichts geschieht, was Gott nicht persönlich bestimmte und plante, wusste Gott nicht nur die ganze Zeit, wer gerettet und wer verloren gehen würde - er ist der Eine, der diese Entscheidung traf. Diese Sichtweise wird manchmal "doppelte Vorherbestimmung" genannt."

Eine Reihe von Theologen, die die Vorherbestimmung der Erlösten lehren, vertreten jedoch nicht den Standpunkt der Vorherbestimmung der Verdammten. Sie erklären es etwa so: "Da alle Menschen Sünder und ohne Gottes Gnade verloren sind, empfangen diejenigen, die nicht auserwählt wurden, einfach die gerechte Belohnung für ihre Rebellion. Es ist nicht so, dass Gott sie spezifisch für die Verdammnis vorherbestimmte oder auserwählte - weil Gott sie nicht erwählte, um Gnade zu empfangen und gerettet zu werden, bekommen sie schließlich, was sie verdienen."

Diese Ansicht wird manchmal "einfache Vorherbestimmung" genannt. Ob einfache oder doppelte Vorherbestimmung, es läuft auf folgendes hinaus: Gott schuf eine Menge von Menschen; sie sind alle Sünder und können diesbezüglich selber nichts tun. Gott erweist Gnade und Barmherzigkeit, um einige auszuerwählen, und verdammt die anderen. Was soll es also? Sie verdienen es. Also, zur Hölle mit ihnen.

In der Praxis funktioniert das etwa so: Wenn du drinnen bist, dann bist du drinnen; wenn du draußen bist, dann bist du draußen. Und es gibt keinen Weg, um sicherzugehen, ob man drinnen oder draußen ist. Aber man kann einen gewissen Beweis haben, dass man drinnen ist - gute Werke. So ist es eine gute Idee, eine Menge gute Werke zu tun. Je mehr man gute Werke tut, desto wahrscheinlicher ist es, dass man drinnen ist, aber kommen Sie nicht auf die Idee, dass dies etwas beweist.

Wenn man keine guten Werke aufzuweisen hat, ist es ein guter Anhaltspunkt, dass man wahrscheinlich nicht drinnen ist (aber sogar das ist nicht sicher). Was also diese Doktrin mit einer Hand gibt (die Heilsgewissheit für die Auserwählten), nimmt sie mit der anderen Hand (den einzigen Beweis, den man hat, dass man gerettet ist, ist ein verändertes Leben in Bezug auf gute Werke).

Diese Doktrin ist eine schlechte Nachricht für die Menschheit (die verdammten Nicht-Auserwählten), und man kann sie sogar für die Auserwählten schwerlich als gute Nachricht bezeichnen (sie wissen in diesem Leben nie sicher, ob sie auserwählt oder verdammt sind). Das Evangelium ist jedoch eine gute Nachricht, und es ist für jeden eine gute Nachricht.

Der Einfluss von Aristoteles
Der TULIP-Standpunkt über die Vorherbestimmung basiert auf dem ptolomäischen und aristotelischen Konzept der Art und Weise, auf die Gott souverän ist. Was ich meine ist folgendes: Die Idee der Vorherbestimmung, die weitläufig als "calvinistisch" bezeichnet wird und auf der vorhin erklärten TULIP-Formulierung besteht, beruht auf einer Heirat des Christentums mit einem Konzept des Kosmos, bei dem die Erde im Mittelpunkt steht, wie es vom griechischen Astronomen Ptolomäus, und einem Konzept von Gott, wie es vom griechischen Philosophen Aristoteles formuliert wurde. Es beruht nicht auf dem Konzept Gottes, von dem wir in der hebräischen Bibel lesen.

Aristoteles lehrte, dass Gott der "unbewegte Beweger" ist. Mit anderen Worten, Gott ist nicht nur die ursprüngliche Quelle oder Taufstein aller Dinge, er ist statisch, unbewegt und unbeweglich, weil, so glaubte Aristoteles, um die ursprüngliche Quelle und Taufstein aller Dinge zu sein, kann Gott nicht von irgendetwas anderem bewegt werden. Darüber hinaus kann sich Gott nicht ändern, da jede Änderung seinerseits ihn nicht mehr als Gott erweisen würde, denn schließlich ist Gott derjenige, der Änderung verursacht, und nicht der, der sich ändert (aus der Sicht des Aristoteles war Gott keine Person, wie Sie erraten haben mögen).

Wie sollen wir mit dieser Vorstellung des "unbewegten Bewegers" hinter unserer Argumentation die Art und Weise verstehen, in welcher der christliche Gott souverän ist, d. h. die Art und Weise, wie Gott das Universum vollständig kontrolliert? Nun, um es uns nochmals vor Augen zu führen, ist die TULIP-Vorstellung, dass, wenn Gott wirklich souverän, wirklich in vollständiger Kontrolle ist, dann muss alles, was letztendlich passiert, von Gott verursacht sein. Mit anderen Worten, wenn jemals etwas passierte, was letztendlich nicht von Gott verursacht wäre, dann wäre Gott nicht in vollständiger Kontrolle. Und da Gott in vollständiger Kontrolle ist, muss letztendlich alles von Gott verursacht worden sein.

Darüber hinaus ist Gott nicht nur omnipotent oder allmächtig (souverän), er ist auch allwissend. Mit anderen Worten, so argumentiert TULIP, es gibt nichts, was jemals passiert, vom dem Gott nicht wusste, dass es geschehen würde. Was haben wir bislang? Erstens, dass Gott souverän ist, d. h. über alle Dinge völlige Kontrolle hat, passiert nichts, wovon Gott nicht die endgültige Ursache ist. Zweitens, da Gott alles weiß, was geschehen wird, kann nichts jemals passieren, was 1) Gott nicht bereits weiß, und 2) Gott nicht verursacht hat.

Dies bedeutet logischerweise dass Gott unveränderlich ist, d. h. Gott kann sich nicht ändern. Könnte sich Gott ändern, würde das als Erstes bedeuten, dass Gott nicht bereits vollkommen wäre. Es würde auch bedeuten, dass er nicht bereits alles was passiert, im Vorhinein weiß. Daher würde es bedeuten, dass Gott nicht über alles völlige Kontrolle hat, da der einzige Grund, weshalb er sich ändern müsste, darin läge, dass Dinge weit genug seiner Kontrolle entglitten wären, um eine Kurskorrektur zu rechtfertigen.

Dilemma
So postuliert TULIP einen Gott, der allmächtig, allwissend und unveränderlich ist. Es hat den Anschein, dass man Gottes Souveränität einer luftdichten Formulierung gesichert hat, was es für Gott bedeutet, komplett für das Universum verantwortlich zu sein. Aber, ein gewaltiges Dilemma tauchte auf, welches lautet: Gott ist gut, aber es gibt Böses in der Welt.

Wie ist dies passiert? In dieser Welt, in der Gott 1) die Ursache von allem, was geschieht, ist, 2) alles was passiert, von Anbeginn weiß, da er schließlich die Ursache davon ist, und 3) Gott sich nicht ändern kann, da jede Veränderung letztlich bedeuten würde, dass der nicht perfekt ist - wie kam die Sünde in die Welt?
Wollte Gott Böses in seinem Universum? Falls ja, dann würde er die letztendliche Ursache des Bösen sein. Aber das trifft nicht zu. Und wenn Gott das Böse in seinem Universum nicht wollte, aber es trotzdem da ist, dann muss Gott nicht in völliger Kontrolle sein. Und das Dilemma wird schlagartig größer. Wenn nichts geschieht, was Gott nicht verursacht hat, dann ist Gott irgendwie auch die Ursache von menschlicher Sünde. Und was noch beunruhigender ist, wenn Menschen Sünder sind, weil Gott sie so gemacht hat, auf welcher Grundlagen können wir dann sagen, dass Gott gerecht ist, wenn er sie verdammt? Natürlich, die ganze Vorstellung von einem freien Willen unter Menschen wird zu einer Übung in semantischer Gymnastik, mit der wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht verzetteln wollen.

So stellt sich also TULIP als Konstrukt der Art und Weise, in der Gott souverän ist, auf einigen erstaunlich unbiblischen Wegen dar. Die Bibel sagt, dass Gott Sünde hasst, doch dieses Konstrukt sagt, dass er einige Menschen bewusst zu verdammten Sündern machte. Die Bibel sagt, dass "Gott die Welt so liebte", und dass Gott möchte "dass alle zur Buße kommen", und dass Christus "alle Menschen zu mir ziehen wird", doch dieses Konstrukt sagt, dass Gott einige liebt, indem er sie verdammt, bevor sie überhaupt den ersten Atemzug machten.

Die Bibel sagt, dass Gott sich mit Menschen auf bedeutungsvolle Weise austauscht, und berichtet sogar einige faszinierende Gespräche mit Menschen, in denen Gott etwas lernt und sogar seine Meinung ändert. Doch dieses Konstrukt sagt, dass nur einfache, ignorante Leute die Bibel auf diese Weise lesen; Gott tut nicht all dieses Zeug.

Wo stehen wir also jetzt? Nun, es lässt die meisten von uns vorherbestimmten armen Schlucker in der Hölle, wofür uns Gott offensichtlich auf souveräne Weise bestimmte, und nach diesem Konstrukt, genießt er gründlich unsere ewige Qual als Tribut gegenüber seiner höchsten Gerechtigkeit.

Nun, die Bibel zeichnet Gott sei Dank ein ziemlich unterschiedliches Bild. Und es mag für uns eine gute Idee sein, dass wir auch unsere Vorstellung aus der Bibel nehmen, statt dass wir die Bibel mit unseren Annahmen über Gott lesen, die von Philosophien gefärbt sind, die der biblischen Welt fremd sind. Schauen wir uns an, was wir lernen können, wie die Bibel Gottes Souveränität offen legt.

Kann Gott souverän und vollkommen und auch in der Lage sein, eine bestimmte Vorgehensweise zu ändern? Kann Gott in völliger Kontrolle des Universums sein und auch Menschen echte Freiheit geben? Kann Gott ein Universum schaffen, in dem er ein aktiver Partner mit der Menschheit ist, ohne die endgültigen Entscheidungen zu bestimmen, die Menschen treffen müssen?

"Brr, würden Sie bitte eine Frage beantworten, statt zwei weitere zu stellen?". Okay, beantworten wir alle drei: Ja, Gott kann.

Souverän
Schließlich ist Gott Gott; er kann nach seinem freien Willen tun, was er sich in Übereinstimmung mit dem, was er ist, vornimmt. Bedenken wir die Tatsache, dass der Heilige Geist biblische Autoren inspirierte, Begebenheiten aufzuzeichnen, in denen sich Gott in der Tat änderte.
Die Bibel zeigt tatsächlich, dass Gott sich eine Welt schuf, in der er leben, arbeiten, sich erfreuen und ausruhen kann. Das Universum hängt in jedem Moment seiner Existenz von ihm ab, doch Gott hat Freude an dem, was er geschaffen hat und ist an seinem Leben und seiner Reise aktiv involviert.

Denken wir über das biblische Bild Gottes nach. Er liebt eine kühle Brise (1Mo 3,8). Er geht und spricht mit Menschen (2Mo 33,11). Er findet Dinge über sie heraus (1Mo 22,12). Er macht Freunde (Jak 3,23) und wird von ihnen enttäuscht und verletzt (2Sam 12,7-9).

Dieser Gott, der Gott der Bibel, ist in der Tat souverän, aber nicht so "anders", dass er die Welt, die er gemacht hat, nicht genießt. Als er sie fertig erschaffen hatte, fuhr er fort, in ihr zu ruhen. Und er ruft uns sogar auf, uns ihm in seiner Ruhe anzuschließen. Er ist ein Gott, der aus freien Stücken Dinge schafft und sich dann dranmacht, das, was er geschaffen hat, großzügig zu benutzen und sich daran zu erfreuen.

Ist ein solcher Gott in Kontrolle? Es scheint mir - und Sie mögen mir widersprechen -, dass ein solcher Gott in der Tat weitaus mehr Kontrolle und weitaus mehr Macht hat als die Art von Gott, die durch TULIP beschrieben wird.
TULIP, welches die calvinistische Sichtweise der Vorherbestimmung beschreibt, ist, wie vorhin erwähnt, ein Akronym, das im Englischen für totale Verderbtheit, bedingungslose Auserwählung, begrenzte Versöhnung, unwiderstehliche Gnade und Beharrlichkeit der Heiligen steht.

Worauf es hinausläuft: Der TULIP-Gott muss etwas erschaffen, was wie ein großer Film von vorherbestimmten Resultaten und Charakteren aussieht, die nicht mit ihm ringen können, ihm nicht erwidern, ihn nicht herausfordern oder umgekehrt, ihn nicht wirklich lieben können, außer er hat es alles in sein vorher abgemachtes Manuskript geschrieben. Sicher, er ist in Kontrolle, aber worüber? In Kontrolle eines großartigen kosmischen Drehbuchs.
Aber der Gott der Bibel, der in seiner eigenen göttlichen Freiheit ein wahrhaft freies Universum mit freien Menschen geschaffen hat, übt seine Ehrfurcht gebietende Kreativität und Genialität kontinuierlich aus, weil er trotz der sündigen und rebellischen Menschen seinen Plan für sie erreicht.
In der Tat, in seiner überschwänglichen Herrlichkeit seiner Bundestreue bringt er durch seine unbeschreibliche Gnade, die er reichlich und in höchster Form in Jesus Christus zum Ausdruck bringt, ständig Gutes aus Bösem und Licht aus der Finsternis hervor.

Der Gott der Bibel zwingt niemandem, ihm zu vertrauen. Er nimmt niemandem die Freiheit weg, sich ihm zu verweigern. Doch er ist in seinen Mitteln, an die Türen unserer menschlichen Schlösser zu klopfen, ungeheuer kreativ, indem er sich einlädt, ja sogar eindringlich bittet, ihn zu uns einzuladen.

Dies ist der Gott, der in Jesus Christus einer von uns wurde. Dies ist der Gott, der mit uns durch Christus vereint und in Gemeinschaft ist. Dies ist der Gott, der uns liebt.

Göttliche Freiheit
Gott ist frei, der zu sein, der er ist. "Ich bin, der ich bin", auch übersetzt als "Ich werde sein, der ich sein werde" (2Mo 3,14) - das ist eine Selbstbeschreibung Gottes. Er ist frei, das Universum und die Menschheit zu schaffen und mit ihnen in jeder Weise, die ihm gefällt, in Verbindung zu treten und was ihm gefällt ist, zu und mit seiner Schöpfung treu zu sein.

Die Tatsache, dass Gott in der Lage ist, ein wie eine Uhr aufgezogenes, vorherbestimmtes Universum zu schaffen, heißt nicht, dass er das tun musste. Das platonisch-artistotel?sche Konzept von Gott, wie es sich in TULIP widerspiegelt, verlangt, dass Gott es tun musste.
Es fordert, dass ein richtiger, logischer, total souveräner Gott Dinge auf keine andere Weise hätte tun können. In seinem Bemühen, Gottes Souveränität zu schützen, werden Gott letztlich die Hände gebunden, indem man ihn auf eine bestimmte und unbiblische Weise, mit seiner Schöpfung souverän zu sein, begrenzt.

Wenn wir andererseits den biblischen Bericht von Gottes Selbstoffenbarung ernst nehmen, müssen wir zum Schluss kommen, dass Gott frei ist zu erschaffen und mit seiner Schöpfung auf jede Weise, die ihm gefällt, in Verbindung zu treten, weil er im Einklang mit dem, was er ist, frei ist, zu sein und zu tun, wie es ihm gefällt (und er ist "Ich bin, der ich bin").

Unsere Freiheit, zu sein, wer wir in Christus sind, ist keine Freiheit, die wir einfach auf Grund unseres Daseins haben. Es ist eine Freiheit, die uns von Gott geschenkt und anvertraut wurde, und hängt von Gottes eigener Freiheit ab, sie uns zu geben.

Mit anderen Worten, wir haben die Freiheit, Gottes Gnade anzunehmen oder abzulehnen nur, weil Gott uns in seinen Händen hält, nicht weil wir in und aus uns selber persönliche Souveränität haben. Sie können Gott ablehnen, aber indem sie Gott ablehnen, lehnen Sie auch sich selbst ab, denn Ihre Freiheit wird nur von dem Gott, den Sie zurückweisen, aufrechterhalten.

Unveränderlich und gefühllos
In unseren Bemühungen, über Gott zu sprechen und ihn zu beschreiben, haben wir keine andere Wahl, als Analogien und Vergleiche zu geschaffenen Dingen, die wir kennen, zu benutzen. Aber wir müssen daran denken, dass Gott in allen unseren Analogien und Vergleichen nicht einmal auf der gleichen Ebene ist, als die geschaffenen Dinge - seien es Objekte, Rollen oder Leidenschaften -, die wir verwenden mögen, um ihn zu beschreiben. Sogar das Fürwort "er" ist nur eine Analogie; wir sollten nicht auf die Idee kommen, dass Gott in Wirklichkeit männlich oder weiblich ist.

Gott ist die Quelle und die Ursache allen Seins und jeder Existenz. Er bringt alles ins Dasein, ohne dass etwas ihn ins Dasein bringt. Er ist reines Sein, von dem jedes andere Sein fließt. Die Existenz aller Dinge hängt von ihm ab, und er hängt für seine Existenz von niemandem ab. Er kann sich ändern und ändert sich, so wie er sich in seiner nicht geschaffenen [ewigen] Freiheit zu ändern entscheidet. Er kann nicht durch etwas, das außerhalb von ihm ist, geändert werden, als ob er ein geschaffenes Wesen wäre.

Wenn wir also sagen, dass Gott "unveränderlich" (unwandelbar) und "gefühllos" (unfähig zu fühlen) ist, meinen wir nicht, dass Gott sich nicht ändern oder fühlen kann. Wir meinen vielmehr, dass Gott von irgendetwas, das außerhalb von ihm ist, nicht geändert oder bewegt oder verletzt werden kann.

Aber in seiner göttlichen Freiheit kann Gott aus sich selbst heraus sich ändern und fühlen. Mit andern Worten, Gott kann nicht gegen seinen Willen handeln, aber in seiner göttlichen Freiheit handelt er.

In seiner ewigen Gelassenheit und Ruhe ist Gott nicht deprimiert, verwirrt, besorgt oder sprachlos über menschliche Sünde, Katastrophen und Tragödien. Schließlich kennt er seine Kraft und seinen Plan und was er aus all dem hervorbringt.

Aber, wie Tom Torrance es ausdrückte "bedeutet es nicht, dass Gott in sich selber ohne Leidenschaft, ohne Liebe oder ohne Barmherzigkeit ist, dass er gefühllos und unveränderlich mit unserer Welt von Zeit und Raum in einer solchen Weise in Beziehung steht, dass sie als geschlossenes Kontinuum von Ursache und Wirkung auf sich selbst zurückfällt (Ground and Grammar of Theology, T. F. Torrance, The University Press of Virginia, 1980, S. 65).

Anders ausgedrückt, das Universum besteht nicht aus sich selber. Wenngleich es in der Tat "Ursache und Wirkung" gibt, sind "Ursache und Wirkung" nicht alles. Das Universum funktioniert nach allgemeinen Regeln, die von seinem Schöpfer geplant wurden, aber es ist nicht vom freien und großzügigen Willen Gottes und seiner kreativ erhaltenden Gegenwart losgelöst.

Gott hatte Freude daran, Dinge auf eine Weise zu machen, dass sie auf ihrem Weg in einer, wie man es nennen könnte, "ziellos geordneten" Existenz anstoßen und kollidieren. Sogar unser Leben unterliegt dem, was wir "Zeit und Zufall" nennen, doch als Christen glauben wir, dass diese sehr realen, oft schmerzhaften Launen von "Zeit und Zufall" die geheimnisvollen und gnädigen Mittel sind, durch die uns unser liebender Vater aus der Dunkelheit heraus in sein wunderbares Licht führt.

Treu, nicht unveränderlich
Der "Gott" Platos und Aristoteles? konnte sich nicht ändern, denn sich zu ändern würde für "Gott" bedeuten, dass "Gott" nicht bereits vollkommen war. Daher wurde "Gott" der "unbewegliche Beweger" genannt. Aber der Gott der Bibel hat kein Problem mit Veränderung, wann immer er sich dafür entscheidet, und er bleibt während¬dessen vollkommen und ganz und gar Gott. Er feilschte mit Abraham über das Schicksal Sodoms und stimmte zu, seinen Plan unter gewissen Bedingungen zu ändern (1Mo 18,16-33).

Gott änderte seine Meinung bezüglich der Israeliten, als sie anfingen, das goldene Kalb auf dem Berge Sinai anzubeten; dann erlaubte er Mose, ihm auszureden, sie zu töten und den ganzen Plan mit Moses Kindern neu zu beginnen (2Mo 32,7-14). Er passte sich Israels Verlangen nach einem König an (1Sam 8). Er änderte seinen Plan bezüglich der Bestrafung des bösen Königs Ahab (1Kö 21,27-29).

"Warten Sie einen Moment. Wie steht es mit dem Vers, der sagt: ?Denn ich, der Herr, wandle mich nicht??" (Mal 3,6).
Nun, Gott sagt sicherlich nicht, dass er nicht tut, was der Heilige Geist zur Niederschrift in der Bibel inspirierte, was er tatsächlich tat. "Denn ich der Herr, wandle mich nicht" und andere Passagen über Gottes Unveränderlichkeit sind Bekundungen von Gottes Treue gegenüber seiner Bundesverheißung ("Aber ihr habt nicht aufgehört, Jakobs Söhne zu sein", heißt es weiter). Und innerhalb dieser unwandelbaren Treue zu seinem geliebten Volk gibt es viele Höhen und Tiefen, Windungen, Enttäuschun¬gen und Überraschungen.

Gottes Bundestreue ist das Thema, das sich durch die ganze Bibel zieht. Gott machte Verheißungen an Abraham, und diese Verheißungen schlossen das Heil der Welt durch den Samen Abrahams mit ein (Gal 3,16.29). Die Bibel ist der Bericht von Gottes Treue zu diesen Verheißungen.

Diese Treue ist in der Tat der Grund, warum Gott konstant davon ablässt, was von der Logik her Sinn machen würde - rebellische Sünder total auszulöschen -, und stattdessen ihre Sünde vergibt, sogar hin bis zum Punkt der höchsten Selbstaufopferung.

Gott ist souverän, aber er ist auf die Weise souverän, wie er es bestimmt, nicht in der Weise, wie die größten menschlichen Denker schlussfolgern, dass die letztendliche Ursache aller Dinge logisch sein muss. Gott wird der sein, der Gott sein wird (Was erwarten Sie sonst von einem Gott, der sich selber "Ich bin, der ich bin" nennt?).

Und er hat sich entschieden, für uns und mit uns zu sein, der Vater von Jesus Christus, der Sender des Heiligen Geistes, der Liebhaber unserer Seelen, unser Erlöser, unser Befreier, unser Tröster, unser Beistand, unser Helfer, unsere Stärke, unsere Gerechtigkeit, unser Frieden, unsere Hoffnung, unser Leben, unser Licht, unser Freund, und viele andere gute und wunderbare Attribute.
Warum? Weil er der "Ich bin, der ich bin" ist (2Mo 3,14).
Gott verhält sich nicht auf eine Weise, wie wir es erwarten würden. Wir können ihn nicht in eine Box stellen. Wir können ihn nicht verpacken, um ihn attraktiver zu machen. Wir können ihn nicht in ein Bild unserer Vorstellung modellieren, wie ein richtiger und respektabler und vom Vorstand beglaubigter Gott sein sollte.

Gott ist kein "unbewegter Beweger", der eine aufgezogene Welt von vorprogrammierten Automaten schuf. Noch ist Gott "ganz weit draußen im All", der einfach herabschaut, zuschaut und richtet, wie ein von der Welt losgelöstes Superwesen.

Er ist der Immanente, das heißt, Gott mit uns. Er ist hier, war immer da und wird immer da sein. Weil das sein Wille ist. Weil er uns liebt. Weil er uns real machte, dass wir wirklich mit ihm und durch ihn sind. Weit weg von einem platonischen unpersönlichen "Etwas", ist dieser Gott in seiner Schöpfung stets aktiv und in seiner Schöpfung involviert. Er macht sich seine Hände schmutzig. Er nimmt diese stinkende, von Sünden befallene Hütte, in die wir die Welt verwandelt haben, und durch die Macht der blutigen und ungerechten Kreuzigung seines eigenen Mensch gewordenen Selbst reinigt, erlöst, verwandelt er uns und führt sowohl uns als auch die Welt in die Freude seines ewiges Königreiches.

In Christus Jesus bringt Gott die Welt in Einheit und Gemeinschaft mit dem Wesen dessen, wer er ist. Durch seine Handlung für uns sind wir eins mit ihm, nicht um unsertwillen, sondern um Christi Willen, der für uns der vollkommene Mensch wurde. Wir sind in ihm, wir sind mit Gott vereint, nicht als Götter, sondern als Menschen in Einheit mit dem Gottmenschen Jesus, der um unsertwillen sowohl menschlich als auch göttlich ist.

Unsere kontinuierliche Gemeinschaft mit ihm ist eine ständige Bestätigung und Teilhabe an dieser großen Wahrheit - wir sind Gottes Kinder in Christus.

Frei in Gottes Treue
Wir dürfen nicht auf die Idee kommen, dass Gott erschaffen muss oder die Schöpfung notwendigerweise aus ihm fließt (d. h. automatisch fließen muss, wie ein Feuer Hitze produziert). Gott erschafft ganz und gar in seiner göttlichen Freiheit, nicht weil er eine Schöpfungsmaschine ist.

Wir sollten auch nicht die Vorstellung haben, dass Gott erschafft, weil er einsam ist, oder weil Gott etwas "fehlte", was ihn zur Schöpfung zwang. Die Schöpfung geschah, weil Gott es aus freien Stücken in der Fülle seiner Freude und Liebe geschehen ließ, nicht weil er musste, sondern einfach weil er wollte.

Wenn wir also über Gottes Bundestreue sprechen, können wir sehen, wie gewiss unser Vertrauen in Gott sein kann. Gott rief aus lauter Freude darüber die Welt ins Dasein, erlöste die Menschheit, weil er die Menschen liebte, die er geschaffen hatte und hält alle Dinge, die ganze Existenz, einschließlich meiner und Ihrer, in seiner Hand.

Wir können ihm vertrauen, weil wir wissen, dass wir nur existieren, weil er so sagt. Wenn er sich all die Mühe gemacht hat, während wir noch seine Feinde waren, uns durch seinen Tod am Kreuz (der schwierige Teil) zu erlösen, wie viel gewisser können wir sein, dass er uns nun, wo wir seine Freunde sind, durch sein Leben retten wird (der leichte Teil; Röm 5,8-11).

Gott erschafft und Gott erlöst, weil er es möchte, nicht weil wir ihn darum gebeten oder ihn dazu gebracht oder überredet oder überzeugt oder uns wirklich gut verhalten haben. Er tat es, weil er gut ist, weil er Liebe ist, weil er der ist, der er ist.

Ihr Verhalten wird nicht ändern wer Gott ist, noch wer Gott Ihnen gegenüber ist. Wenn es möglich wäre, würde er nicht Gott sein, denn Gott kann nicht durch irgendwelche Beschwörungsformeln oder Zaubersprüche oder freche Taten, die wir ihm entgegen werfen, verändert werden.
Sie können Gott nicht manipulieren oder ihn zu etwas zwingen. Sie können ihm nur vertrauen und die guten Dinge empfangen, die er Ihnen gegeben hat, oder ihm nicht vertrauen und die guten Dinge zurückweisen, die er Ihnen gegeben hat. Sie haben die Freiheit, eine geschaffene Freiheit, die Gottes eigene, ewige göttliche Freiheit widerspiegelt und sich von ihr ableitet. Es ist die Freiheit, ihm zu vertrauen, mit ihm Gemeinschaft zu haben, ihn zu lieben. Sie können es in Freiheit verwandeln, ihn zurückweisen, wenn Sie möchten, aber Sie müssen es nicht.

Zusammenfassung
Wenn wir die biblische Zusicherung, dass das Blut Christi alle Sünden zudeckt, dass er das Sühnopfer für die ganze Welt ist (1Joh 2,1-2), für wahr halten, dann beginnen wir zu sehen, wie die Auserwählung - in dem Sinne, dass man von Gott erwählt wurde, nur durch seine Gnade, und nicht durch Werke, sein Volk zu sein -, durch Christus für alle Menschen gilt (Eph 1,9-10). Nur jene empfangen sie und erfreuen sich an ihr, die sie im Glauben annehmen, aber es gilt für alle.

In Bezug auf die Heilsgewissheit vertrauen wir Gott, der die Gottlosen, die wir sind, rechtfertigt. Wir werden allein durch Gnade gerettet, so beruht also unsere Gewissheit auf dem unwiderlegbaren Wort Gottes der freien Gnade.

Hier ist also, was wir durch das Zeugnis Jesu Christi als gewiss erachten: Gott liebt uns und wir brauchen keine Angst haben, dass wir nicht gerettet werden. Er erlöst uns trotz unserer Sünden, weil er treu und voller Gnade ist.
Nun werden einige sagen, dass ich in dieser Behandlung der Vorherbestimmung ein komplexes theologisches Thema zu einfach dargestellt habe - und zweifellos ist das der Fall.

Aber Gott ruft uns auf, ihm zu vertrauen. Entweder er meint es oder nicht. Ich glaube, er meint es. Und wenn ich ihm vertrauen möchte, muss ich wissen, dass meine Beziehung mit ihm eine Rolle spielt. Ich muss wissen, dass ich mehr als ein unglückseliges Zahnrad in einer deterministischen Mühle von menschlichem Leid, Sorge und Tragödie bin.

Ich muss wissen, dass Gott mich liebt, dass er mich so sehr liebt, dass er seinen eigenen Sohn sandte, um mich von einem Leben von schrecklichen Entscheidungen, törichten Gängen und Sünde herausholt, indem er an meiner Statt alles auf sich nahm, obwohl ich nicht einmal anfing, eine solche Gnade zu verdienen. Ich sage ihnen: Sie können einem solchen Gott vertrauen. Wir können uns mit ihm zusammentun und ihm bis ans Ende der Erde nachfolgen, weil Sie ihm Ihr Leben jetzt und für immer verdanken.

Ein letzter Punkt
Ergebene und treue christliche Theologen haben sich Jahrhunderte lang abgemüht, ausreichende Worte und Konzepte zu finden, um unseren Glauben zu unterrichten, wie Gott seine Souveränität in der Welt ausübt. Sie stimmten nicht immer überein. Der christliche Kampf, Gott zu verstehen und theologisch über ihn zu reden, ist ein wertvolles Unterfangen. Es reflektiert unser Verlangen als Christen, die Kräfte der Vernunft, die Gott uns gegeben hat, zu benutzen, um nach besserem Verständnis unseres biblisch begründeten und persönlich erfahrenen Glaubens zu streben.

Bitte nehmen Sie nichts, was ich hier geschrieben haben, zum Anlass, dass ich glauben würde, dass Menschen, die die TULIP-Position vertreten, auf irgendeine Weise "geringere" Christen wären als die, die es nicht tun. Das wäre ein großer Fehler. Christen sind Menschen, die ihren Glauben in Christus setzen, rein und einfach. Wir werden nicht nach unserer Theologie gemessen, sondern durch Gottes Gnade, die uns in Jesus Christus reichlich dargeboten wird. Unser Glaube ist auf ihn gerichtet, nicht auf Theologiebücher. Theologie ist wichtig, aber sie ist nicht die Wurzel unseres Heils - Jesus ist es.

Obwohl wir in gewissen, nicht wesentlichen Punkten unterschiedlicher Meinung sein mögen (keiner von uns hat perfektes Verständnis), sind wir als Gläubige alle Gottes Kinder, gewaschen im Blut des Erlösers, und er ruft uns auf, einander zu lieben.

In Christus können wir die gegenseitigen Sichtweisen respektieren, die Fragen hören, die wir aufwerfen, in Demut unsere Schlussfolgerungen formulieren und uns immer noch als gemeinsame Teilhaber der Gnade Gottes lieben.

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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Autor: J. Feazel, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: WKG
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