Prophetische Musik
Bezüglich der Gabe der Prophetie gab es schon viele Missverständnisse im Leib Christi. Meine Absicht ist nicht, hier in eine detaillierte Lehre über dieses Thema zu geben. Doch als Musiker und Lobpreisleiter sind wir manchmal auch dazu berufen, in die Welt zu gehen und dort mit unserer Musik den Menschen die gute Nachricht nahezubringen, und wir müssen verstehen, dass die Prophetie ein kraftvolles Werkzeug für uns sein kann - besonders wenn sie in Zusammenhang mit Musik gebraucht wird.
Vor einiger Zeit begann ich zu lernen, was das Prophetische ist und was es mit uns Musikern zu tun hat. Ich fand Hinweise in der Bibel, die davon sprachen, dass Musik tatsächlich prophezeien kann. Die Hauptmusiker unter David und Salomo hatten den Auftrag, auf Lyra, Harfen und Zimbeln zu prophezeien. Andere Hinweise zeigen, dass Musik tatsächlich über Gott "sprechen" kann. Zum Beispiel in Psalm 49:5 "Ich will einem Spruch mein Ohr neigen und mein Rätselwort kundtun beim Klang der Harfe". Das Wort "Rätselwort" heißt im Hebräischen 'chiydah' und es bedeutet "schwierige Frage" oder "dunkler Satz". Der Psalmist sagt hier : "Ich werde meine Harfe spielen und ihr sollt versuchen herauszufinden, was mein Spielen für eine Bedeutung hat."
Manchmal geht es im Prophetischen weniger darum, zukünftige Ereignisse zu verkünden, sondern aufzudecken, was im Verborgenen oder unter der Oberfläche liegt. Wir wissen, dass in der Schrift oft erwähnt wird, wie die Schöpfung selbst über Gott "spricht" (Psalm 19:1, 50:6, 97:6).Deshalb ist es nur natürlich, wenn wir annehmen, das Musik genauso "sprechen" kann. Unsere Ohren müssen nur genug trainiert werden zu hören, genau wie unsere Augen trainiert werden können, das Werk Gottes in der Schöpfung zu erkennen.
Um das Prophetische wahrzunehmen, braucht es erhöhte Aufmerksamkeit. Wir müssen eingestimmt sein auf die Natur des Prophetischen und wissen, wie es funktioniert, besonders in der Musik. Viele haben nie gelernt, wie man auf die Stimme Gottes hört und sie erkennt. Oft ist es ihnen nicht möglich hinter das Sichtbare zu schauen und zu empfinden, was in einem Ort wirklich geschieht. Um ein Musiker zu sein, der das Prophetische versteht, müssen wir ein wenig tiefer graben, um dem Geheimnis auf dem Grund zu kommen. Ich glaube, es gehört zur Berufung eines Lobpreisleiters, diesen prophetischen Aspekt in unseren Dienst einzubeziehen. Wir müssen lernen zu spüren, was der Herr tut in jedem einzelnen Gottesdienst genauso wie in jeder anderen Situation, in der wir spielen. Es ist, als würde man spüren, woher der Wind weht (manche Leute bemerken überhaupt keinen Windzug, bis ihnen dann die Frisur durcheinandergepustet wird).
Die folgende Begebenheit geschah vor einigen Jahren in einer Bar in East Vancouver, B.C :
Wir saßen auf den hinteren Plätzen der Bar und beobachteten, wie der nächste Musiker die Bühne betrat, um seine drei Lieder zu spielen. Dies war die normale Anzahl von Songs, die man singen durfte, wenn man an so einer Musiksession mit "offener Bühne" teilnahm, wie es sie in vielen Musikclubs gibt. Er war ein großer, etwa fünfzigjähriger Schwarzer. Ich war mir sicher, dass er schon ziemlich viel getrunken hatte, obwohl es noch sehr früh am Abend war. Wir sahen, wie er auf die Bühne stolperte. Er nahm das Mikrofon und stimmte einige Gospelsongs an in einer sehr eigentümlichen Uptempo Version. Er wies das Publikum an mitzusingen. Unter anderem war eine zehnminütige Version von "Oh when the saints go marching in" dabei. Wie ich schon zuvor erlebt hatte, war ich auch diesmal getroffen von der faszinierenden Mischung von dunkel und hell, die den Raum durchdrang. Die Ironie dieser Situation entging mir nicht. Das ganze Publikum, einige von ihnen waren ziemlich betrunken, fingen so laut sie konnten an zu singen :"oh, how I want to be in that number ... oh when the saints go marching in !" ("oh, wie sehr möchte ich dazugehören .... wenn die Heiligen einmarschieren"). Als unser Freund so durch den Club marschierte und mit Hilfe des kabellosen Mikrofons versuchte, die Leute zum Mitsingen zu bewegen, bemerkten wir, dass er ein ganz schöner Showtyp war, der es offensichtlich genoss, im Mittelpunkt zu stehen. Das letzte Lied, das er vortrug war Bob Dylan´s Hit "Knocking on heaven´s door". Und es war definitiv nicht die Kurzversion. Ich denke, er blieb etwa fünfzehn Minuten bei diesem Lied und war nicht eher zufriedenzustellen, bis nicht jeder Musiker auf der Bühne und jeder in der Nähe der Bühne mindestens eine Strophe des Liedes ins Mikro gesungen hatte.
Mein Freund Dave und ich waren als nächstes dran und schlossen unsere zwei Akustikgitarren an. Dave begann und sang eines seiner neusten Lieder, das ich sehr mag. Es heißt "The more I look, the more I see, the more I love you, Jesus" ("Je mehr ich schaue, desto mehr sehe ich, umso mehr lieb ich Dich, Jesus"). Ich spielte auf meiner Gitarre dazu. Es war ein großartiges Lobpreislied, das die Liebe zu Gott ausdrückte und dem Publikum schien der leidenschaftliche Text und der alternative Musikstil zu gefallen. Es folgte ein anerkennender Applaus und ich konnte bereits die Gegenwart des Heiligen Geistes in dem Raum spüren.
Als nächstes war ich dran und fing an, eine Akkordfolge in einem leichten, langsamen "rock feel" auf der Gitarre zu spielen.. Eigentlich hatte ich vor, dies als Intro für ein bestimmtes Lied zu verwenden, aber aus irgendeinem Grund gefiel mir der "Groove" so gut, dass ich gar nicht weiterspielen wollte. Es war so, als würde eine CD an einer Stelle hängen bleiben und ich war wie festgefahren. So blieb ich etwa eine Minute bei diesen drei Akkorden, bis ich merkte, das Gott versuchte etwas zu tun. Ich sprach ein schnelles Gebet und spielte so weiter. Ich hoffte, das Gott in seiner Gnade mir vielleicht einen Text geben würde, der dazu passte, anstatt mich dieser einer Art "Groove limbo" hängen zu lassen. Plötzlich kamen mir einige Worte in den Sinn und ich begann sie ins Mikro zu singen : "I can feel your rhythms, some are here and some are there. Why don´t you color outside the lines if you dare." ("Ich kann eure Rhythmen spüren, manche hier und manche da. Warum fällst du nicht mal aus dem Rahmen, wenn du dich traust."). Ich habe diese Phrasen dann wiederholt, etwa vier mal. Ich bin mir sicher, einige aus der Menge dachten, ich hätte den Text vergessen und könnte nicht weitersingen.
Auf einmal bemerkte ich zwei junge Männer im Publikum, die ich vorher noch gar nicht wahrgenommen hatte. Einer von ihnen saß ganz links im Raum, der andere ganz rechts. Beide hatte Congas mitgebracht und fingen an, zu dem Lied zu trommeln. Der rechte war gerade von seinem Platz aufgestanden. Dave und ich spielten weiter und luden die beiden ein, auf die Bühne zu kommen und mitzuspielen.
Nun hatte Gott meine Aufmerksamkeit und ich bemerkte, dass er von mir wollte, dass ich frei singen sollte, anstatt mich an den Text zu halten, den ich für das Lied ursprünglich hatte. Die nächsten Worte die mir einfielen waren die des Refrains von Bob Dylan "Knock, knock, knocking on heavens door". Nun waren die Leute wirklich aufmerksam, denn sie konnten nicht glauben, dass ich das Lied noch mal anstimmen wollte. Als nächstes kamen Worte aus meinem Mund, so schnell, ich konnte sie kaum zurückhalten : "It´s so easy to sing these words, but it takes faith to believe them. It takes a real man to stand up for the truth, and I believe in knocking, knocking on heavens door. Anyone can sing about the marching saints, but only a few are chosen when the roll is called up yonder! One day... are you man enough to believe it brother?" ("Es ist so leicht diese Worte zu singen, aber es erfordert Vertrauen sie zu glauben. Es braucht einen echten Mann, der für die Wahrheit einsteht und ich glaube an das Klopfen an der Himmelstür. Jeder kann über die marschierenden Heiligen singen, aber nur einige sind auserwählt... Eines Tages, eines Tages. Bist du Manns genug das zu glauben, Bruder ?")
Dies ging einige Minuten so weiter und so forderte ich die Leute immer mehr heraus, besonders den großen Schwarzen, der die Gospels kurz vor uns gesungen hatte. Ich schloss meine Augen, denn ich fürchtete seine Reaktion. Er stand jetzt hinten an der Bar und schaute uns intensiv an. Ich betete, dass wir diesen Ort verlassen könnten, ohne eine Schlägerei zu erzeugen. Wenig später verließ der Mann das Gebäude und ich beschloss, wir würden noch ein wenig warten, bevor wir uns später wieder auf die Straßen von East Vancouver hinauswagen würden.
Schließlich beendete ich das Lied und war überrascht über den Applaus, es war der längste, den ich an diesem Abend gehört hatte. Einer der Percussionisten, der uns auf der Bühne begleitet hatten, kam gleich auf mich zu und sagte : "Ich weiß nicht genau, was Du da gemacht hast. Es war irgendwas an diesem Rhythmus, den du gespielt hast oder vielleicht an diesem Song, den du gesungen hast, es hatte etwas echt Gutes. Könntest du vielleicht wiederkommen und hier noch mal spielen? Wir brauchen so was hier, manchmal wird es hier drin richtig düster. Danke, dass du mich auf die Bühne geholt hast, das war echt cool."
Es gibt zwei Möglichkeiten, wie ich diese Geschehnisse hätte beschreiben können, oder wie ich das alles hätte durchleben können. Was an diesem Abend geschah, könnte ich so erklären, wie ich es gesehen habe, mit meinen Ohren und Augen offen für das Prophetische. Oder ich hätte einfach sagen können, dass wir in eine Bar gegangen sind, ein paar Lobpreislieder gesungen haben und das die Leute es ganz gut fanden. Dann hätte ich eine wertvolle Lektion verpasst. Denn ich glaube, dass bedeutend mehr als das an diesem Abend passierte. Aber es braucht ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Glauben um es zu bemerken.
Ich könnte einige mehr solcher Geschichten erzählen, wie der Heilige Geist eine Bar oder ein Cafe durch den Dienst des Lobpreises und der Prophetie heimgesucht hat. Es hat für mich einige Zeit gedauert, bis ich anfing zu verstehen, wie all dies zusammenwirkt. Wenn wir einmal verstanden haben, wie es funktioniert, können wir das Prophetische effektiv gebrauchen, um Menschen in einer kraftvollen Weise für das Reich Gottes zu beeinflussen.
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