Barbara Dahlgren: Stürme des Lebens

Die Menschen nahmen kilometerweite Wege in Kauf, um der Auslegung von Gottes Wort zu lauschen. In größeren Städten wie St. Louis, wo ich in den frühen 60er-Jahren aufgewachsen bin, nutzte man zu diesem Zweck ein nicht weit vom geschäftigen Treiben gelegenes, unbebautes Grundstück. Immer wenn ich Neil Diamonds Song Brother Love’s Traveling Salvation Show (Brother Love auf Wanderprediger-Tour) höre, werden in mir Kindheitserinnerungen an diese Erweckungsgottesdienste wach, die wir gemeinsam mit meiner Mutter besuchten.Mein Vater glaubte an Gott, war aber seinerzeit nicht das, was man gemeinhin einen regelmäßigen Kirchgänger nennt, und so begleitete er uns nur ein Mal. Leider hatte es in der Vornacht heftig gestürmt, und so war es zu Schäden am Zelt gekommen. Während wir noch in eine der hinteren Reihen schlüpften, gab der enthusiastisch deklamierende Prediger bereits wortreich dem Satan die Schuld an diesem Malheur, was alle von den Sitzen riss und mit Blick auf die Löcher in der Spitze des Zeltdachs ausrufen ließ: „Ich hasse den Teufel! Ich hasse den Teufel!” Alle außer meinem Vater, der unsere Familie leise aus dem Zelt führte und uns erklärte, ein Prediger, der nicht wisse, dass Gott derjenige ist, der es regnen lässt, sei keiner, dem er zuzuhören bereit sei. Es möge vielleicht bequem sein, so lehrte er mich, dem Teufel die Schuld für die Stürme des Lebens in die Schuhe zu schieben, es sei jedoch Gott allein, der letztlich alles lenke. Er sagte: „Gott ist gut, aber der Regen fällt auf jedermann. Manchmal lässt er ihn versiegen und manchmal nicht.”
Jesus machte dies anhand eines Gleichnisses deutlich, in dem es um einen klugen und einen unklugen Mann geht, die beide ein Haus bauen (Lk 6,46–49). Während der Unkluge sein Haus ohne Fundament auf unsolidem Grund errichtete, baute der Weise sein Haus auf felsigem Grund. Dann kam die Wasserflut. Viele Christen meinen, im übertragenen Sinne vom Regen verschont zu bleiben, wenn sie nur nett zueinander sind und den biblischen Geboten folgen. O nein, so ist es aber nicht! Vielmehr werden Blitz und Donner folgen. Ausnahmslos jeden wird der Regen treffen: die Guten, die Bösen, die Hässlichen, die Schönen, Gerechte wie Ungerechte, Atheisten wie Christen. Niemand bleibt davon verschont.
Im Gleichnis heißt es, von der Wasserflut seien sowohl das Haus des Klugen wie auch das des Unklugen betroffen gewesen. Letzteres wurde zerstört, während das Haus des Klugen stehen blieb, weil es auf solidem Fundament gebaut worden war. Auf das Geistliche übertragen steht dieses Haus für unser Leben und das solide Fundament für Jesus Christus. Ein unerschütterliches Fundament kann jeden Tag gelegt werden, indem wir Christus glauben, uns von ihm leiten lassen, mit ihm sprechen und auf ihn vertrauen. Wer dies jedoch nicht tut, der trickst – allein auf sich selbst vertrauend –, wo es nur geht, und dem ist dabei jedes Mittel recht. Wenn dann die Stürme des Lebens kommen – und sie werden kommen – vertrauen wir auf den einen, dem zu vertrauen wir gelernt haben. Möge es Christus sein! Wie es heißt, besänftigt er manchmal den Sturm; manchmal lässt er ihn jedoch auch weiter wüten und besänftigt uns.
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Autor: Barbara Dahkgren , mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Textbearbeitung:Jürgen Motzkus, Redakteur bei Glaube.de
Ein Artikel aus NACHFOLGE 10-12.2010 21
Foto: www.sxc.hu
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