CZK Seminar: Dein Leiterpotetial Teil 6 Wie leite ich mich selbst?

Wie wir aus der Aufzählung entnehmen können, tragen viele der Vorzüge, die Leiterschaft mit sich zu bringen scheint, auch ein hohes "Missbrauchspotential" in sich und aus der Vergangenheit kennen wir leider mehr Machtmissbrauch bei Leitern, als den weisen und gerechten Einsatz von Macht und Position.
Aus diesem Grund ist es wichtig, eine persönliche Leitungskultur zu definieren, also zu klären, welche Werte und Motive leiten mich als Führungskraft und wie komme ich dahin gute Werte und Motive zu kultivieren?
Das wohl beste Manifest dazu lesen wir in Matthäus 20:25-28:
"Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener. Und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele."
Man kann zusammenfassend sagen: Leiterschaft ist Dienst.
In dieser Session wollen wir lernen, wie wir eine gesunde Leitungskultur in uns entwickeln können, denn alle Leiterschaft beginnt in mir und mit mir selber!
2. SELBSTLEITUNG ALS GRUNDLAGE VON LEITERSCHAFT
Echte Leiterschaft beginnt im Kleinen und fängt bei mir persönlich an. Wenn ich mich selbst nicht leiten kann, wenn ich nicht in der Lage bin zu tun, was mein "natürlicher innerer Mensch" von sich aus nicht unbedingt tun will, dann werde ich niemals andere dazu bringen können, genau dies zu tun!
Dieses Prinzip finden wir an vielen Stellen in der Bibel wieder.
"Wenn aber ein Blinder den andern führt, so fallen sie beide in die Grube." Matthäus 15:14
"Du lehrst nun andere, und lehrst dich selber nicht? Du predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst? Du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe? Du verabscheust die Götzen, und beraubst ihre Tempel?" Römer 2.21-22
"Denn wie kann jemand, der schon in seiner eigenen Familie keine Ordnung halten kann, die Gemeinde Gottes leiten? Er soll nicht erst vor kurzem Christ geworden sein, sondern sein Glaube muss sich schon bewährt haben. Nur allzu leicht verliert er sonst das rechte Augenmaß und wird überheblich. Dann hätte der Teufel ein leichtes Spiel mit ihm. Ein Gemeindeleiter soll auch bei Nichtchristen in einem guten Ruf stehen, damit er sich nicht in den Stricken des Teufels verfängt, wenn andere über ihn reden." 1. Timotheus 3.5-7
Es gibt noch zahlreiche weitere Bibelstellen, die über Leiterschaft und Prinzipien von Leiterschaft sprechen.
In Matthäus 15.14 etwa wird von der absoluten Notwendigkeit der Fähigkeit zur Selbstleitung als Voraussetzung für die Leitung anderer gesprochen. Ohne die Fähigkeit selber klar zu wissen, wo ich hinmöchte und mich auch zu bewegen, kann ich andere nicht führen.
Römer 2.21 spricht vom Leiten durch Vorbild! Ich kann von anderen keine Dinge erwarten, die ich in meinem eigenen Leben nicht selber lebe und realisiere.
1.Timotheus 3.5 zeigt die Dynamik der Leitung. Wenn ich kleinste Einheiten, wie mich selbst oder meine Familie nicht leiten kann, wie soll ich dann größere Einheiten (Abteilungen, Firmen, Gemeinden, Kleingruppen etc.) leiten? Außerdem wird hier der Reifeprozess eines Leiters dargestellt. Er muss sich in kleinen Aufgaben bewährt haben, einen Charakter geformt haben, da sonst die Gefahr, aus falscher Motivation Leiter zu werden, sehr groß ist (Machthunger, Anmaßung). Außerdem sollten Leiter auch außerhalb ihrer Organisation einen guten Ruf haben. Es ist leicht, Qualitäten in einem bestimmten Rahmen vorzutäuschen, aber schwer, Täuschungen im ganzen Lebensspektrum aufrecht zu erhalten.
3. SELBSTLEITUNG AM BEISPIEL DER LAUFBAHN VON KÖNIG DAVID
David begann in der Einsamkeit der Berge Judäas, in denen er die Schafe seines Vaters hütete. Er lernte so sehr früh Verantwortung für andere (in diesem Fall Tiere) zu übernehmen. Es war niemand da draußen bei den Tieren über ihn gesetzt, was bedeutete, dass er sich im groben Rahmen seines Auftrages selbst leiten musste! Es erforderte Disziplin und Selbstmotivation, nicht faul im Schatten liegen zu bleiben und die Herde sich selbst zu überlassen. In 1. Samuel 17.33-37 lesen wir, dass er die Herde sogar gegen Löwen und Bären zu verteidigen hatte.
Mit der Tatsache, dass er seine Herde verteidigen musste, beginnt ein weiterer Lehrabschnitt Gottes für Davids Königsausbildung: Die Bereitschaft, mit dem eigenen Leben andere zu schützen.
Sicherlich wäre er auf das Verständnis seines Vaters gestoßen, wenn er den Kampf mit Löwen und Bären ausgewichen wäre. Außerdem fand der Kampf draußen in der Einsamkeit statt- es gab also keine Zuschauer und keinen spontanen Beifall zu ernten.
Er lernte alleine vor sich selber, Furcht vor den Umständen zu überwinden, indem er auf Gott sah. Er verbrachte viel Zeit in den Bergen im Gebet und Nachdenken über Gott und als die Zeit für ihn kam, war er bereit, Goliath vor den Augen von ganz Israel gegenüberzustehen.
Die Basis seines Sieges über Goliath war konsequente "Selbstleiterschaft" in der Einsamkeit bei den Schafen und das Überwinden der Furcht davor, das eigene Leben oder die eigene Gesundheit einzubüßen, um andere zu bewahren.
Wir müssen verstehen, dass Menschen tief in ihrem Herzen nach solchen Leitern Ausschau halten.
Wer möchte nicht einem Leiter folgen, von dem er weiß, dass er bereit wäre, das eigene Leben oder Vorteile um des anderen Wohles willen zu opfern?
Ein solcher Leiter leitet mit wenig struktureller oder manipulativer "Energie"! Menschen folgen ihm gerne und weit über das Maß von "Gesetz und Zwang" hinaus (1.Samuel 15.9).
Aber solch eine Karriere beginnt in mir selber und nicht damit, dass ich einen Namen, Titel oder eine Position erbe. Sie beginnt mit der Bereitschaft in mir, anderen dienen zu wollen und sie mit mir voranzubringen.
4. SELBSTLEITUNG UND CHARAKTERBILDUNG
Charakterbildung erfolgt nicht in Hörsälen, oder Kursen sondern im Leben und meistens ohne Zuschauer, die mir Beifall klatschen.
Es sind Entscheidungen, die ich vor mir selbst gegen meine auf Kurzfristigkeit angelegten Gefühle und Gelüste treffe!
Es ist der Verzicht auf kurzfristige "Effektheischerei" vor vielen zugunsten tiefer und längerfristig angelegter Entscheidungen die vielen nutzen.
"Hütet euch davor, nur deshalb Gutes zu tun, damit die Leute euch bewundern. So könnt ihr von eurem Vater im Himmel keinen Lohn mehr erwarten. Wenn du einem Armen etwas gibst, mach kein großes Gerede davon, wie es die Heuchler tun. Sie reden davon in allen Gottesdiensten und an jeder Straßenecke. Sie wollen wegen ihrer Wohltätigkeit von allen gelobt werden. Das sage ich euch: Diese Leute haben ihren Lohn schon selbst einkassiert. Wenn du aber jemandem hilfst, dann soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut; niemand soll davon erfahren. Dein Vater, der alles sieht, wird dich dafür belohnen." Matthäus 6.1-3
Dein Fleisch sagt dir, dass deine Mühe auch Anspruch auf schnellen Lohn und Erhörung hat. Aber es ist nur ein Strohfeuer, in dem du am Ende mit deinen Ambitionen verbrennst.
Vertraue auf gesunde langfristige Entwicklung und auf Gottes Treue zu dir! Dann wird aus dir ein starker Leiter, der auch in Krisen feststeht und nicht von Menschenfurcht getrieben wird.
5. SELBSTLEITUNG IN DER KRISE
"Und David geriet in große Bedrängnis, weil die Leute ihn steinigen wollten; denn die Seele des ganzen Volks war erbittert, ein jeder wegen seiner Söhne und Töchter. David aber stärkte sich in dem HERRN, seinem Gott." 1. Samuel 30.6<br<<br>
Leiter zu sein, wird dich manchmal in Krisen Situationen bringen: Krisen, die du selbst verursacht hast und Krisen, die entstehen, weil du keinen Einfluss darauf hattest.
All diese Krisen haben in der Regel aber eines gemeinsam: der Leiter ist bis zu einem gewissen Grad alleine darin. In diesen Situationen funktionieren Strukturen und Beziehungen oft nicht mehr richtig und Hilfe scheint fern.
Umso wichtiger ist es hier, gelernt zu haben, wie man sich selbst leitet- egal wie und was man fühlt!
Viele Leiter brechen an diesem Ort zusammen, geben auf oder suchen Hilfe bei anderen und geben ihre Verantwortung auf oder einfach an andere ab.
David war in einer solchen Krise. Seine Nachfolger waren verzweifelt und wollten ihn sogar töten, weil sie glaubten, er habe sie mit seiner Leitung in diese missliche Lage gebracht.
Aber er war ein Mann, der in Zeiten der Einsamkeit und den Krisen, durch die er dort gehen musste, gelernt hat, sich selbst zu leiten. Das bedeutet, er suchte nach Gottes Nähe und nach Seinem Rat.
Selbstleitung in der Krise bedeutet: ich habe eine Quelle der Kraft in mir, selbst wenn alle Quellen der Unterstützung außerhalb versiegen.
"Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein lasst. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir." Johannes 16:32
Jesus selber war an diesem Punkt, aber er gab seinen Weg und die Leitung nicht auf. Er wusste: der Vater ist immer bei mir!
Ich möchte dich ermutigen als Leiter zu lernen, dass Gott, dein Vater, dich nie verlassen wird, wenn du ihn inmitten der Krise suchst! Er wird dich erretten, dir raten und den Ausweg zeigen. Er wird dich vor deinen Leuten zu Ehren bringen, genauso, wie er es mit David getan hat.
" ... und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen."
Psalm 50:15
Das großartige daran ist, dass jeder dieser Siege deine Position als Leiter festigt und immer mehr Menschen auch in der Krise an deiner Seite bleiben, weil sie deinen Wandel und deine Festigkeit sehen und die "Records" deiner Siege gesehen haben.
"Und der König sprach zu Ittai, dem Gatiter: Warum gehst auch du mit uns? Kehre um und bleibe bei dem neuen König, denn du bist ein Ausländer und von deiner Heimat hierher gezogen. Gestern bist du gekommen, und heute sollte ich dich mit uns hin und her ziehen lassen? Denn ich muss gehen, wohin ich gehen kann. Kehre um und nimm deine Brüder mit dir; dir widerfahre Barmherzigkeit und Treue.
Ittai antwortete dem König und sprach: So wahr der HERR lebt, und so wahr mein Herr und König lebt: wo immer mein Herr, der König, ist, es gerate zum Tod oder zum Leben, da wird dein Knecht auch sein." 2. Samuel 15.19-21
Hier sehen wir David, wie er durch das Prinzip der Selbstleitung zu Höhen von Leiterschaft gekommen ist, wo ihm Massen von Menschen sogar in den Tod nachfolgen würden. Warum ?
Weil Charakter in ihm gewachsen ist, weil Menschen sein Herz in vielen selbstlosen und mutigen Taten gesehen haben, weil sie gesehen haben, wie er sich auf Gott verließ und das Gottes Gunst auf ihm ist.
6. WAS SIND KRISEN?
Mike Bickle (Hauptleiter des IHOP (International House of Prayer) Kansas City, USA) sagte einmal, er vertraue keinem Leiter, der nicht wenigsten 3 Krisen erlebt hat. Dies hat nichts mit christlichem Masochismus zu tun, sondern ebenfalls mit Charakterbildung und Selbstleitung.
Krisen sind oft die Momente im Leben, in denen wir am meisten lernen und am weitesten vorankommen, aber wir müssen durch Erfahrungen lernen, dass es so ist und wie es geht.
Krisen sind Situationen oder Umstände, die Ordnungen, Sichtweisen und Gewohnheiten erschüttern, außer Kraft setzen oder funktionsunfähig machen.
Auf eine Krise können wir auf zweierlei Weise reagieren: negativ oder positiv!
Wir können die Situation als
- Bedrohung ansehen, die es zu bekämpfen gilt, um den alten Zustand wieder herzustellen, oder sie aber als
- Chance betrachten, etwas völlig neues zu entdecken und aus alten Mustern heraus in etwas Neues und Besseres katapultiert zu werden.
Die normale Reaktion unseres "natürlichen" Menschen (=Fleisches) sieht in jeder Krise eine Bedrohung. Unsere erste Tendenz ist defensives Verhalten. Wir versuchen mit aller Macht, das alte Umfeld und Denken zu verteidigen, weil es uns bisher Sicherheit und Überschaubarkeit gab.
Wenn wir positiv auf eine Krise reagieren (bewusst oder unbewusst), wird die Krise in uns die kreative Energie freisetzen, völlig neue Wege zu gehen, die wir ohne sie nie gesehen hätten!
In der Krise lernen wir Selbstleitung, da wir in der Regel alleine oder wenige sind und je mehr wir in der Selbstleitung geübt sind, umso größere Krisen können wir überwinden, weil wir gelernt haben uns selber auf Kurs zu halten- mit Jesus an der Seite.
Fazit:
- Krisen sind dazu da um uns stärker und nicht schwächer zu machen!
- Krisen setzen kreative Energien frei, die ohne sie nie entstehen!
- Krisen bringen große Leiter hervor!
7. EINIGE PRINZIPIEN ZUM ERLERNEN VON SELBSTLEITUNG
- Beginne, anderen zu dienen
- Beginne, bestimmten Schwächen in deinem Leben mit Disziplin zu begegnen- Gott wird dir helfen
- Stehe fest zu deinen Prinzipien- auch wenn es Abkürzungen gibt!
- Lerne, dass es im Leben nie Abkürzungen gibt. Alles Gute wächst und reift in einem Prozess- nur das Unechte und Kurzlebige wartet am Ende der Abkürzung.
- Wisse, dass du niemals alleine bist, auch wenn dich alle verlassen!
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Ein Artikel von Glaube.de
Mit freundlicher Genehmigung von Pastor: Uwe Dahlke, Christliches Zentrum Karlsruhe
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus Redaktionsmitarbeiter bei Glaube.de
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