J. Michael Feazell: Frei zu sein
Ein großer Prominenter
Johannes der Täufer war ungemein prominent. Ganz Jerusalem kam, und von überall in Judäa kamen Menschen, um ihn predigen zu hören. Doch sie hörten nicht nur zu – sie taten auch etwas; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich taufen! Johannes hatte nicht nur Zulauf, er hatte obendrein Erfolg. Doch bei all seinem Zulauf und Erfolg war Johannes auffallend anders als der Durchschnittsmensch. Viele Menschen reagieren, wenn sie sehr bekannt und erfolgreich werden, mit einem gewissen Maß an Stolz und Großtuerei. Johannes der Täufer aber war von Anfang an anders. „Nicht um mich“ Vielleicht haben Sie das auch schon öfters gehört: „Es geht nicht um mich.“ Das war die Grundlage der Botschaft von Johannes. Er predigte von einem anderen –
einem, der nach ihm kommen würde, und Johannes fühlte sich nicht einmal würdig, ihm die Sandalen zu schnüren. Das Rampenlicht interessierte Johannes nicht. Von anderen gelobt oder bewundert zu werden interessierte ihn nicht. Ihm ging es darum, einem anderen den Weg zu bereiten, und er ließ sich nicht durch persönlichen Ehrgeiz davon ablenken, seinen Auftrag gut zu erfüllen.
Frei zu sein
Johannes war ein Täufer. Zu seiner Wegbereitung für das Kommen Christi gehörte es, eine Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden zu predigen. Diese Art Taufe empfingen die Menschen, die ihm zuhörten. Die Taufe war nicht Johannes’ Erfindung, und es gab sie nicht nur bei den Israeliten.
Seit Urzeiten war die Taufe ein bekanntes Symbol, ein äußeres Zeichen für eine geistliche Wiedergeburt, den Eintritt in eine neue Form des Lebens. Für die Menschen, denen Johannes die Taufe spendete, bedeutete sie das Bekenntnis, dass sie Sünder waren. Wenn wir bekennen, dass wir Sünder sind, legen wir unseren menschlichen Stolz ab und gestehen ein, was wir in Wahrheit sind. Dieses Bekenntnis machen wir jedoch nicht blind. Es geschieht im Licht des offenbarten Wissens, dass Gott uns unermesslich liebt und dass er uns durch Jesus Christus unsere Sünden vergeben hat.
Mit anderen Worten: Weil Gott uns offenbart hat, dass er für uns ist, sind wir in Christus frei, unsere Sündigkeit furchtlos vor Gott anzuerkennen, und frei, Gottes Geschenk der Versöhnung und unsere Neuerschaffung in Jesus Christus anzunehmen. Wir sind frei, die zu sein, zu denen Gott uns schon geschaffen hat. Weil uns in Jesus Christus die Gnade Gottes begegnet ist, können wir uns ihm vollkommen und rückhaltlos anvertrauen. Geborgen in seiner Liebe können wir ihm selbst die erdrückende Last unserer dunkelsten Sünden und Ängste übergeben.
Neue Schöpfung
Mit diesem Bekenntnis unserer Sündhaftigkeit erkennen wir auch an, dass wir auf Gottes Vergebung angewiesen sind. Wir bekennen, dass wir Abtrünnige sind, die Gottes Liebe verraten haben, und geben uns nun, da wir unserer Rebellion entsagt und treuen Gehorsam gelobt haben, seiner Gnade anheim. Etwas ganz anderes ist es allerdings, dieser neue Mensch wirklich zu werden, dieses neue Leben wirklich anzufangen, die neue Seite wirklich aufzuschlagen. Wenn wir das versuchen, stellen wir fest, dass wir scheitern – wir kämpfen gegen die alten Gewohnheiten an, aber wir verlieren so oft, dass wir leicht verzweifeln können. Es sei denn, wir vertrauen darauf, dass Gott ist, wer er in Jesus Christus wirklich für uns ist!
In Christus sind wir „eine neue Kreatur“ (2Kor 5,17 und Gal 6, 15). Und wir sind „zur Freiheit befreit“ (Gal 5,1)!
Gott hat uns dazu befreit, in Christus die neuen, erlösten, geheilten und vollständigen Menschen zu sein, zu denen er uns erschaffen hat. Dieses Geschenk der Freiheit können wir nutzen, um auf unseren himmlischen Vater zu hören und ihm gehorsam zu sein, oder wir können es zurückweisen und weiter so leben, als hätte Gott uns nicht zu Partnern seines Bundes gemacht, als hätte er uns nicht dazu ge- schaffen, seine Liebe und überströmende Gnade in Christus zu empfangen (V. 13).
Nicht länger müssen wir in geistlicher Knechtschaft leben und uns vergeblich mühen, dieser herzlosen Welt hier und da ein wenig Achtung, Würde, Sicherheit und Liebe abzuringen. Nicht länger muss sich alles im Leben um uns und unsere Ängste drehen, wir könnten nicht all die Dinge bekommen, die wir uns vermeintlich wünschen. Nicht länger müssen wir gegen Gott, uns selbst und unseren Nächsten leben. Der Heilige Geist gibt uns Ohren zu hören, was Gott gebietet, und gibt uns unser neues Leben in Christus. In diesem neuen, vom Heiligen Geist gegebenen Leben sind wir frei zu wählen, in Christus der Mensch zu sein, zu dem Gott uns bereits erwählt hat. Die Alternative ist nicht Freiheit, sondern eine Rückkehr in die Knechtschaft.
In Christus
All diese Buße, dieser Glaube und das Eintauchen in das Wasser der Taufe haben nur Sinn, weil Gott ihnen Sinn gibt. Nur weil der Sohn Gottes das Unfassbare tat und einer von uns wurde – als einer von uns ohne Sünde lebte, als einer von uns am Kreuz starb, als einer von uns auferstand, als einer von uns in den Himmel entrückt und vom Vater aufgenommen wurde –, hat all das überhaupt einen Sinn. Es hat einen Sinn, weil Gott in seiner göttlichen Freiheit, um unsertwillen zu sein, der er sein will, ihm einen Sinn gibt. Wir sind erlöst durch Gottes Gnade – seine Liebe, seine absolute Treue zu seinem Erlösungsplan für die Menschheit, die er so sehr liebt, dass er in
Christus das Menschsein in sich hineinnahm.
Demut lernen
Es gefiel Gott, dass in Jesus all seine Fülle wohnen sollte „und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz“ (Kol 1,19–20). So wollte Gott uns zu einer neuen Schöpfung machen. Der Sohn Gottes nahm das Menschsein in sich auf, und in seinem vollkommenen, gehorsamen Opfer der Liebe versöhnte er die Menschheit mit Gott. Diesem Gott – dem Gott, der sich in unermesslicher Liebe gering machte, um all unsere Lasten auf sich zu nehmen, auch unsere hässlichsten Sünden, und um uns in seinem Sohn zu einer neuen, schönen Schöpfung zu machen – schulden wir vollkommene Bündnistreue und Gehorsam.
Johannes’ Dienst war ein Dienst der Demut. Die Taufe ist ein Ausdruck der Demut. Der Sohn Gottes machte sich um unsertwillen gering, um einer von uns zu werden. Und das neue Leben in Christus, das uns durch unseren Schöpfer und Erlöser gegeben ist, ist ein Leben der Demut.
Es geht nicht um mich. Wenn es um mich ginge, was könnte ich denn tun? Wie kann ich meine eigene Vergangenheit, meine Gegenwart und Zukunft heilen? Wie kann ich meine eigene Schuld, meine Sünden und Vertrauensbrüche, meine Rebellion wiedergutmachen? Wie kann ich meine Zukunft sichern – oder die Zukunft derer, die mir etwas bedeuten? Nein, Gott sei Dank, es geht nicht um mich.
Es geht nur um Jesus Christus, den um unsertwillen Mensch gewordenen, Fleisch gewordenen Sohn Gottes. Er ist es, der unsere persönliche Geschichte heilt, uns von allen finsteren Sünden erlöst und unsere Zukunft sichert, der uns tiefen Frieden und Ruhe schenkt
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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Autor: J. Feazell, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: sxc.hu
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