Druckversion
Dieser Text ist ein Artikel der Kategorie:
18-10-10

Storch: Gebet und Glaube - Markus 11,23-24 (Teil 1)

Vor ein paar Tagen habe ich in einem Heilungskurs über Markus 11,23-24 gesprochen. Auf dem Weg dahin im Zug habe ich über dem Text gebrütet und die Einheit vorbereitet und würde heute gerne einige Einsichten über Gebet und Glauben mich Euch teilen.


Die Verse waren für Kenneth Hagin so wichtig, dass er sie meistens unter Widmungen schrieb wenn er Bücher signierte.

Amen, das sage ich euch: Wenn jemand zu diesem Berg sagt: Heb dich empor, und stürz dich ins Meer!, und wenn er in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, daß geschieht, was er sagt, dann wird es geschehen. Darum sage ich euch: Alles, worum ihr betet und bittet - glaubt nur, daß ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil. (Mark 11,23-24 nach der Einheitsübersetzung)

Jesus und seine Jünger sind auf dem Weg nach Jerusalem - sightseeing und Tempelreinigung. Sie stehen morgens früh auf um zeitig los zu kommen, in ihrer Herberge hatten sie keine Halbpension und so gehen sie ohne Frühstück. Jesus hat Hunger. Da sah er von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, um nach Früchten zu suchen. Aber er fand an dem Baum nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigenernte. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und seine Jünger hörten es. (Mark 11,13-14)

Das muss man erklären. Bevor die Zeit der Feigenernte kommt, also noch bevor die Feigen reif sind, hängen schon Frühfeigen am Baum. Je nach Ansicht der Bibelkommentatoren schmecken diese gut oder schlecht, aber sie sind auf jeden Fall essbar. Wenn ein Feigenbaum voll Blätter hängt ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass es Frühfeigen gibt - normalerweise. Dieser Baum war ein Heuchler. Von weitem tat er so als hätte er Frucht, durchsuchte man allerdings seine Blätter fand man nichts.

Am nächsten Morgen, vierundzwanzig Stunden später, kommt die kleine Reisegesellschaft wieder am Feigenbaum vorbei und findet diesen tot vor. Er ist von den Wurzeln an verdorrt und nur noch als Brennholz zu verwenden. Petrus ist begeistert: Rabbi, sieh doch, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. (11,21). [Für solche Aussagen liebe ich Petrus, wann immer irgendetwas übernatürliches passierte, war er vorne mit dabei. Er wollte Gottes Kraft erleben wie kein anderer in der Jüngergruppe.]
Jesus nahm diese Begebenheit zum Anlass um seine Leute über Gebet und Glauben zu lehren. Seine erste Lektion mutet viele schon seltsam an. Er sagt, dass es nichts aussergewöhnliches ist zu Dingen zu sprechen und zu erleben, dass sie tun was man ihnen sagt.

Ich glaube, dass allein die Tatsache, dass Jesus hier anfängt zu lehren für manchen Christen heute schon ein kalter Guss ist. Eigentlich hätte Jesus sagen müssen: "tja Jungs, ich kann so was. Ich bin der Sohn Gottes, ich kann solche Wunder mit links tun, aber ihr werdet da leider nie hinkommen. Ich weiss, dass es beeindruckend ist, was ihr hier gesehen habt, aber: don´t try this at home kids!" Ich meine, seien wir mal ehrlich, wenn es so wäre wie viele Christen heute lehren dann müsste bei jedem Wunder Jesu ein Schild hochgehalten worden sein: "so weißt sich der Sohn Gottes aus - das kann kein anderer!"
Tatsächlich ist es anders: die Wunder Jesu sind unbedingt zur Nachahmung empfohlen. Jesus selber nahm sie nicht zum Anlass über seine Göttlichkeit und seine Ausnahmerolle zu reden, er nahm sie zum Anlass seine Leute zu lehren ähnliches zu tun! Seine Antwort ist in Essenz Johannes 14,12: "das könnt Ihr auch - und mehr als das!"

Um damit anzufangen übernatürlich, das heisst in Vollmacht, zu leben empfiehlt Jesus zu Bergen zu sprechen. Haben Berge Ohren? Ja, zumindest im selben Sinne wie Feigenbäume können auch sie hören. Es ist klar, dass es hier nicht darum geht die Topographie eines Landstrichs zu verändern. Es geht darum in der Kraft Gottes Dinge anzusprechen, die uns im weltlichen, natürlichen Sinne zu gross sind. Die Einstellung eines Christen gegenüber Problemen sollte nicht immer sein weinerlich vor seinen Gott zu kommen und zu sagen: "bitte mach, dass das weg geht". Unsere Erkenntnis sollte sein, dass der Heilige Geist, derselbe Heilige Geist, der in Jesus Christus und den Aposteln gelebt hat, in uns ist und dass wir Kraft haben. Wir sind die Bestimmer in unserem Leben. Wir können mutig Dinge ansprechen und verlangen, dass die Anfechtung geht, Schulden bezahlt werden und Gottes Reich sich ausbreitet.

Natürlich hat solche Vollmacht Grenzen, darum ging es in diesem Blog ja auch schon das eine oder andere Mal, dass wir nicht zu einem Leben berufen sind in dem uns permanent die Sonne aus dem Arsch scheint und wir nur auf Rosen gebettet sind. Dennoch haben wir Vollmacht und wir sollten diese Vollmacht ausnutzen - unbedingt. Wenn es nicht Deinem Gebetsstil entspricht Dinge in der Kraft Gottes anzusprechen versuch es einfach mal. Gebet kann vieles sein und unter anderem eben auch, das direkte Ansprechen eines Problems oder einer geistlichen Realität.

Manche Christen übertreiben das Gebieten. Ihre Offenbarung der Kraft Gottes ist so stark und sie sind so in dem Gedanken verwurzelt, dass sie zum herrschen geboren sind (Römer 5,17), dass sie nur noch zu Umständen sprechen und ihnen befehlen sich zu ändern. Vereinzelt erklären sie Gebet für veraltet und es erachten es als Glaubensferne Gott zu bitten. Wenn sie diese Theologie stark auf Markus 11,23 stützen so haben sie nicht weiter gelesen, denn der nächste Vers spricht gleich wieder von Gebet:

Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, daß ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.
(Markus 11,24)

Hier geht es klar darum zu bitten, Gott zu bitten. Wenn man mit einem allmächtigen Gott lebt halte ich es für die natürlichste und angebrachteste Reaktion auf einen Mangel oder Mißstand zu diesem Gott zu kommen und zu beten. Wenn Christen nicht mehr beten oder nicht mehr erleben, dass ihre Gebete erhört werden, dann ist etwas falsch. Jeder Christ sollte beten. Ein gutes Gebetsleben entspringt der Erkenntnis eines guten Gottes. Wenn Christen nur aus einer religiösen Pflichterfüllung oder Disziplin beten, dann haben sie nicht erkannt was es für ein grosses Vorrecht ist zu Gott kommen zu dürfen. Jesus ist dafür gestorben, dass wir dieses Privileg haben - in Ewigkeit. Gebet ist nichts anderes als gelebte Gottesbeziehung.

Einer der grössten Gebetskiller, vielleicht hänge ich mich noch weiter aus dem Fenster und sage: der grösste Gebetskiller, ist Erwartungslosigkeit. Hebräer 11,6 spricht davon, dass man wissen muss, dass Gott ein Belohner ist um ihn zu suchen. Wenn Christen über Jahre nicht erlebt haben, dass Gott ihre Gebete erhört, dann ist ihre Motivation zu beten irgendwann auf dem Nullpunkt angelangt und sie hören eventuell ganz auf zu beten. Im Lichte unserer Stelle drängt sich da natürlich sofort eine Frage auf: "wie kann es überhaupt sein, dass es Christen gibt, die über Jahre keine Gebetserhörung erleben wenn Jesus doch sagt, dass wir alles bekommen worum wir beten und bitten?"

Das wäre eine gute Frage, wenn Jesus das gesagt hätte. Hat er aber nicht. Er sagte, dass wir alles bekommen was wir beten und bitten wenn wir es glauben. Es gibt also eine Qualifikation für erhörliches Gebet und das ist der Glaube. Glaube ist eine Sache die sehr oft missverstanden wird, deshalb wenden wir uns dem Glauben später noch etwas detaillierter zu. Für jetzt möchte ich erst einmal feststellen, dass dieses Kriterium uns vor sehr viel Schaden bewahrt.

Ich fürchte, dass es kaum ein grösseren Fluch gäbe als wenn jeder unserer Wünsche in Erfüllung gehen und jedes Gebet erhört werden würde. Ich weiss nicht einmal mit wie vielen falschen Frauen ich dann verheiratet wäre; ich hätte den falschen Job und wäre entweder Rockstar oder Professor, aber ganz bestimmt nicht in meiner Berufung. Wenn man mal den Frust über unerhörte Gebete beiseite schiebt wird wohl jeder feststellen, dass es zu unserem besten ist, dass nicht jedes Gebet erhört wird. Dann wären wir Gott, allmächtig, nur um den Thron wäre er noch höher als wir (Genesis 41,40).

Bei einer solchen Gebetstheologie denke ich immer an König Midas, der das Gold zu sehr liebte und der Sage nach von den Göttern die ersehnte Fähigkeit bekam dass alles, was er berührte zu Gold wurde. Die Gabe wurde sein schlimmster Alptraum?

------------------------------------------------------------
Ein Beitrag auf Glaube.de
Autor: Storch
Gefunden auf Die Schönheit des Komplexen - Storchs Blog
Copyrightvermerk: copyright is the "right to copy". In diesem Sinne: bedien Dich ruhig. Ich habe es selber nie gemocht, dass auf allen frommen Sachen immer c-right ist und man nie was benutzen durfte. Letztendlich geht es mir darum, dass die Botschaft unters Volk kommt, nicht mein Name.
Nur eine Bitte: nichts aus dem Zusammenhang oder sinnentstellend zitieren.
Foto: SXC
------------------------------------------------------------

Nach oben



Name:
E-Mail: