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03-09-10

Martin Dreyer: Öffentliches Showbeten

Vor einige Zeit war ich mal in so einer charismatischen Gemeinde eingeladen.
Im Lobpreis stand die Gemeinde auf und begann zwischen den Liedern durcheinander zu beten, so wie es in vielen Gemeinden dieses Typs üblich ist. Ich persönlich mag das sehr.


Links vor mir stand so ein Typ, der die ganze Zeit ca. 10 Dezibel lauter als der Rest der Gemeinde zu beten schien. Er betete so laut, dass ich erstens selbst total abgelenkt wurde, und zweitens auch jeder andere im Umkreis von 100 Metern ihm beim beten gut zuhören konnte/musste. Nun, laut beten ist nicht schlecht. Aber umso länger ich den Gebeten lauschte, desto genervter wurde ich. "Ohhhh, Jeeeesussss! Schallllalalllaall Schandarasssa! Jeeesuuuus! Ohhhh, du bist das Blut, das geopfert ward, schalllahandarssa" in einer Tour. Schließlich war ich so vom Blick auf Gott abgelenkt, dass ich die Augen aufmachte um zu sehen, wer da gerade so ein "Schowbeten" abzieht. Es war der Pastor.

Wenn ich mir Jesus ansehe und seine Art mit Menschen umzugehen, dann muss ich feststellen, dass er mit allen Sünden und jedem Sündern, sehr sehr liebevoll umgegangen ist. Die Hure, die immerhin mit vielen (verheirateten) Männern Sex gegen Bezahlung hatte, wurde vom ihm öffentlich rehabilitiert. Für die Zöllner, die das Volk systematisch abgezockten hatte, fand er liebevolle Worte. Nur mit einer Menschengruppe ist er sehr sehr hart umgegangen: Mit den religösen Profis, den Pharisäern. Die haben anscheinend immer "Showbeten" in den Synagogen veranstaltet, haben immer ganz besonders ein auf "geistlich" gemacht, aber ihr Herz war Meilenweit entfernt von Gott.
Ich will mich da jetzt nicht auf den Richterstuhl setzen. Dieser Zug dahin ist mir durchaus bekannt. Es ist bei jeder Gebetszeit in meiner Wohnung oder im Park oder in der Gemeinde eine Versuchung für mich, nur aus meinem Verstand Gebete zu formulieren, runter zu rattern, zu "labern". Aber ich kämpfe und seit mehreren Jahren klopft mir Gott dabei regelmäßig auf die Schulter "Hallo Martin!? Mit wem redest du gerade? Rede mal mit mir! Hallo? Ich bin doch hier!" Nach meiner Erfahrung hat Gott fast alle Gebete von mir erhört, die aus einem ehrlichen, ungeheuchelten Herzen gebetet wurden (einige sofort, andere erst nach Jahren).
Jetzt sind wir ja Jesus Freaks, und da denkt man, diese Versuchung ist uns fremd. Aber denkste, auch bei den Jesus Freaks gibt es eine "Fromme Freak Gebetssprache", die letztendlich auch nur aus Formeln, Religion und leeren Worthülsen bestehen kann. Ob ich nun "Oh Herrrr Jesus, segne mich mächtiglich!" oder "Jesus, ich brauch dich ganz krass!" bete ist am Ende egal, wenn es nicht aus meinem Herz ehrlich rüber kommt.

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Ein Beitrag von Glaube.de
Gefunden bei Haso als Link auf Martin Dreyers Blog
Bei Martin Dreyer gibt's keine Copyrighthinweise, er scheint unter general public license zu posten. Prima! 9-5-2007, Guenter J. Matthia
Foto von der gleichen Fundstelle.
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