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05-11-04

Günter J. Matthia: Wie man eine Stunde lang einen kurzen Psalm studiert

Die Bibel ist eine Schatztruhe, in der es sich zu forschen lohnt. Ob sie nun in gedruckter Form vor uns liegt oder aus Bits und Bytes auf dem Monitor erscheint - es lohnt sich, tiefer zu graben.

In der Elberfelder Übersetzung, mit der ich am liebsten arbeite, gibt es zu beinahe jedem Vers Querverweise. In anderen Bibelausgaben ist dies ähnlich. Oft werden durch diese Texte Inhalte verständlicher, oft sieht man dadurch tiefer in die Wahrheit Gottes hinein.


Man kann den Querverweisen folgen und findet dort wiederum Querverweise - so kann das Bibellesen zu einer spannenden und lebensverändernden Beschäftigung werden, die wir bald nicht mehr missen möchten.
Am Beispiel des 121sten Psalms, der nur acht Verse umfasst, will ich dies einmal zeigen und hoffentlich die Neugier anstacheln. Ich beschränke mich dabei auf jeweils ein paar knappe Sätze - jeder darf selbst weiterdenken und -lesen.

Psalm 121

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher wird meine Hilfe kommen?

Eine berechtigte Frage: Woher wird unsere Hilfe kommen? Sicher nicht von den Bergen, denn die Berge sind nicht in der Lage, uns zu helfen. Sie haben nur begrenzt Bestand.
Die Berge sind ein Teil der Schöpfung, und sie werden dem Schöpfer gehorchen. Die Berge erbeben vor ihm, und die Hügel zerfließen. Vor seinem Angesicht hebt sich die Erde, das Festland und alle, die darauf wohnen. (Nahum 1,5) Und die Berge zerschmelzen unter ihm, und die Täler spalten sich, wie das Wachs vor dem Feuer, wie Wasser, ausgegossen am Abhang. (Micha 1,4)
David weiß, dass dieser rhetorische Blick auf die Berge, die vielleicht den Anschein von Ewigkeit erwecken, aber doch vergehen werden, vergeblich ist: Zu dir hebe ich meine Augen auf, der du in den Himmeln thronst. (Psalm 123,1)

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Berge sind es nicht, von denen wir Hilfe erwarten können. Es ist der Schöpfer dieser Gesteinsmassen, zu dem wir unsere Augen heben.
Psalm 115,15: Ihr seid gesegnet vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Derjenige, der Himmel und Erde gemacht hat, ist auch derjenige, von dem wir Hilfe erbitten und erwarten können. Davids ausdrückliche Erwähnung, dass er Himmel und Erde gemacht hat, erinnert uns daran, dass für Gott nichts zu groß und nichts zu klein ist. Er hat die kleinsten Amöben im Ozean genauso ins Leben gerufen wie die höchsten Gebirge.
Da ist das Meer, groß und ausgedehnt nach allen Seiten. Dort ist ein Gewimmel ohne Zahl: Tiere klein und groß. (Psalm 104, 25) Denn die Berge bringen ihm Tribut, und alle Tiere des Feldes, die dort spielen. (Hiob 40, 20)

3 Er wird nicht zulassen, dass dein Fuß wanke. Dein Hüter schlummert nicht.

Unser Fuß trägt den ganzen Körper - gibt er nach, dann fallen wir. Unser Fuß schlägt eine Richtung ein - bestimmt darüber, wo wir ankommen werden.
Damit wir die richtige Richtung finden, brauchen wir Licht: Eine Leuchte für meinen Fuß ist dein Wort, ein Licht für meinen Pfad. (Psalm 119,105) Denn eine Leuchte ist das Gebot und die Weisung ein Licht, und ein Weg zum Leben sind Ermahnungen der Zucht. (Sprüche 6, 23)
Der Fuß trägt den ganzen Körper, mitsamt den Lasten, die wir schleppen. Müssen wir die eigentlich mit uns herumtragen? Psalm 55,23: Wirf auf den HERRN deine Last, und er wird dich erhalten; er wird nimmermehr zulassen, dass der Gerechte wankt. Es ist keine Schande, eine Last zu haben - die Frage ist, was wir damit tun. Weiterschleppen und schließlich wanken, oder auf den Herrn vertrauen, statt auf unsere Fähigkeiten?
1. Samuel 2,9: Die Füße seiner Frommen behütet er, aber die Gottlosen kommen um in Finsternis; denn niemand ist stark durch eigene Kraft. Niemand ist stark genug, niemand. Unser Fuß wird in die Falle treten, die der Feind aufgestellt hat, wenn wir uns auf unsere Kraft verlassen. Sprüche 3,26: Denn der HERR ist deine Zuversicht und bewahrt deinen Fuß vor der Falle.
Es ist gar nicht notwendig, dass wir straucheln. Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seine Herrlichkeit tadellos mit Jubel hinzustellen vermag, dem alleinigen Gott, unserem Heiland durch Jesus Christus, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Gewalt und Macht vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeiten! Amen. (Judas 24, 25)

4 Siehe, nicht schläft noch schlummert der Hüter Israels.
5 Der HERR ist dein Hüter, der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand.
6 Am Tag wird die Sonne dich nicht stechen, der Mond nicht bei Nacht.


Wir werden müde. Wenn es notwendig ist, können wir uns lange wach halten, aber nach spätestens 72 Stunden ohne Schlaf dürften die meisten von uns nicht mehr weiterkönnen. Gott schläft nicht, er ist hellwach.
In der Wüste kann Schatten lebensrettend sein. Es mag sein, dass wir durch die Wüste hindurch müssen, um an ein Ziel zu kommen. Das heißt aber nicht, dass wir Durst, Hitze und Hunger auszuhalten haben. Jesaja 49,10: Sie werden nicht hungern und nicht dürsten, und weder Wüstenglut noch Sonne wird sie treffen. Denn ihr Erbarmer wird sie leiten und wird sie zu Wasserquellen führen. Selbst mitten in der Wüste sorgt unser Herr für frisches Wasser. Er hält die Hitze fern, er kennt den Weg wo kein Weg zu sein scheint.

7 Der HERR wird dich behüten vor allem Unheil, er wird dein Leben behüten.

Wer nicht zu den Bergen seine Augen aufhebt, sondern zum Herrn der Herren, der kann sicher sein, dass ihm diese Zusagen gelten, denn sie finden sich häufig in der Bibel: Und siehe, ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst, und dich in dieses Land zurückbringen; denn ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan, was ich zu dir geredet habe. (1. Mose 28,15) Keinerlei Unheil wird dem Gerechten widerfahren, aber die Gottlosen sind voller Unglück. (Sprüche 12,21) Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und mich in sein himmlisches Reich hineinretten. Ihm sei die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (2. Timotheus 4,18) Die ihr den HERRN liebt, hasst das Böse! Er bewahrt die Seelen seiner Frommen. Aus der Hand der Gottlosen errettet er sie. (Psalm 97,10)

8 Der HERR wird deinen Ausgang und deinen Eingang behüten von nun an bis in Ewigkeit.

Gott beschränkt seinen Segen nicht auf einen bestimmten Abschnitt in unserem Leben. Er behütet uns ohne zu ermüden, pausenlos und ewig: 5. Mose 28,6: Gesegnet wirst du sein bei deinem Eingang, und gesegnet wirst du sein bei deinem Ausgang. Psalm 125,2: Jerusalem - Berge sind rings um es her. So ist der HERR rings um sein Volk, von nun an bis in Ewigkeit. Psalm 131,3: Harre, Israel, auf den HERRN, von nun an bis in Ewigkeit!
Das Harren - das Warten - auf den Herrn wird nicht vergeblich sein. Harre, Israel, auf den HERRN! Denn bei dem HERRN ist die Gnade, und viel Erlösung bei ihm. (Psalm 130, 7)
Wir müssen nicht einen strafenden Gott fürchten, sondern wir dürfen einen barmherzigen Gott lieben. Denn du, Herr, bist gut und zum Vergeben bereit, groß an Gnade gegen alle, die dich anrufen. (Psalm 86, 5) Wir müssen ihn nur anrufen, wenn wir erkennen, dass wir Vergebung nötig haben.
Jeder von uns kann auf die Sünde hereinfallen, es kommt darauf an, was wir dann tun. Ich aber richte mein Gebet an dich, HERR, zur Zeit des Wohlgefallens. O Gott, nach der Größe deiner Gnade, erhöre mich durch die Treue deiner Hilfe! (Psalm 69, 14) Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten! (Matthäus 7, 11)
Hiervon ist niemand ausgeschlossen, der zum Herrn kommt, wenn er Gnade braucht. Der HERR ist gut gegen alle, sein Erbarmen ist über alle seine Werke. (Psalm 145, 9)
Es ist auch keine Sünde zu groß oder Krankheit zu schwer. Der da vergibt alle deine Sünde, der da heilt alle deine Krankheiten. (Psalm 103,3)
Das Blut Jesu reicht auch für den schwersten Fall aus. In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade. (Epheser 1,7)

Dies soll als Appetitmacher genügen. Es ließe sich aus diesem acht Versen des Psalm 121 noch vieles mehr finden, was uns unser Leben, unsere Stellung vor Gott, erklärt. Was wir nicht wissen, nicht verstanden haben, können wir nicht anwenden. Wenn wir unsere Augen zu den Bergen aufheben, werden wir an den Schwierigkeiten scheitern. Wenn wir die Berge ignorieren und unsere Hilfe von dem erwarten, der Himmel und Erde geschaffen hat, wird selbst in der Wüste Schutz vor dem Verbrennen, Wasser für unseren Durst, Nahrung für unseren Hunger und ein Weg aus der Wüste heraus da sein.

Ein kurzer Psalm - und doch so wertvoll, so voller Inhalt.

Diese Art, die Bibel zu studieren, ist - das sei ausdrücklich gesagt - eine Möglichkeit. Für genauso wichtig halte ich das Lesen längerer Passagen am Stück, denn nur dadurch wird uns bewusst, welche Zusammenhänge bestehen und wie wir Dinge einzuordnen haben, die uns - isoliert betrachtet - verwirren würden. Doch dazu schreibe ich ein andermal.

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Ein Artikel von Glaube.de
Autor: Günter J. Matthia
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