Michael Feazell: Einblicke in die Einsamkeit

Ein persönlicher Gang durch den 23. Psalm ermöglicht eine Betrachtung in das Bedürfnis eines Christen, sich Zeit zu nehmen, um mit Gott allein zu sein.
Psalm 23, eine der beliebtesten Stellen in der Heiligen Schrift, beginnt mit der einfachen Wahrheit und der Zusicherung: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Was könnte tröstender sein als zu wissen, dass unsere geistliche Versorgung und Sicherheit nicht davon abhängt, wer wir sind, sondern wer Gott ist?
Gott ist mein Hirte, nicht weil ich ihn erwählte. Er ist mein Hirte, weil er mich erwählte. Einfach ausgedrückt, dies bedeutet, dass ich mich nicht auf meine Fähigkeiten als ein Schaf verlasse, um mir seine behütende Liebe zu sichern. Vielmehr muss ich einfach in seiner perfekten Liebe als der perfekte Hirte ruhen.
Sicher in Jesu Liebe komme ich in ihm zur Ruhe, ob ich im Hochbetrieb der täglichen Pflichten stecke oder wenn ich am Ende des Tages Erholung suche. Doch das Geschäft des Lebens tendiert dazu, Gott aus meinem Leben hinauszudrängen, der gefährlichen Täuschung zu erliegen , dass ich mein eigener Meister bin, der Herr meines eigenen Schicksals. Genau in solchen Zeiten habe ich es am nötigsten, allein in der Gegenwart des Oberhirten zu sein – um stille Zeit zu nehmen, um über meinen wahren Zustand zu nachzudenken.
Manchmal muss ich eine Auszeit nehmen, um an einen privaten Ort zu gehen, wo es keine Ablenkungen gibt, und Gott um seinen Frieden, um seine Hilfe, die wahre Realität zu sehen, zu bitten – seine liebende und leitende Hand inmitten der Verwirrung und der Bedrängnisse des Lebens. Nur in der Stille und Abgeschiedenheit meines Lebens bin ich in der Lage, klar die Täuschung zu erkennen und Gottes frischem Wind zu erlauben, den Nebel der Eigenständigkeit wegzublasen, und das wahre Vertrauen und die Sicherheit des Lebens in seiner Herde wiederherzustellen.
Um seines Namens willen
Er weidet mich auf einer grünen Au und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
So oft jage ich selber nach den grünen Auen und frischen Wassern. Ich strebe nach einem ruhigen und stillen Geist. Ich treffe die Willensentscheidung, auf dem rechten Pfad zu wandeln. Aber bei all meiner Suche habe ich vergessen, dass es Gott ist, der mich auf grünen Auen weidet und mich zum frischen Wasser führt. Es ist Gott, der meine Seele erquickt und mich auf rechter Straße führt.
Diese guten Dinge entdecke ich nicht durch mein Streben und meine Willensan-strengungen, zumindest nicht auf die Art und Weise, die ich wirklich brauche oder auf eine Art und Weise, die wirklich dauerhaft ist und mich wirklich befriedigt. Diese Dinge finde ich nur, wenn ich erlaube, dass Gott mich dorthin führt.
Dies sind seine Gaben; sie können nicht meine Errungenschaften sein, denn in dem Moment, in dem ich sie zu finden meine, verschwinden sie. Nur Gott kennt den Weg, und er kann mich dorthin bringen, wenn ich ihm nur folge, wenn ich mich daran erinnere, dass ich ohne ihn verloren bin, wenn ich ihm vertraue, dass er mir gibt, was ich am meisten benötige.
In der Stille mit ihm erinnert mich Gott, dass ich hilflos bin, das wahre Leben aus eigener Kraft zu leben. Er erinnert mich, dass nur wenn ich mich ihm selber hingebe, kann ich das Verlangen nach seiner Ruhe stillen, das Verlangen, das er in mich hineingelegt hat. Er erinnert mich daran, dass er mich um seines Namens Willen zum Frieden führt – zu seiner Herrlichkeit und nicht meiner eigenen. Wenn ich all meine Sorgen auf ihn werfe, wenn ich meinen Willen, meine Ziele gegen seine Ziele aufgebe, dann beginnt das Licht durch die Finsternis zu scheinen.
Durch die Dunkelheit
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Von der Stärke, die mir Gott in Zeiten des Friedens und des Lichts gibt, werde ich bevollmächtigt, durch die Zeiten des Aufruhrs und der Dunkelheit zu gehen. Statt die schwierigen Tage zu beweinen, wurde ich durch die Gnade Gottes zubereitet, in diesen Schwierigkeiten seine Barmherzigkeit und Güte zu sehen – seine Liebe, indem er mir einen Anteil an den Leiden unseres Herrn Jesus Christus gibt.
Ich kann mit Kraft, die ich in Zeiten des Lichts gewann, durch die dunklen Zeiten gehen. Aber diese Stärke ist nicht meine, sondern seine. Die dunklen Zeiten treiben mich in seine Hände, um wiederhergestellt zu werden, um einen kühlen Schluck von seinem frischen Wasser zu trinken, um Ruhe auf seinen grünen Auen zu erhalten.
In solchen Zeiten wird der Wert von heiligen Gewohnheiten offenbar. Wenn ich nicht die Gewohnheit habe, mich wegen kleiner, vielleicht trivialen Angelegenheiten an Gott zu wenden, wie kann ich erwarten, dass ich bei großen Angelegenheiten zu ihm gehe? Wenn ich nicht die Angewohnheit habe, mich selbst in Schranken zu halten oder mich in geringeren Angelegenheiten oder persönlichen Wünschen zu verleugnen, wie kann ich hoffen, der Macht starker Versuchung zu widerstehen? Wenn ich es zu einer Priorität mache, fast in allen Dingen meinen Willen durchzusetzen, wie kann ich erwarten, mich selbst Gott und seinem Willen für mein Leben zu unterstellen?
In dunklen Zeiten brauche ich Stille, nicht für meine eigene Ruhe, sondern um in seine einzutreten. In diesen Zeiten berührt mich Gott, er erneuert meinen Mut und stellt meine Vision der herrlichen Zukunft in ihm wieder her. Er bringt mich durch. Er zeigt sich mir auf Wegen, die ich nie erwartet hätte.
Er erinnert mich, dass sein Stecken und sein Stab für seine Schafe immer am Werk sind. Er beruhigt meine Angst, er gibt mir Frieden und Kraft, um das Schlimmste zu konfrontieren. Er führt mich dahin, zu sagen: „Nicht mein, sondern dein Wille ge-schehe.“ Nachdem wir einmal die guten Dinge Gottes gekostet haben, kann ich im Wissen sicher sein, dass in den Worten des letzten Aktes des Musicals „Les Miserables“, sogar die dunkelste Nacht enden und die Sonne aufgehen wird“.
Ruhe in Gott
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mir das Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
In Zeiten der Stille und Einsamkeit mit dem göttlichen Versorger, füllt er mich mit Reichtümern, mit Freude, mit Frieden, die höher sind als die Ängste, Zweifel und Frustrationen meines physischen Lebens. Er richtet meine Prioritäten neu aus. Er korrigiert meine Perspektive. Er öffnet meine geistlichen Sinne in dem geringen Umfang, in dem ich es verkraften kann, für die erstaunliche Realität des Lebens des kommenden Zeitalters, für das ewige Leben, das wahre Leben in Christus.
Dies bedeutet nicht, mich von den Umständen zu entfernen, die ich im Hier und Heute konfrontieren muss, aber es bewahrt mich davor, von ihnen besiegt zu werden. Ich werde daran erinnert, was Gott tut, nicht was ich tun kann. Ich kann die Aktion ausführen, die ich ausführen muss, und ich kann dies auf die richtige Art und Weise tun, nur weil Jesus Christus in mir am Wirken ist, weil ich in ihm ruhe.
Wenn ich versuche, alles selber zu tun, ohne Jesus, sogar die richtigen Dinge, brin-gen meine Bemühungen nur hölzerne Frucht hervor. Ich werde in Gott bewahrt. Ich bin bevollmächtigt. Ich bin gesegnet. Sogar mein Ruf basiert nicht auf mir, sondern auf Gottes Macht, die in mir wirkt. Jeder Verdienst für meine Errungenschaften, für meinen Erfolg, für meine Siege, gebührt ihm.
Wenn ich versage, liegt das daran, dass ich ihn ausgeschlossen, dass ich ihm und den Reichtümern seiner Gnade meinen Rücken zugekehrt habe. Ich habe vergessen, dass ich in ihm lebe, webe und bin. Ich habe in Wirklichkeit versucht, mich selbständig zu machen, als ob so etwas wirklich möglich wäre. Und vor allem habe ich die Tiefe seiner Liebe für mich vergessen.
Nach Hause kommen
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
In die Stille mit Gott einzutreten bringt mich in eine Qualität des Kontaktes mit ihm, die ich sonst nicht erfahren könnte. Es ist so, wie nach Hause zu kommen. Es ist ein Vorgeschmack auf die wahre Wirklichkeit, auf das wahre Leben, das er mir in Jesus gibt. Es ist wie ein Beispiel des großen Banketts, zu dem er mich bringt, eine Gelegenheit, zu proben, was vor mir liegt, um die „kommende Attraktion“ in der Vorausschau zu sehen. Es ist wie der Duft eines „Thanksgiving“-Essens, eine leckere Erwartung der vollen Realität, welche die Freude und den Nervenkitzel des kommenden Ereignisses lebendig hält.
Mein Leben ist nichts ohne Gott und es ist alles mit ihm. Die Barmherzigkeit und Güte, die mir folgen, kommen von Gott, und sie folgen mir, weil Gott mich liebt, nicht weil ich ihm etwas anzubieten habe.
Ich kann in Gott ruhen, weil er das möchte, und weil er mich dazu in der Lage versetzt. Er konfrontiert mich mit der Wahrheit, dass meine Ziele nur dann Bedeutung und Wert haben, wenn sie mit seinem Vorhaben für mich übereinstimmen, und er sichert mir zu, dass seine Vorhaben für mich verwirklicht werden, auch wenn es Zeiten gibt, wenn ich nicht über meine unmittelbaren Schwierigkeiten und Schmerzen hinaussehen kann.
In Zeiten der Stille kann ich selber loslassen und mich Gott für seinen Zweck übergeben. Mein Ziel, d.h. das Ziel, welches der Heilige Geist für mich hat, besteht darin, dass ich in das Ebenbild Christi verwandelt werde, und der Heilige Geist gibt mir den Glauben, in seiner Macht zu ruhen, um es herbeizuführen.
In der Stille mit Gott kann ich in sein Werk eintreten – ich kann mich ihm selber zur Verfügung stellen, ich kann mich seinem Willen unterstellen und mich auf seine Gnade und seine Macht verlassen. In Gemeinschaft mit Gott sichert er mir zu, dass ich sein bin, und dass ich gewiss immerdar in seinem Hause wohnen werde.
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Ein Artikel von www.glaube.de
Foto: sxc.hu
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Autor: Michael Feazell, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
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