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11-09-10

Michael Morrison: Gnade von ihrer besten Seite gezeigt.

Eine Betrachtung des 2. Kapitels des TitusbriefsI


Im 2. Kapitel des Titusbriefs macht Paulus uns deutlich, dass die Menschen dasEvangelium oft nach der Art, wie wir leben, beurteilen. Präsentieren wir das Evangelium in gutem Lichte oder geben wir den Menschen einen Grund zur Klage? Die Gute Botschaft verbreitet die Gnadenlehre, und die Gnade selbst lehrt uns etwas für unseren Lebenswandel.


Selbstbeherrschung: ein gutes Beispiel

Paulus weist Titus an: „Du aber rede, wie sich’s geziemt nach der heilsamen Lehre.”Dann beschreibt er verlässliche Lehren: „Den alten Männern sage, dass sie nüchtern seien, ehrbar, besonnen, gesund im Glauben, in der Liebe, in der Geduld” (Tit 2,1–2). Titus hat mit Gläubigen zu tun, die einer gewissen Führung hinsichtlich ihres Verhaltens bedürfen.Paulus setzt mit drei von den griechischen Philosophen hochgelobten Tugenden ein: Mäßigung, achtbares Handeln sowie Selbstbeherrschung. Dann gibt er drei Tugenden an, die im Christentum von Bedeutung sind: rechte Glaubensinhalte, das Bezeugen von Liebe und die Aufrechterhaltung dieser Werte auch unter Schwierigkeiten.

Frauen erteilt Paulus einen leicht abgewandelten Rat: „... desgleichen den alten Frau en, dass sie sich verhalten, wie es sich für Heilige ziemt, nicht verleumderisch, nicht dem Trunk ergeben. Sie sollen aber Gutes lehren...” (V. 3). Diese Laster assoziiert man heute nicht unbedingt mit Frauen, und Paulus hätte seine Lehren auch problemlos den Männern erteilen können – sie sind für alle Christen angemessen. Paulus erwartet von älteren Frauen, dass sie lehren können: „... und die jungen Frauen anhalten, dass sie ihre Männer lieben, ihre Kinder lieben, besonnen seien, keusch, häuslich, gütig, und sich ihren Männern unterordnen (V. 4–5). Paulus weist nicht Titus an, die jungen Frauen direkt zu unterweisen, sondern er ruft die älteren auf, die jüngeren anzuleiten. Der Apostel führt eine Reihe von Rollenbildern auf, denen die Frauen in der Gesellschaft des ersten nachchristlichen Jahrhunderts zu entsprechen hatten, und erläutert dann, warum Christinnen sich so verhalten sollten: „... damit nicht das Wort Gottes verlästert werde”. Das Christentum kennt viele Glaubensinhalte und -praktiken, die der Nichtgläubige nicht teilen mag, und Christen können in ihrem Tun nicht in allem dem Willen Nichtgläubiger entsprechen. Vielen Sitten und Gepflogenheiten aber können Christen entsprechen, und genau dies ist es, was Paulus will.

Wenn Menschen sich anschicken, Kritik zu äußern, so sei es in wesentlichen Belangen, nicht im Hinblick auf überflüssige Streitpunkte. Wenn wir gesellschaftlichen Gepflogenheiten zuwiderhandeln, werden die Menschen allem, was wir sagen, mit mehr Skepsis begegnen. Deshalb wollen wir unsere Divergenzen auf ein Minimum begrenzen. Paulus sorgt sich darum, inwieweit wir mit unserem Verhalten dem Evangelium Schaden zufügen könnten.

„Desgleichen ermahne die jungen Männer, dass sie besonnen seien in allen Dingen” (V. 6–7). Titus soll nicht nur mit Worten lehren, sondern auch durch sein Handeln. Selbst die Art und Weise, wie er lehrt, ist dabei von Bedeutung: „Dich selbst aber mache zum Vorbild guter Werke, mit unverfälschter Lehre, mit Ehrbarkeit, mit heilsamem und untadeligem Wort.” Warum? Weil unser Ruf als Überbringer des Evangeliums wichtig ist. „... damit der Widersacher beschämt werde und nichts Böses habe, das er uns nachsagen kann”. Wird man schon unsere Glaubensinhalte nicht teilen, wollen wir nicht auch noch zusätzliche Angriffsflächen bieten.

Im Folgenden geht Paulus auf eine weitere gesellschaftliche Gruppe ein: „Den Sklaven sage, dass sie sich ihren Herren in allen Dingen unterordnen, ihnen gefällig seien, nicht widersprechen, nichts veruntreuen, sondern sich in allem als gut und treu erweisen, damit sie der Lehre Gottes, unseres Heilands, Ehre machen in allen Stücken” (V. 9–10).

Paulus rät den Gläubigen, ihre gesellschaftliche Position gut auszufüllen – damit heißt er diese jedoch nicht unbedingt gut. Aber wir können seinen Rat in modifizierter Form durchaus auch auf heutige Beschäftigungsverhältnisse übertragen. So sollten Gläubige ihre beruflichen Aufgaben gut erledigen, sich kooperativ verhalten, sich als vertrauenswürdig erweisen und jedermann Respekt entgegenbringen. Warum? Um das Evangelium für die Menschen attraktiv zu machen, so dass sie dem, was wir über Jesus sagen, eher zuzuhören bereit sind. Wie wir leben, arbeiten, wie wir uns unserer Familie und unserem Nächsten gegenüber verhalten, all das ist ausschlaggebend dafür, wie empfänglich die Menschen für die von uns verbreitete Botschaft sind.

 

Auf Gnade bauendes Verhalten

Paulus führt nun einen theologischen Grund an, warum die Menschen zu Wohlverhalten anzuregen seien: „Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen” (V. 11). Der griechische Originaltext könnte auch mit folgenden Worten wiedergegeben werden: „Denn die rettende Gnade Gottes ist offenbar geworden, und sie gilt allen Menschen” (Gute Nachricht Bibel). Nicht jeder hat dies bis jetzt erkannt, aber Erlösung können alle Menschen allein durch Gnade erlangen.

Und was vermag diese Gnade zu tun? „Sie bringt uns dazu, dass wir dem Ungehorsam gegen Gott den Abschied geben, den Begierden, die uns umstricken, und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben” (V. 12; Gute Nachricht Bibel). Gnade – richtig verstanden – lehrt uns, der Sünde zu entsagen und Gutes zu tun. Als Kinder Gottes wollen wir dem Sohn Gottes gleichen, aber wir können dies nicht aus eigener Kraft erreichen. Nur durch die Gnade Gottes vermögen wir seinem Willen gemäß zu handeln.

So können wir „in dieser Welt” gut leben, aber Vergeltung erfahren wir nicht unbedingt im Diesseits. Deshalb warten wir darauf, „dass unser großer Gott und Retter Jesus Christus in seiner Herrlichkeit erscheint” (V. 13; Gute Nachricht Bibel). An dieser Stelle wird Jesus eindeutig als Gott angesprochen, und Paulus lässt uns wissen, dass wir seine Wiederkunft erwarten dürfen.

Was machte Jesus? „Er hat sein Leben für uns gegeben, um uns von aller Schuld zu befreien und sich so ein reines Volk zu schaffen, das nur ihm gehört und alles daransetzt, das Gute zu tun” (V. 14; Gute Nachricht Bibel). Er kaufte uns von der Sünde los. Aber Christus hat ein noch höheres Ziel für uns: Er will uns von Sünden reinwaschen, die Sündhaftigkeit ausmerzen und in uns ein Verlangen nach Wohlverhalten schaffen.

Paulus fasst sodann seinen Standpunkt zusammen: „Das sage und ermahne und weise zurecht mit ganzem Ernst. Niemand soll dich verachten” (V. 15). Jesus will Menschen, die eifrig bemüht sind, Gutes zu tun; deshalb soll Titus als Bote Christi zu Wohlverhalten ermuntern und seine Stimme gegen Fehlverhalten erheben. Hingegen soll er nichts tun, was ihm die Verachtung der Menschen einbringen könnte, da diese damit den Erlöser verachteten, für den er steht.

Da Titus diesen Brief von Paulus seiner Gemeinde vorliest, richtet der Apostel sein Wort auch an sie: „Titus wird euch hinsichtlich eures Fehlverhaltens zurechtweisen müssen. Aber er tut dies lediglich an meiner statt, und er gibt damit nur weiter, was die Gnade euch gebietet, wenn ihr nur willens seid zu hören, was sie sagt.” So sollten auch wir jene nicht verachten, die uns ermahnen, der Sünde zu widerstehen und Gutes zu tun.

 

 

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Ein Artikel von www.glaube.de

Auszug aus der Zeitschrift: Nachfolge 10-12.2010 17

Autor: Michael Morrison
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus, Redakteur bei www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Ein WKG Artikel mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
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