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29-11-03

Jack Winter: DAS HERZ MEINES VATERS

"Ich bin in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen", sagte Toni, "wo ich in meiner frühen Kindheit tiefe Liebe und Geborgenheit erlebt habe. Das zerbrach, als mein Vater uns wegen einer anderen Frau verließ, als ich Teenager war...


Auszug aus dem Buch "Heimkommen zu Gottes Vaterliebe", Autor: Jack Winter.

Ich versuchte, den coolen Mann zu spielen, und auf diese Art und Weise damit fertig zu werden; aber das Gefühl von Demütigung und Ablehnung verfolgte mich. Meine Oberschulzeit lang habe ich ein tiefes Schamgefühl empfunden, und habe versucht, die peinliche Tatsache, dass ich aus einem zerbrochenen Zuhause kam, zu verbergen. Meine Mutter wurde aufgrund der Scheidung vom Abendmahl ausgeschlossen, aber hielt dennoch entschieden an der Überzeugung fest, dass Gott ein entscheidender Teil unseres Lebens sei.
Sie legte Wert darauf, dass wir alle den Religionsunterricht besuchten. Ich fragte mich, warum Gott es zugelassen hatte, dass in unserem Leben all das geschehen war.

Diese und andere Fragen quälten mich, bis mein Leben eine entscheidende Wende nahm: Ich nahm Jesus Christus als meinen Herrn und Retter an. Ich gab ihm mein Leben und machte mich auf den Weg ein neuer Mensch, ein geheilter Mensch, zu werden.

Schon bald nach meiner Bekehrung, begann ich mein Studium am Bethany Missionscollege. Dort lernte ich auch meinen zukünftigen Mann, Paul, kennen. Je näher unsere Hochzeit rückte, umso stärker spürte ich das Drängen des Heiligen Geistes in mir, meinem Vater zu vergeben. Ich wusste, dass sich andernfalls der Groll, den ich ihm gegenüber empfand, sich früher oder später auf meinen Mann übertragen würde.

Ich schrieb Papa also einen Brief und erinnerte ihn an die besseren und glücklicheren Zeiten. Aber ich schrieb ihm auch, wie sehr mich sein Weggehen verletzt und gedemütigt hatte. Dann schrieb ich ihm, dass ich ihm vergeben hatte. Ich hoffte darauf, dass er mir umgehend antworten würde. Er antwortete nie! Nicht lange nach unserer Hochzeit, zogen Paul und ich, gemeinsam mit unserer sechs Monate alten Tochter Kelly, auf die Philippinen.
Bald kam auch unser Sohn Tyler dazu, der dort geboren wurde. Während unseres Aufenthaltes dort, bestand nur wenig Kontakt zu meiner Familie. Einer der wenigen Briefe, die wir erhielten, brachte uns die Nachricht, dass Mutters Krebs sich weiterentwickelt hatte. Der nächste Brief berichtete von ihrer Hinwendung zu Jesus als ihrem Erlöser. Sechs Monate später erhielten wir die Nachricht, dass sie gestorben war.

Nach sieben Jahren gingen wir zurück, in die Vereinigten Staaten und arbeiteten in der Heimatzentrale unseres Missionswerkes Bethany Fellowship, in der Ausbildung zukünftiger Missionare. Bei Bethany gab es einige Familien, bei denen ein enger Zusammenhalt zu spüren war.
Zu Beginn fand ich das begeisternd, aber nach einiger Zeit bemerkte ich, dass sich in mir merkwürdige Prozesse abspielten. Wenn ich die Verbundenheit dieser Familien, ja sogar die Nähe zwischen Paul und unserer Tochter Kelli sah, wurde mir bewusst, wie unendlich viel mir in meiner späteren Kindheit gefehlt hatte.

Wenn ich an meinen Vater dachte, hatte ich das Gefühl, als ob die Beziehung zu ihm gestorben sei. Ich spürte keinerlei innere Bande, keine Unterstützung, keine Nähe. Ein Freund schlug mir vor, doch in die Seelsorge zu gehen. Ich rief Jack an und er lud mich ein, ihn noch am gleichen Tag zu sehen. Während Paul und ich zum Seelsorgetermin fuhren, stiegen Zweifel in mir auf: War das alles nötig? Schließlich hatte ich ja nicht wie andere Frauen wirklichen Missbrauch erlebt. Aber nachdem ich Jack sah, schwanden die Ängste.

Ich fühlte mich wohl und begann ihm von dem Gefühl der Ablehnung und der Schande und Scham zu erzählen. Er hörte aufmerksam zu und schlug dann vor, zusammen zu beten. Plötzlich wurde ich so von Angst gepackt, dass ich mich entschuldigte und den Raum verließ. Der Grund dafür war nicht eine mangelnde Bereitschaft zu vergeben, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich nicht bereit war, jemand anderem die Intensität meiner Gefühle zu offenbaren.

Nach einem inneren Kampf ging ich zurück in den Raum und war damit einverstanden, zu beten. Jack nahm dann den Platz meines Vaters ein.
Er hatte sich all meine Klagen angehört und bekannte seine Schuld und bat mich ihm zu vergeben. Ich war nicht im Geringsten auf so etwas vorbereitet.

Seine Bitte um Vergebung brachte Tränen in meine Augen.

Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich verstehen, was in meiner Familie geschehen war. Nicht mehr länger war ich gezwungen, unrealistische Forderungen zu stellen oder mich an Erwartungen, die nie erfüllt worden waren, festzuhalten.

Ich wusste, dass ich von Gott, dem Vater, angenommen worden war. Jetzt konnte ich andere, meinen Vater eingeschlossen, als die annehmen, die sie waren. Als ich die Größe der Vaterliebe Gottes sah, fielen all die Ketten, die mich in der Vergangenheit gebunden hatten, ab und ich wusste, dass ich frei war.

Ich war ein kleines Mädchen in den Armen meines Adoptivvaters, meines himmlischen Vaters. Jetzt fühlte ich mich dazu imstande, ein langes Gespräch mit meinem eigenen Vater zu haben. Ich wusste, dass es schwer sein würde, aber dass Gott mir helfen würde. Am nächsten Tag fand eine Familienfeier statt und ich wusste, dass sich dort die Gelegenheit bieten würde.

Als wir am Haus unseres Großvaters ankamen, sah ich Papa und meine Stiefmutter und begrüßte sie wie üblich. Während unserer Zeit mit der Familie suchte ich nach einer günstigen Gelegenheit, um alleine mit Papa reden zu können.

Schließlich ging ich zu ihm und bat ihn, mit mir gemeinsam spazieren zu gehen.
Als wir das Haus gemeinsam verlassen hatten, hatte ich das Gefühl, neben einem Fremden zu gehen. Aber ich wusste, dass ich ihm mein Herz ausschütten musste, und dass ich ihm erzählen musste, was mein himmlischer Vater für mich getan hatte. Wir liefen auf dem Bürgersteig - vorbei an der Umgebung, in der Papa aufgewachsen war. Sobald ich mich dazu in der Lage fühle, fragte ich:

"Kannst du dich an den Brief erinnern, den ich dir wenige Monate vor meiner Hochzeit mit Paul geschrieben habe? Darüber möchte ich mit dir reden. Papa, hast du gewusst, dass die Nachbarn sich über uns lustig gemacht haben, dass es Zeiten gab, wo wir nur noch Haferflocken zu essen hatten.
Wusstest du, dass ich mir so sehr gewünscht habe, meine Erfolge mit dir zu teilen?" Jetzt weinte Papa, und ich natürlich auch. Schließlich sagte ich: "Das, was ich wirklich wissen muss, ist: Hast du mich lieb?" Papa nahm mich in seine Arme.
Mit tränenüberströmtem Gesicht sagte er: "Ich lieb dich so sehr! Ich bin froh, dass du gekommen bist und mit mir geredet hast.

Ich wusste nicht, wie sehr es dir wehgetan hatte. Es tut mir leid, dass ich nicht für dich dagewesen bin!" Ich war erstaunt, dass die Worte, die mein Vater sagte, fast identisch mit den Worten waren, die Jack am Tag zuvor verwendet hatte. Während wir am Bürgersteig standen und uns eng umschlungen hielten, wuschen Tränen der Freude unsere Gesichter und unser Herz.
Die Wand, die zwischen uns stand, war endlich zerbrochen. Sie ist für immer verschwunden. Und ich habe nicht nur eine neue Beziehung zu meinem irdischen, sondern auch zu meinem himmlischen Vater.


Quelle: Auszug aus dem Buch "Heimkommen zu Gottes Vaterliebe", Autor: Jack Winter.
Mit freundlicher Genehmigung für Glaube.de vom Verlag "Down to Earth"
Zu bestellen beim Verlag Down to Earth

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