Helmut Steitz: Aus Bedrängnis in den Segen

Vielleicht kennen auch wir solche Situationen: Wir haben die Zusage Gottes für oder in einer bestimmten Sache, aber wir sehen - genau wie Abram kein Licht am Horizont. In solchen Situationen schmerzt dann auch der Spott, den man sich von den Nachbarn, Verwandten, ja sogar aus der eigenen Familie, sich gefallen lassen muss.
Um aus diesem Dilemma auszubrechen, gab Sarai ihrem Mann den Tipp, doch einfach ihre Magd als Zweitfrau zu nehmen, um so der Ausweglosigkeit ein Schnippchen zu schlagen und der Schmach vor allen anderen ein Ende zu setzen. Und Abram befolgte diesen Rat und Hagar - die Magd Sarais- wurde tatsächlich schwanger.
Nun war dieser Vorgang scheinbar nichts Ungewöhnliches, denn auch Rahel, die Frau Jakobs, verfuhr später genauso, als sie merkte, dass auch sie ihrem Mann keine Kinder gebähren konnte. Auch sie gab ihrem Mann Jacob ihre Magd, die Bilha hieß. (1.Mo.30,3)
Nach den Gesetzesbräuchen jener Tage, konnte eine unfruchtbare Frau ihre Magd ihrem Mann als Nebenfrau geben, und das aus dieser Verbindung hervorgehende männliche Kind wurde als das Erstgeborene der Ehefrau betrachtet. Wenn der Mann zu dem Sohn seiner Nebenfrau sagte: "Du bist mein Sohn", so wurde dieser Adoptivsohn, mit allen Rechten.
Der Vorschlag Sarais war also nicht verwerflich, sondern entsprach den damaligen Gepflogenheiten.
Vielleicht zweifeln auch wir manchmal an Gottes Zusagen und glauben daher, dem Ganzen selbst ein wenig auf die Sprünge helfen zu müssen, indem wir Gottes Zeitplan manipulieren und selbst an der "Schraube" drehen wollen? Aber Gott lässt sich von oder durch uns nicht ins "Handwerk" pfuschen! Wenn wir dies nämlich tun, ergeht es uns ebenso, wie es Sarai erging - wir schneiden uns ins eigene Fleisch.
Als ihre Magd Hagar begriff, dass ihre Herrin keine Kinder bekommen konnte und sie Mittel zum Zweck war, erkannte sie ihre Herrin nicht mehr als Herrin an. Sarai war in ihren Augen die Sklavin und Hagar die Herrin. Sarai wiederum erkannte die Gedanken ihrer Magd und bekam diese auch postwendend zu spüren.
Aus rechtlichen Gründen wandte sie sich daher an ihren Mann. Hagar war zwar die Nebenfrau des Abram, blieb aber von ihren Rechten her dennoch die Magd der Sarai. Diese wollte, dass Abram nun seinerseits dies der Hagar klar machte, indem sie ihren Mann bat, die Rechtmäßigkeiten doch wieder klar herzustellen. Schlussendlich berief sie sich auf den Rechtsspruch Gottes (Vers 5)
Ihr war klar geworden, dass sie ihren Mann für die Situation letztendlich nicht verantwortlich machen konnte. Denn es war ihr eigener Plan gewesen, der die ganze Situation eskalieren ließ. Durch die Erkenntnis, dass auch ihr Mann in dieser Situation nicht wirklich helfen und ihr zu ihrem Recht verhelfen konnte, weil Sarai selbst ihn in diese prekäre Lage gebracht hatte, ließ sie sich auf Gottes Urteil ein.
Plötzlich war Gott und sein Urteil wieder gefragt! Das eigene Ego trat nun wieder in den Hintergrund. Natürlich war Sarai nach den Gesetzen im Recht, aber erst dann, als es ihr wirklich zu eng wurde, berief sie sich auf Gott.
Auch wir manöverieren uns oft selbst in solche Lagen. Gott spielt in unseren Entscheidungen so lange die "zweite Geige," bis wir keinen anderen Ausweg mehr sehen und wir uns plötzlich wieder an Gott erinnern (wollen).
Abram verhielt sich zum einen sehr geschickt, zum anderen völlig gesetzeskonform. Er machte Sarai deutlich, dass trotz der gegebenen Umstände Hagar weiterhin ihre Magd sei und sie daher mit ihr verfahren könne, wie es ihr beliebt. Und Sarai tat genau das, was auch wir oft tun, wenn wir und gekränkt fühlen. Sie drehte den Spieß einfach um und zahlte mit gleicher Münze zurück. Das Resultat war, dass ihre Magd von ihr floh!
Auch dies kommt uns sicherlich sehr bekannt vor. Wir fühlen uns missverstanden, sind verärgert und kennen nur eine Devise: "Nichts wie weg!" (aus der Gemeinde, Hauskreis etc)
Hagar floh in Richtung ihrer Heimat Ägypten (Schur = vermutl. Grenzwall zw. Kanaan und Ägypten), bis ihr an einer Wasserquelle ein Engel Gottes begegnete. Dieser von Gott gesandte Bote fragte Hagar nach ihrem Vorhaben.
Sie war ehrlich, weil sie vielleicht erkannt hatte, wer da mit ihr sprach. Ein ihr völlig Fremder, der sowohl ihren Namen, als auch ihre Herrin kannte, konnte eigentlich nur von Gott gesandt, oder Gott selbst sein. Und so wusste sie, dass eine Lüge hier völlig umsonst war, weil sie Gott, von dem sie im Hause Abrams gehört hatte, nicht belügen konnte.
Jetzt kam der Aufruf des Engels, den Hagar und den auch wir oft nicht hören wollen. "Kehre um!"
Begib dich wieder in den Stand, in welchem du vorher warst! Dazu bedarf es der Demut, die Hagar und uns allen außerordentlich schwer fällt, besonders, wenn wir im Zorn gehandelt haben.
Aber das Wort Gottes lehrt uns: Jeder bleibe in dem Stand, in dem er berufen worden ist! (1.Kor.7,20) Dies bedeutete für Hagar, dass sie sich nicht ihrer Obrigkeiten überheben durfte, sondern den Stand einnehmen sollte, den Gott ihr zugewiesen hatte.
Dasselbe gilt auch für uns! Denn wenn wir unseren Stand nicht verlassen und nach Gottes Willen handeln, wird Gott es uns gleich tun, wie er es der Hagar zugesagt hatte. Wir werden Segen über die Maßen empfangen.
Hagar bekam die Zusage, dass sich ihre Umkehr mächtig lohnen würde. Auch wenn sie unter ihrer Herrin nichts Gutes erlebt hatte, und sie statt Freude nur Leid erlebte, so würde Gott sie dennoch nicht enttäuschen.
Petrus macht dies für uns heute deutlich, indem er uns Jesus als Paradebeispiel auch für diese Situationen darstellt (1.Petr.2,18-21): Ihr Haussklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter, nicht allein den guten und milden, sondern auch den verkehrten! Denn das ist Gnade, wenn jemand wegen des Gewissens vor Gott Leiden erträgt, indem er zu Unrecht leidet. Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr als solche ausharrt, die sündigen und <DAFÜR>geschlagen werden? Wenn ihr aber ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist Gnade bei Gott. Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren nachfolgt.
Jesus hat alles andere als Gutes durchlebt, dennoch war er treu und ging den Weg des Vaters. Deshalb ließ Gott seinen Sohn nicht in Bedrängnis und Tod, sondern verwandelte die scheinbare Niederlage in den Sieg. Genau wie Abram, empfing auch Hagar dieselbe Zusage Gottes, obwohl sie eine Ägypterin war.
Daraus wird deutlich, dass Gott nicht auf das Äußere sieht, sondern auf unsere Herzenshaltung. Der Name des Kindes, das sie gebären sollte, war die Bestätigung Gottes, dass er uns hört - und erhört! Ismael = Gott hört
So verwandelt Gott auch unsere Bedrängnisse in seinen Segen, wenn wir wie Hagar nicht länger unserem Willen Priorität einräumen, sondern Gottes Willen befolgen und - wenn nötig - umkehren.
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Ein Beitrag von Glaube.de
Autor: Glaube.de Mitglied Pepe (Helmut Steitz)
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