CZK Seminar: Dein Leiterpotential Teil 4 - Entwickle dein Leiterpotential

Es ist wichtig, dass wir verstehen, dass ein Unterschied besteht zwischen Leiterschaft, Management und Dienst und dennoch alle drei Teile Bestandteil von Leiterschaft sind. Der letzte Teil dieser Session wird sich daher genau mit dieser Thematik beschäftigen und die drei Hauptaufgaben-bereiche von Leiterschaft näher erklären.
1. Prioritäten und Schwerpunkte setzen
"Am andern Morgen setzte sich Mose, um dem Volk Recht zu sprechen. Und das Volk stand um Moses her vom Morgen bis zum Abend. Als aber sein Schwiegervater alles sah, was er mit dem Volk tat, sprach er: Was tust du denn mit dem Volk? Warum musst du ganz allein da sitzen, und alles Volk steht um dich her vom Morgen bis zum Abend? Mose antwortete ihm: Das Volk kommt zu mir, um Gott zu befragen. Denn wenn sie einen Streitfall haben, kommen sie zu mir, damit ich richte zwischen dem einen und dem andern und tue ihnen kund die Satzungen Gottes und seine Weisungen.
Sein Schwiegervater sprach zu ihm: Es ist nicht gut, wie du das tust. Du machst dich zu müde, dazu auch das Volk, das mit dir ist. Das Geschäft ist dir zu schwer; du kannst es allein nicht ausrichten." (2. Mose 18, 13-18)
Leitung hat früher oder später etwas mit Prioritäten zu tun. Es spielt dabei keine Rolle, ob du drei oder 3.000 Menschen leitest. Für uns alle hat der Tag 24 Stunden und in dieser Zeit müssen wir das, was uns zu tun aufgetragen ist, so effektiv wie möglich tun.
Unter "effektiv" verstehe ich nicht "soviel wie möglich", sondern das wirklich Wichtige mit einem Aufwand an Zeit und Energie zu verrichten, der mich und die Beteiligten auch noch gut und glücklich leben lässt.
Das moderne säkulare Management verführt uns zunehmend zu der Annahme, dass Effizienz heißt, dass wir in immer weniger Zeit immer mehr tun, ohne dabei an die langfristigen Folgen zu denken." Zerbrochene Ehen, Beziehungen, zerstörte Gesundheit und Burn-outs pflastern den Weg dieses modernen Leistungsdenkens.
Das Teuflische daran ist, dass es am Anfang gut funktioniert und zwar solange, bis man wie ein Süchtiger darin fest hängt und dann nicht mehr heraus kann, weil der Körper sich an den Adrenalin-Kick gewöhnt hat und unser an materiellen Dingen ausgerichteter Lebensstil ein "Herunterfahren" verbietet.
Mose war in einer ähnlichen Gefahr: Er meinte es gut, als er alleine das Millionenvolk Israel richtete. Doch sein Schwiegervater Jethro schritt ein und gab ihm einen weisen Rat:
Zunächst wies Jethro ihn auf die negativen Folgen für die Lebensqualität hin (2. Mose 18.17):
- Du machst dich müde (=Burn-out)!
- Und das Volk (=die Mitarbeiter) auch!
Mose hatte keine klaren Prioritäten und war in der Gefahr, sich in den Details seines Jobs zu verlieren.
Der Rat, den ihm Jethro daraufhin gab, ist gesundes Management mit richtigen Prioritäten:
"Aber gehorche meiner Stimme; ich will dir raten, und Gott wird mit dir sein. Vertritt du das Volk vor Gott und bringe ihre Anliegen vor Gott und tu ihnen die Satzungen und Weisungen kund, dass du sie lehrest den Weg, auf dem sie wandeln, und die Werke, die sie tun sollen. Sieh dich aber unter dem ganzen Volk um nach redlichen Leuten, die Gott fürchten, wahrhaftig sind und dem ungerechten Gewinn feind. Die setze über sie als Oberste über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn, dass sie das Volk allezeit richten. Nur wenn es eine größere Sache ist, sollen sie diese vor dich bringen, alle geringeren Sachen aber sollen sie selber richten. So mach dir es leichter und lass sie mit dir tragen. Wirst du das tun, so kannst du ausrichten, was dir Gott gebietet, und dies ganze Volk kann mit Frieden an seinen Ort kommen." (1. Mose 18.19-23)
Folgende Prioritäten, die zu einer effektiven Leiterschaft führen, sehen wir in Jethros Rat:
1.Führung von Gott suchen (V.19)
2.Vision- und Mission-Casting (V.20)
3. Identifikation und Rekrutierung von Co-Leitern und Mitarbeitern (V.21)
4. Vernünftige Arbeits- und Entscheidungsprozesse etablieren (V.22)
5. Die Einhaltung gesunder Prioritäten führt zum gesunden Erfolg und inneren Frieden. (V.23)
2. Sinnvolles Zeitmanagement
Ausgehend vom Rat des Jethro an Moses möchte ich zwei Modelle vorstellen, die uns als Leiter helfen können, unsere Zeit und Ressourcen so gut wie möglich einzusetzen: zum einen das Pareto-Prinzip und zum anderen die 4 Zeitquadranten nach S.R. Covey.
2.1 Das Pareto-prinzip oder 80-20%-Prinzip
Vifredo Pareto (1848-1923), italienischer Volkswirt und Soziologe, hat Anfang des 20. Jahrhunderts durch statistische Untersuchungen herausgefunden, dass 20% der italienischen Familien 80% des italienischen Volksvermögens besaßen.
Er hat daraufhin nachgeprüft, ob sich dieses Verhältnis auch auf andere Gebiete übertragen lässt und seine 20:80- bzw. 80:20-Regel entwickelt. Praktisch bedeutet sie folgendes:
20% der Kunden sind so wichtig, dass sie für 80% des Umsatzes verantwortlich sind.
Demzufolge sollten Geschäftsleute 80% ihrer Zeit und Aufmerksamkeit diesen 20% Bestkunden widmen, wenn sie wirklich effektiv vorgehen wollen.
20 % ihrer Waren (Trades) bringen 80% des Umsatzes (Gewinne)
20% der Produktionsfehler (Fehltrades) verursachen 80% des Ausschusses (Verluste).
20% der Besprechungszeit bewirken 80% ihrer Beschlüsse.
20% von 100 % der Geber geben das größte Budget in die Gemeinde.
20% der Mitglieder arbeiten am meisten für die Gemeinde.
Die Pareto-Formel lässt sich analog auf viele andere auf Wirtschaftlichkeit abzielende Situationen übertragen.
für eine Arbeitsorganisation bedeutet das PP grundsätzlich:
20% der Aufgaben sind so wichtig, dass man damit 80% des Arbeitserfolges erreichen wird."
2.2 Leiterschaft und das Pareto-Prinzip
Was heißt das für mich als Leiter?
- Wie oft treffe ich und beeinflusse meine 20% Top Leiter/Mitarbeiter?
- Wie rüste ich sie konkret zu, sich um die anderen 80% zu kümmern?
- Ich sollte 80% meiner Zeit in die Top 20 Leiter/Mitarbeiter investieren.
"Was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das gib jetzt an zuverlässige Christen (=Top-20%) weiter, die fähig sind, auch andere im Glauben zu unterweisen." (2.Timotheus 2.2)
Ein pastoraler Fehler, der häufig gemacht wird, ist der, dass sich Pastoren in das Leben der 80% investieren, anstatt die 20% potentieller Co-Leiter zu trainieren, die sich dann um die anderen 80% kümmern können.
2.3 Die Beziehungen des Leiters aus der Sicht des Pareto-Prinzips
Ab einem bestimmten Level wollen alle gerne mit dem Leiter direkt Kontakt haben.
Am Anfang einer Organisation ist das auch kein Problem, aber mit zunehmender Größe
der Organisation oder Aufgabe wird das schwieriger, da ein Leiter auch nur ein bestimmtes Segment an Zeit für persönliche Beziehungen hat. Die Frage stellt sich auch hier: Wie gehe ich sinnvoll mit meiner Zeit und den Beziehungen um? Welche Kriterien können mir dabei helfen?
Am Beispiel des Moses haben wir dieses Problem gesehen und Jethro riet ihm zu
Strukturen, die auch dafür sorgten, das Moses nicht mehr für jeden und jedes Problem "zu sprechen/zu benutzen" war.
Das Pareto-Prinzip lässt hier in einem gewissen Umfang auch ein sinnvolle Einteilung von persönlichen Beziehungen zu:
20% der Menschen, die mit mir in Beziehung stehen, fallen in folgende Kategorie:
- Ressourcefoul: Menschen die geistig und von der Reife her über mir stehen: die "Väter"
- Important: Menschen auf gleichem Reifeniveau bzw. Geistesebene wie ich: die "Freunde"
- Teachable: Menschen, die ernsthaft von mir lernen wollen: die "Jünger"
80% der Menschen denen ich noch begegne:
- Nice ones: Menschen, die mich einfach mögen aber weder Freunde noch Jünger oder Väter
sein wollen: die "Sympathisanten" (vgl. Markus 12.37)
- Vampires: Menschen, die dich aussaugen wollen und nie etwas in dich hineingeben oder
-investieren: "Feinde deiner Zeit und Lebensenergie" (Lukas 12.13-14; 2.Tim.3.6-8)
Merke: Jesus "diente" allen, aber "investierte" in nur 20%- das waren seine Jünger!!!
Viele Leiter erfahren Ablehnung und Angriffe, wenn sie in die Phase kommen, in der sie ihre zeitlichen Ressourcen einteilen müssen und zu überlegen haben, wem sie ihre Zeit widmen. Dies ist besonders da problematisch, wo man in einer Struktur von klein zu groß mitwächst und
Strukturen und Ebenen wichtig werden.
Angriffe, die in diesem Zusammenhang häufig vorkommen, sind Vorwürfe des Hochmuts, sich als etwas Besseres zu sehen, die anderen nicht mehr zu brauchen, sich abgrenzen zu wollen, Starallüren zu haben.
Sicher müssen wir uns als Leiter immer wieder überprüfen, was unsere Motive der Abgrenzung und Zeiteinteilung sind. Aber wenn wir über unsere Motive Frieden haben, sollten wir uns nicht den Schuh der Verdammnis anziehen und versuchen, in Ruhe zu erklären, warum wir nicht mehr für alles und jeden zugänglich sein können (siehe auch 4. Mose 12.1-7).
2.4 Zeitmanagement nach den 4 Zeitquadranten des S.R. Covey
Das klassische Zeitmanagement basiert darauf, die vorhandene Zeit mit Hilfe von Planern übersichtlich einzuteilen. Doch was machen wir, wenn die Termine immer mehr werden und die Zeit immer weniger?
Wie schon zuvor erwähnt, geht der aktuelle Erfolgstrend dahin, in immer weniger Zeit immer mehr zu erledigen und mit immer weniger Einsatz immer mehr zu verdienen. Dieses Prinzip ist ein Betrug an universell geltenden Gesetzen:
- Wenn ich kärglich säe, werde ich nur kärglich ernten!
- Ohne Input keinen Output oder
- was ich säe, das ernte ich!
Wir erleben in der Geschäftswelt allgemein die Klage über den Verlust an Qualität in der Beratung, den Produkten und im Service. Dies ist eine Folge der Verletzung der oben genannten Prinzipien. Wir müssen deshalb Zeit und ihre Verwendung bzw. Einteilung nicht an Quantität allein knüpfen, sondern sie mit Qualität in Verbindung bringen.
Beispiel: Ein Termin, in den ich ausreichend Zeit und Vorbereitung investiere, kann einen viel größeren langfristigen Nutzen bringen als drei in der selben Zeit mit wenig Beratungsqualität und Input.
Um das zu erlernen brauche ich Prinzipien, nach denen ich meine Zeit einteile. Ein Mensch ohne Prinzipien (z.B. den christlichen Glauben) wird andere Prinzipien haben (z.B. Geldgier oder Machthunger). Entsprechend anders wird seine Zeitplanung aussehen.
Stephen R. Covey hat in seinem Buch "First things First" einen interessanten Ansatz zur effektiven Zeitplanung erstellt, dem christliche Grundsätze zugrunde liegen. Aufgrund des enormen Umfangs soll dieses Modell hier nur kurz gestreift, aber dennoch das Wesentliche daraus vermittelt werden, sodass es uns helfen kann, es in unserem Leben anzuwenden.
Covey geht davon aus, dass es Dinge in unserem Leben gibt, die entweder wichtig, dringend, täuschend oder nutzlos sind. Daraus erstellt er einen Quadranten mit vier Subquadranten:
1. Quadrant der Kriisen
? kommen aus falschen Prioritäten, rauben uns Zeit mit ihrer Bewältigung
? führen in die Frustration
Quadrant der Qualität
? Zeit mit Gott
? Zeit mit der Familie
?in das Leben anderer investieren
? Lesen und Weiterbildung
? sinnvolle Freizeitgestaltung
? Körperliche Fitness und Ruhe
Quadrant der Täuschung
? Dinge, die wichtig scheinen aber nicht wirklich etwas bringen
? rauben uns Zeit für Qualität im Quadrant II
? Führt uns in die Krise
Quadrant der Zeitverschwendung
? Frustaktivitäten wegen falscher Zeitplanung
? z.B. falsche Tröster, z.B. übermäßiger Video-DVD-TV -Konsum, PC-Spiele, Tagträume, shoppen, "seichte" Literatur etc.
3. Die Aufgabenbereiche eines Leiters
Es gibt drei Hauptaufgabenbereiche, die ein Leiter abdecken muss. Ich habe mit Hilfe von Stichpunkten kurz skizziert, was sie beinhalten:
LEITERSCHAFT
Vision, Werte/Kultur, Förderung und Gabenentfaltung, Strategische Vereinigung
VERWALTUNG
Konkrete Schritte planen, Aufgaben vor Ort erledigen, Anleiten und Überprüfen
DIENST
Beziehungen pflegen, zuhören, Menschen helfen, Hirtendienst
Es ist wichtig, dass ein Leiter den Unterschied zwischen Leiterschaft, Verwaltung und (pastoralem) Dienst versteht. Jedes Projekt lässt sich grob in diese Teilbereiche aufteilen. Zur Umsetzung einer Aufgabe braucht es alle drei Teilbereiche. Ohne Leitung kommt kein Projekt zustande, genauso wenig ohne Verwaltung und ohne pastoralen Dienst. Je besser diese Bereiche ausgeführt werden, desto besser wird die Aufgabe umgesetzt. Und je besser diese Bereiche abgesteckt sind und zusammenfließen, umso effizienter und effektiver wird das Projekt erledigt. Diese Aufgabenbereiche kann man in der Praxis oft nicht genau voneinander trennen, aber es ist gut, sich darüber im klaren zu werden, dass jedes Projekt in diese drei Aufgabenbereiche eingeteilt werden kann.
Der Haupteiter eines Projektes ist verantwortlich für die Abwicklung des gesamten Projektes. Er übernimmt Aufgaben im Bereich von Leitung, Verwaltung und pastoralem Dienst. Er ist sozusagen Leiter, Verwalter und "Pastor" in Personalunion. Nun ist es aber meistens der Fall, dass eine einzelne Person nicht in allen drei Bereichen gleich gut ist. Jemand kann z. B. ein guter Leiter sein, aber er ist ein schlechter Verwalter. Das führt dann dazu, dass viel Vision und viele Ideen da sind, sie aber irgendwie nicht richtig umgesetzt werden. Oder jemand ist ein guter Pastor, aber ein schlechter Leiter. Dann scharen sich meist bedürftige und notleidende Menschen um einen, fordern viel Zuneigung, aber die Sache kommt nie voran. Irgendwann dreht sich alles nur im Kreis. Oder jemand ist ein guter Verwalter, aber ein schlechter Leiter. Man versucht, die Aufgabe dann immer 200%ig zu machen, erledigt vieles im Schneckentempo und irgendwann schafft man es nur noch, die anfallenden Aufgaben zu verwalten und das Level zu halten - Stillstand ist vorprogrammiert. Es gibt zahlreiche Beispiele von Projekten, Gemeinden und Kreisen, in denen der Hauptleiter in einem Bereich stark ist, aber in ein oder zwei anderen Bereichen schwach ist und nicht für Ausgleich und Balance sorgt. Das Projekt oder die Gemeinde kränkelt dann dementsprechend.
Was muss ein Hauptleiter also machen? Er muss sich zuerst einmal darüber im klaren werden, was seine Stärke ist, wo er am effektivsten und besten arbeitet. Da ist sein Platz, da ist seine Aufgabe. In den Bereichen, wo ein Hauptleiter nicht begabt ist, sollte er Gott fragen und sich nach Menschen umsehen, die ihm helfen und Aufgaben abnehmen können - Menschen, die Verwaltungs- und pastorale Aufgaben übernehmen können. Es geht hier nicht darum, dass ein Leiter das Heft aus der Hand gibt. Viele Hauptleiter empfinden dies aber so und sich nicht in der Lage, Aufgaben zu delegieren und Kompetenzen wirklich zu übertragen, weil sie befürchten, sie haben nicht mehr das Sagen.
Der Hauptleiter ist verantwortlich für das gesamte Projekt, aber er muss nicht die Verantwortung für alle Aufgabenbereiche tragen. Es gibt nicht Schöneres, als in einem effektiven und effizienten Team zu arbeiten, wo Menschen sind, die eine gemeinsame Vision verfolgen und mit ihren unterschiedlichen Gaben zum Gelingen des Projektes beitragen. Die so erzeugte Synergie führt nämlich dazu, dass der Motivationsspiegel deutlich steigt und man gemeinsam zu viel mehr kommt als alleine. Es ergeben sich neue und kreative Ansätze, auf die man alleine gar nicht gekommen wäre.
Man entdeckt Lösungen, die man vorher gar nicht gesehen hat, man entwickelt zusammen Energien, die Momentum und Dynamik schaffen. Der so erzeugte "push" ist etwas Herrliches, etwas Beflügelndes, etwas Begeisterndes. Ein Team, das gemeinsam einer Vision folgend an einem Projekt arbeitet ist tausendmal stärker als viele Einzelpersonen, die irgendwie zusammenwurschteln und sich dabei auch noch verausgaben. Man stellt bei solchen Einzelkämpfertypen oft ein "Burn-out"-Syndrom fest und hört die Klage: "Ja, ich tue doch, was ich kann?! Was soll ich denn noch machen?" Ein ausgebrannter und kaputter Leiter nutzt niemandem was. Es geht aber nicht darum, mehr zu machen, sondern um Teamarbeit, um Zusammenarbeit und darum, dass der einzelne weniger, aber alle zusammen mehr machen und der Hauptleiter sich um den Rest nicht kümmern muss.
Wenn sich herausstellen sollte, dass ein Hauptleiter für den Bereich von Leitung als solchem nicht begabt ist, dann muss er sich ernsthaft fragen, ob er nicht jemand anderen als Hauptleiter einsetzten sollte. Ein von Gott berufener und eingesetzter Hauptleiter ist in der Lage, die Leitungsaufgaben zu übernehmen und die Richtung vorzugeben. Wenn jemand sich an diesem Platz als Hauptleiter nicht wohl fühlt, ist er am falschen Platz. Viele Gemeinden leiden darunter, dass sie von einem Pastoren oder Verwalter geführt werden. Die Gemeinde kommt für eine gewisse Zeit voran, aber dann fehlt ihr die Kraft, weiter zu wachsen und auf ein höheres Level zu kommen. Sie werden nur noch verwaltet oder betreut, aber nicht mehr von jemandem geführt, der vorangeht, die Richtung angibt und neues Land erobert.
Wollen wir als Leiter effektiv und effizient sein, dann geht dies nur durch Teamarbeit, indem wir andere in die Umsetzung einer Vision einbeziehen, ihnen Aufgaben übertragen und die dafür notwendigen Kompetenzen geben. Wir müssen uns fragen: wo hat Gott uns berufen und begabt, wo sind unsere Stärken und Fähigkeiten? Da sollen wir unsere ganze Kraft hineinstecken und uns voll einsetzten. In den Bereichen, für die wir nicht berufen und begabt sind, müssen wir Kompetenzen delegieren und abgeben.
Wo unsere Schwächen sind müssen wir Gott fragen, wen wir an unserer Seite einsetzen sollen. Wir dürfen uns nicht scheuen, wenn Menschen Dinge dann ganz anders umsetzen, als wir das tun würden, wenn sie ganz andere Ideen haben und neue Wege beschreiten. Dafür hat Gott ihnen eine Begabung und ein Gespür gegeben, dafür sind sie eben am besten zu gebrauchen. Wir müssen es als Leiter ertragen und aushalten, dass das gemeinsame Ziel nur erreicht werden kann, wenn wir gemeinsam arbeiten und vorwärtsgehen. Wir müssen das Ziel und die Vision im Auge behalten und die Umsetzung von Aufgaben, wo wir sie anders machen würden, dem andern überlassen, den Gott dafür einsetzt.
In der Praxis ist es sinnvoll, eine "job description" (Auflistung/ Beschreibung der Arbeitsinhalte) aufzusetzen, klare Eckdaten der Aufgabe und ihrer Kompetenz aufzustellen und festzuhalten. Es ist wichtig, dass die Person, die in eine Aufgabe einbezogen wird, weiß, was sie bis wann und wie zu erledigen hat. Es geht bei einer solchen job description nicht um Details, sondern das große Bild, die großen Eckdaten der Aufgabe. Wir können hier nicht im einzelnen darauf eingehen, wie man eine solche job description erstellt und was man dabei beachten muss. Aber es ist wichtig, dass wir im Team klar abgesteckte Aufgabenbereiche haben, wissen, was wir machen sollen und bis wann bestimmte Aufgaben zu erledigen sind.
Je klarer eine solche job description formuliert ist, desto besser lässt sich eine Aufgabe erledigen und der Leiter kann besser sehen, wo sein Mitarbeiter steht, kann klarer kommunizieren, was richtig und falsch läuft. In der Regel gilt auch: Je mehr Eigeninitiative eine job description dem Mitarbeiter lässt, desto motivierter und begeisterter ist er dabei. Es ist eben seine Sache, sein Projekt, seine Aufgabe. Er hat es zu erledigen und steht mit seiner ganzen Person für die Aufgabe ein. Er trägt Verantwortung und kann seine ganze Kreativität und Kraft dafür einsetzten, ohne beschnitten oder eingeengt zu werden. Ein guter Leiter versteht es, diese Kräfte in anderen freizusetzen und sie der Umsetzung der Gesamtvision zu Gute kommen zu lassen.
In der Regel ist der Leiter der Visionsträger eines Projektes - er sieht das Ziel vor seinen Augen und formuliert es so, dass andere angesteckt werden, dass sie sich mit ihm ans Werk machen, dieses Projekt anzupacken und umzusetzen. Der Leiter kann sich dabei nicht von jeder x-beliebigen Person in die Vision reden lassen und sein Ziel ständig korrigieren, wenn neue Menschen dazukommen, die Dinge neu oder anders sehen. Aber er muss die Weisheit und den Mut besitzen, seine Vision so zu formulieren, dass andere Menschen sich die Vision zu eigen machen, sich in sie einfühlen und davon begeistert werden können. Im Englischen spricht man hier von "to buy into a vision" - sich in eine Vision einkaufen.
Warum ist dieser Prozess so wichtig? Weil Menschen dann am effektivsten arbeiten, wenn sie selbst von einer Sache überzeugt sind, wenn sie Verantwortung und Kompetenz haben und nicht nur für jemand anderen arbeiten. Das zeigen uns so viele Beispiele - angefangen von der Arbeitsmoral im Kommunismus bis hin zu der ausgeprägten "Das-geht-mich-nichts-an"-Mentalität hierzulande. Man übernimmt keine Verantwortung, startet keine Initiative und erledigt halt nur seinen Job - nicht mehr und nicht weniger. Man kriegt ja sein Geld, wird für seine Arbeit bezahlt und muss sich um nichts weiter kümmern. Menschen mit Vision ergreifen Initiative, gehen auf Dinge zu und warten nicht, bis ihnen etwas zufällt. Das Englische drückt das so treffend aus: "to take ownership" - etwas an sich nehmen und Besitz ergreifen, es sich zu eigen machen. Menschen sind nicht passiv, sondern aktiv, sie sind nicht von ihren Umständen bestimmt, sondern stehen über ihnen und beherrschen sie (=Proaktivität).
Ein Leiter muss also den Personen, die er um sich schart und denen er Aufgaben übergibt, Zeit und Raum sowie die Möglichkeit geben, sich in die Vision "einzukaufen" und sie sich zu eigen zu machen. Das heißt, dass er dem Kreis um sich herum die Vision so präsentieren muss, dass sie ihre Ideen und Kreativität einbringen und umsetzen können. Der Leiter muss die Eckdaten der Vision fest und klar haben, aber anderen die Möglichkeit geben, konkrete Ideen einzubringen, die vielleicht anders sind, als es sich der Leiter zunächst vorstellt. Als Leiter sorgt er für ein Klima, das es anderen ermöglicht, ihre Gaben so einzubringen und mitzuwirken, dass die Vision umgesetzt wird. Er muss sich darum kümmern, dass klare Absprachen bestehen, was, wann und wie erledigt sein muss. Regelmäßig trifft er sich mit den Leuten um sich herum und klärt, was erledigt worden ist und wo sie stehen. In diesem Prozess des "monitoring" geht es nicht darum, wie eine Aufgabe erledigt wird, sondern dass sie erledigt wird - so wie in der job description besprochen. Ein Leiter, der dazu in der Lage ist, wird ein Team von Mitarbeitern um sich scharen, das hoch motiviert arbeiten, sich voll einsetzten und den ganzen Dienst ständig auf ein höheres Niveau vorantreiben wird. Das Projekt wird größer und größer, die Gemeinde wächst und mehr und mehr Leute kommen hinzu, finden ihren Platz und helfen mit ihren Gaben mit. So hat sich Gott Dienst im Reich Gottes vorgestellt, so kommen wir voran - gemeinsam.
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Ein Artikel von Glaube.de
Mit freundlicher Genehmigung von Pastor: Uwe Dahlke, Christliches Zentrum Karlsruhe
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus Redaktionsmitarbeiter bei Glaube.de
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