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03-05-05

Pastor Thomas Vollenweider: DU - Beziehung zu Gott als Grundlage des Gebets

Jesus Christus spricht: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. (Lukas 22, 32) Ich harrte des Herrn und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. (Psalm 40,2)


Für uns Christen ist das Gebet von zentraler Bedeutung. Doch lohnt es immer wieder, sich damit zu beschäftigen - vor allem Menschen, die noch nicht lange Christen sind, verstehen oft nicht auf Anhieb, warum und wozu wir eigentlich dem Gebet solch hohen Stellewert einräumen.



Zu dir, HERR, erhebe ich meine Seele. Deine Wege, HERR, tue mir kund, deine Pfade lehre mich! Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich, denn du bist der Gott meines Heils; auf dich harre ich den ganzen Tag. (Psalm 25,1, 4-5)


Mit Gott auf Du sein. Das zeugt von Nähe und Vertrautheit. Er ist mein Vater, ich darf jederzeit zu Ihm kommen und Ihn ansprechen. Der, der von sich selbst gesagt hat "Ich bin der ich bin", der ewig Seiende, tritt mir in Jesus entgegen und trägt mir so das "Du" an. Ist das nicht unglaublich? Wir müssen also nicht mehr so beten:

"Sehr geehrter Herr Gott, darf ich mich mit einem Anliegen von besonderer Bedeutung an Sie wenden, mit der Bitte um möglichst baldige Bearbeitung?"

Wie dürfen vielmehr sagen: "Lieber Papa/Abba/Vater, danke dass Du für mich da bist. Ich bitte Dich..."


Gebet ist keine Technik, keine fromme Übung, keine schönen Formulierungen, keine gute Gewohnheit. Gebet ist Ausdruck einer lebendigen Beziehung. Es ist Zwiesprache mit Gott, der uns in Jesus Christus so nahe gekommen ist.

Gebet kann sich ohne Worte in unserem Inneren vollziehen, es kann laut formuliert werden, in einfachen Worten, wie uns der Schnabel gewachsen ist, oder auch aufgeschrieben und vorgetragen. Es kann gesungen, gesprochen, gedacht, oder gefühlt werden. Es ist Hören auf Gott, Schweigen vor Gott, still werden, Zeit mit Gott verbringen. "Wer wirksam beten will, muss eifrig hören", hat mal jemand gesagt. Dafür ist unser Text ein gutes Beispiel und Vorbild für unser Beten:

Zu dir, HERR, erhebe ich meine Seele. Deine Wege, HERR, tue mir kund, deine Pfade lehre mich! Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich, denn du bist der Gott meines Heils; auf dich harre ich den ganzen Tag.

Gebet ist das Vorrecht des Menschen. Weil er im Bild Gottes geschaffen ist, kann er zu Gott Kontakt aufnehmen in seinem Geist. Das kann nur der Mensch. Tiere, wenn sie noch so klug sind, wenn sie sogar sprechen, empfinden und lernen könnten, so könnten sie doch nicht beten... Gebet ist der Ausdruck der Ur-Erfahrung des Menschseins, dass Gott uns persönlich anspricht und wir mit unserem Leben Antwort geben dürfen.



Viele kennen diesen Dialog:


Vater unser im Himmel...

Ja?

Unterbrich mich nicht, ich bete.

Aber Du hast mich doch angesprochen.

Ich habe dich angesprochen? Äh...nein, eigentlich nicht. Das beten wir eben so: Vater unser im Himmel.

Da. Schon wieder. Du rufst mich an, um ein Gespräch mit mir zu beginnen, oder? Also, worum geht es?

Geheiligt werde dein Name...

Meinst du das ernst?

Was soll ich ernst meinen?

Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst. Was bedeutet das denn?

Es bedeutet... es bedeutet... meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet. Woher soll ich das wissen?

Es heißt, dass du mich ehren willst, dass ich dir einzeigartig wichtig bin, dass dir mein Name wertvoll ist.

...



Du - Deine - Dich und Dir - das ist die Grundlage für das Gebet. Es ist die Beziehung zu dem lebendigen Gott. Ganz im Gegenteil zu dem "Ich, meiner, mich und mir - Herr, segne doch uns vier." Gebet streckt sich nach Gott aus. Es fragt nach Gott und will in Partnerschaft mit Ihm das Leben gestalten. Gott ist nicht eine Gebetserhörungsmaschine, sondern unser Vater im Himmel, der weiß, was wir brauchen, der uns vieles aus Liebe schenkt, aber manches aus Liebe auch verweigert.



Wie können wir also von Gott her und zu Gott hin beten? Hier sind einige Ansätze:



- Du bist meine Zuversicht.

- Du hast alles im Griff.

- Du lässt mich nicht los.

- Du bist König der Könige und Herr der Herren.
- Du bist der Schöpfergott.

- Deine Liebe ist so unfassbar groß.

- Deine Geduld kennt kein Ende.

- Deine Treue hält mich fest.

- Ich berge mich in Deiner Hand.

- Deine Barmherzigkeit und Güte trägt uns.

- Dein Geist erfülle uns ganz.

- Ich höre auf Dich.

- Ich liebe Dich.

- Ich sehe Dich, Jesus, wie Du für mich am Kreuz stirbst.

- Ich sehe Dich, wie Du zur Rechten Gottes stehst.

- Ich erkenne Dich als meinen Herrn.

- Ich vertraue Dir.

- Dir gehört mein Leben.

- Dir singe ich mein schönstes Lied.

- Ich will Dir immer mehr gefallen, Herr.




Wenn das "Du" unsere Gebete bestimmt, dann kommen wir in Anbetung und Lobpreis hinein, dann fangen wir an, von uns wegzusehen und Gott in Seiner Größe zu betrachten. Wir werden bereit zu hören, uns von Gott ansprechen zu lassen.

Das ist viel mehr als lediglich Ihm unsere Bitten vorzutragen und viel zu reden ohne überhaupt zu erwarten, dass Er antwortet und vielleicht uns etwas ganz anderes zu sagen hat als das, was wir hören wollen.


Jesus selber ist uns hier ein Beispiel. Wie hat er gebetet?

Erfüllt vom Heiligen Geist, betete Jesus nun voller Freude: «Mein Vater, Herr über Himmel und Erde. Ich danke dir, daß du die Wahrheit vor denen verbirgst, die sich für klug halten; aber den Unwissenden hast du sie enthüllt. Ja, Vater, das war deine Absicht. (Lukas 10, 21)

Was steht im Vordergrund? Bitten oder Danken? Wer wird groß geschrieben: Du oder ich?

Wie sieht das in meinen Gebeten aus? "Lieber Gott, bitte gib, mach, tu..." oder "Vater, Du bist groß und gütig. Hilf Du mir, dass ich gebe, mache und tue wie Du willst."


Was steht im Vordergrund? Was sticht bei unseren Gebeten hervor? Das eigene Ego oder Gott? Gebet ist Zwiesprache zwischen mir und Gott, zwischen Gott und mir. Es sind immer beide beteiligt. Die Frage ist, in welcher Beziehung sie zueinander stehen und welches Verhältnis sie bestimmt: Vertrauen oder Skepsis, Glaube oder Zweifel?. Wir dürfen mit Gott ins Gespräch kommen, ganz egal wo wir stehen. Er freut sich darüber, denn Er hat längst den ersten Schritt getan und uns angesprochen. Ich möchte so beten lernen, wie der Psalmist es kann:


Zu dir, HERR, erhebe ich meine Seele. Deine Wege, HERR, tue mir kund, deine Pfade lehre mich! Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich, denn du bist der Gott meines Heils; auf dich harre ich den ganzen Tag.



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Ein Artikel von www.glaube.de.
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5.2005 Mit freundlicher Genehmigung für Glaube.de
Textbearbeitung: G. J. Matthia / Redaktionsmitarbeiter Glaube.de
Thomas Vollenweider ist Pastor der Lydia-Gemeinde in Berlin Rudow und Superintendent der Kirche des Nazareners. Er gehört zum Vorstand von Gemeinsam für Berlin.
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