Fabian Heinze: Wo bleibt die Erweckung?

Natürlich war ich mit den Leuten aus meiner Jugendgruppe bei solchen Gelegenheiten gerne vorne, um mir einen Segen abzuholen. Seit einigen Jahren gehöre ich nicht mehr zu der genannten Altersgruppe und muss schmerzlicher Weise feststellen, dass dieser Segen nun wohl für andere ist, oder? Nun bin ich schon fast 36 Jahre alt und die Erweckung ist noch nicht da. Und die meisten meiner damaligen Altersgenossen sind auch nicht mehr in der Gemeinde.
Fährt Gott also auch manchmal mit angezogener Handbremse oder sind unsere modernen Propheten so durch den Wind, dass sie sich alle kollektiv geirrt haben? Liegt es letztendlich alles nur an unkontrollierbaren dämonischen Einflüssen in der Atmosphäre, die ihre festgelegte Zeit brauchen um sich in Wohlgefallen aufzulösen? Solche oder ähnliche Fragen können einem ehrlichen Sucher schon in den Sinn kommen und daher bedarf es erklärender Worte, warum die Erweckung noch nicht wie ein Sausewind über uns hinein gebrochen ist.
Jakobus 5
11 Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer.
Wir brauchen Geduld! Und bezüglich dieser Geduld hilft uns ein klärender Blick auf Hiobs Schicksal die Gründe zu finden, warum wir noch keine Erweckung haben. Bei oberflächlicher Betrachtung ergibt sich folgendes Bild von Hiobs Biographie:
Hiob war ein gottesfürchtiger und gerechter Mann, wie es keinen in seinem Umkreis gab.
Hiob 2
3 Der HERR sprach zu dem Satan: Hast du acht auf meinen Knecht Hiob gehabt? Denn es ist seinesgleichen auf Erden nicht, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse und hält noch fest an seiner Frömmigkeit; du aber hast mich bewogen, ihn ohne Grund zu verderben.
Wie in diesen Vers bereits angedeutet wird, versucht der Satan ihn bei Gott zu verklagen. Gottes Antwort führt dann zu weiterer Verwunderung:
Hiob 2
6 Da sprach der HERR zum Satan: Siehe, er ist in deiner Hand. Nur schone sein Leben! 7 Und der Satan ging vom Angesicht des HERRN fort und schlug Hiob mit bösen Geschwüren, von seiner Fußsohle bis zu seinem Scheitel.
Scheinbar liefert Gott den Hiob an den Teufel aus, um ihn zu testen. Hiob wurde krank, verlor seinen überaus großen Reichtum, den ihm der Herr gegeben hatte, alle seine Kinder starben durch Unglücke und zuallerletzt musste er unter der Kritik seiner Frau leiden:
Hiob 2
9 Da sagte seine Frau zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Vollkommenheit? Fluche Gott und stirb!
Wer das Buch Hiob aufmerksam weiter liest, wird bemerken, dass Gott alles noch zum Happy End führt. Wenn man allerdings die Fehleranalyse in diesem Unglück betreibt, könnte man zu folgendem Schluss kommen: Hiob ist ein Supergerechter und er konnte nichts für sein Unglück, denn es war ja der Teufel der ihn bei Gott verklagte und es war ein souveräner und überhaupt nicht nachvollziehbarer Gott, der Hiob das alles geschehen lies. Wenn man so argumentiert, bestand die Geduld Hiobs, die Jakobus uns so dringend anrät, im Ertragen dieser widrigen Umstände bis Gott endlich irgendetwas ändert.
Ist das die Selbstsicht der Gemeinde heute bezüglich auf sich selbst und die Erweckung? Denken wir, alles richtig gemacht zu haben, nur Gott kommt nicht so richtig zu Potte und wenn uns gar Unheil widerfährt ist der Teufel an allem Schuld? Das tat Hiob auch und zwar die ganze Zeit, in der sich nichts in seinem Leben verändert hat.
Es bedarf nun wohl einiger erklärender Worte, um aus meinen Beschreibungen, betreffend des Schicksals Hiobs, etwas an geistlicher Kost zu ziehen, das unser Denken und Handeln bezüglich dem Plan Gottes unser Land zu segnen und Erweckung zu schenken, verändert. Wenn wir schauen, wann sich in Hiobs Leben der Spuk der widrigen Umstände aufgelöst hat, stoßen wir auf einen interessanten Vers:
Hiob 42
5 Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.
Dieser markante Vers findet sich im letzten Kapitel des Buches Hiobs. Dieser Hiob, den wir bei oberflächlicher Betrachtung als beispielhaften Christen kennen lernen, ist jemand, der vielleicht alles wusste aber Gott überhaupt nicht kannte. Die Verse bis dahin sind also ein theoretisches Lamentieren eines Mannes, der Gott überhaupt nicht kennt. Warum kam aber das ganze Unglück über ihn?
Wenn wir uns den Vers, wo Gott Satan auf seine Versuchung antwortet genau anschauen, entdecken wir im Deutschen und im Urtext etwas sehr interessantes: Gott sagt: "Siehe, er ist in deiner Hand!" Martin Luther hat das noch zärtlich mit "sei" übersetzt, aber es steht hier "ist" (vielen Dank an die Redakteure der Elberfelder Bibel). Gott sagt nur, das Hiob schon in der Hand des Teufels ist. Es war nicht die Entscheidung Gottes, Hiob in seiner Willkür einem Glaubenstest auszusetzen, sondern Hiob war schon dem Teufel gegenüber schutzlos. Warum war das so?
Ein Blick auf Hiobs Sozialkontakte hilft, eine Erklärung zu finden. Seine Frau verflucht ihn, wie wir bereits gelesen haben. Warum? Sie sagt es selbst; sie kann mit dem Glaubensleben ihres Mannes nichts anfangen. Könnte das auch an Hiob gelegen haben? Ein Blick auf seine Kinder bestätigt diese These:
Hiob 1
4 Und seine Söhne gingen hin und machten ein Festmahl, ein jeder in seinem Hause an seinem Tag, und sie sandten hin und luden ihre drei Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken. 5 Und wenn die Tage des Mahles um waren, sandte Hiob hin und heiligte sie und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl; denn Hiob dachte: Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen. So tat Hiob allezeit.
Die Kinder führen einen Lebensstil, der dem des Vaters entgegensteht. Sie sind total verweltlicht. Warum? Weil sie mit der Frömmigkeit Hiobs auch nichts anfangen können! Denn spätestens wenn wir schauen, welche Freunde Hiob hat, verfestigt sich das kauzige Bild, das von Hiob in der Bibel gezeichnet wird. Erstens hat er nur drei wirkliche Freunde und die reden Kapitel Weise durch das ganze Buch Hiob den größten Unsinn. Lauter christliche Floskeln und Scheinwahrheiten, die nichts mit erlebter Liebe Gottes und einer Beziehung zum himmlischen Vater zu tun haben. Wenn wir selbst nicht Gott so erlebt haben, bemerken wir das beim Lesen des Buches Hiobs nicht und denken letztendlich vielleicht, was sind das nur alles für theologisch gebildete Leute. Seine Freunde sind also genauso wie er. Sie meinen mit ihren schlauen Kommentaren alles erklären und erfassen zu können und widerlegen sich schließlich gegenseitig in ihren falschen Denkweisen.
Jetzt mag aber jemand sagen: Aber der Herr hat ihn doch gesegnet! Na ja, ich will mit Hiob nicht tauschen, denn es gab nur einen Lebensbereich, wo Gott Hiob noch segnen konnte, nämlich in den Finanzen. Beziehungsmäßig und glaubensmäßig war Hiob kein Vorbild und definitiv nicht gesegnet.
Ich will nun nicht endlos herausfordern oder gar provozieren, ich will zu einem sehr geistlich aufbauenden Fazit kommen.
Hiob hatte in seinem Leben ein verkorkstes Bild von Gott, weil er ihn überhaupt nicht kannte und hat deshalb die entscheidenden Dinge falsch bewertet. Das Happy End dieser Geschichte war jedoch so stark, dass Jakobus es als Paradebeispiel für Ausharren genommen hat. Gott offenbarte sich dem Hiob zweimal auf eindrucksvolle Art und Weise. Das führte Hiob dazu, dass er seine Fehler der Selbstgerechtigkeit einsah und der Charakter Gottes auch sofort die ersten Spuren an ihm hinterließ. Er tat etwas für andere. Er betete für seine Freunde, von denen er nun wusste, dass sie Gottes Vergebung und Gegenwart genauso brauchten, wie er.
Das war?s. Hiob wachte auf von seinem Schlaf des (Selbst-)Gerechten. Sein ganzes Leben wurde gerade gerückt. Er erlebte Erweckung. Gott machte ihn beziehungsfähig (das ist der größte Segen, den es im Reiche Gottes für auf Erden gibt). Woran erkennen wir das? Er zeugte noch mal einen Haufen Kinder. Wer sich mit den technischen Voraussetzungen zum Erfüllen des Schöpfungsauftrages auskennt, weiß, dass man dafür eine willige Frau braucht. Die haben wir ja auch schon kennen gelernt, nur etwas anders gesinnt. Allein eine Offenbarung Gottes in Hiobs Leben hat seine Ehe wiederhergestellt. Seine Kinder hatten Namen, die von der romantischen Beziehung zu seiner Frau zeugten. Sie waren die schönsten Töchter des Landes, was heißt, dass sie sich geliebt fühlten. Hiob war zu einem Liebe gebenden Vater geworden. Und es kam ein finanzieller Segen, der noch größer war als der erste. Sicherlich war Hiob nun unter dem Schutz Gottes, weil er nicht mehr durch die Sünde der Selbstgerechtigkeit dem Teufel Tür und Tor öffnete. Der Teufel war sicherlich der Ausführende des Unglücks in Hiobs Leben aber der Verursacher war Hiob selbst.
Und unsere Erweckung? Wer meint noch es läge an Gott? Die Propheten haben sich nicht geirrt, Gott wollte Jahr für Jahr Erweckung geben, aber wir müssen den Mut haben, uns für Gottes Angesicht frei von unserer Selbstgerechtigkeit zu machen. Eine einzige Offenbarung Gottes in unserem Leben kann alles verändern. Das einzige was dieser im Weg steht sind wir selbst.
Die Geduld, die Jakobus in seinem Brief meint, ist eine solche, die Fehler zu finden, die uns aus dem Segen des Herrn heraus geworfen haben. Dafür sollten wir die Zeit nutzen. Dann werden wir am Ende einem gnädigen und sanftmütigen Gott begegnen. Jakobus gebraucht das Beispiel Hiobs daher sehr bewusst. Ich liebe das Buch Hiobs weil es eine Offenbarung über Seelsorge und die Gründe ist, warum Dinge in unserem Leben schief laufen. Und Gottes Lösungsansatz gefällt mir auch sehr.
Es bleibt dabei: Bei Gott ist alles ganz einfach! Wir können das christliche Leben künstlich kompliziert machen und uns wie Hiob aus allem rausreden und schlau argumentieren, warum so vieles so wichtig ist. Aber was wir wirklich brauchen um Erweckung zu sehen ist die Gegenwart Gottes! Ob wir sonst noch etwas brauchen? Da bin ich mir nicht sicher...
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Ein Artikel von Glaube.de
Autor: Fabian Heinze, Jugendpastor der Gemeinde auf dem Weg, Berlin
Quelle: Jugend auf dem Weg (Homepage JadW)
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