Reinhard Bonnke: Operation Pfingsten (2)

Die Bibel und der Heilige Geist
Jesus sagte: "Wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?" (Lukas 14,31).
Christen sollten wissen, ob sie einem Kampf gegen den Teufel gewachsen sind. Verfügen sie über die Ausrüstung, um den "guten Kampf des Glaubens zu kämpfen" und die Mächte des Bösen besiegen zu können? Viele Christen sind sich dessen nicht sicher. Sie hoffen und beten, und weil sie dabei von keiner Welle göttlicher Kraft erfasst werden, haben sie das unerträgliche Gefühl, irgendetwas in ihrem Leben sei daran schuld. Mit diesem Evangelistenbrief möchte ich euch die ermutigende Gewissheit vermitteln: Wir sind nicht ohne geistliche "Waffenrüstung".
Betrachten wir einmal sorgfältig, was Paulus in seinem Gebet in Epheser 1,18-19 ausdrückt: "Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, ... wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist." Das ist die Situation im Neuen Testament in Bezug auf Kraft. Der springende Punkt hierbei ist nicht, ob wir davon einen persönlichen Vorrat besitzen oder nicht, sondern dass wir in unserem Herzen die Kraft Gottes für uns kennen. Wir schöpfen nicht aus unseren eigenen Reserven, sondern aus dem, was Gott für uns bereithält. Laßt mich erklären, was ich damit meine.
Drei wunderbare Tatsachen
1. Kein wiedergeborener Christ ist ohne den Heiligen Geist. Ein gläubiger Christ ist "aus dem Geist geboren" und lebt aus dem täglichen und beständigen Wirken desselben Geistes. Gott lässt nicht zu, dass wir ohne den Heiligen Geist wie Waisen leben. Er will, dass wir als seine Kinder leben und schenkt uns die Gewissheit durch seinen Geist. Der Heilige Geist selbst ist das Kennzeichen eines Christen: "Wer aber den Geist Christi nicht hat, der ist nicht sein Eigentum" (Römer 8,9).
2. Der Heilige Geist ist kein Extra-Bonus für besonders gute Christen. Jesus sagte, dass es gut für uns war, dass er zum Vater ging, um Platz für den Heiligen Geist zu machen (Johannes 16,7). Das Kommen des Heiligen Geistes, für unser gesamtes Leben unentbehrlich, vollendete den gewaltigen Akt der Himmelfahrt. Manche Leute betrachten die Kraft des Heiligen Geistes als eine Art Luxusartikel, der beispielsweise wie Kaviar oder Fasanenbraten nur einer privilegierten Schicht zugedacht ist. Doch Jesus sprach nie auf diese Weise davon. Er verglich den Heiligen Geist mit alltäglichen Dingen wie Brot, Fisch und Ei (Lukas 11,11-13), und zeigte uns damit, dass der Heilige Geist für die einfachen Leute, einschließlich der Kinder, da ist. Petrus machte später in seiner Pfingstpredigt dieselbe Aussage: "Euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird" (Apostelgeschichte 2,39).
3. Mit dem Heiligen Geist stellte Gott sicher, dass sein Werk getan würde. Die Erlösung und alles was dazugehört wurde durch den Heiligen Geist möglich. Er ist der Hauptfaktor hinter jedem christlichen Dienst. Ohne ihn könnte das Werk Gottes genauso wenig gelingen, wie dem Maler ein Meisterwerk ohne Farbe oder dem Bildhauer eine Skulptur ohne Stein. Gott hat keinen Sonderplan für Leute, die ohne den Heiligen Geist aus ihrer eigenen Kraft wirken wollen.
Hier kommt es wirklich auf den rechten Standpunkt an. Wir sollten den Heiligen Geist nicht als Bonus betrachten, dessen Anwesenheit uns nichts schaden könnte, sondern wir sollten wissen, dass ohne ihn unser ganzes Handeln sinnlos ist. Der Heilige Geist hilft uns, aber nur in dem Maß, wie wir ihm helfen. Letztlich ist es sein Werk. Einige sehen in ihm nur den "Tröster". Er ist tatsächlich der Tröster, aber nicht nur, um uns trostreich auf unserer Lebensreise zu begleiten, denn ohne ihn gäbe es keine Reise -, ohne seine Kraft könnten wir noch nicht einmal ins Flugzeug steigen. Ich weiß, einige empfinden sich zu unbedeutend für den Heiligen Geist. Das sollte niemand von sich behaupten. Wir alle brauchen den Heiligen Geist, und er macht uns bedeutend.
Den Heiligen Geist verstehen
Schauen wir uns weitere biblische Wahrheiten über den Heiligen Geist an. Verständnis entsteht nicht durch das Speichern von Wissen in unserem Gedächtnis, sondern indem wir der Wahrheit gestatten, unseren Glauben zu stimulieren und unsere Herzen zu berühren.
Nehmen wir als Beispiel Salomons Tempel. Darin wohnte kein Mensch, er war der Wohnsitz Gottes. Heute hat er seinen Wohnsitz unter seinem Volk. Sie sind der neue Tempel, und er wohnt darin (Johannes 14,17). Der Heilige Geist wurde nicht der Welt gegeben, sondern allen, die in Christus sind. Als Jesus im Jordan getauft wurde, kam der Heilige Geist in Form einer Taube herab. In Noahs Arche befand sich auch eine Taube. Er sandte sie aus, doch sie kam zurück, weil sie außerhalb der Arche nirgends einen Rastplatz fand. Der Heilige Geist hat in dieser Welt keinen Platz außer unter seinem Volk, den Gläubigen. Ohne ihr Willkommen wäre er heimatlos. Aber ist er überall willkommen, wenn er wie ein gewaltiger Sturm feurig und energiegeladen daherfegt? Oder heißt man ihn nur willkommen, wenn er ruhig, leise, kühl, nüchtern und unaufdringlich in Erscheinung tritt?
Das Christentum ist die Gabe des Heiligen Geistes. Als Jesus seinen irdischen Dienst begann, war er voll des Heiligen Geistes und vollbrachte mächtige Taten. Etwas Derartiges hatte man zuvor noch nicht erlebt. Viele anerkennen den Wert des christlichen Glaubens als ein religiöses System und anerkennen dessen moralische und ethische Gesetze; aber das Christentum ist viel mehr als all das. Grundsätzlich ist es der übernatürliche Eingriff des Heiligen Geistes in unser irdisches Dasein. Jesus hatte nicht viel über evangelikale Lehre zu sagen, er betonte die Wichtigkeit, im Glauben das Reich Gottes zu betreten und den Heiligen Geist zu empfangen.
Das frühe Israel kannte die Verheißung des Heiligen Geistes so nicht. Jesus sagte: "Bittet, und ihr werdet empfangen" (Johannes 16,24). Dies war ein neuer Gedanke. Das einzig Vergleichbare im Alten Testament ist ein bemerkenswertes vorausschauendes Bild, als Elisa seinen Lehrer Elia um "den doppelten Anteil seines Geistes" bat (2. Könige 2,9). Es war ein übergreifendes Ereignis zwischen Himmel und Erde, angekündigt von Johannes dem Täufer, dem größten und letzten Propheten des Alten Bundes: "Ich taufe euch nur mit Wasser. Er (Jesus) wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen" (Lukas 3,16).
Das geschriebene Gesetz besaß keinerlei innewohnende Kraft, um die Menschen auf ihrem festgeschriebenen Kurs zu halten, obwohl es von Gott selbst in steinerne Tafeln eingraviert worden war. Aber das Gesetz Christi ist der Geist, eine Lebenskraft, die unsere Wünsche, unseren Willen und unser Ziel bestimmt. Das Gesetz Christi lenkt unser Verlangen instinktiv in die richtigen Bahnen.
Der Heilige Geist in der Apostelgeschichte
Ist die Apostelgeschichte lediglich ein Geschichtsbuch oder vielmehr ein praktisches Handbuch? Die Apostelgeschichte berichtet uns, wie das christliche Zeitalter begann und wie es sich gestaltete. Wir lesen, wie die Jünger das gewaltige Potenzial des an Pfingsten ausgegossenen Geistes entdeckten. Gott hatte mehr als einmal die Initiative ergriffen, um ihnen zu zeigen, zu welchen Taten der Heilige Geist in der Lage war, und sie fanden sich selbst in Situationen, in denen sie durch den Geist Dinge taten, die sie zuvor nie zu tun gewagt hätten. Jesus hatte gesagt: "Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater" (Johannes 14,12). Niemand hatte zuvor das getan, was Jesus tat. Aber als Pfingsten diese galiläischen Fischer in Kanäle des Heiligen Geistes verwandelte, taten sie, was vor ihnen kein Prophet je getan hat: Sie führten Menschenmassen zur Buße, öffneten blinde Augen und taube Ohren und trieben Dämonen aus.
Jesus war in die Welt gekommen als Erhörung des alttestamentlichen Flehens: "Herr, reiß doch den Himmel auf, und komm zu uns herab!" (Jesaja 63,19). Als er nach seiner Auferstehung in den aufgerissenen Himmel zurückkehrte, hatte er als Vermächtnis das Zeitalter des Heiligen Geistes hinterlassen sowie Kraft und Sieg über alle Macht des Bösen.
Die Tage der Apostel waren eine große Zeit göttlicher Kraftwirkungen. Es ist dieselbe Herausforderung an alle, die sich aufmachen, das Wort zu verkünden. Befand sich damals das Wirken des Geistes auf seinem absoluten Höhepunkt? Selbstverständlich waren die von Jesus beauftragten Apostel die Schlüsselfiguren. Ist die Apostelgeschichte ein Bericht über die einmalige Initialzündung und Wirkungsweise der ursprünglichen Kraft des Heiligen Geistes, die sich niemals wiederholen werden? Ich glaube das nicht. Manch einer mag davon überzeugt sein, aber wir finden weder in der Apostelgeschichte noch im gesamten Neuen Testament irgendeinen Hinweis, der diese Theorie stützen würde. Was uns plausibel erscheint, bedarf letztlich der biblischen Absicherung, um gültig zu sein. Wurden diese gewaltigen Kraftwirkungen des Geistes in der Apostelgeschichte als spezielle Zeitzeugnisse jener Tage niedergeschrieben, damit Gott sie später wieder einschränkte?
Beim Auslegen von Schriftstellen wie die Apostelgeschichte müssen wir uns an Gottes Wesen erinnern. Er ist treu, wahr, unerschütterlich, unwandelbar und wendet niemals besondere Kraftanstrengungen an. Seine Kraft verläuft nicht nach Höhen- und Tiefenkurven: "Er ist unwandelbar; niemals wechseln bei ihm Licht und Finsternis" (Jakobus 1,17). Er veranstaltet keine besonderen Shows. Wann immer du Gott begegnest, wirst du ihn immer unverändert vorfinden. Würde ein unwandelbarer Gott zu Lebzeiten der Apostel dreißig Jahre lang außergewöhnlich in Erscheinung treten, um danach seine Taktik auf moderatere Werke umzustellen? Oder tat er ihnen nur einen besonderen Gefallen?
Die Apostelgeschichte sowie alle anderen biblischen Texte sind eine Offenbarung des unwandelbaren Gottes. Sie wurden zu unserer Ermutigung niedergeschrieben, damit wir ihm völlig vertrauen. Würde es Sinn machen, wenn die Apostelgeschichte nur außergewöhnliche Ereignisse zum Inhalt hätte? Ist Gott ein Gott der Ausnahmen? Nein, im Gegenteil. Die Apostelgeschichte ist ein erster Bericht, in dem Gott sein Wort an uns richtet, um uns zu zeigen, was geschieht, wenn wir Glauben an Jesus haben. Sie dient als Leitfaden und Beispiel für das, was immer und weiterhin geschehen sollte.
Wenn sich unsere christliche Erfahrung von dem unterscheidet, was wir in der Apostelgeschichte lesen, haben wir dann eine neue Religion? Unterscheiden wir uns von den Menschen in der Apostelgeschichte? Der Zweck dieses Buches ist derselbe wie in allen anderen biblischen Schriften: das Wesen Gottes darzustellen, wie er unverändert und mit unverminderter Absicht dieselben Ziele verfolgt - die Erlösung und Heilung der Welt. Die Apostel besaßen keine übernatürlichen Kräfte. Sie besaßen denselben Heiligen Geist wie alle, die darum bitten. Es gibt keine größere Kraft.
Die Apostelgeschichte schildert, wie die Gemeinde nach Gottes Plan sein sollte. Unsere Lebensumstände bieten unterschiedliche Gelegenheiten und verlangen nach unterschiedlichen Reaktionen, wie in der Apostelgeschichte. Derselbe Gott, der die Jünger begleitete und sein Wort durch mitfolgende Zeichen bestätigte, hat sich nie zur Ruhe gesetzt.
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Quelle: Christus für alle Nationen
Autor: Reinhard Bonnke
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