Pastor Thomas Vollenweider: Petrus - doch kein Held?

Petrus war ein gestandener Mann. Er war verheiratet und lebte in einem Haus in Kapernaum, am Galiläischen Meer. Er hatte einen eigenen Fischereibetrieb, wir dürfen ihn als zum damaligen Mittelstand gehörend zählen.
Petrus wusste, was harte Arbeit ist. So manche Nacht hatte er mit seinen Mitarbeitern auf dem See Genezareth zugebracht. Und so manche Ausfahrt endete nur mit einem mageren Ertrag.
Jesus hatte Petrus in seine Nachfolge gerufen, als der - angesichts seiner Sünden - zusammengebrochen war. Es war auch Jesus, der ihm den Zunamen "Kephas" (was so viel wie Fels bedeutet) - in Griechisch "Petrus", gegeben hatte. Simon war sein hebräischer Name.
Petrus war sehr oft der Wortführer in der Zwölfergruppe. Er war auch auserwählt, mit Jesus auf dem Berg Tabor zu sein, als Jesus verklärt wurde. Und er war der einzige Jünger, der sich mit seinem Leib und Leben gegen die Gefangennahme Jesu auflehnte und nach seinem Schwert griff.
Und trotzdem war Petrus, wenn es um den Glauben ging, kein Held:
- Da will er Jesus von seinem Weg ins Leiden abhalten - und er wird als "Satan" bezeichnet;
- Er ist es, der angesichts einer Magd leugnet, dass er Jesus kennt.
- Wir finden ihn unter denen, die sich nach der Kreuzigung Jesu in ein Versteck zurückziehen.
Genau dieser Petrus ist es, der nachts, bei der Begegnung mit Jesus, aus dem Boot steigt, um ihm auf dem Wasser entgegenzugehen. Doch als er die Wellen sieht, droht er zu versinken.
Dieser Jünger wurde im Besonderen von Jesus angesprochen, als es um die Frage ging, wer denn der Größte unter den Jüngern wäre. Nachdem Jesus aufgezeigt hatte, dass er unter ihnen wie ein Diener ist, verheißt er ihnen das Reich Gottes. Doch Jesus sagt ihnen auch, dass der Satan sie durcheinander bringen wird: ?Der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen."
Und Jesus spricht dann zu Simon: "Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre."
Wir sind umkämpft - Der Satan ist hinter uns her.
«Simon, Simon. Der Satan ist hinter euch her, die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber ich habe für dich gebetet, damit du den Glauben nicht verlierst. Wenn du dann zu mir zurückkehrst, so stärke den Glauben deiner Brüder.» «Herr, wie kannst du so etwas sagen?» fuhr Petrus auf. «Ich bin jederzeit bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen und sogar für dich zu sterben.» Doch Jesus sagte: «Petrus, ich sage dir: Noch ehe morgen früh der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, dass du mich kennst.» (Lukas 22,31-34)
Kampf ist angesagt.
Bleibt besonnen und wachsam. Denn der Teufel, euer Todfeind, schleicht wie ein hungriger Löwe um euch herum. Er wartet nur auf ein Opfer, das er verschlingen kann. (1. Petrus 5,8)
Denn wir wissen nur zu gut, wie uns der Satan zu Fall bringen möchte. Aber das soll ihm nicht gelingen. (2. Korinther 2,11)
Leider aber haben sich schon einige von Christus abgewandt und folgen jetzt dem Satan. (1. Timotheur 5,15)
Wer ein Kind Gottes ist, der sündigt nicht. Das wissen wir, und wir wissen auch, dass Gott seine Kinder bewahrt, damit der Satan sie nicht zu Fall bringt. (1. Johannes 5,18)
Was kann uns so leicht ins Schleudern bringen?
Der Teufel hat mancherlei Möglichkeiten, unseren Glauben zu schwächen und zu zerstören.
- Eine Krankheit, von der wir lange nicht genesen;
- ein Unglück, das uns ereilt;
- unsere menschlichen Veranlagungen, die uns zu schaffen machen;
- Zweifel, wie es denn wirklich mit Gott sei...
Wir sind schwache Menschen. Die guten Vorsätze von gestern stehen bereits heute wieder auf dem Prüfstand. Wir kennen uns doch. Keiner kann für sich garantieren. Auch wir versagen oft, wie Petrus. Und Gott lässt es zu. Warum? Weil ein zerbrochenes Herz die Voraussetzung ist für die Verwirklichung von Jesus in uns. Er will zunehmen, wir müssen abnehmen.
Zum Beispiel Petrus: Durch die Geschichte seines Versagens war es Gott möglich, ihn schließlich zu schulen. Nur so, als er sein Unvermögen begriff, konnte er Verantwortung als Leiter übernehmen. Nicht mehr auf seine eigene Kraft und Zuverlässigkeit bauen, sondern auf Christus. Um ihn besser gebrauchen zu können, musste Gott das Versagen in mancher Situation zulassen. Das ist bei uns nicht anders.
Wir sind umbetet - Jesus tritt für uns ein.
Jesus betet für uns... - Eine wunderbare Tatsache. Glauben wir das? Rechnen wir damit? Vielleicht galt das auch nur Petrus?.
Nein, Jesus tritt auch für uns ein. Warum wissen wir das?
Und weil Jesus Christus ewig lebt und für uns bei Gott eintritt, wird er auch alle endgültig retten, die durch ihn zu Gott kommen. (Hebräer 7,25)
Und wir wissen es aus dem wunderbaren Gebet in Johannes 17. Es war am Vorabend der Kreuzigung, als Jesus mit seinen Jüngern zusammen war und das Abendmahl einsetzte:
Nach diesen Worten sah Jesus zum Himmel auf und betete: «Vater, die Stunde ist da. Lass jetzt die Herrlichkeit deines Sohnes erkennbar werden, damit dein Sohn dich verherrlicht.
Für sie bitte ich dich jetzt: für die Menschen, die du mir anvertraut hast und die zu dir gehören; nicht für die ganze Welt.
Ich verlasse jetzt die Welt und komme zu dir. Sie aber bleiben zurück. Heiliger Vater, erhalte sie in der Gemeinschaft mit dir damit sie untereinander eins werden, so wie wir eins sind.
Dennoch bitte ich dich nicht, sie aus der Welt zu nehmen. Aber schütze sie vor der Macht des Bösen.
Ich bitte aber nicht nur für sie, sondern für alle, die durch das Zeugnis meiner Jünger von mir hören werden und an mich glauben.
Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, bei mir bleiben. Sie sollen an meiner Herrlichkeit teilhaben. Du hast mir die Herrlichkeit gegeben; denn du hast mich geliebt, längst bevor die Welt geschaffen wurde.
Er weiß immer, wie Er beten muss. Er kennt uns und Er kennt den Vater und seinen heiligen Willen.
Jesus betet für uns - und dennoch gibt es Menschen, die ihren Glauben verlieren. Doch unser Gebet kann daran etwas ändern.
Eine Welt in Not braucht unsere Fürbitte. Unser Land braucht unsere Gebete. Menschen in unserer Umgebung sind auf unser Eintreten für ihren Glauben angewiesen. Gott will in unserer Mitte handeln, aber Er will gebeten sein. Auch wir sollen füreinander beten, dass unser Glaube nicht aufhöre. Warum? Weil dies eine echte Gefahr ist. Der Glaube ist ein Geschenk. Wir können es auch wieder verlieren.
Wir sind beauftragt, den Glauben der Geschwister zu stärken.
Wenn du dann zu mir zurückkehrst, so stärke den Glauben deiner Brüder.
Luther übersetzt: Und wenn du dermaleinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. (Lukas 22,32b)
Auch wir sind dazu berufen, unseren Geschwistern den Glauben zu stärken. Paulus hat es getan: Denn ich möchte euch sehr gern persönlich kennen lernen und euern Glauben stärken, indem ich etwas von dem weitergebe, was mir Gottes Geist geschenkt hat. (Römer 1,11)
...und unseren lieben Bruder Timotheus zu euch zu schicken. Er dient ja Gott und sollte euch ermutigen und in euerm Glauben stärken... (1. Thessalonicher 3,2)
Ausserdem, ihr Lieben, helft denen zurecht, die leichtsinnig in den Tag hinein leben. Ermutigt die Verzagten, helft den Schwachen, und bringt für jeden Menschen Geduld und Nachsicht auf. (1. Thessalonicher 5,14)
Wenn wir mit offenen Augen durch unser Leben gehen, dann werden wir bestätigen können, dass Satan sich sehr intensiv bemüht, unseren Glauben zu schwächen und möglichst zu zerstören. Wir werden aber auch - wenn wir sensibel genug sind - feststellen, wie oft wir die Gnade Gottes in unserem Alltag spüren können. Wie oft Jesus für uns da ist. Wie oft Jesus für uns eintritt und uns bewahrt vor Schaden und Sünde. Jesus will, dass wir zu Ihm kommen und bei Ihm bleiben. Er wird sich für uns Menschen, die wir an ihn glauben, vor Seinem Vater, dem allmächtigen Gott verbürgen. Er wird unser Rechtsanwalt sein beim Jüngsten Gericht, uns vor Gott vertreten.
So wie Jesus uns auf den Weg zu Seinem Vater begleitet, so sollen auch wir andere Menschen zu ihm bringen. Darüber hinaus sind wir nicht nur aufgerufen, sondern wir haben die Verpflichtung, die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken. Dies wollen wir tun. Lasst uns gemeinsam den Weg gehen, der uns zu unserem Vater im Himmel führt, auf dass unser Glaube nicht aufhöre.
Amen.
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Ein Artikel von www.glaube.de.
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Textbearbeitung: G. J. Matthia / Redaktionsmitarbeiter Glaube.de
Thomas Vollenweider ist Pastor der Lydia-Gemeinde in Berlin Rudow und Superintendent der Kirche des Nazareners. Er gehört zum Vorstand von Gemeinsam für Berlin.
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