Kerstin Hack: In der Welt der 1000 Götter von dem einen Gott erzählen

Mein innerer Schrei nach Weisheit hatte mittlerweile die Lautstärke eines Orkans angenommen. Plötzlich hörte ich mich selber sagen: "Weißt Du Sujata, wenn ich mir ansehe, wie viel Mühe sich Menschen geben, zu Gott zu kommen, wenn ich sehe, wie Menschen aller Religionen fasten und beten und nach Gott suchen - dann muss ich sagen, dass jede Religion gleich ist. Überall wollen Menschen Gott finden, strengen sich an. Aber wenn ich sehe, wie viel Mühe der Gott sich gegeben hat, um die Menschen zu erreichen, ein Gott, der sein Gott-sein aufgab, um Mensch zu werden. Weißt Du, wenn ich das wirklich glaube, dann kann ich nicht sagen, dass alle Religionen gleich sind. Nur der Gott, den wir Christen kennen, hat das getan. Deshalb ist er einzigartig und deshalb ist es der einzige Weg." Sujata sah mich an und sagte: "Das kann ich verstehen." Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie fuhr fort: "Immer wenn ich den Text "Fußspuren im Sand" lese, muss ich weinen. Das trifft mich so. " Ich begann Ihr von meinen Erfahrungen mit dem Gott zu erzählen, der mich in guten Zeiten begleitet und in schwierigen Zeiten getragen hat. Nach einem langen, intensiven Gespräch gingen wir auseinander - ohne dass sie eine Entscheidung getroffen hatte, Jesus zu folgen. Aber ich wusste, dass sie dem Jesus, der sie kennt und liebt ein Stück näher gekommen war.
Wie erzählt man in einer Welt der 1000 Wege, die angeblich alle zu Gott führen, über den, der von sich selbst sagt: "Ich bin der Weg...ohne Mich kommt niemand zu Gott dem Vater!"
Einige Grundregeln.
1. Wertschätzung für den Glauben der Anderen zum Ausdruck zu bringen.
Menschen machen innerlich dicht, wenn man das, was ihnen wertvoll ist, in den Dreck zieht. Es ist wichtig, zum Ausdruck zu bringen, dass man Ihr Bemühen, Gott zu finden, ernst nimmt. Paulus ist da ein gutes Vorbild. Er regt sich im Herzen total über den Götzendienst auf, den er in Athen sieht. Aber er bringt seine Ablehnung nicht zum Ausdruck, sondern sagt: "Männer von Athen, ich sehe, dass Ihr in jeder Beziehung den Göttern voll ergeben seid" (Apg. 17, 22). Erst nachdem er ihnen Respekt gezollt hat, schlägt er die Brücke zu dem einen wahren Gott. Das ist keine Heuchelei, sondern schlicht und ergreifend die Anerkennung dessen, dass Menschen sich bemühen, Gott zu finden. Paulus kritisiert sie nicht für ihren Götzendienst, sondern er sieht ihn als das, was er ist - ein Zeichen der Suche nach Gott, die er respektiert. Er holt sie da ab, wo sie sind. In vielen New Age Jüngern, Esoterikern und Anhängern östlicher Religionen steckt eine tiefe Sehnsucht nach Gott, ein verzweifelter Versuch, IHN zu finden. Das sollten wir ernst nehmen und wertschätzen.
2. Rat von noch - nicht Christen annehmen
Viele Christen denken, dass jemand erst dann etwas wert ist, wenn er sich bekehrt hat. Sie weigern sich Ratschläge und Hilfe von noch-nicht-Christen in Anspruch zu nehmen. Damit bringen sie bewusst oder unbewusst zum Ausdruck: "Wir Christen sind die, die alles besser können, besser wissen, bevor Du nicht Christ geworden bist, nehme ich Dich gar nicht erst ernst." In der Bibel gibt es genügend Beispiele, wo Gott Menschen gebraucht, die ihn noch nicht kennen. Mose ist mehrfach bereit, einen Rat seines Schwiegervaters Jitro anzunehmen - noch bevor (2. Mo. 4, 18) Jitro erkannt hat, dass der Gott Israels der wahre Gott ist. Einen zweiten Ratschlag nimmt Mose vom frischbekehrten Jitro an, der gerade einen halben Tag zuvor zur Erkenntnis gekommen, dass der Gott Israels der wahre Gott ist (2. Mo. 18, 13ff). Und der große Prophet Jeremia hatte keine klare Führung von Gott, ob er in Israel bleiben oder mit nach Babylon gehen sollte und nahm in dieser Situation den Rat des unbekehrten und grausamen babylonischen Statthalters an (Jer. 40, 5ff). Ich selbst habe es immer wieder erlebt, dass Menschen die vorher verschlossen waren, sich dem Evangelium öffneten, nachdem ich mir von ihnen hatte helfen lassen. Am Ende konnten sowohl ich als auch sie "Danke" sagen. Ich bedankte mich für einige Tassen Kaffee nach einem leichten Kreislaufzusammenbruch oder ein halbes Essen als ich die Essensausgabe der Mensa verpasst hatte...Sie bedankten sich für das, was ich ihnen von Jesus erzählt hatte.
3. Vom Gesprächspartner lernen wollen
Da wo ich das Gespräch mit dem Anderen als Abenteuer begreife, als eine Chance, im Gespräch mit dem anderen selber Jesus besser kennen zu lernen, wird es spannend und verliert den Charakter von "Ich stülpe Dir jetzt meine Meinung über!". Klar, Wahrheit lässt sich nicht verwässern. Aber ich kann dennoch viel vom Anderen lernen. Eines der Erfolgsrezepte des Alpha Kurses ist, dass die Leiter auf jede noch so schräge Meinung nicht mit Ablehnung sondern mit Anteilnahme reagieren sollen: "Das ist ja interessant!". Gespräche mit noch-nicht-Christen, auch ihre Kritik an Christen (sofern sie aus einer echten Suche und Auseinandersetzung kam) haben oft meine Beziehung zu Jesus vertieft, Oberflächlichkeiten in meinem Leben aufgezeigt und mir geholfen, ihm besser nachzufolgen. In eine Situation, in der meine Beziehung zu Jesus in reine Routine abzugleiten drohte half mir ein Gespräch mit einem Atheisten, der mir erzählte, wie Glauben eigentlich gelebt werden sollte, sehr viel weiter. Er hielt mir einen Spiegel vor...einige Wochen später bedankte ich mich bei ihm dafür, dass er zur Wiederbelebung meiner Beziehung zu Jesus beigetragen hatte...Er freute sich.
4. Persönlich sein
Aziza, eine moslemische Freundin, die mit einem dänischen Buddhisten befreundet und von seiner "Alle Wege führen zu Gott" Philosophie beeinflusst war, und ich hatten uns schon oft über Glauben unterhalten. Immer wieder betonte sie, dass doch unser beider Glaube im Grunde das Gleiche sei. Alle Versuche meinerseits, ihr den Unterschied zu erklären, waren ergebnislos. Eines Tages bewunderte sie eines meiner Kleidungsstücke und ich begann, ihr zu erzählen, wie ich mit Jesus einkaufen gehe, dass ich ihn bitte, mir die richtigen, schönsten, besten Kleidungsstücke zu zeigen und ihn auch, wenn ich Dinge anprobiere um Kommentare bitte ("gefällt Dir das?"). Aziza sah mich fassungslos an und sagte: "Du lebst wirklich mit Gott!" Plötzlich hatte sie verstanden, dass es einen Unterschied zwischen ihrer Religion und meiner Beziehung zu Gott gab. Irgendwann einmal ist es gut, aufzuhören, über das Allgemeine zu reden und dem Gesprächspartner zu erzählen, wie ich Gott hier, jetzt und heute erlebe. Das ist für die meisten eine Dimension, die für die meisten Menschen völlig neu ist und die ihr Interesse weckt, Jesus kennen zu lernen.
5. Geduld haben
Wasser gräbt sich seinen Weg - ebenso wird auch die Wahrheit, die Du an andere weitergibst, ihre Wirkung zeigen....Du musst nicht alles im ersten Gespräch vermitteln, kannst Gott vertrauen, dass Du ein Baustein in dem großen Plan, den er mit Deinen Freunden hat, bist. Ich hatte während eines Auslandssemesters guten Kontakt zu einem Buddhisten. Gegen Ende meiner Zeit war ich traurig, dass ich zwar Gelegenheit hatte, ihm von meiner Beziehung zu Jesus zu erzählen, aber es nie eine gute Gelegenheit gab, ihm klar das Evangelium zu erklären. Ich glaubte, versagt zu haben, bis ich drei Jahre später eine Karte von ihm bekam. "Ich bin jetzt in den USA und habe Christen kennen gelernt und mit ihnen die Bibel studiert. Ich bin dem Gott begegnet, von dem Du immer so viel erzählt hast...".
6. Gottes Handeln betonen
In der Auseinandersetzung mit Religionen/ Geistesströmungen, die sehr stark betonen, was der Mensch tun muss, ist es wichtig zu betonen, was Gott getan hat. Gott wurde Mensch. Gott offenbarte sich, Gott kam auf die Erde....Gott. Wir betonen oft zu sehr den menschlichen Aspekt, das was wir tun müssen, das was wir davon haben, wenn wir uns bekehren: "Komm zu Jesus und er macht Dich heil." Wir reden nur wenig von Gottes Heiligkeit, seinem Anspruch an uns. Es geht nicht darum, dem lieben Gott einen Gefallen zu tun, indem wir ihm unser Leben geben (eigentlich geben wir ihm meist ohnehin nur unsere Sünden und Probleme, die Kontrolle über den Rest unseres Lebens wollen wir doch lieber selber behalten). Dort wo Gott im Zentrum der Verkündigung ist, wir betonen, was Er getan hat und welchen totalen Anspruch er an unser Leben hat, wird das Menschen automatisch zu IHM ziehen. Ich habe mehrfach erlebt, dass Menschen nach einer Predigt über Anbetung (= das wozu wir geschaffen sind) entschieden diesem Gott Ihr Leben auszuliefern ihn anzubeten. "Wenn ich erhöht werde, werde ich alle zu mir ziehen." Anbetung, Ehre und Verherrlichung Jesu ist der Beginn und das Ende unserer Verkündigung.
***********************************************************
Ein Artikel von www.glaube.de.
Veröffentlichungen im Internet oder in Print bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren bzw. Glaube.de.
Autorin: Kerstin Hack leitet den Verlag und Lehrdienst Down to Earth und engagiert sich bei Gemeinsam für Berlin e. V. Im Shop von Down to Earth finden sich auch Bücher von ihr. Besonders beachtenswert: Kerstin Hack: Im Rhythmus der Schöpfung leben. Natürliche Lebensmuster und Balance finden. (Herbst 2004).
Textbearbeitung: D. Bauer / Redaktionsleitung Glaube.de
***********************************************************






