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10-03-07

Pastor Volkmar Janke: Siehe, ich will Neues schaffen.

Wie lange noch? Oft wird so gefragt. Diese Frage ist allen Eltern vertraut,die mit ihren Kindern eine Reise machen.


Wie lange noch bis wir da sind?? Eine verständliche Frage. Wer im Krankenhaus liegt, wird diese Frage stellen und von Besuchern hören. Und wie schön, wenn man wieder nach Hause kann! Auch Schwangere hören diese Frage und stellen sie selbst. Wer sät und pflanzt fragt sich, wie lange es noch bis zur Ernte dauert. Und wenn ich vom Arzt höre, "Es geht zu Ende? sie haben nicht mehr lange," dann möchte ich wissen: "Wie lange noch?" Aber nicht immer kann diese Frage beantwortet werden. Wir leben nicht nur im Heute und Jetzt. Wir leben immer auch mit Blick auf das Morgen und die Zukunft. Aber was wäre, wenn nicht mehr gefragt wird "wie lange noch"? Nicht von Kindern, nicht von Patienten oder Besuchern im Krankenhaus, nicht von Schwangern und Angehörigen, nicht von Gärtnern und Todkranken? Ist das vorstellbar? Würden wir nicht sagen? "Das kann nicht sein! Undenkbar. Dann leben die ja nicht mehr." Aber das war die Situation des Volkes Israel. Sie haben sich aufgegeben als Volk Gottes. Für sie gab es nur Geschichte im Rückblick, nicht in der Zukunft. Darum spricht Gott dies Wort durch Jesaja: Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Jes 43,19a Um zu verstehen, was dies Wort Gottes bedeutet, ist es hilfreich, wenn wir uns den historischen Zusammenhang vergegenwärtigen. 738 v. Chr. wurde Jesaja zum Propheten berufen (Jes 6,1). Er war ein Zeitgenosse des Propheten Micha. Seine Wirkungszeit fällt in die der Könige Asarja, Jotham, Ahas und Hiskia. In seiner Jugend herrschte noch Frieden und Wohlstand, später wird das Nordreich Israel durch die Assyrer im Jahr 722 v.Chr. besiegt. Damals stärkte er durch sein prophetisches Reden die Moral des Volkes und der Regierung. Seine Spur verliert sich nach 680 v. Chr.


1. Ein Wort für eine ausweglose Situation.


Die Jahreslosung wurde erstmals von einem Propheten im Auftrag Gottes in eine völlig auswegslose Situation hinein gesprochen: Nach wiederholten Bußrufen Gottes wurde im Jahr 722 v. Chr. Das Nordreich zerstört. Der größte Teil der Bevölkerung wurde nach Assyrien (im Gebiet des heutigen Irak) deportiert. Dort konnten sie zwar in relativer Freiheit leben, aber eine Rückkehr in ihr Land war ihnen verboten. Die Vorstellung einer Rückkehr in die Heimat war unrealistisch. Resignation breitete sich unter den ins Exil verschleppten Juden aus. Wer resigniert ist ohne Hoffnung! In dieser Situation erhielten einige Männer von Gott den Auftrag, den Israeliten Botschaften der Hoffnung zu übermitteln. (Diese Botschaften sind in den Büchern der Propheten Ezechiel, Obadja und in den Kapiteln 40 bis 55 des Buches des Propheten Jesaja nachzulesen.) Es waren Aufrufe an die Verbannten, entgegen allen sichtbaren Randbedingungen das Vertrauen in den allmächtigen Gott nicht aufzugeben. Durch den Propheten Jesaja weist Gott ausdrücklich auf einen Neubeginn hin, den er selbst veranlasst hat und den die Menschen noch nicht sehen. Unser Vers steht im Zusammenhang mit der Heimkehr Israels aus dem babylonischen Exil. Jesaja 40,1 beginnt mit der Heilszusage an das Volk, das seine Strafe empfangen hat. Manche nennen die Kapitel, die von Kapitel 40 an kommen, nicht ohne Grund auch das "Trostbuch" des Volkes Gottes. Gerade diese Kapitel wurden zu den meistgelesenen Abschnitten des AT für die junge Christenheit. Viele atl. Zitaten, die wir im NT finden, stammen aus diesem Teil des Jesaja Buches.


2. Ein Wort, das Hoffnung schafft.


 Ein Gotteswort aus der Bibel, das Hoffnung schafft! Ist jemand hier, der sich wünscht, dass Gott Neues schafft in seinem Leben, in der Gemeinde, in Deutschland? Stell dir vor, dass du deinen Weg im Jahr 2007 im Vertrauen auf Gott gehst, der dir zusagt: "Siehe, ich will ein Neues schaffen!" Jesaja ist ein Mutmach-Prediger. Er hört das Gras wachsen, er riecht die neue Zeit, er schaut über den Horizont hinaus. Seht doch endlich, was Gott für euch angelegt hat. Er hat durch Christus bereits alles für euch getan, was euch Mut zu Schritten in die Zukunft macht. Glaubt doch Gott mehr als euren Grübeleien. Wer sich für Gottes Versprechungen öffnet, auch im Gebet, der erlebt Überraschungen. Zwar finden wir in der Bibel immer wieder die Aufforderung, an Gottes frühere Heilstaten zu denken. Aber hier scheinen sie den Blick zu blockieren für das Neue, das Gott heute schenkt. Israel soll in seinen bestimmt nicht leichten Verhältnissen in der Zeit nach dem Exil der Heilsbotschaft (Gott hat vergeben, die Strafe ist abgegolten, vgl. 40,1 ff) nun Glauben schenken und sich in diesem Glauben auf den Weg machen. Sie sollen nicht die alten Heilstaten, die sie in ihren Gottesdiensten feiern, vergessen. Aber sie dürfen nicht den Blick verstellen für das Neue, das Gott schafft: Nach Israel zurückkehren und den Neuanfang wagen.


3. Ein Wort wie ein einladendes Bild.


Wenn in der Bibel von der Zukunft gesprochen wird, geschieht dies meistens in Bildern. Tatsächlich sind Bilder ja die konkreten Vorstellungen dessen, was zu erwarten ist. Damit kommt die Bibel unseren Gewohnheiten entgegen, das die meisten Inhalte in bildlicher Form abspeichert. Innere Bilder machen den größten Teil unserer Erinnerung aus. Und auch unsere Zukunft stellen wir uns meistens in bildlicher Form vor. Aber auch unsere Ängste sind häufig nichts anderes als negative Zukunftsvisionen. Es ist somit nicht gleichgültig, welche inneren Bilder wir fördern. Welche Visionen haben wir (Lk 2,22-32)? Die Vision vom Neuen, das Gott schaffen will, klang im damaligen politischen und religiösen Umfeld in Babylon recht wirklichkeitsfremd. Und dennoch erfüllte sie sich: Im Jahr 538 v. Chr. eroberte der Perserkönig Kyros Babylon und verfügte in einem Edikt die Rückkehr der Verbannten in ihre Heimat und den Wiederaufbau der zerstörten Stadt Jerusalem. "jetzt sprosst es" - das weist auf die geschichtlichen Ereignisse hin. Die Möglichkeit, wieder in das den Vätern verheißene Land zurückzukehren, kam. Es sprosst - das ist ein Bild aus der Natur, aus dem Frühling: Es kommt nicht schlagartig. Es wächst zart empor. ER wirkt auch im Kleinen und Unscheinbaren, weil es in seinem Reich oft erst einmal "nur sprosst". Interessanterweise ist "Spross" nach Römer 15,12 ein messianischer Titel, der auf Jesus hinweist, dessen Anfänge auch erbärmlich waren, zaghaft, zart und zerbrechlich. Aber was ist daraus geworden (vgl. Jes 11,1 u. 53,2)! "Erkennt ihr es nicht?" - Jesaja muss damit ringen, dass Israel trotz des offensichtlichen Handeln Gottes in der Geschichte für SEIN Handeln blind und taub zu sein scheint (42,18). Damals wie heute ist Gottes Verheißung eine Herausforderung: "Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr?s denn nicht?" Herausgefordert ist unser Vertrauen in ihn und damit unser Hören auf ihn. Jes 43,19 macht Mut. Für Christen ist das Wort ein starker Impuls für Glaubens-Schritte nach vorn. "Der Pessimist ist der einzige Mist, auf dem nichts gedeiht." Ein nicht sehr vornehmer, doch nachdenkenswerter Spruch aus alten Tagen. Wir bekommen eine höchst positive Botschaft für dies Jahr. Neues wird geschehen. Das ist spannend. Hoffnung macht das Leben interessant. Der Glaube macht hellwach für Neues. Denn hier spricht Gott, und was er spricht, das geschieht. Mit diesem Jahresmotto spannt er einen denkbar weiten Bogen vor uns auf, von der Schöpfung - Und Gott sprach: Es werde! - bis zur Neuschöpfung: Siehe, ich mache alles neu (Offb 21,5). Wie Gott aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hat - der "erste Exodus" -, so befreit er jetzt aus der babylonischen Gefangenschaft - der "zweite Exodus". Aus dem Neuen Testament wissen wir, dass der dritte Befreiungsakt folgt, nämlich der Freikauf aus der Knechtschaft der Sünde durch den Kreuzestod Jesu. Und schließlich wird er die Erlösung vollenden: Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird. (Jes. 65,17) Mit dem befreienden Handeln Gottes geht das schöpferische einher. In der Auferweckung des Gekreuzigten schafft Gott absolut Neues. Wer an ihn glaubt, hat bereits jetzt Anteil an dem neuen Leben, denn ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Kor. 5,17). Nicht mehr in der Jammerspur, sondern in der Hoffnungsspur. Wir sind besser dran, als wir ahnen. Wie lange noch? Lasst uns fragen? und vertrauen!


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Ein Artikel von Glaube.de

Autor: Pastor Volkmar Janke / Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Nordenham (Baptisten)
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