John Mulinde: Hört Gott überhaupt zu?

Nach den geschilderten Erlebnissen in Florida und Bogota war ich verwirrt. Ich glaubte fest und unerschütterlich an einen guten Gott, und war doch mit der Realität konfrontiert, dass nichts auf die Gebete dieser Christen hin geschehen war. Ich begann, Gott zu suchen, um zu verstehen: Warum erfüllt er seine Verheißung nicht?
Ich habe nicht alle Antworten gefunden, aber inzwischen beginne ich, etwas zu verstehen. Lasst uns einmal die Umstände betrachten.
Wenn - Dann
Die Schriftstelle aus 2. Chronik 7, 14 ist unter den Fürbittern weltweit sehr beliebt. Immer wieder wird sie im Gebet und für das Gebet gelesen, jeder, der über Gebet lehrt, hat vermutlich schon diesen Vers seinen Zuhörern mitgegeben:
Wenn mein Volk, über dem mein Name ausgerufen ist, sich demütigt, und sie beten und suchen mein Angesicht und kehren um von ihren bösen Wegen, dann werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen.
Auch ich hatte schon viel über diesen Vers gepredigt. Und zwar immer über den ersten Teil, über Demütigen, Beten, Umkehr von bösen Wegen und Suchen des Angesichtes Gottes. Ich habe den zweiten Teil kaum einmal berührt. Der erste Teil war das, was wir zu tun haben. Dann, so war ich überzeugt, ist Gott dran. Dann hört er, vergibt die Sünden, heilt das Land. Ich war felsenfest überzeugt, dass er das tun würde, wenn wir treu mit Teil eins waren.
Es dauerte vier Jahre, bis ich eine neue Perspektive in diesem so vertrauten Satz aus der Heiligen Schrift entdeckte. Damit fand ich dann auch einen Weg zur Antwort, warum die Erweckung nicht gekommen war, trotz ernsthafter Gebete.
Ich las diesen Vers eines Tages erneut bei meiner verzweifelten Suche nach Gott und seiner Antwort. Da fielen mir zum ersten Mal die Worte dann werde ich vom Himmel her hören ins Auge. Gott schien hier zu sagen: "Wenn Punkt 1, 2, 3 und 4 gegeben sind, dann höre ich euch zu. Wenn die Voraussetzungen nicht gegeben sind, dann höre ich gar nicht hin, was ihr betet."
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Gott nicht zuhört. Er hört doch selbst das unausgesprochene Seufzen eines Herzens; wie sollte dieser Gott sagen, dass er gar nicht hinhört, wenn wir beten? Es war mir nie in den Sinn gekommen, dass ich möglicherweise betete, und Gott hörte nicht zu.
Ich hatte erhebliche Schwierigkeiten, das als Reden des Heiligen Geistes anzunehmen. Ich sagte: "Herr, dazu bedarf es erheblich mehr biblischer Beweise, um mein Bild von dir dermaßen zu verändern."
Darauf führte Gott mich durch die Heilige Schrift und bestätigte ausgerechnet diesen Eindruck, der mir so unangenehm war.
Er hört tatsächlich nicht hin...
Siehe, die Hand des HERRN ist nicht zu kurz zum Retten und sein Ohr nicht zu schwer zum Hören; sondern eure Missetaten trennen euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass er nicht hört! (Jesaja 59, 1-2)
Wegen des Zustandes, in dem das Volk sich befand, hatte Gott sich entschlossen, nicht zuzuhören. Er bestätigte, dass seine Mittel zum Hören und Helfen ausreichen würden, dass aber ein Sachverhalt vorlag, der ihn veranlasste, sich abzuwenden.
Ich studierte dieses Kapitel. Konnte es sein, dass Gott, der ja unveränderlich in der Lage und sogar gewillt ist, seine Kinder zu hören, zu erhören und ihnen zu Hilfe zu eilen, sich sozusagen taub stellen muss, weil die Lage es erfordert?
"Ich kann helfen, ich will helfen, aber euer Zustand hält mich zurück, eure Missetat hat einen Graben aufgerissen - die Gemeinschaft zwischen euch und mir ist unterbrochen." So verstand ich diesen Vers.
Das passte zu der Aussage ...und suchen mein Angesicht ... dann werde ich vom Himmel her hören... denn wenn die Beziehung nicht unterbrochen ist, dann ist das Angesicht Gottes ja bei seinem Volk, seine Gegenwart ist einfach da.
Wenn aber sein Angesicht verborgen ist (wie in Jesaja 59, 2 eben gelesen), dann müssen wir es suchen (wie es in 2. Chronik 14, 7 gesagt wird).
...und wendet auch noch sein Angesicht ab!
Was heißt es denn eigentlich, das Angesicht Gottes zu suchen? Diese Frage drängt sich an dieser Stelle unvermeidlich auf. Wenn das die Voraussetzung dafür ist, dass Gott wieder zuhört - wie tut man es dann konkret?
Wir lesen in 4. Mose 6, 25 - 27, im so genannten priesterlichen Segen, etwas vom Angesicht Gottes: Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig! Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Und so sollen sie meinen Namen auf die Kinder Israels legen, und ich will sie segnen.
Wenn das Angesicht des Herrn auf uns gerichtet ist, dann fließt uns sein Segen zu. Also fragen wir, wenn wir feststellen, dass der Segen nicht wie ein Strom auf uns herabfließt: "Was hat Gott veranlasst, sein Angesicht abzuwenden?"
"Herr", schreien wir, "es muss einen Grund geben, dass du nicht zuhörst! Bitte, bitte zeige ihn uns, damit wir ihn beseitigen können!"
Wir müssten eigentlich in dieser Verzweiflung angekommen sein, wenn wir festgestellt haben, dass Gebete unerhört bleiben. Denn wenn Gott sein Angesicht von uns abwenden muss, dann sind wir in einer nicht besonders guten Lage.
Aber sind wir so verzweifelt? Vielleicht übertrieb ich ja bei meiner Suche nach einer Antwort?
Kann der in alle Ewigkeit gute und gnädige Gott tatsächlich weghören, sein Angesicht abwenden? Gibt es in der Bibel andere Hinweise darauf? Der Heilige Geist führte mich weiter durch die Schriften:
Siehe, ihr verlasst euch auf trügerische Reden, die keinen Nutzen bringen! Meint ihr denn, nachdem ihr gestohlen, gemordet, die Ehe gebrochen, falsch geschworen, dem Baal geräuchert habt und anderen Göttern nachgelaufen seid, die ihr nicht kennt, dass ihr dann kommen und vor mein Angesicht treten könnt in diesem Haus, das nach meinem Namen genannt ist, und sprechen: "Wir sind errettet!" - nur, um dann alle diese Gräuel weiter zu verüben?
Ist denn dieses Haus, das nach meinem Namen genannt ist, in euren Augen zu einer Räuberhöhle geworden? Ja wahrlich, auch ich sehe es so an! spricht der HERR. ... Du aber sollst für dieses Volk keine Fürbitte einlegen, sollst weder Flehen noch Gebet für sie erheben und nicht in mich dringen; denn ich werde dich keineswegs erhören! (Jeremia 7, 8-11 und 16)
"Ich höre überhaupt nicht zu", sagt der Herr hier, "wenn ihr in diesem Zustand vor mich tretet. Ihr bildet euch zwar ein, errettet zu sein, aber wohne ich etwa in einer Räuberhöhle? Erwartet ihr etwa meine Gegenwart unter diesen Umständen?
Höre auf, zu beten! Ich höre nicht hin. Höre auf, zu flehen! Ich wende mein Angesicht ab."
Begreifen wir unsere Lage?
Ich bitte euch von Herzen: Seid nicht beleidigt, wenn ich so zu euch rede. Ich weiß, dass man an dieser Stelle eingeschnappt abschalten kann. Wir untersuchen hier aber eine ernsthafte, vielleicht lebenswichtige Frage: Warum erhört Gott unser Gebet nicht? Lasst uns nicht beleidigt reagieren, sondern ernsthaft unsere Lage untersuchen.
Man kann auch einwenden: "Das ist Altes Testament. Wir leben im Zeitalter der Gnade."
Im Neuen Testament lesen wir: Und das ist die Freimütigkeit, die wir ihm gegenüber haben, dass er uns hört, wenn wir seinem Willen gemäß um etwas bitten. (1. Johannes 5, 14)
Wir stellen fest: Wir bitten um etwas. Die Antwort bleibt aus. Warum? Haben wir vielleicht nicht "seinem Willen gemäß" gebetet?
Wir brauchen doch diese Sicherheit, wenn wir beten, dass Gott nicht vielleicht oder möglicherweise hört, was wir erbitten, sondern ganz bestimmt. Und wir wissen aus der Bibel, dass er da ist und dass "sein Ohr nicht zu schwer zum Hören" ist.
Also liegt vielleicht die fehlende Erhörung daran, dass wir nicht "in seinem Willen" bitten?
Seinem Willen gemäß
Was heißt das eigentlich? Wie sieht der Wille Gottes denn aus, gemäß dem wir beten sollen, damit Gott zuhört?
Mancher meint, dass er im Willen Gottes betet, wenn er Texte aus der Bibel betet. Die Bibel ist das Wort Gottes, also ist das, was darin steht, der Wille Gottes. Wenn ich also Bibelstellen bete, dann bete ich automatisch "dem Willen Gottes gemäß".
Ich jedenfalls dachte und betete viele Jahre so. Dann lehrte mich Gott etwas tiefer gehendes, indem er mich zu Jeremia 7 führte.
Unsere Ausgangsstelle, 2. Chronik 7, 14, wurde während der Weihe des Tempels gegeben. Das Haus Gottes wurde feierlich eröffnet und die Herrlichkeit, das Angesicht Gottes, kam in dieses Menschenbauwerk hinein. Salomo wusste, dass Gott nicht vier Wände als Wohnraum benötigt, aber er bat ihn, doch da zu sein, wenn die Menschen an diesem Ort beten, selbst wenn sie von ferne ihr Gesicht dem Tempel zuwenden, sogar Fremdlinge... - und Gott sagte es zu: ...dann werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen.
Später beauftragte Gott den Propheten Jeremia, zu rufen: "Verlasst euch nicht auf trügerische Worte wie diese: Der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN ist dies!" (Jeremia 7, 4)
Es geht um genau den gleichen Tempel. Gott ist in der Lage, sich daraus wieder zu entfernen. Der steinerne Prachtbau ist es nicht, der Gottes Anwesenheit garantiert. Er war es nie und er wird es nie sein. Das Volk lebte ganz nach Lust und Laune und scherte sich nicht um den Willen Gottes für das Menschenleben, weil es ja den steinernen Tempel hatte - und damit das Angesicht des Herrn in seiner Mitte. Doch dies war ein sehr verhängnisvoller Irrtum.
Der Herr fährt fort: "Geht doch hin zu meiner Stätte in Silo, wo ich zuerst meinen Namen wohnen ließ, und seht, wie ich mit ihr verfahren bin wegen der Bosheit meines Volkes Israel. ... Und nun will ich auch mit dem Haus, das nach meinem Namen genannt ist und auf das ihr euch verlasst, und mit dem Ort, den ich euch und euren Vätern gegeben habe, so verfahren, wie ich mit Silo verfahren bin; und ich will auch euch von meinem Angesicht verwerfen, gleichwie ich alle eure Brüder, die ganze Nachkommenschaft Ephraims, verworfen habe." (Jeremia 7, 12 und 14-15)
Gott lässt sich nicht manipulieren. Der Tempel ist nur ein Menschenwerk. Er kann Gottes Angesicht nicht festhalten, wenn das Volk in Sünde und Ungerechtigkeit verharrt. Gott sagt: "Ihr seid voller Bosheit und Sünder und Ungerechtigkeit. Ich kann nicht zuhören."
Wie gehen wir damit um? Wir wollen, dass Gott kommt, unsere Sünder vergibt und unser Land heilt. Wir können uns nicht selbst ändern. Gott wird aber nicht zuhören, so wie wir nun einmal sind. Unser Lebensstil ist verkehrt, wir sind in mancherlei Beziehung sündig, also hört Gott uns nicht zu, und weil er uns nicht zuhört, vergibt er nicht unsere Sünden...
Wie brechen wir aus diesem Kreislauf aus?
Wir gehen zurück in das Neue Testament: Und das ist die Freimütigkeit, die wir ihm gegenüber haben, dass er uns hört, wenn wir seinem Willen gemäß um etwas bitten. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, um was wir auch bitten, so wissen wir, dass wir das Erbetene haben, das wir von ihm erbeten haben. (1. Johannes 5, 14-15)
Gott sagt hier: Alles! Was wir auch bitten. Wenn er zuhört - dann haben wir es! Er hört uns - und wir haben!
Und wann hört er? Wenn wir gemäß seinem Willen beten. Das bringt uns zurück zu der entscheidenden Frage: Wie sieht das aus, ganz konkret?
Das Kapitel Hesekiel 22 offenbart uns eine Menge Weisheit über das Gebet. Ich bitte euch, dieses Kapitel in Ruhe zu studieren. Jetzt wollen wir auf der Suche nach dem Willen Gottes, in dem wir beten sollen, nur kurz Vers 30 anschauen: Und ich suchte unter ihnen einen Mann, der die Mauer zumauern und vor mir in den Riss treten könnte für das Land, damit es nicht zugrunde gehe; aber ich fand keinen.
Die Mauer erfüllte damals für eine Stadt vielfältige Aufgaben. Sie war Schutz für die Bewohner; wenn die Mauer Löcher hatte oder ihre Tore nicht vorhanden waren, konnte jeder Feind ungehindert hinein und hinaus. Waren Mauer und Tore jedoch intakt, blieben die Bewohner in ihrem Schutz bewahrt. Die Wächter auf der Mauer und an den Toren entschieden darüber, wer und was in die Stadt hinein kam und was oder wer hinausging.
Eine zweite Funktion: Die Propheten, Ältesten und Richter hatten ihren Platz an der Mauer beziehungsweise am Tor. Bildlich bedeutet das für heute, dass es keinen Ort gibt, an dem Älteste das Prophetische prüfen und Richter das Gesetz des Herrn überwachen, so lange die Mauer in Trümmern liegt und die Tore nicht vorhanden sind.
Wir hören heute so viele Prophetien, die sich als falsch erweisen, die aber zunächst unwidersprochen als "Word des Herrn" verkündet werden, dass das Volk Gottes das Vertrauen in den prophetischen Dienst verloren hat oder zu verlieren droht. Jeder verkündet ungehindert, was er will, und die Wahrheit wird relativiert. Das gleiche gilt bezüglich der Richter, die sich nirgends versammeln. Das Gesetz Gottes, seine Regeln, seine Maßstäbe werden durch menschliche verändert, aufgeweicht und ersetzt. Die Weisheit Gottes fehlt, es gibt keine geistliche Autorität mehr in der Gemeinde Jesu.
Kann man das Bild der Mauer so in den geistlichen Bereich übertragen? Schau einmal in deine Bibel. Gott spricht in dem Kapitel Hesekiel 22 an keiner Stelle über eine physische Mauer, eine aus Steinen und Mörtel. Er spricht über den Standard, der für sein Volk gelten soll.
Wenn die Mauer löchrig wird oder zusammenbricht, dann wird das Volk dem Bösen ausgesetzt. Dann gibt es den notwendigen Schutz nicht mehr. Gott suchte einen Mann, der die Mauer aufbaut. Der vor ihm steht, ihn sucht und seine Aufgabe erfüllt.
Gott spricht das Land an
In Hesekiel 22 spricht Gott zu einem Land. Es ist auffällig, dass er nicht die Menschen oder einen bestimmten Menschen anspricht, sondern das Land. Auch in 2. Chronik 7, 14 lesen wir, dass er das Land heilen will. Bei meiner Suche nach Antworten war das für mich eine weitere Herausforderung. Wie kann man einem Land Heilung bringen? Und was bedeutet das für die Menschen in dem Land?
Unabhängig davon, was ein Land krank gemacht hat: Wenn das Land nicht heil ist, sind die Menschen im Land nicht heil. Wenn das Land zugrunde geht, gehen die Menschen mit ihm zugrunde.
Die Probleme entstehen mit und in den Menschen. Dämonische Kräfte wirken auf die Bewohner des Landes ein.
In Hesekiel 22 spricht Gott einige Bereiche an: Blutvergießen, Götzendienst, Prinzen des Landes, Erziehung der Kinder, Misshandlung der Ausländer und Armen und Geschäftswelt. Die Folge des Zustandes dieser Bereiche ist ein Land ohne Segen, ohne Wohlergehen.
Dann spricht er die geistliche Leiterschaft an, die keine gesunde Lehre vermittelt, sondern das Volk zur Sünde verführt. Er nennt ferner den öffentlichen Dienst und sagt schließlich, die Propheten seien Lügner. Die Menschen erfreuen sich an dem Chaos und das Land verkommt. Deshalb sucht Gott einen Mann, der die Mauer aufbaut!
Wenn dies einem Land zustößt, werden die Menschen zu Opfern. Sie mögen nicht aktiv an der Sünde beteiligt sein, aber der Zustand des Landes beeinflusst ihre Gedankenwelt. Sie entwickeln schließlich falsche Vorstellungen über Gott.
Blutvergießen gab es in meiner Heimat Uganda in erschreckender Brutalität, die Medien haben davon berichtet. Und Deutschland? Ihr mögt heute keine Massaker an Volksgruppen haben, aber aus euren Abtreibungskliniken fließen Ströme von unschuldigem Blut. Der Götzendienst in Uganda ist offensichtlich, denn es werden buchstäbliche Götzenbilder verehrt. Aber ist Deutschland frei von Götzendienst? Werden nicht Menschen zu Götzen, wenn sie als Superstars, Spitzensportler oder gefeierte Unterhaltungskünstler so verehrt werden, dass ihre Anhänger das ganze Leben nach dem Vorbild dieser Helden gestalten? Man könnte die einzelnen Punkte weiter ausführen, die in Hesekiel 22 genannt werden. Aber dies reicht wohl bereits, um deutlich zu machen, ob Deutschland krank ist und Heilung braucht oder nicht.
Wir fragen uns ja immer noch, was es heißt, im Willen Gottes zu sein. Ob wir im Willen Gottes beten oder nicht, hat etwas mit diesen Dingen zu tun.
Du bist vielleicht kein Politiker, aber deine Denkweise wird von den Politikern deines Landes beeinflusst. Die Kindererziehung in deinem Land hat viel mit deiner eigenen Zukunft zu tun. Die Geschäftswelt deines Landes hat Einfluss auf dein Verhalten und dein Leben.
All das beeinflusst genauso die Gemeinde Jesu Christi im Land. Unsere Theologie weicht von der Bibel ab. Unsere Glaubensstärke wird vermindert, weil wir uns Gott auf falsche Weise nähern. Wir haben einen anderen Gott erschaffen, als den, der sich in der Bibel offenbart.
Nun wollen wir das alles zusammenfügen und die Antwort auf die Ausgangsfrage finden. Erstens: Buße hat mit dem Gebet immer unmittelbar zu tun, denn Gott widersteht demjenigen, der nicht demütig ist. Zweitens: Viele Dinge beeinflussen unsere Gedankengebäude und Weltsicht; unsere Gesellschaft wirkt auf uns ein, ob wir wollen oder nicht. Wenn wir nicht an diesen beiden Punkten ansetzen, uns nicht im seiner Lösung beschäftigen, dann werden wir niemals im Willen Gottes sein und beten können.
Theologie in Schieflage
Dies ist eine ernste Angelegenheit. Der Mann in Bogota, der mir riet, den Glauben der Zuhörer nicht zu sehr anzufachen, war ein gottesfürchtiger Mensch. Er war nicht böse und schlecht, sondern ein ernsthafter und treuer Christ. Aber das Bild, das er von Gott hatte, war verzerrt wegen seiner Gedankenwelt, seinem Geist. Alles klang sehr logisch, sehr sauber, sehr nachvollziehbar - sogar nobel.
Aber der Gott der Bibel sieht so nicht aus. Wir haben eine Kirche, die einen Gott predigt und repräsentiert, dessen Bild von den Gedankengebäuden der Welt geprägt wird. Wir bitten Gott um dieses oder jenes, aber wir wissen gar nicht, mit wem wir zu reden versuchen. Unsere Theologie stellt den Charakter Gottes falsch dar.
Deshalb fühlen wir uns in einer sündigen Welt so wohl, während die Gemeinde vor sich hin stirbt. Vielleicht kann ein Homosexueller jetzt Priester werden und eine christliche Frau ein Kind abtreiben - aber die Gemeinde, die das zulässt, vergeht unaufhaltsam.
Und schreien wir deshalb zum Herrn der Gemeinde um Hilfe? Nein, wir akzeptieren Sünde und tolerieren Unrecht, weil unser Geist von der Welt beeinflusst wurde.
Wir sagen, dass wir Gott lieben. Wir beten, dass sein Geist kommen soll. Wenn Gott uns dann auffordert, zu fasten, rufen wir entsetzt: "Nein, ich muss ja arbeiten... ich vertrage das nicht... da werde ich ganz unkonzentriert..." - wir sind noch nicht einmal bereit, zu tun, was er sagt! Wenn Gott uns einlädt, Zeit mit ihm zu verbringen, dann finden wir ganz schnell Ausreden und Entschuldigungen. "Zu viel um die Ohren... Die Arbeit türmt sich... Ich bin doch im Dienst für den Herrn unterwegs..."
Begreifen wir überhaupt noch, wie weit die Welt unseren Geist bereits infiziert hat? Wir akzeptieren das Falsche und nennen es Wahrheit. Wir finden Gründe, warum Sünde in der Gemeinde toleriert werden sollte. Wir opfern Gott keine Zeit, weil wir zu beschäftigt sind. Aber Gott sagt: Dann werde ich hören. Dann werde ich ihre Sünden vergeben. Dann werde ich ihr Land heilen.
Es gibt Voraussetzungen.
Sünde und böse Wege mögen in der Gesellschaft akzeptabel sein. Sie mögen sogar als vorbildlich dargestellt werden. Jeder tut es. Sogar der Pastor hat gesagt: "Ist schon in Ordnung."
Wenn Gott uns in diesem Zustand erhören und tatsächlich seinen Geist ausgießen, Erweckung schenken würde - dann würde er damit unsere Bosheit, unsere Sünde bestätigen und gutheißen.
Wir können beten und flehen, so lange wir wollen. Das wird niemals geschehen!
Darum kann Gott nicht erhören. Darum kann er nicht handeln auf unser Gebet hin. Darum muss er sein Angesicht abwenden.
Er wartet. Er wartet darauf, dass wir verzweifelt genug werden, um zu fragen: "Was ist auf unserer Seite im Argen?" Er wartet, dass wir verzweifelt genug werden, um sein Angesicht zu suchen, koste es was es wolle. Er wartet auf Menschen, denen nichts anderes mehr wichtig ist, als dass das Angesicht Gottes nicht abgewendet bleiben muss.
Ich hatte ein aufschlussreiches Gespräch mit einem geistlichen Leiter in Deutschland. Er sagte mir: "Gott wirkt in Zeitspannen, wie Jahreszeiten. Die Saison für Europa ist vorüber. Wir leben in einem postchristlichen Land."
Ich antwortete: "Gott ist mit Europa noch nicht fertig."
Er meinte: "Schau dir Reinhard Bonnke an. In Afrika bekehren sich 4 Millionen Menschen. In Deutschland, beim gleichen Prediger, der gleichen Predigt, vielleicht ein paar Tausend."
Darauf musste ich ihn fragen: "Warum bist du im geistlichen Dienst, wenn du die Hoffnung für Europa aufgegeben hast?"
Auch dieser Mann hatte sich einfach damit abgefunden, dass Gott Gebet um Erweckung, um mächtiges Wirken des Heiligen Geistes, nicht mehr erhört. Wie kann jemand das Volk Gottes zum Gebet und zum Glauben an Gottes Verheißungen anleiten, wenn er gar nicht damit rechnet, dass Gott in Europa noch irgendetwas zu tun beabsichtigt?
Lasst uns zugeben, dass das Problem auf unserer Seite besteht, nicht bei Gott. Lasst uns keine Entschuldigungen und Ausreden mehr suchen. Stattdessen lasst uns zu Gott schreien in heiliger Verzweiflung: "Offenbare uns unsere bösen Wege! Zeige uns unsere Sünde! Du hast dein Angesicht verborgen - Herr, was ist los mit uns? Wo haben wir deine Wege verlassen? Hab Erbarmen! Sei gnädig! Öffne uns die Augen!"
Dann wird der Herr uns sein Angesicht zuwenden. Dann wird er aufdecken, wo unser Geist noch der Geist dieser Welt ist.
Er tut dies nicht, um zu richten und zu verderben. Im Gegenteil: Er tut es, weil er so gerne vergeben und heilen möchte. Er sehnt sich danach, uns zu vergeben, unser Land zu heilen.
Unbequeme Fragen
Das ist unbequem, ich weiß es. Aber wir können entweder unser Herz öffnen und die unbequemen Fragen Gottes zulassen, oder still dahinschwinden, den Tod der Gemeinde beobachten und es uns so bequem wie noch möglich einrichten.
Wenn du verzweifelt genug bist, um das Angesicht Gottes zu suchen, dann hast du vielleicht einen ernsthaften Einwand, den ich oft höre: "Ich verstehe das, aber mein Glaube ist zu schwach. Ich kann nicht wirklich glauben, dass Gott das alles für mich und unser Land tun würde."
Lass mich dir sagen: Es reicht ein Glaube, der so klein ist, wie ein Senfkorn. Du kannst dich nicht ändern. Du wirst dich nicht ändern. Versuche es gar nicht erst.
Es ist Gott, der dich ändert. Sein Heiliger Geist tut die Arbeit.
Alles, was Gott von dir erwartet, ist Demut. Demut heißt nichts anderes als zuzugeben, dass das Problem bei uns besteht, und nicht bei ihm. Demut heißt, dass wir es nicht mehr hinnehmen, dass unsere Gebete ohne Antwort bleiben. Dass wir die Gründe suchen und die Hindernisse beseitigen.
Wenn wir die Frage beantworten können, wieso es einen guten, treuen und gerechten Gott gibt und andererseits so viele unerhörte Gebete, dann kommen wir zu der eigentlichen, wirklich entscheidenden Frage:
Gibt es ein Ziel für mein Leben? Und was hat dieser Lebenszweck mit Europa zu tun?
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Ein Artikel von www.Glaube.de
Teil 1:
Der unzuverlässige Gott
Teil 2:
Hört Gott überhaupt zu?
Teil 3:
Das Evangelium vom Königreich
Teil 4:
Der Ruf der Stunde
Download als PDF-Datei aller vier Teile über www.gebet-fuer-berlin.de unter "Material".
Dies sind Predigtmitschriften, die aus Notizen während der Gottesdienste entstanden sind. Der Text ist entsprechend komprimiert. Die kompletten Predigten können als CD oder Kassette beim Medienladen des Christlichen Zentrum Berlin bestellt werden.
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Autor der Mitschrift: Günter J. Matthia, Redaktionsmitarbeiter Glaube.de
Weiterverwendung nur nach Rücksprache mit Glaube.de
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