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01-06-06

Diakon Werner Otto Sirch: Beharrliches Gebet

Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.
Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind und kauft die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.
(Kolosser 4, 2-6)


Es waren einmal zwei Mönche, die rauchten, das soll es ja geben, gerne einmal eine gute Zigarre. Da nun eine gute Zigarre eine ganze Weile braucht, bis sie hingebungsvoll verzehrt ist, fragte einer der beiden Mönche seinen Abt (denn die nächste Gebetszeit war nahe herbeigerückt): "Ehrwürdiger Abt, darf man beim beten rauchen?" Der Abt schaute etwas sonderbar drein, als er antwortete: "Nein, beim Beten rauchen, das tut man nicht!"
Da dachte der andere Mönch, der zugehört hatte, eine Weile nach und fragte dann"Ehrwürdiger Abt, aber beim Rauchen, darf man da beten?" Nun strahlte der Abt, als er antwortete: "Ei freilich, warum denn nicht!"
Das kluge Mönchlein hat es mit seiner Spitzfindigkeit doch geschafft, seinen Abt zu überzeugen, dass man beim Beten rauchen darf.

Wie geht es uns mit dem Gebet? Nach einer Umfrage, die 1992 durchgeführt wurde, ist das Gebet unter den Gottgläubigen keinesfalls aus der Mode gekommen. Es ist erstaunlich modern und auch unter Schülern verbreitet. Aber wie geht es uns mit dem Beten? Drängt es uns dazu, die Hände zu falten und zu Beten? Oder ist unser Beten eine lästige Pflichtübung, am Abend vor dem Einschlafen, wenn man es nicht vergißt?

Manche meinen, Beten ist doch sowieso nur Selbstgespräch, da könnte man eigentlich gleich mit der Wand reden.
"Beten ist Reden mit Gott", so sagen wir es unseren Konfirmanden und Konfirmandinnen. Beten verändert auch mich. Durch das Gebet bekomme ich einen anderen Blickwinkel und fange an, die Dinge mit anderen Augen zu sehen.
Wir können das sehr gut am Tischgebet sehen. Vor dem Essen stille zu werden und Gott danken. mit einfachen Worten oder mit Worten, die andere für uns aufgeschrieben haben: "Alle guten Gaben, alles was wir haben, kommt o Gott von dir." Beim danken für die Versorgung, die Speisen, ändert sich etwas in mir, in meiner Beziehung zum Essen und zu Gott.

Wann beten wir? Wenn wir Angst haben? Vor einer Schularbeit? Wenn wir am Ende sind und nicht mehr ein noch aus wissen? Was sind das dann für Gebete? Sind es Gebete, die etwas erwarten, die wie wirklich mit dem Eingreifen Gottes rechnen?

Es hat mich sehr nachdenklich gemacht, was ich vor einiger Zeit gelesen habe. Ich will es mit meinen Worten nacherzählen.

"Im Amerikanischen Westen war lang anhaltende Trockenheit. die Felder verdorrten. Die gesamte Ernte drohte zu verbrennen, wenn es nicht endlich Regen gibt. In ihrer Not setzten die Gemeindeältesten eine Gebetsstunde in ihrer Kirche an. Einen Bittgottesdienst, dass Gott den dringend benötigten Regen schenke möge. das ganze Dorf kam zusammen, die kleine Kirche war brechend voll, aber keiner hatte einen Regenschirm dabei."

Entweder wollten diese Menschen naß nach Hause gehen, oder sie glaubten nicht wirklich, dass ihr Gebet in Erfüllung gehen würde.

Noch eine kurze Parabel, die uns deutlich machen kann, wie es oft mit unseren Gebeten aussieht.

Ein Mann stürzte von einer Klippe in eine tiefe Schlucht. beim Absturz konnte er sich gerade noch an einem Zweig festhalten. Dort hing er über der dreihundert Meter tiefen Schlucht. Voller Angst sah er den winzigen Zweig, den riesigen Abgrund und spürte wie seine Kräfte nachließen. in seine Todesangst schrie er zu Gott. " Gott, wenn es dich gibt, rette mich und ich will an dich glauben!" Nach einer Weile hörte er eine mächtige Stimme durch die Schlucht dröhnen:" Das sagen alle Menschen, wenn sie in großer Not sind." "Nein, Gott, rief der Mann. " ich bin nicht wie die anderen, ich will wirklich an dich glauben, hilf mir doch bitte!" "Gut, ich werde dich retten", ertönte die Stimme, " laß den Zweig los, ich werde dich auffangen und bewahren!" " Den Zweig loslassen? Bin ich verrückt?" schrie der verzweifelte Mann.

Ja, es mag manchmal verrückt sein, wenn wir unsere Verzweiflung, unsere Angst und unsere Not vor Gott bringen. Lieber machen wir das selbst, suchen unsere eigenen Auswege, vertrauen ganz auf uns, auf unsere Kraft und auf unseren Verstand. Und doch fühlen wir, dass wir mit unseren eigenen Möglichkeiten, mit unserer eigenen Kraft, mit unserer eigenen Weisheit schnell am Ende sind. Unsere Verzweiflung macht uns zu Suchenden. Wir suchen und wissen nicht wen wir suchen. Wohl dem, der mit Gott eine innige Beziehung auch in guten Tagen hat. Wohl dem, der gelernt hat Gott in guten Tagen zu danken und mit ihm sein Leben zu besprechen.

Viele beten für Menschen die ihnen wichtig sind. Das sind die häufigsten Gebete. Beten ist also nicht nur eine Privatsache. Es ist gut, dass wir die Namen anderer vor Gottes Thron aussprechen. Aber in diesen Gebeten für andere sagen wir Gott oft haarklein, was er mit diesen Menschen tun soll, wie er ihr Problem lösen soll, Wie soll Gott solche Gebete erhören?

Er ist doch der, der die Möglichkeiten und Wege hat, die wir nicht kennen, an die wir nicht denken, Möglichkeiten, die wirklich zum Ziel führen.

An zweiter Stelle stehen die Gebete, die mit unseren eigenen Ängsten und Hoffnungen zu tun haben. Es sind die Gebete, aus denen wir Trost und Halt erwarten. Aber auch Gebete, die in höchster Not gesprochen werden.

Paulus sagt, dass es zum Wesen der christlichen Gemeinde gehört, dass sie betet. er macht uns Mut zum Beten. Es soll ein beständiges und dauerhaftes Gebet der ganzen Gemeinde sein und sie soll darin nicht nachlassen. Dieses beharrliche Beten ist für ihn ein ganz besonderer Hinweis dafür, dass die Gemeinde wachsam ist. Sie sieht, was in ihr vorgeht, nimmt wahr wo Not ist, freut sich wo es Grund zur Freude gibt. Diese Wachsamkeit der Gemeinde hat ihre Wurzel in der Dankbarkeit. Denn eine wache Gemeinde nimmt Gottes Handeln in allen Dingen wahr und das wiederum führt sie zur Dankbarkeit in allen Dingen. Dankbarkeit für die Errettung aus der Macht der Finsternis in das Reich seines Sohnes, weil durch ihn die Erlösung und Sündenvergebung geschehen ist. Dankbarkeit, weil Gott an und in dieser Gemeinde wirkt.

Wir haben so viel Grund zur Dankbarkeit gegenüber Gott. Ich möchte nur einen Punkt herausgreifen: zur Zeit erleben wir eine Welle von Kircheneintritten in unsere Gemeinde. Das ist doch Grund dankbar zu sein, für jeden einzelnen Menschen, der kommt und in unserer Gemeinde Heimat sucht.

Leider haben wir oft ein so furchtbar kurzes Gedächtnis und vergessen, was Gott uns Gutes tut. Oft nehmen wir es nicht wahr oder es ist selbstverständlich für uns geworden.

Die Wachsamkeit der Gemeinde hat den Blick auf Zukünftiges gerichtet."Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!" sagt uns Jesus. Es ist eine Warnung an uns, nicht nachzulassen im konkreten Gebet und in konkreter Lebensführung. Beides ist ja Ausdruck einer umfassenden Lebenshaltung. "Christen beten."

Karl Barth hat einmal treffend gesagt:"Hände falten im Gebet ist der Anfang des Aufstandes gegen die Unordnung der Welt."

Und wir Christen müssen aufstehen gegen das was täglich unsere Zeitungen füllt und Inhalt unserer Nachrichtensendungen ist: Mord, Terror, Ungerechtigkeit, Elend, Not. Wir Christen müssen mit unseren Gebeten aufstehen gegen Gleichgültigkeit und Egoismus, gegen Missbrauch und Gewalt.

Beharrliches Gebet, wie Paulus es versteht, meint nicht lähmende eingeübte Litanei, die gleiches immer wiederholt. Sondern beharrliches Gebet hat mit dem gesamten Leben des Christen zu tun. Beharrliches Gebet ist eine Lebenshaltung. In ihm finden sich sowohl die Dinge des alltäglichen Lebens, als auch Mut und die Kraft, geduldig im Gebet zu warten, bis uns Gott die Türen zum Gespräch zur rechten Zeit auftut. Dann sind die Türen offen, anderen Christus zu zeigen und nahe zu bringen.

Frere Roger, der vor einem Jahr ermordete Prior aus Taize sagt zum Gebet, und damit möchte ich diese Predigt schließen: "Das Gebet ist Kampf und Hingabe zugleich. Es ist auch Warten, Warten darauf, dass sich ein Durchgang zeigt. Warten darauf, dass die mauern der inneren Wiederstände zusammenfällt. Das Gebet ist immer armselig, denn es wird von uns, unnützen Knechten bis zum Schluss gelebt. Immer wird es den Menschen überschreiten. Worte sind unfähig es zu beschreiben. Nach und nach entdeckt der Mensch, dass er dafür geschaffen ist, von einem anderen als von sich selbst bewohnt zu sein Wenn er auf das hört, was im innersten seines Herzens vor sich geht, wird er seiner Einmaligkeit gewahr. In seinem armseligen Gebet bis in die Tiefen seiner Wurzeln angerührt, wird er ein anderer für die anderen.
Amen

Entnommen aus:

1 Gerhard Zinn - Anekdote aus der Welt des Klosters - WLP 3/2006 Seite 117 Bergmöser + Holler Verlag
2 "Die neuen Gesichter Gottes. Was Menschen heute wirklich glauben" Umfrage 1992 CPh Reihe IV/1 Seite 238
3 H. Buhr, Glauben heute, hrgg. von G. Otto, Hamburg, 1965, 237
4 Bin ich verrückt? Axel Kühner, Hoffen wir das Beste Seite 34 - Aussat Verlag
5 Axel Kühner - Zuversicht für jeden Tag - Seite 134 - Aussat Verlag
6 CPc Reihe IV/1 245
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Ein Artikel von www.Glaube.de.
Autor: Diakon Werner Otto Sirch
Textbearbeitung: Johanna Nielsen, Redaktionsmitarbeiterin bei Glaube.de
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