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02-04-07

G.J.Matthia: Zwischen den Zeiten 15 - In der Räuberhöhle?

?stealing money from the sick and poor.
The God I believe in isn?t short of cash, Mister!
(Bono über einen Evangelisten, der im Fernsehen um Spenden bettelt.)


Manche Zuschriften von Leserinnen und Lesern über die letzten Monate hinweg zeigen mir, dass dieser Hinweis notwendig ist: Dies ist eine Serie von Artikeln. Ich kann und werde nicht in jedem Kapitel die Grundlagen wiederholen, die bereits gelegt wurden. Der Link zur Übersicht steht am ende jedes einzelnen Kapitels. Bitte, liebe Leserin und lieber Leser, überfliege wenigstens die vorigen Kapitel, wenn diese Dir unbekannt sind. Sonst kriegst Du dieses oder jenes in den falschen Hals. Garantiert!
Zum Beispiel:
Ich habe schon im vierten Kapitel dieser Serie berichtet, wie Gott uns als Familie eine drückende Schuldenlast, die wir auch in vielen Jahren kaum hätten abtragen können, von den Schultern genommen hat. Meine Erfahrung bestätigt mir, dass je mehr ich spende und in die Gemeinde gebe, der Segen um so reichlicher zurückfließt. Ich gebe gerne den Zehnten und darüber hinaus. Das habe ich getan, als wir nicht wussten, wie wir die nächste Miete bezahlen sollten und das tue ich auch jetzt, wo wir unser Auskommen haben.
Ich schreibe das nicht, um mich damit zu brüsten, sondern weil mich nach der Veröffentlichung von Kapitel 13 eine exemplarische Zuschrift erreicht habt, ob ich etwa gegen den Zehnten sei. Nein. Ich bin nicht dagegen. Ich praktiziere ihn.
Aber ich habe etwas dagegen, Gottes Wort so lange umzudeuten und herumzudrehen, bis es endlich zu unseren Zielen passt. Ich habe etwas dagegen, dass auf Gläubige Druck ausgeübt wird nach dem Motto: "Wenn du jetzt nicht spendest, hat Gott dich nicht lieb." Oder wie soll ein Zuhörer es verstehen, wenn der Satz vom fröhlichen Geber bei der Opfersammlung zitiert wird? Vielleicht ist es als Ermutigung und Lob gemeint, aber oft kommt es wie ein Vorwurf beim Zuhörer an...

Der Zehnte ist kein göttliches Gebot. Nirgends im Neuen Testament werden wir aufgefordert, zehn Prozent unseres Einkommens zu spenden. Paulus schrieb an die Gemeinde in Korinth: "Wir tun euch aber, Brüder, die Gnade Gottes kund, die in den Gemeinden Mazedoniens gegeben worden ist, dass bei großer Bewährung in Bedrängnis sich der Überschwang ihrer Freude und ihre tiefe Armut als überreich erwiesen haben in dem Reichtum ihrer Freigebigkeit. Denn nach Vermögen, ich bezeuge es, und über Vermögen waren sie aus eigenem Antrieb willig und baten uns mit vielem Zureden um die Gnade und die Beteiligung am Dienst für die Heiligen." Offenbar war die Gemeinde in Jerusalem in finanzieller Not. Allerdings nicht etwa wegen eines Bauprojektes oder wegen der Gehälter ihrer Angestellten, sondern es gab, wie er an die Römer schrieb, wohl besonders viele Bedürftige - Hartz-4-Empfänger würde man heute sagen. "Denn es hat Mazedonien und Achaja wohlgefallen, eine Beisteuer zu leisten für die Bedürftigen unter den Heiligen, die in Jerusalem sind."
Es ging eindeutig nicht um den Zehnten, sondern die Gläubigen "beschlossen aber, dass, je nach dem wie einer der Jünger begütert war, jeder von ihnen zur Hilfeleistung den Brüdern, die in Judäa wohnten, etwas senden sollte."
Paulus schrieb sehr deutlich, dass es bei seinen Ausführungen zur Geldsammlung nicht um göttliche Gesetze, sondern um seine persönliche Meinung ging: "Und ich gebe hierin eine Meinung ab; denn das ist euch nützlich, die ihr nicht allein das Tun, sondern auch das Wollen vorher angefangen habt - seit vorigem Jahr." Er nannte jedoch einige Sätze später auch das göttliche Prinzip: "Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten." Und daran schließt er jenen Satz an, dessen Schluss bei der Opfersammlung so gerne zitiert wird: "Jeder gebe, wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat: nicht mit Verdruss oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber liebt Gott."

Ich bekam kürzlich eine personalisierte Massenmail, von einem amerikanischen Evangelisten, die wie folgt lautete: Lieber Günter, in Jesaja 6,8 hörte der Prophet Jesaja die Stimme des Herrn sagen: "Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen?" Da antwortete Jesaja: "Hier bin ich, sende mich!" Der Prophet Jesaja gehorchte der Stimme Gottes in jenen Tagen und erfüllte den Willen Gottes.
Vor vielen Jahren hörte auch ich den Herrn fragen: "Wirst du gehen?" Und ich antwortete: "Ja." Ich war erst 21 Jahre alt und fing an, das Evangelium zu predigen, obwohl ich so wenig vom Wirken des Heiligen Geistes wusste. Heute, 33 Jahre danach, ruft ich immer noch: "Herr, sende mich. Ich werde überall hingehen. Sende Du mich!"

Das fand ich alles noch sehr gut. Anschließend schildert der Absender, dass er von etlichen Botschaftern eingeladen wurde, in den Ländern der arabischen Welt zu predigen. Er nennt Ägypten und Kuwait, spricht von offenen Türen in mehreren weiteren Ländern auch in Afrika, Südamerika und China. Dann fährt er fort: Das geschieht, weil die Zeit knapp wird. Die Zeit wird wirklich knapp, weil der Herr in seinem Wort erklärt hat, dass er in den letzten Tagen zügig wirken wird. Die schnelle Arbeit hat begonnen! Leider schlafen manche Menschen noch und bemerken nicht, dass der Herr sich rasend schnell bewegt, um zu jenem herrlichen letzten Tag zu gelangen, an dem das Evangelium jede einzelne Seele auf diesem Planeten erreicht hat.
Du hast Anteil an diesem großartigen Werk! Jedes Mal, wenn Du spendest, bist du ein Teil dessen, was Gott tut. Jedes Mal, wenn du einen Samen säst, bist du Teil davon.
Er erläutert dann, dass meine Saat ihn in die Lage versetzen wird, in die Teile der Welt zu reisen, die er noch nicht besucht hat und verspricht: Ich habe gesehen, immer wieder, dass Gott seinen finanziellen Segen auf unsere kostbaren Partner ausgießt. Ich weiß, dass dies noch viel mehr der Fall sein wird in den kommenden herrlichen Tagen. Wenn Du jetzt deinen Samen säst, bete ich, dass der Herr selbst dich belohnt, mächtige Segnungen vom Himmel auf dich regnen lässt, mit großem Überfluss aus der Höhe. Ich bete, dass er all deinen Nöten begegnet und alle Träume und Wünsche deines Herzens erfüllt.
Er fährt noch ein paar Sätze damit fort, dass der jetzt gesäte Same eine Wirkung für die Ewigkeit haben wird, und dass übernatürliche Belohnung auf diejenigen wartet, die jetzt ihre besten Saaten ausstreuen.
Dann wird er ganz deutlich: Denke an die Verheißung, die in Psalm 37, 25 gegeben wird: "Ich war jung und bin auch alt geworden, doch nie sah ich einen Gerechten verlassen, noch seine Nachkommen um Brot betteln." Wenn du jetzt deinen Samen ausstreust, garantierst du deine gesicherte Zukunft! Wenn du jetzt säst, garantierst du deinen Kindern eine Zukunft mit dem Segen aus der Höhe!
Er zitiert noch für diejenigen, die nun Geld überweisen, Epheser 3, 20-21: Dem aber, der über alles hinaus zu tun vermag, über die Maßen mehr, als wir erbitten oder erdenken, gemäß der Kraft, die in uns wirkt, ihm sei die Herrlichkeit in der Gemeinde und in Christus Jesus auf alle Geschlechter hin von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Dann schließt er mit den Worten: Prophetische Türen gehen jetzt auf. Wir müssen jetzt Entscheidungen bezüglich dieser offenen Türen treffen. Wirst du uns heute beistehen? Wirst du jetzt deine großzügigste Gabe senden?

Wenn Gott eine prophetische Tür öffnet, heißt das dann, dass man hindurchgeht oder heißt das, dass man sich erst das Geld besorgt und dann entscheidet, ob man gehen will? "Siehe, ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand schließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet." Eine kleine Kraft, eine geöffnete Tür. Und los geht es.
"Haltet fest am Gebet, und wacht darin mit Danksagung; und betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür des Wortes öffne, das Geheimnis des Christus zu reden, dessentwegen ich auch gebunden bin, damit ich es kundmache, wie ich reden soll" schrieb Paulus aus dem Gefängnis. Er machte die geöffnete Tür nicht davon abhängig, ob er aus der Gefangenschaft freikommen und eine gefüllte Reisekasse haben würde.
Der Gemeinde in Korinth berichtete er, dass er auch schon mal eine geöffnete Tür für weniger wichtig hielt als Frieden in seinem Geist: "Als ich aber zur Verkündigung des Evangeliums Christi nach Troas kam und mir eine Tür geöffnet wurde im Herrn, hatte ich keine Ruhe in meinem Geist, weil ich Titus, meinen Bruder, nicht fand, sondern ich nahm Abschied von ihnen und zog fort nach Mazedonien."
Eine geöffnete Tür für Paulus hieß nicht, dass alles in Butter sein musste: "Ich werde aber bis Pfingsten in Ephesus bleiben, denn eine große und wirksame Tür ist mir geöffnet worden, und der Widersacher sind viele."

Selbstverständlich kosten Evangelisationen Geld. Je größer, je weiter, desto teurer. Reisekosten, Unterbringung, Miete für die Veranstaltungen, Technik... das gibt es nicht umsonst. Die Gläubigen um Unterstützung zu bitten ist legitim, wenngleich Paulus lieber arbeitete oder Mangel litt, als die Gemeinden um Unterstützung für sich selbst zu bitten. Er hat aber andererseits zur Sammlung für die notleidende Gemeinde in Jerusalem aufgerufen. Also die Bitte um Geld ist nicht grundsätzlich falsch.

Ich bin auch kein Gegner von evangelistischen Veranstaltungen im großen Rahmen, schließlich hat das Wort Gottes mein Teenager-Herz in einer großen Halle im schwäbischen Böblingen erreicht, in der David Wilkerson vor Tausenden sprach - einer davon ich. Ich habe selbst bei Massenveranstaltungen mitgearbeitet und erlebt, wie viele Seelen da angesprochen und errettet werden können - darunter auch eine mehrtägige Evangelisation mit dem oben zitierten amerikanischen Geldsammler.
Nur beschleicht mich manchmal ein ungutes Gefühl, wenn ich solche Briefe wie den oben zitierten lese. Da ist die Rede davon, dass Gott mich, wenn ich nun eine große Summe überweise, mit Finanzen überschütten wird. Warum überschüttet er nicht den Evangelisten direkt?
Weil er die Mitarbeit des Einzelnen an seinem Werk will; weil er durch Menschen wirkt, ist die oft gehörte Antwort. Das Prinzip findet sich durch die ganze Heilige Schrift: Gibt, und du wirst empfangen. Streue Saat aus, und du wirst ernten. Der Umkehrschluss ist genauso im Wort Gottes zu finden: Du hast keine reiche Ernte, weil du so spärlich säst, wenn überhaupt.
Man könnte nun fragen, ob womöglich der Evangelist knauserig ist, da er sich und seinen Dienst ja offenbar in Geldnöten sieht. Nun, das vermag niemand zu beurteilen als er selbst.

Ich gebe gerne und reichlich und ernte mehr, als ich gebe. Das göttliche Prinzip funktioniert, weil es eben göttlich ist. Ich kenne Menschen, die jammern, sie könnten den Zehnten nicht geben, weil sie so wenig Geld hätten. Ich meine, dass es andersrum ist: Mancher hat zu wenig, weil er nichts gibt.
Also wird mich und meine Kinder Gott doch mit Reichtum überschütten, wenn ich jenem amerikanischen Briefschreiber Tausend Euro überweise? Ich werde es nicht ausprobieren, denn es ist schlicht und einfach falsch, aus dem Prinzip von Saat und Ernte ein Erfolgsrezept für materiellen Überfluss zu machen. Vielleicht ist es typisch amerikanisch, aber es gefällt mir nicht. Die Bibel zeigt mir ein anderes Bild vom Evangelisten: Paulus, der zweifellos ein berufener Apostel Jesu Christi war, kannte beides, Überfluss und Hunger. Hat er sich in Zeiten des Hungers aus seinem Auftrag, das Evangelium zu verkünden, zurückgezogen? Ich lese darüber nichts in der Bibel. Die arme Witwe, die Jesus beobachtete, war keine reiche Witwe, obwohl sie treu ihr Opfer zu geben pflegte. Jesus lobte sie, weil sie trotz ihres Mangels gab. Er sagte nicht: "Und morgen wird sie ein Goldstück unter ihrem Kopfkissen finden."
Wenn wir Notleidende in unseren Reihen haben, dann sind wir gefragt. Im Buch Maleachi, das so gerne im Zusammenhang mit dem Zehnten zitiert wird, finden wir diesen Satz: "Und ich werde an euch herantreten zum Gericht und werde ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer und gegen die Ehebrecher und gegen die falsch Schwörenden und gegen solche, die den Lohn des Tagelöhners drücken, die Witwe und die Waise unterdrücken und den Fremden wegdrängen und die mich nicht fürchten, spricht der HERR der Heerscharen." Zauberer und Ehebrecher? Pfui! Falsch Schwörende? Jawohl, die soll der Herr bestrafen. Niedriglöhne, unterdrückte Witwen und Waisen, Ausländer? Nun ja, das muss man ja auch mal von der anderen Seite betrachten... Wer merkt noch, wie sehr wir das Wort Gottes filtern, damit es zu unseren Ansichten und Absichten passt?

In der Offenbarung ist die Rede von einer Gemeinde, die finanziellen Mangel kannte: "Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut - du bist aber reich", schrieb Johannes für die Gemeinde in Smyrna auf. Bedrängt und arm. Und doch reich in den Augen Gottes. Ein paar Sätze später sprach er eine Gemeinde an, die offenbar keinen finanziellen Engpass kannte: "Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts, und nicht weißt, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und bloß bist, rate ich dir, von mir im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, damit du reich wirst; und weiße Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du siehst." Gott bietet einen Handel, ein Geschäft an: Kauft etwas bei mir, bezahlt dafür, damit ihr reich werdet. Aber der Reichtum, den Gott meint, ist ein anderer als der, den wir darunter verstehen wollen.

Ich bin überzeugt, dass Gott denjenigen, der wenig zu geben vermag, nicht weniger liebt als denjenigen, der große Summen spendet. Es ist nicht verkehrt, wenn auf den Geldbedarf einer Gemeinde oder einer Person hingewiesen wird. Nichts anderes hat Paulus getan, als er so ausführlich an die Korinther schrieb. Wir sollten nicht knauserig sein, aber darauf achten, dass wir als Gemeinde nicht zur Räuberhöhle verkommen. Gibt es Bedürftige in unserer Mitte? Dann helfen diejenigen, die keinen Mangel haben. Das ist das Modell der Gemeinde, die wir im Neuen Testament sehen. Und wenn Gott eine Tür für jemanden öffnet, Evangelist oder Otto Normalverbraucher, dann geht es zuerst darum, durch diese Tür zu gehen, nicht darum, die Finanzierung zu sichern.

Nichts ist schändlich daran, reich zu sein, solange das Herz die richtige Einstellung hat. Oft genug in der Bibel zeigt sich die Gunst Gottes auch durch materiellen Überfluss.
Nichts ist schändlich daran, arm zu sein, solange das Herz die richtige Einstellung hat. Das hat Jesus am Beispiel der armen Witwe deutlich gemacht.

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Zitierte Bibelstellen: 2. Korinther 8, 1-4 // Römer 15, 26 // 2. Korinther 9, 1 // 2. Korinther 8, 10 // 2. Korinther 9, 6 // 2. Kointher 9, 7 // Offenbarung 3, 8 // Kolosser 4, 2-4 // 2. Korinther 2, 12-13 // 1. Korinther 16, 8-9 // Philipper 4, 12 // Markus 12, 43 // Maleachi 3, 5 // Offenbarung 2, 9 // Offenbarung 3, 17-18

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Diesen Artikal kann unter Umständen nicht verstehen, wer die vorangegeangenen Kapitel nicht gelesen hat. Hier geht es zur Übersicht: Zwischen den Zeiten
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Ein Artikel von Glaube.de
Autor: Günter J. Matthia, Redaktionsmitarbeiter
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