Tina Wasita: Das "stille Kämmerlein" oder gemeinsames Gebet - ein Widerspruch?

Bevor wir diese Frage beantworten können, sollten wir erst einmal darüber nachdenken, in welchem Zusammenhang Jesus uns auffordert, "im stillen Kämmerlein" zu beten: "Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten." (Matthäus 6,5-6)
Warum fordert uns Jesus auf, im "stillen Kämmerlein" zu beten? Denken wir doch einmal darüber nach:
Jesus kennt uns genau. Er weiß, dass wir oft versucht sind, uns vor anderen Mitmenschen besonders vorteilhaft darzustellen. Wir überlegen, wie wir innerhalb der Gemeinde oder in der Gebetsgemeinschaft unsere Anliegen formulieren. Für die Ohren unserer Mitbeter soll es schließlich ein Genuss sein, unsere wohlüberlegten und gut formulierten Gebete zu hören. Schließlich sind wir ja nicht irgend jemand! Wir meinen vielleicht, aufgrund unserer gesellschaftlichen Stellung oder langjährigen Glaubenserfahrung besser zu sein als jemand, der gerade am Existenzminimum lebt oder erst kurze Zeit zur Gemeinde gehört. Vielleicht schauen wir ganz unbewußt stolz auf jemanden herab, der seine Bitten in aller Einfachheit und Schlichtheit vor Gott bringt.
Genau davor warnt Jesus. In den oben zitierten Versen nennt er diese Menschen Heuchler, weil sie auf Ruhm und Ehre von Menschen aus sind. Erkennen wir uns darin wieder? Ich denke, so ganz abwegig ist dieser Gedanke nicht. Deshalb sagt uns Jesus, wir sollen im "stillen Kämmerlein" beten, weil wir dort wirklich ehrlich sind. Wenn wir alleine sind, stehen wir unter keinem Druck und Zwang, irgend etwas beschönigen zu wollen oder unsere Anliegen in wohlklingende Worte zu kleiden. Da sind wir einfach wir selbst und beten so, wie uns zumute ist. Jesus liebt Ehrlichkeit. Er weiß genau, dass wir leichter ehrlich vor Gott und uns selbst sein können, wenn wir alleine beten.
Ein besonderer Segen liegt jedoch auch auf Gebetstreffen und Gebetsveranstaltungen. Diese dienen ja meist der Fürbitte, Christen beten gemeinsam für besondere Anliegen unterschiedlichster Herkunft. Wenn wir uns den Vers "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen:" (Matthäus 18,20) ansehen, erkennen wir, welche Verheißung auf dem gemeinsamen Gebet liegt.
Jesus sagt uns ganz konkret seine Gegenwart und die Erhörung unserer Gebete zu, wenn wir in Seinem Namen zusammen beten. Jesus hat uns seinen Heiligen Geist versprochen. Wenn wir selbst nicht mehr wissen, wie und was wir beten sollen, tritt er für uns als Fürsprecher vor Gott ein.
Ich habe es schon oft erlebt, sowohl im "stillen Kämmerlein" als auch in Gebetsversammlungen, dass ich plötzlich für Anliegen gebetet habe, die ich mir vorher nicht überlegt hatte. Wenn wir uns also ganz der Führung des Heiligen Geistes - auch im Gebet - hingeben, werden wir staunen, was sich dadurch alles bewegt.
Als Fazit kann ich nur sagen, dass das Gebet im stillen Kämmerlein nicht gegen Gebetstreffen oder Gebetsversammlungen spricht, da auf beiden eine besondere Verheißung liegt. Zum einen für uns persönlich und andererseits für die Anliegen unserer Mitmenschen und weltweit.
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Ein Artikel von www.glaube.de
Eingereicht von Tin@, Mitarbeiterin im Glaube.de-Chat
Textbearbeitung: Redaktion Glaube.de
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