Pastor Wolfgang Wegert: Wer wässert, wird bewässert

Predigt aus der Arche in Hamburg von Pastor Wolfgang Wegert.
Predigttext: "Einer teilt aus und wird doch reicher; ein anderer spart mehr, als recht ist, und wird nur ärmer. Eine segnende Seele wird gesättigt, und wer andere tränkt, wird selbst erquickt." (Sprüche 11,24-25)
Wir wollen uns auf den letzten Satz konzentrieren. Luther übersetzt ihn so: "Wer reichlich tränkt, der wird auch getränkt werden." So und ähnlich kann man es in den meisten deutschen Bibelübersetzungen lesen. Aber der hebräische Begriff "ravah", den Luther mit "tränken" übersetzt, kann auch "bewässern" oder "durchnässen" heißen. Es ist interessant, daß die meisten englischen Übersetzungen so übersetzen: "And he who waters, will be watered." Das heißt: "Wer wässert, der wird bewässert." Egal wie man es übersetzt, es ist eine Bestätigung der ersten Aussage von Vers 24: "Einer teilt aus und wird doch reicher", also er gibt und wird reicher, "der andere spart mehr, als recht ist, und wird nur ärmer." Ein aktueller Werbeslogan lautet bekanntlich: "Geiz ist geil." Damit stellt die Welt das biblische Prinzip, wie wir es in unserem Bibeltext finden, genau auf den Kopf. Die Menschen meinen, sie könnten durch Geiz, also übertriebene Sparsamkeit, einen Vorteil gewinnen, ja dadurch sogar reich werden. Aber das ist der biblischen Botschaft genau entgegengesetzt. Die Bibel sagt: Freigebigkeit ist etwas Gutes, ist etwas Reichmachendes, ist etwas Wohltuendes - und Geiz nicht. Auch in Vers 25a finden wir diesen Gedanken noch einmal bestätigt: "Eine segnende Seele wird gesättigt," und dann folgt unser Text: "und wer andere tränkt, wird selbst erquickt." "Wer wässert, der wird gewässert."
Ich möchte ein paar bestätigende Texte aus der Bibel hinzunehmen, um dieses Prinzip zu erläutern. Schon im Alten Testament gibt es viele solcher Bibelstellen, wie z. B.: "Laß dein Brot über das Wasser fahren, so wirst du es finden nach vielen Jahren" (Prediger 11,1). Es ist keine mathematische Regel, es ist keine Formel, wie manche das meinen: "Gib zehn Euro in die Kollekte, dann bekommst Du hundert Euro zurück, gleich am Montag" - ich überzeichne etwas, um deutlich zu machen. So funktioniert die Botanik nicht. Es kann sein, daß es auch mal Jahre gibt, in denen du gut gesät und gut ausgestreut hattest und die Ernte doch bescheiden ausfiel. Wenn man diese Verheißung Gottes präzise mathematisch verstehen will, braucht man sich nicht zu wundern, daß sich das nicht immer 1:1 umsetzen läßt. Daran merken wir, wie wichtig es ist, die Bibel richtig in ihrem Zusammenhang zu sehen. Und da heißt es: "Wer sein Brot übers Wasser fahren läßt, der wird es wiederbekommen" - wann? - "... nach vielen Jahren", nicht gleich am Montag. Es kann also sein, daß es auch mal eine Zeit dauert. Und zwischen Saat und Ernte vergeht sowieso eine längere Zeit, manchmal ein ganzer Winter.
Aber deswegen ist dennoch wahr, was die Bibel uns sagt, so z.B. Jesus in Lukas 6,38: "Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben." Und in der Bergpredigt sagt unser hochgelobter Herr: "Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren" (Matthäus 5,7). Paulus schreibt in seinem bekannten Spendenaufruf für die Armen in 2. Korinther 9,6: "Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten, und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen."
I. Wer sein eigenes Glück suchen will, der suche das Glück des anderen. Das also ist das biblische Prinzip. Die sicherste Straße zu unserem eigenen Vorteil ist die, das Gute für unseren Nächsten zu suchen. Dieses biblische Prinzip ist ein Schlag gegen die heutige Philosophie der sogenannten Selbstliebe. Bis hinein in christliche Predigten wird das heute propagiert. Man übernimmt die Denkweisen weltlicher Psychologie und meint: "Zuerst mußt Du lernen, Dich selbst anzunehmen und Dich selbst zu lieben. Und erst von dieser Dir dann selbst geschaffenen Plattform der gesunden Selbstliebe aus bist Du in der Lage, den anderen zu lieben." Aber das stellt das, was die Bibel sagt, auf den Kopf. Denn dort lesen wir: "Liebe Gott und liebe Deinen Nächsten. Und indem Du die Liebe zu Gott und Deinem Nächsten einübst, tust Du Dir selbst etwas Gutes." Sehen wir den Unterschied zwischen Welt und Evangelium?
Es gibt in der Bibel kein Gebot zur Selbstliebe, nirgendwo. Es gibt nur das Gebot der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten. Viele meinen, die Worte Jesu "Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst" seien drei Liebesgebote. Sie sagen, Jesus hätte mit dieser Aussage auch behauptet, man solle sich selber lieben. Hat Er das? Nein, das interpretiert man hinein und widerspricht damit sogar buchstäblich dem, was Jesus ausdrücklich sagt: "... In diesen zwei" - sagt Er buchstäblich! - "Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten" (Matthäus 22,40). Er sagt einfach: "Die Liebe zum Nächsten soll so gestaltet sein, wie Du von Natur aus Dich selbst sowieso üppig mit Liebe bedeckst." Aber zu sagen, das wäre ein Gebot zur Selbstliebe, ist eine Lüge. Jesus sagt: "In diesen beiden Geboten" - das reicht aus. Liebe Gott und liebe deinen Nächsten. Darin besteht das ganze Gesetz.
Jemand betreibt im Reiche Gottes Raubbau mit seinem Körper. Ich kenne einige solcher Leute, bisweilen habe ich das selber auch manchmal gemacht. Sie setzen sich Tag und Nacht ein, auf Kosten von Ehe und Kindern und Beruf und Finanzen. Am Ende haben sie sich völlig aufgerieben, leiden am Burn-out-Syndrom - Nervenzusammenbruch aus Liebe zu Jesus. Dann kommt jemand und sagt: "Du mußt auch mal an Dich selber denken!" Was haltet ihr von diesem Satz? Ist es richtig, so zu raten? In gewisser Weise: Ja. Ich sage so etwas auch mal zu meiner Frau. In unserer natürlichen Sprache ist es nicht verboten, so zu reden. Jesus sagte auch einmal: "Geht und ruhet ein wenig" (Markus 6,31).
Wenn wir der Sache aber tiefer auf den Grund gehen, wie sieht es dann aus? Ist Hilfe und Heilung für jemanden, der sich im Reiche Gottes oder wo auch immer körperlich und nervlich überfordert und kaputt macht, wirklich darin zu finden, daß man ihm sagt: "Denk auch mal an Dich selber"? Da sage ich klar: "Nein." Ich will das gern anhand der Heiligen Schrift erklären. Meines Erachtens muß er gar nicht an sich selber denken, er braucht nur an Gott und an seinen Nächsten zu denken. Dann wird sich seine Lebensweise auf ganz natürliche Weise und nahezu automatisch normalisieren. Denn unser Leib ist doch ein Tempel Gottes (1. Korinther 3,16), oder nicht? Wer also Raubbau an sich selber treibt, betreibt Raubbau an fremdem Eigentum! Der zerstört Gottes Wohnung. Die Antwort heißt: Denke an Gott, dann hörst du mit deinem selbstzerstörerischen Lebensstil auf. Du lebst nur deshalb so selbstzerstörerisch, weil du vergessen hast, daß du selbst und damit auch dein Leib dir gar nicht selbst gehört.
Du hast nur ein Leben als Leihgabe. Wenn du daran denkst, wenn dir bewußt ist, daß es nur geliehen ist, wirst du anständig damit umgehen. Insofern hat Jesus recht, wenn Er nicht zur Selbstliebe und Selbstfürsorge aufruft, sondern wenn Er einfach sagt: "Liebe Gott! Denke an Gott!" Denn wenn du weißt, daß Er der Herr über dein Leben und Er der Eigentümer ist, dann wirst du auch alsbald zu der Überzeugung kommen, daß du mit Seinem Eigentum und mit der Wohnung, in der der Heilige Geist wohnt, auch angemessen umgehen mußt. Dann ergibt es sich von ganz alleine, daß du auch Ruhezeiten hast, Erholungszeiten, Urlaub, Schlaf, Essen, Trinken, alles mit Maßen, daß du dich gesund erhältst und daß du ein wunderbares, ausgewogenes Leben führst, das zwischen Arbeit, Einsatz, Opferbereitschaft, Ruhe und Erholung liegt. Der Schlüssel liegt nicht darin, dich selbst zu suchen, sondern der Schlüssel, um dahin zu kommen, ist: Denke an Gott. Die weltliche Psychologie hat den Gottesbezug nicht. Deswegen muß sie Heilung darin suchen, den Menschen zu lehren, sich auf sich selbst zu beziehen. Aber das bedeutet nach der Überzeugung der Heiligen Schrift Selbstzerstörung.
Das gleiche gilt auch in bezug auf das zweite Gebot. Wenn du so selbstzerstörend lebst, kann man ebenso sagen: Denke an deinen Nächsten, z.B. an deine Frau. Wenn du ein Workoholic, also ein arbeitswütiger Mensch bist, dessen Religion und Glaube Arbeit ist, dann kann ich dir nur sagen: "Bruder, Schwester, denke nicht an dich, sondern denke mal an deine Frau, denke an deine Kinder." Paulus schreibt dazu: "Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst" (Epheser 5,28). Liebe deine Frau, denke an deine Frau - dann tust du dir selber etwas Gutes. So dürfen wir sagen: Wenn du dir selber Wohltaten erweisen willst, mußt du gar nicht an dich denken, sondern denke einfach an Gott und an deine Nächsten. Darum schreibt Paulus folgerichtig in 1. Korinther 13, dem Kapitel über die wahre Liebe: Denn die Liebe ist nicht auf sich selbst bezogen, "sie sucht nicht das Ihre" (Vers 5). Die wahre Liebe sucht ihren Zielpunkt außerhalb von sich - als erstes in dem lebendigen Gott, unserem Schöpfer und Erlöser, und als zweites in dem Nächsten, den Gott uns als Mitgeschöpf, als Ehepartner, Kind, Bruder, Schwester, Nachbar usw. an die Seite gestellt hat.
Wir müssen erkennen: Das Konzept der Selbstliebe ist ein Selbstbetrug. Das biblische Prinzip auf einen Nenner gebracht, heißt: Gib, so wird dir gegeben. Wenn du Gott suchst und deinen Nächsten, dann reguliert sich deine Beziehung zu dir selbst auf ganz natürliche Weise und wie von allein, denn Gott tut es für dich. So habe ich das auch erlebt. Wir werden zu einem angemessenen Gottesdienst kommen und in eine angemessene Art des Dienstes hineinkommen, wenn wir unser Leben mit Jesus leben, wenn wir es mit der Bibel leben, wenn wir es auf Gott beziehen.
Selbstliebe wird bei dem Apostel Paulus auch als Zeichen der letzten Zeit angesehen. Die Menschen werden nicht nur ihren Eltern ungehorsam sein, sondern Paulus fängt bei der Aufzählung an: Sie "werden sich selber lieben" (2. Timotheus 3,2). So beginnt der Sündenkatalog der letzten Zeit, und wir erleben das heute auch schon so. Die Egomanie, die uns heute überall begegnet, ist doch katastrophal. Unsere Gesellschaft geht daran zugrunde. Die politischen Schwierigkeiten und Probleme, die unsere Regierung heute zu meistern versucht, sind nichts anderes als das Ergebnis der Ichbezogenheit unserer gesamten gottlosen Gesellschaft. Man wird damit nicht fertig - egal, wie viele Gesetze man macht. All das ist nur ein Laborieren an den Symptomen. Denn wenn nicht das Herz unserer Bevölkerung wieder im Gewissen in Gott gebunden und auf Gott ausgerichtet ist, nützen all die Gesetze nicht. Der Mensch wird sie wieder brechen, und es wird alles beim Alten bleiben. Die Bibel sagt nicht: "Wer mir nachfolgen will, der liebe sich selbst", sondern Jesus sagt: "Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst" (Matthäus 16,24), der gebe nicht so viel acht auf sich selbst. Möge der Heilige Geist uns das schenken. Wir können also sagen: "Wer gibt, dem wird gegeben. Wer segnet, wird glücklich. Wer an andere denkt, tut sich selbst das Beste."
III. Das Prinzip in der Natur. Gehen wir zurück zu unserem Ausgangstext: "Wer wässert, der wird bewässert." Vergegenwärtigen wir uns kurz den Wasserhaushalt der Natur. Denn auch hier finden wir dieses göttliche Prinzip, ja die ganze Schöpfung beruht darauf. Nimm eine kleine Quelle, z.B. im Riesengebirge. Dort entspringt die Elbe. Überall quillt es in kleinen Rinnsalen hervor. Was ist das Kennzeichen der Quelle? Daß sie eine Tonne aufstellt und speichert? Nein, sie fließt, sie gibt. Das Wasser fließt weiter, der Fluß wird größer und tiefer. Zuletzt ist die Elbe ein breiter Strom, Ozeanriesen können darauf fahren. Schlußendlich ergießt sich auch dieses wie jedes andere Quellwasser in den Ozean. Aber der Ozean darf es auch nicht behalten. Nein, die Wolken am Himmel sind seine Schwestern. Die Sonne und die Wärme verdunstet das Wasser, und auf einmal gehen Millionen Tonnen Wasser ohne Fahrstuhl nach oben. Gott ist ein gewaltiger Gott! Die Wolken ziehen dahin, das Wasser wird einen kleinen Moment festgehalten. Und dann kommt wieder das Riesengebirge. Über ihm ergießen sich die von uns so sehr geliebten Regengüsse und Wolkenbrüche. Auf einmal haben die Quellen wieder Wasser. Was würde passieren, wenn dieser Kreislauf unterbrochen würde? Das Leben würde ersterben.
Auch unser Körper funktioniert nach dem Prinzip "Wer gibt, dem wird gegeben". So gibt z.B. unser Herz ständig Blut in den Blutkreislauf ab - und ebenso viel bekommt es wieder. Lob und Dank. Ich wünsche euch, daß euer Herz noch viele Jahre so freigebig ist. Überhaupt lebt unser ganzer Organismus nur vom Stoffwechsel. Manchmal gibt es dann Stoffwechselstörungen. Das bedeutet Krankheit. Man könnte auch sagen: Stau. Und manche Christen haben geistliche Stoffwechselstörungen. Ich hoffe nicht, unsere ganze Gemeinde. Ich glaube, ihr versteht das richtig. Aber das ist dieses Prinzip: Wer wässert, der wird bewässert. Wer gibt, dem wird gegeben. Wer sät, der wird ernten. Kreislauf, Stoffwechsel, geistlich gesehen. Jesus sagt: "Wer seine Seele liebt," also wieder: wer sich selbst liebt und behalten will und für sich sorgen will und Vorräte sammeln will, "... wird sie verlieren". "Wer sie aber haßt," sagt Er sogar, "der wird sie erhalten" (Johannes 12,25). Verleugne dich selbst, und du wirst sehen, wie sehr für dich gesorgt wird. Du wirst sehen, daß du dir sehr viel Gutes tust. Also: Willst du dich glücklich machen, dann beglücke andere.
Ich möchte noch einmal den Gedanken von der Gärtnerei, vom Bewässern vertiefen. Der Sommer 2003 war so trocken, daß wir unseren Garten so stark gießen mußten wie kaum je zuvor, damit nicht alles gelb wurde und vertrocknete. Da dachte ich:
IV. Es gibt so viele Seelen, die bewässert werden müssen. Wir haben Kinder in der Gemeinde, wir haben Neubekehrte in der Gemeinde. Wenn du einen Baum ganz frisch anpflanzt und ihn nicht wässerst, mehr als alle anderen, mehr als die alten Bäume, läufst du Gefahr, daß er nicht anwächst. Und Gott hat junge Pflanzen in unsere Gemeinde gegeben. Deshalb möchte Er, daß wir jetzt engagiert sind zu wässern. So ist der Glaubensgrundkurs im Grunde eine Bewässerungsstunde. Ebenso die Sonntagsschule. Wenn wir den jungen Seelen nachgehen, mit ihnen sprechen, uns um ihre Nöte kümmern, begießen wir sie. Sie brauchen viel, viel Wasser. Das ist unsere Aufgabe. Und Gott sagt, wenn wir bereit sind, zu wässern, zu segnen, Zeit aufzuwenden, uns in ihrem Leben zu engagieren und zu investieren, dann werden wir merken, wie glücklich das macht. Manchmal siehst du, wie einige in der Gemeinde, auch von den Frischbekehrten, nicht so richtig anwachsen wollen, wie sie die Köpfe hängen lassen. Dann sagst du: "Die kommen schon nicht mehr. Wo sind sie denn alle, die wir getauft haben? Ach, in der Kirche ist nichts los." Weißt du, woher das kommt? Du hast zu wenig gegossen. Du hast zu wenig bewässert. Der Text sagt: "Wer wässert, der wird bewässert." Und so trocknest auch du so vor dich hin und schwärmst von früheren Zeiten, wo du Gott so nahe warst und wo alles so gesegnet und erwecklich war. Heute kommt dir alles so lau vor. Aber das ist doch klar: Du wirst nicht mehr bewässert, weil du nicht wässerst. Deshalb mein Appell: Komm mit, pack mit an.
Es gibt auch Pflanzen, die stehen auf sehr schwierigem Boden, ein bißchen sandig und ein bißchen steinig vielleicht. Die brauchen auch sehr viel Wasser. Wir haben in unserer Gemeinde viele Menschen, die Gott auf sehr schwieriges Gebiet gepflanzt hat. Dort ist es nicht einfach zu überleben. Der Arbeitsplatz, die gottlose Verwandtschaft, die Lebenskonflikte. Es gibt so viele Geschwister, die ein so bitteres Umfeld haben. Und ihr, die ihr in besonders glücklichen Ehen lebt und wunderhübsche Kinder habt, bei denen alles stimmt - die Finanzen, die Gesundheit, die Familie, der Urlaub, das Auto, einfach alles -, was macht ihr? Leute, habt ihr noch nicht gesehen, daß da Pflanzen neben euch sind, die Gott gepflanzt hat und die sehr viel Not haben, sehr viel Anfechtung, sehr viel Verfolgung, sehr viel Einsamkeit, sehr viel Konflikte, Krankheit, und sie sollen bestehen. Solche Pflanzen brauchen viel mehr Wasser als die guten, kräftigen Eichen. Ich freue mich darüber, daß es in unserer Gemeinde von allen Sorten welche gibt. Es gibt hier Palmen. Könnt ihr sie sehen? Die sind schon groß und ausgewachsen. Und auch Eichen sind da, das sind aber massiv-gestandene Christen. Und wenn diese mal nicht so viel Wasser, so viel Zuwendung und Fürsorge bekommen, vertrocknen sie nicht gleich. Ihre Gemeinschaft mit Gott ist so stark, so gefestigt, daß auch starke Stürme sie nicht in die Krise bringen. Gott möchte, daß wir letzten Endes alle unsere Wurzeln wirklich tief in den Grundwasseradern verwurzelt haben, so daß wir nicht immer diese seelsorgerliche Begießung usw. brauchen. Ich preise Gott für die gestandenen Christen in der Gemeinde. Aber eines sage ich euch: Ohne Wasser kommen auch sie nicht zurecht.
V. Wir sind alle gefordert, an dem Bewässerungsdienst mitzuarbeiten. Unsere Gemeinde teilt sich manchmal in zwei Hälften. Es gibt einige, die ständig am Wässern sind. Sie schleppen sich ab in der Gemeinde und versuchen, zu bewässern, zu segnen, zu helfen und zu erfreuen, zu ermuntern, aufzubauen usw. Und andere kommen einmal am Sonntag. Ich freue mich, daß ihr da seid. Vielleicht seid ihr solche Eichbäume. Vielleicht braucht ihr nicht mehr. Aber es wird doch so kommen: Wenn ihr nicht mithelft zu bewässern, dann werdet ihr eines Tages Wassermangel haben. Es kann noch eine Zeit lang gut gehen, aber es wird so kommen, daß du irgendwann definitiv selber vertrocknest. Wir freuen uns über die Gemeinde, wir freuen uns über einen gut besetzten Versammlungsraum und über die Perspektive für unser neues Gebäude nebenan, die Gott in Seiner Gnade gegeben hat. Aber wir brauchen Mitarbeiter. "Bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende" (Matthäus 9,38). Es kommen einige Leute immer wieder und sagen: "Was soll ich denn machen? Ich bin doch nicht so geschickt, ich kann doch nicht bewässern." Ich möchte euch zurufen: Jeder kann bewässern. So ist es auch in unserem Garten. Wenn meine Frau mit der großen Gießkanne zu den Beeten geht, kommt unsere kleine Enkeltochter mit ihrer kleinen Gießkanne sofort hinter der Oma her. Natürlich gießt sie auch mal daneben. Aber doch bewirkt auch ihr Gießen, daß sich verwelkte Blumen wieder aufrichten. Darum sage ich: Jeder kann gießen. Die Kinder können, die Schwachen können, die Kleinen können, die Großen können. Natürlich, es können nicht alle mit großen Bewässerungssystemen agieren. Vielleicht haben wir als ARCHE mit unserem TV-Dienst die Aufgabe, die großen und schweren Bereiche der Bewässerungskunst abzudecken. Aber es gibt so viele kleine Dinge. Da gibt es Gießkannen in dieser Größe, dieser Größe, dieser Größe und so kleine. Nimm doch einfach eine und beteilige dich. Üb einfach nur Gastfreundschaft. Du glaubst nicht, wie du eine Seele bewässerst, die sonst in der Gemeinde einsam ist. Du hast nicht viel, aber das, was du hast, gibst du. Du wirst dich wundern, wie dich das glücklich macht. Warte nicht auf den Pastor und auf die Ältesten, daß sie alles machen, sondern bewässere auch.
Erinnern wir uns an die Geschichte in 1. Könige 17. Da war eine große Trockenheit. Unter dieser litt auch eine Witwe zu Sarepta. Gott sandte Elia, den Propheten, zu dieser Witwe und ihrem Kind. Sie hatten praktisch nichts mehr, nur noch ein paar Tropfen Öl und eine Handvoll Mehl, so daß sie sich noch eine Art Schlußmahlzeit für dieses Leben machen konnten. Unter diesen Umständen kommt Elia als Gast und sagt: "Backe mir einen Kuchen." Und sie sagt: "Wir haben nichts." Aber dann hat der Herr sie geleitet, sie hat bewässert, im wahrsten Sinne des Wortes. "Brich dem Hungrigen dein Brot" (Jesaja 58,7). Sie hat einfach Gott vertraut und hat abgegeben. Und was war das Ergebnis? Wer wässert, der wird bewässert. Der Ölkrug versiegte nie mehr, und auch Mehl war immer vorhanden. Sie haben nicht nur überlebt, sondern sie haben gut gelebt. Das ist dieses biblische Prinzip. Ja, letztlich hat sogar Jesus genau das getan, als Er für uns Sein Blut hat fließen lassen. Er hat Sein Herz nicht nur für Seinen Kreislauf geleert, sondern Er hat Sein Herz von Blut leer gemacht für die ganze Welt. Und Paulus sagt: "Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie Jesus Christus auch war" (Philipper 2,5). Jesus hat alles gegeben. Und was war die Folge? Ist Er arm geworden? Nein, Er hat eine Gemeinde, eine herrliche Braut gewonnen, Er hat sich ein Volk erkauft, Er ist reich geworden, große Beute hat Er gemacht. Und so wollen auch wir Seinem Vorbild folgen.
VI. Wie soll es geschehen? Du kannst bewässern, indem du gastfreundlich bist. Du kannst bewässern, indem du Menschen ein Gespräch anbietest. Du kannst bewässern, indem du in der Sonntagsschule mitarbeitest, im Chor mitsingst. Wenn der Chor bewässert, ist das die reinste Fontäne. Es ist ein Segen für uns. Auch kannst du z.B. Fürbitte leisten. Die Fürbitte für mich und die Ältesten und für die ganze Gemeinde. Das ist eine Bewässerung. Was sollen wir ohne Gebet, ohne euer Gebet machen? Bringe dich einfach ein. Das muß nicht immer organisiert geschehen, aber dein Herz muß engagiert sein, so wie Jesus es auch tat.
Aber wir wollen auch als ganze Gemeinde großzügig sein. Gott hat zu mir ganz deutlich gesprochen, daß wir auch als ganze Gemeinde nach diesem Prinzip leben sollen. Deshalb möchte ich unsere Nachbargemeinden, egal, wer sie sind, segnen. Ich möchte, daß sie blühen, daß sie wachsen und gedeihen. Und wenn wir ihnen helfen können, dann möchten wir ihnen helfen, wie wir es bisweilen auch immer wieder getan haben. Und wenn Menschen aus unserer Gemeinde weggehen, weil sie sich in einer anderen nachbarschaftlichen Gemeinde wohler fühlen und dort vielleicht auch mehr arbeiten können, als sie empfinden, das hier tun zu können, dann möchte ich euch allen sagen: niemand ist hier gebunden, niemand soll hier festgehalten werden. Denn das widerspricht dem Prinzip vom Geben. Nur wenn wir bereit sind zu wässern, werden wir wieder gewässert. Wenn wir zehn Menschen mit Freuden und im Segen von uns ausziehen lassen, dann werden vielleicht hundert wiederkommen. Aber wenn wir geizig sind, dann werden wir verarmen. Wir wollen die Mission in der ganzen Welt segnen. Wir wollen für unsere Missionare beten, ihnen helfen. Wir wollen alle Anstrengungen, die weltweit im Reiche Gottes unternommen werden, nach unseren Kräften und Möglichkeiten unterstützen, wir möchten bewässern, bewässern, bewässern. Zum Teil geschieht das durch unsere TV-Arbeit, unsere Rundfunkarbeit, unsere Drucksachen, die wir versenden. Der Kanzeldienst geht weit über 1000 Mal per Post und Mail in einzelne Haushalte bis hin zu Pastoren im landeskirchlichen wie auch im freikirchlichen Raum und ist ihnen teilweise eine Arbeitshilfe für ihren eigenen Dienst.
Gib raus, sei freimütig, auch was die Finanzen angeht. Laßt uns das persönlich so empfinden und laßt uns das ebenfalls mit der Gemeinde so handhaben. Und wir werden feststellen: je mehr wir bewässern, desto mehr werden wir gewässert. Halleluja! Nur unter diesem Vorzeichen, auf der Grundlage dieser biblischen Wahrheit, wird es gelingen, daß auch das Nachbargebäude zu einem großen Segen wird für viele, viele Menschen in unserer Stadt und darüber hinaus. Deshalb möchte ich euch bitten: prüft euren Lebensstil, ob ihr nach dieser Gott gegebenen Weise lebt und handelt und euch mit einbringt. Ihr tut euch selbst das Beste, wenn ihr bereit seid, euch zu opfern und euch zu geben.
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Textbearbeitung: D. Bauer / Redaktionsleitung Glaube.de
Mit freundlicher Genehmigung vom Autor/Herausgeber: GEMEINDE UND MISSIONSWERK ARCHE e.V. 29-8-2004
Gottesdienst: sonntags 09.30 Uhr Internet: www.arche-gemeinde.de
Die FERNSEHKANZEL ist auf folgenden Sendern zu sehen:
Das Vierte: sonntags, 8.30 und 9.30 Uhr
rheinmaintv: freitags, 17.30 Uhr, sonntags, 11.30 Uhr und 17.30 Uhr
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