Winfried Hahn: Licht und Salz werden in der Begegnung mit Gott

Ich möchte heute auf den Text in Hebräer 9,1-5 eingehen: "Es hatte zwar auch der erste Bund seine Satzungen für den Gottesdienst und sein irdisches Heiligtum. Denn es war da aufgerichtet die Stiftshütte: der vordere Teil, worin der Leuchter war und der Tisch und die Schaubrote, und er heißt das Heilige; hinter dem zweiten Vorhang aber war der Teil der Stiftshütte, der das Allerheiligste heißt. Darin waren das goldene Räuchergefäß und die Bundeslade, ganz mit Gold überzogen; in ihr waren der goldene Krug mit dem Himmelsbrot und der Stab Aarons, der gegrünt hatte, und die Tafeln des Bundes. Oben darüber aber waren die Cherubim der Herrlichkeit , die überschatteten den Gnadenthron. Von diesen Dingen ist jetzt nicht im Einzelnen zu reden." Was hier geschrieben steht führt uns zu den Quellen des Lebens. Hier wird das Heiligtum beschrieben, das als Zelt durch die Wüste getragen wurde und das aus zwei Teilen bestand. Im Vorraum befand sich der siebenarmige goldene Leuchter, der ein Symbol dafür ist, dass in der Gegenwart Gottes ein Licht leuchtet. Der siebenarmige Leuchter wird mit Öl gespeist, was ein Symbol für den Heiligen Geist ist. Wir als Kinder Gottes dürfen in seine Gegenwart kommen. In diesem Vorraum befand sich auch ein Tisch mit den sogenannten Schaubroten. Diese Brote sind ein Symbol dafür, dass Gott Speise für uns bereithält, die den inneren Menschen stärkt. Außerdem befand sich in diesem Raum ein Räucheraltar, der ein Symbol für die Gebete der Heiligen ist.
Der zweite Raum war das Allerheiligste. Im Allerheiligsten stand die Bundeslade, die mit Gold überzogen war und darüber befanden sich zwei Cherubime, die sich mit ihren Flügeln berührten. Die Bundeslade symbolisiert den Ort, wo Gott uns begegnet. Wenn Mose ein Problem hatte ging er ins Allerheiligste, warf sich vor die Bundeslade und Gott sprach dort zu ihm. Als Jesus am Kreuz ausgerufen hatte:"Es ist vollbracht!" zerriß im Tempel der Vorhang zwischen dem Heiligtum und dem Allerheiligsten. Seither ist der Weg zur Gemeinschaft mit Gott für jedes Gotteskind freigemacht. Wir werden zu Licht und Salz durch die Begegnung mit dem lebendigen Gott. In der Bundeslade befand sich ein Krug mit "Manna". Gott ernährt unseren inneren Menschen mit himmlischer Speise. Wenn ich am Morgen erwache brauche ich eine Begegnung mit Gott. Wie ihr wisst, leite ich ein Wohnheim für psychisch kranke Menschen. Wenn ich aus meiner Wohnungstüre gehe bin ich mit einer Vielzahl menschlicher Nöte konfrontiert. Wenn ich dann selbst durch Anfechtungen gehe kann es mich schon einmal runterziehen. Wie gut, dass wir einen Gott haben, der jeden Morgen neu auf uns wartet um Gemeinschaft mit uns zu haben. In der Begegnung mit ihm wird mein Inneres aufgerichtet; nicht jeden Morgen ist dies spürbar für mich, doch darf ich jeden Tag erfahren, dass er mit mir ist. Sein himmlisches Brot gibt mir Vision, Wegweisung und ein Stück Gelassenheit. Jeden Morgen neu darf ich mich von seinem Wort stärken lassen und werde so zu meinem Dienst befähigt. Manche erleiden in ihrem geistlichen Leben immer wieder Schiffbruch. Manche fühlen sich zu hohen Aufgaben berufen. "Manna", das etwas bewirkt, kannst du nicht selber hervorbringen. In der Wüste segnete Gott sein Volk jeden Morgen neu mit frischem Manna. Manche wollten sich einen Vorrat anlegen, was ihnen jedoch nicht gelang. Manna muß auch heute jeden Morgen neu gesammelt werden. Das macht uns jeden Tag neu abhängig von Gott und kostet uns unsere Unabhängigkeit.
Im Allerheiligsten befand sich auch der grünende Stab Aarons. Das Volk Israel neigte zum Murren und zum Aufbegehren. Gott erteilte Mose den Auftrag, dass alle Ältesten Israels ihre Hirtenstöcke abgeben sollten. Alle zwölf Stammesoberhäupter gaben ihre Stöcke ab und diese wurden dann in die Bundeslade gelegt. Aber nur der Stab Aarons blühte und trug Frucht.
Du hast den Auftrag, Licht und Salz für deine Umgebung zu sein. Unser Gott möchte uns immer wieder neu beleben, damit wir sein Leben den Menschen in unserer Umgebung nahebringen. Der Aufbau des De´Ignis Wohnheimes war mit vielen Herausforderungen verbunden. Obwohl wir im Auftrag Gottes handelten erlebten wir Krisen und Erschütterungen, aber wir erlebten auch Wunder Gottes. Bis heute arbeiten wir nur mit wenig staatlicher Unterstützung weil wir eine klare Vision von Gott haben und uns nicht auf Kompromisse mit staatlichen Kostenträgern einlassen wollen. Die Bewohner müssen soweit wie möglich die Kosten selbst finanzieren und der Rest wird mit Spenden finanziert. Eines Tages bat mich meine Frau, uns nicht auf ein weiteres Glaubensabenteuer einzulassen, wie es der Aufbau des Wohnheimes gewesen war. Wir dachten unser Pensum erfüllt zu haben. Wenn du beginnst, dich nach einem bequemen Leben zu sehnen, lässt das Rückschlüsse auf deinen geistlichen Zustand zu. Als ich eines Tages eine Reportage über Polen sah, legte Gott mir eine Liebe für dieses Land ins Herz. Vierzehn Tage später wurde ich von einer Tagungsstätte in Polen eingeladen dort zu sprechen. Ich hielt des öfteren Seminare dort und meine Botschaft viel auf fruchtbaren Boden. Ich wurde gebeten, mitzuhelfen beim Aufbau von Einrichtungen für Menschen mit seelischen Problemen. Wir haben ein geeignetes Grundstück erworben zum Bau eines solchen Hauses und haben Kontakte zu anderen christlichen Einrichtungen im ganzen Land geknüpft. So führte mich Gott in eine neue Aufgabe und durchkreuzte meine Hoffnungen auf ein beschaulicheres Leben. Wenn ich an meinen Auftrag in Polen denke befällt mich ein Gefühl der Ohnmacht. Inzwischen haben wir dort ein Büro eröffnet, das wir finanzieren müssen. Ich darf nicht daran denken und muß auf Gottes Fürsorge vertrauen, die uns bisher nicht im Stich gelassen hat. Es kann sehr herausfordernd sein, sich der Gegenwart Gottes auszusetzen, weil wenn Gott spricht kommt etwas in Bewegung. Wir dürfen am Reich Gottes mitarbeiten in Schwachheit und doch in seiner Stärke.
In der Bundeslade lagen auch die Gesetzestafeln, die das Wort Gottes symbolisieren. Wenn man sich nach Gott ausstreckt können einen sehr unterschiedliche Gefühlsregungen befallen. Das reicht von Niedergeschlagenheit und Angefochtensein bis hin zu überschwänglichen Empfindungen. Man darf sich nicht von seinen Gefühlen leiten lassen. Nur Gottes Wort gibt uns Klarheit und Wegweisung. Es offenbart uns die Liebe und Barmherzigkeit Gottes, aber es ermahnt und korrigiert uns auch. Es überführt uns von Sünde, aber es gibt uns auch Vision und Perspektive. Wir müssen Gottes Wort immer wieder neu zu uns sprechen lassen. Wenn ich gefühlsmäßig abzuheben drohe ist das Wort Gottes wie ein Spiegel für mich, der mich dazu bewegt mich vor Gott zu demütigen in der Erkenntnis meiner Sündhaftigkeit. Wir brauchen das Wort Gottes zur Auferbauung und als wegweisende und beschneidende Kraft. Nur so können wir geistlich wachsen und Frucht bringen.
------------------------------------------------------------------------------
Ein Artikel von www.glaube.de. Veröffentlichungen im Internet
oder in Print bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren bzw.
Glaube.de.
-----------------------------------------------------------------------
Eingereicht vom Herausgeber/Autor: Winfried Hahn,
Pädagoge und Pastor im übergemeindlichen Dienst.
Geschäftsführender Heimleiter und Therapeut im De `Ignis Wohnheim-
Haus Tabor in Engelswies.
Dieser Vortrag wurde auf der Zeltstadt 2005 von Kirche im Aufbruch gehalten.
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus / Redaktionsmitarbeiter Glaube.de
Foto: Winfried Hahn
----------------------------------------------------------------------------






