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03-01-12

Ursula Kischkel: Zielorientiert leben

Wie sehen Gottes Prioritäten aus?


Der größte Teil des neuen Jahr liegt noch vor uns. Es ist also noch relativ frisch und unverbraucht - wie ein neues Land, in das wir hineingehen. Zum Jahreswechsel fassen viele Leute gute Vorsätze fürs neue Jahr. Vielleicht haben Sie das auch getan.

Jörg Knoblauch, ein bekannter christlicher Unternehmer, schreibt in einem Artikel: "Wie geht das: Im neuen Jahr sein Leben ändern?" Er geht der Frage nach: Wie können Neujahrsvorsätze wirklich umgesetzt werden?

Denn Tatsache ist: 87% aller Neujahrsvorsätze scheitern ziemlich schnell laut Umfragen (z.B. Abnehmen, mehr Zeit für die Familie nehmen, mehr Sport treiben, mit dem Rauchen aufhören, bei Christen: mehr in der Bibel lesen, mehr Geld für missionarische Projekte zur Verfügung stellen ...)

Jörg Knoblauch gibt einige gute Tipps, wie wir Ziele umsetzen können:

1. Ziele aufschreiben statt sie nur zu denken

2. Warum ist mir dieses Ziel wichtig? Will ich es wirklich?

3. konkret werden: Wann und wie will ich das Ziel umsetzen? Realistisch dabei sein ("Ich will mehr in der Bibel lesen" - "ich nehme mir jeden Morgen eine ½ Stunde Zeit, um 3 Kapitel in der Bibel zu lesen")

4. Sich Teilziele setzen, an deren Erfolg ich mich freuen kann: Auch der längste Weg beginnt mit einem kleinen Schritt. Beispiel: Marathon-Lauf im September. Jeden Monat die km-Zahl erhöhen, die man schafft zu laufen.

5. Sich Verbündete suchen, die mich an mein Ziel errinnern dürfen: Wie geht es dir im Umgang mit deinen Finanzen?

6. Es darf auch mal weh tun - d.h. die eigenen Grenzen überschreiten (statt: "Dafür bin ich jetzt viel zu müde", "Jetzt ist es eh schon egal" ...)

7. Vor Gott im Gebet überlegen, welche Ziele im aktuellen Jahr wichtig sind.


Ich merke, dass Ziele eine positive Kraft, eine Dynamik in sich haben, dass sie Energie, Tatendrang in mir auslösen: aktiv etwas anzugehen, mit Hoffnung nach vorne zu schauen. Vgl. Bergwanderung: Wenn ich weiß, dass da oben ein Ziel ist, eine Hütte, wo es Tiroler Knödelsuppe gibt, oder ein Gipfel mit wunderbarem Ausblick, nehme ich auch die Anstrengung auf mich, da hinaufzuklettern, aber ohne Ziel ...?

Ein klares Ziel begeistert uns. Nichts gibt uns so viel Energie wie ein klares Ziel. Auf der anderen Seite versickert Energie sehr schnell, wenn man kein Ziel vor Augen hat. Es geht hier nicht um das Machbarkeitsdenken. Viele Lebensziele, gerade geistliche Ziele sind nicht "machbar", wie z.B. gute Freundschaften aufzubauen, sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen, mehr "Frucht" in Gottes Reich zu bringen. Aber sie haben eine aktive Seite, wo wir selbst gefragt sind, wo Gott uns herausfordert, uns aktiv nach etwas auszustrecken, und sei es nach seinen Geschenken, die er für uns bereit hält. z.B. in 1. Kor. 14, 1: "Strebt nach den Geistesgaben." Das ist etwas Aktives! Viele Lebensziele sind mit aktiven, konkreten Schritten verbunden, z.B. bei guten Beziehungen und Freundschaften - es braucht Zeit und Raum, Kreativität, um sie zu pflegen.


Welche Ziele haben für Gott Priorität?

Es gibt einen Abschnitt in der Bibel, der ist überschrieben mit "Das Ziel". Hier geht es wirklich um zielorientiertes Leben. Phil. 3, 12 - 14: "Nicht, dass ich`s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich`s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich`s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus."

Das Ziel, das Paulus vor Augen steht: "der Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus" Was ist das? Er meint damit die ewige Gemeinschaft mit Jesus, die endgültige Heimat, die wir bei ihm haben, in einem neuen, verherrlichten Leib. Denn einige Verse weiter schreibt er: "Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorher erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann."

Ist das nicht ein sehr weit entferntes Ziel, das mit unserem Leben hier und jetzt noch nicht so viel zu tun hat? Nein, ich glaube, wenn wir die richtige Perspektive für unsere Lebensziele haben wollen, müssen wir mit dem größten, letztgültigen Ziel anfangen. Da geht es letztlich hin!

Wenn ich eine lange Reise plane (z.B. mit dem Auto + Schiffsfähre nach Norwegen), muss ich erstmal den Gesamt - Überblick haben, wo ich letztlich hinwill - und dann anschauen, welche Teilziele (Stuttgart, Hamburg ...) auf diesem Weg liegen und mich in Richtung Norwegen weiterbringen.

Als Menschen sind wir letztlich für die Ewigkeit geschaffen und unser Leben hier, so sehr wir es schätzen dürfen, ist nicht alles. Wenn wir dieses Ziel vor Augen haben, sortieren sich unsere Werte für unser Leben hier anders.

Rick Warren beschreibt das in seinem Buch "Leben mit Vision" (Verlag Projektion J, Asslar 2003) sehr gut: "Wenn Sie wirklich verstehen, dass es mehr als das Hier und Jetzt gibt und dass dieses Leben nur die Vorbereitung auf die Ewigkeit ist, werden Sie anders leben. Sie werden anfangen, im Licht der Ewigkeit zu leben. Dies beeinflusst Ihren Umgang mit Beziehungen, mit Aufgaben und Lebensumständen. Auf einmal erscheinen viele Aktivitäten, Ziele und sogar Probleme, die vorher so wichtig schienen, trivial und belanglos und nicht mehr Ihrer Aufmerksamkeit wert. Wenn Sie im Licht der Ewigkeit leben, verändern sich auch Ihre Werte. Sie werden Ihre Zeit und Ihr Geld sinnvoller nutzen. Sie werden mehr Wert auf Beziehungen und auf Charakter und weniger Wert auf Geld und Ansehen legen. Ihre Prioritäten werden neu geordnet. - Um das Beste aus Ihrem Leben zu machen, müssen Sie immer die Ewigkeit im Blick behalten. Sie sollten deshalb lieber mehr statt weniger über die Ewigkeit nachdenken."

Paulus war bestimmt niemand, der nur von der Ewigkeit geträumt hat und über allen praktischen Dingen des Lebens geschwebt ist. Nein, er hat sehr aktiv sein Leben hier gestaltet, er hat mit einer unglaublichen Energie das Evangelium im gesamten Römischen Reich verbreitet. Er hat viele gefährliche Reisen auf sich genommen, er hat intensive, liebevolle Beziehungen zu seinen Gemeinden aufgebaut, er war ein Mensch mit Gefühlen, Sehnsüchten und Schmerzen. Also nichts Übergeistliches, nichts Abgehobenes, sondern er war mitten im Leben ganz klar auf Jesus ausgerichtet und hat seine Gegenwart erlebt. Die Freude an Jesus war seine Kraftquelle. (nicht umsonst schreibt Paulus im Philipperbrief ganz oft: "Freut euch an Jesus!")


Ein jesus-zentriertes Leben

Jesus-zentriert leben Jesus-zentriert zu leben, das ist die Reife, in die wir als Christen immer mehr wachsen dürfen. Wegsehen von uns selbst und Jesus zum Lebensmittelpunkt haben. Und damit natürlich auch anderen Menschen ganz zugewandt zu sein. Das heißt praktisch, dass ich bei allen Dingen prüfen kann - gerade was meine Ziele fürs neue Jahr angeht: Bringt es mich und andere näher zu Jesus? Ehrt es Jesus? Kann ich es in der Liebe zu Jesus tun? Entspricht es seinem Gebot der Liebe? Das alles verstehe ich in einem weiten Sinn. Nicht, dass ich jetzt ständig über geistliche Dinge reden müsste. Da gehört alles hinein: mit einem Kind zu spielen, mich bei einem Spaziergang über die Schöpfung freuen, am Telefon geduldig zuhören, wenn`s jemand nicht so gut geht, eine Kurs besuchen, bei dem ich etwas dazu lernen kann.

Aber es gibt auch Ziele, die bei dieser Frage keinen Bestand haben. Wo ich merke, dass es eigentlich mehr um mein eigenes Ego geht. Mir und anderen etwas zu beweisen an guter Leistung, um Anerkennung zu bekommen, oder z.B auch um mir selbst Sicherheiten zu verschaffen.

Ich merke, es geht immer wieder um diese Alternative: jesuszentriert oder ichzentriert zu leben. Ich selber brauche diese Kehrtwende immer wieder! Ich denke, das geht gut mit diesen Worten: Ich vergesse, was dahinten ist (das ichbezogene Leben) und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist! Wenn das große Ziel klar ist - Jesus - können wir die kleineren Ziele jetzt klarer sehen. Auch bei Paulus geht es jetzt um das tägliche Leben. Ich habe gemerkt, dass diese Punkte gut in die 5 Lebensziele hineinpassen, die Rick Warren in seinem Buch Leben mit Vision als Gottes Ziele für unser Leben beschreibt:

1. Lebensziel: Sie wurden zur Freude Gottes geschaffen - zur Freundschaft mit Gott "Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!" (in Phil.4, 4). Es geht darum, sich an Jesus zu freuen - so wie er sich auch an uns freut. Seine Nähe zu suchen, auf seine Stimme zu hören, ihn anzubeten, die Gemeinschaft mit ihm zu genießen. Wie können wir im neuen Jahr dieses Lebensziel umsetzen? Denken wir nochmal an Jörg Knoblauch`s Tipps zur Umsetzung von Zielen fürs neue Jahr: Nicht nur allgemein formulieren: Ich will mir mehr Zeit für die Beziehung zu Jesus nehmen. Sondern überlegen, wann und in welcher Form es geschehen kann. Bei mir: morgens mit einigen Liedern den Tag beginnen, die mich auf Jesus ausrichten, in mein Tagebuch schreibe ich öfter auf, was ich von Jesus gehört habe, wo ich dankbar für etwas bin, Erkenntnisse, die ich gewonnen habe - alles ein Ausdruck von dem gemeinsamen Weg mit Jesus; ich möchte auch mitten am Tag mit Jesus im Gespräch sein ... Aber es geht um mehr als um bestimmte Zeiten. Es geht um die Frage, wie wichtig mir dieses Ziel ist, in der Freundschaft und Nähe zu Jesus zu wachsen.

So wie die Maria zu Jesu Füßen
Jesus lobt sie, dass sie die richtige Wahl getroffen hat. Rick Warren dazu: "Die enge Freundschaft mit Jesus ist kein Zufall. Sie müssen sich bewusst darum bemühen. Wollen Sie sie wirklich - mehr als alles andere? Was ist sie Ihnen wert? Ist sie es Ihnen wert, dafür andere Dinge aufzugeben? Ist sie es Ihnen wert, sich dafür Gewohnheiten anzueignen und Fähigkeiten zu erlernen? Nichts - absolut nichts - ist wichtiger, als eine Freundschaft mit Gott aufzubauen. Es geht hier um eine Beziehung, die ewig halten wird."

2. Lebensziel: Sie wurden als Teil von Gottes Familie geschaffen - um in Gemeinschaft zu leben. Nach Phil. 2, 1 f. können wir uns fragen: "Helft und ermutigt ihr euch als Christen gegenseitig? Seid ihr zu liebevollem Trost bereit? Spürt man bei euch etwas von der Gemeinschaft, die der Heilige Geist schafft? Verbindet euch herzliche und mitfühlende Liebe? Darüber würde ich mich sehr freuen."

Weil Gott Liebe ist, sind ihm Beziehungen sehr wichtig. Wenn wir lieben, dann sind wir ihm am ähnlichsten. Deshalb möchte er, dass wir in Beziehungen investieren, in die Gemeinschaft, in die er uns als seine Familie gestellt hat.

Auch Liebe ist nicht etwas, was einfach über uns kommt oder eben leider nicht - als Gefühl - sondern Liebe hat viel mit unserem Wollen zu tun. Wir können Liebe lernen - weil wir selbst von Gottes Liebe beschenkt wurden. Wir können z.B. transparent werden und uns offen Anteil geben an dem, was wir empfinden oder erlebt haben, interessiert Anteil nehmen am anderen, praktische Hilfsbereitschaft, dem anderen eine Freude machen, sich einfühlen in seine Situation und vieles mehr.

Die Liebe ist Gott viel wichtiger als unsere Karriere, unser Bankkonto, unsere Leistungen, unsere Hobbies. Er wird uns im Himmel v.a. fragen, wie wir mit anderen Menschen umgegangen sind, besonders mit denen, die Hilfe brauchten. Jesus sagt, dass wir ihn lieben, wenn wir unsere Mitchristen lieben und uns um ihre Sorgen und Nöte kümmern.
Wie will ich das im neuen Jahr leben? Wo Schwerpunkte setzen? (in mein Tagebuch geschrieben als Priorität 2005: mir Zeit nehmen, um Freundschaften zu pflegen).

3. Lebensziel: Wie wurden geschaffen, um Christus ähnlich zu werden. Wichtiger, als das, was wir tun ist Gott, das, was wir sind: Unser Charakter. Unser ganzes Leben ist so eine Art Charakterschulung. Gott gebraucht dabei unsere Umstände, um an uns zu arbeiten, er gibt uns seine Wahrheit, damit wir unser Denken daran orientieren, v.a. gibt er uns seinen Geist, der uns verändert. Was heißt es, Jesus ähnlich zu werden? Das heißt zum Beispiel, dass wir uns wie Jesus ganz vom Vater abhängig machen und ihm voll vertrauen lernen: "Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!" (Phil. 4, 6)

Es heißt auch, so zu handeln, wie Jesus es tun würde: "Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert ... darauf seid bedacht." (in Phil. 4, 8 ) In welcher Situation möchte ich in der nächsten Zeit reifen - um Jesus ähnlicher zu werden?

4. + 5. Lebensziel: Sie wurden geschaffen, um Gott zu dienen und um einen Auftrag zu erfüllen. Ich nehme diese Ziele zusammen, weil sie in eine ähnliche Richtung gehen. Es geht um unsere Berufung, um den Auftrag unseres Lebens, die Botschaft unseres Lebens. Wenn wir unsere Berufung finden, die unseren Gaben entspricht, dann ist das eine sehr erfüllende Sache. Das macht Spaß! Und das darf es auch. Gott freut sich, wenn wir die Gaben einsetzen, die er uns gegeben hat. Aber es geht letztlich um mehr: es geht nicht um uns, sondern um Gott!
Rick Warren: "Ihr Auftrag hat Bedeutung für die Ewigkeit. Sie wird sich darauf auswirken, wo andere Menschen ihre Ewigkeit verbringen werden, deshalb ist sie weit wichtiger als jeder Job oder jedes persönliche Ziel. Nichts zählt so viel, wie diese eine Sache: so vielen Menschen wie möglich zu helfen, eine ewig dauernde Beziehung mit Gott einzugehen." Der Philosoph William James sagte: "Am besten setzt man sein Leben für etwas ein, das es überdauert." Wir können uns nun einmal persönlich folgende Fragen stellen:

Was bringt mich in nächster Zeit mehr in meine Berufung hinein?
Wie kann ich den Auftrag Gottes mit meinen Gaben erfüllen?
Dann können wir Jesus in der Stille fragen: Welches Ziel ist dir für mich besonders wichtig?







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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen im Internet oder in Print bedürfen der vorherigen
Genehmigung der Autoren bzw. Glaube.de.
Textbearbeitung: Susanne Dwehus / Redaktionsmitarbeiterin Glaube.de
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Eingereicht von: Arnd Kischkel (glaube.de-Mitglied)
Autorin: Ursula Kischkel, theologische Mitarbeiterin im
Wörnersberger Anker, www.ankernetz.de
Foto: www.gebetswaechter.de
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