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15-02-06

Michael Morrison: Die Gemeinschaft der Heiligen

Die Lehren Jesu fordern uns oft heraus - sie stellen uns ein Ideal vor Augen, das äußerst schwierig zu erreichen ist.
Liebet eure Feinde, sagte er. Verlangt nicht nach Rache. Richtet nicht. Haltet eure Gedanken stets rein. Gebt alles, was ihr habt. Predigt das Evangelium in der ganzen Welt.


Aber Jesus fordert uns auch in einem seiner Gebete heraus. Kurz bevor er gekreuzigt wurde, betete er für seine Jünger.

Dann betete er für uns: "Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind" (Joh 17,20-22).

Eine schwierige Schriftstelle
Jesus hat uns dies nicht als Gebot gegeben, aber sein Wunsch für uns ist doch klar - er möchte, dass alle Gläubigen vereint sind. Und offen gesagt, das Christentum hat in dieser Sache kläglich abgeschnitten. Ich bin über all die Zersplitterung, die man in der christlichen Welt vorfindet, beschämt.

Seit Martin Luther gab es Hunderte von Kirchenspaltungen, mehr als tausend verschiedene Glaubensgemeinschaften und darüber hinaus tausende von unabhängigen Kirchen, von denen einige nicht mehr miteinander auskommen.

Es gibt unzählige Leiter, die glauben, dass sie allein die Wahrheit besitzen, das Geheimnis, das nun einem speziell auserwählten Knecht Gottes offenbart wurde. Zu oft schreiben sie andere Christen als falsche Brüder, als Abtrünnige, ab. Die Annalen der Kirchengeschichte beinhalten zu viele Bannflüche, zu viele Verurteilungen.
Wenn Menschen über belanglose Details streiten, geben sie Jesus einen schlechten Ruf. Wie kann er der Friedensfürst sein, wenn seine Nachfolger nicht einmal miteinander auskommen?

Beachten wir den Grund, den Jesus uns gibt, warum er möchte, dass wir miteinander gut auskommen: "Damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast" (V. 21).

Unser Beispiel reflektiert auf Jesu Ruf und das ist umso mehr Grund, dass es mich traurig stimmt, wenn ich sehe, wie schlecht wir über die Jahre abgeschnitten haben.
Jesus möchte, dass seine Nachfolger "vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst" (V. 23).

Jesus möchte, dass sich unsere Einheit auf Gottes Liebe gründet, nicht auf perfekte Übereinstimmung. Es wird immer Meinungsverschiedenheiten geben, aber unsere Identität als Jünger Jesu liegt in unserer Liebe zueinander.

Gemeinschaft teilen
Wie weit weg sind wir von "vollkommener Einheit"? Sehr weit, so befürchte ich. Es gibt tief verwurzelte Spaltungen in den christlichen Kirchen, gegenseitige Anschuldigungen, die die Jahrhunderte überdauert haben und die nur nach und nach angesprochen werden.

Es gibt immer noch viele Kirchen, die keine Gemeinschaft (Kommunion) mit Christen in anderen Glaubensgemeinschaften haben. Wie ironisch! Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das die meisten Christen akzeptieren, sagt: "Ich glaube ? an die Gemeinschaft der Heiligen." Das schließt viel mehr ein als das gemeinsame Abendmahl, aber es schließt dies sicherlich mit ein - und doch weigern sich viele Christen, dies zu praktizieren. Das Gebet Jesu wartet immer noch darauf, erfüllt zu werden.

In 1. Korinther 10,16-17 schreibt der Apostel Paulus: "Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn e i n Brot ist's: So sind wir viele e i n Leib, weil wir alle an e i n e m Brot teilhaben". Wir zeigen unsere Einheit, indem wir am Brot und Wein des Abendmahls des Herrn teilhaben. Wie traurig, dass einige Christen diese Zeremonie des Teilens und der Gemeinschaft genommen und sie zu einem Ritual des Ausschlusses gemacht haben. Ich habe es selber getan und es tut mir leid. Das Abendmahl des Herrn sollte eine Veranschaulichung der Gnade, nicht von Argwohn und Abneigung sein. Die Gemeinschaft der Heiligen bedeutet, dass wir einander als Christen anerkennen und einander als Christen behandeln.

In unserer eigenen Kirchengeschichte bestand eine der schwierigsten doktrinären Änderungen für einige Leute darin, dass wir anfingen zu lehren, dass es Christen in anderen Kirchen gibt. Zu Beginn sagten wir nicht einmal, dass Christen die überwiegende Mehrheit dieser Kirchen ausmachten - sondern nur, dass es einige verstreute Christen hier und dort geben mag.

Trotz dieses anfänglich zaghaften Ansatzes fanden einige Geschwister diese Idee beunruhigend. Sie verhielten sich so, als ob das Heil davon abhinge, in einer bestimmten Organisation zu sein, wenn es in Wirklichkeit von Christus abhängt. In ihrem Verstand erstreckte sich die Gemeinschaft der Heiligen nicht über die Grenzen unserer eigenen Glaubensgemeinschaft hinaus.

Zum Glück erstreckt sich Gottes Gnade weit über unsere Grenzen hinaus und in seiner Gnade schloss er uns mit ein, auch wenn unsere Einstellung nicht sehr liebenswürdig war.

Glaubensgemeinschaften
Im Ruf nach Einheit rufe ich nicht nach dem Ende aller Glaubensgemeinschaften - ich glaube, dass Gott verschiedene Glaubensgemeinschaften benutzt, genauso wie er Menschen mit unterschiedlichen Geistesgaben benutzt.

Aber diese Denominationen sollten ihre Unterschiede nicht so ernst nehmen, dass sie die Bekehrung eines jeden in Frage stellen, der nicht jede Doktrin, die in dieser Kirche gelehrt wird, billigt. Der bessere Ansatz besteht darin, sich über die vielen Dinge zu freuen, an die wir gemeinsam glauben, dass wir auf den Gebieten zusammenarbeiten, in denen wir übereinstimmen.

Dies erinnert mich an eine Geschichte über zwei große Prediger des 19. Jahrhunderts, Dwight Moody und Charles Spurgeon. Moody hatte die Predigten von Spurgeon lange bewundert und als Moody nach London reiste, machte er sich auf, diesen berühmten Prediger zu treffen.
Er wurde von Spurgeon persönlich an der Tür begrüßt, der gerade eine Zigarre rauchte. Moody war schockiert. "Wie können Sie, ein Mann Gottes, eine Zigarre rauchen?" Spurgeon war nicht beleidigt, sondern erwiderte: "In der selben Weise, wie Sie, ein Mann Gottes, so fett sein können."

Ähnliche Geschichten könnte man über unterschiedliche Praktiken in Bezug auf Alkoholkonsum, Kinobesuch, Beteiligung an Festtagstraditionen oder dem Tragen von bestimmten Kleidungsstücken erzählen. Aber der Punkt in alledem ist, dass das Volk Gottes, auch wenn sie gleichermaßen aufrichtige Jünger Christi sind, in verschiedenen Angelegenheiten von Doktrin und Verhalten trotzdem zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen kann.

Wir mögen in solchen Detailfragen niemals Einheit finden. Vielmehr muss unsere Einheit in Jesus Christus sein, nicht indem wir einem bestimmten Verhalten entsprechen oder zu einer bestimmten Organisation gehören.
Beachten wir, was Jesus über die Art von Einheit sagte, die wir haben sollten: "Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein ? ich in ihnen und du in mir" (Joh 17,21.23).

Unsere Einheit kommt aus unserer Einheit mit dem Vater und dem Sohn durch den Heiligen Geist. Wenn zwei Menschen beide in Christus sind - wenn sie ihre Identität in ihm sehen - sind sie mit ihm durch den Glauben vereint, und ob sie es erkennen oder nicht, sind sie dadurch miteinander durch seine Gnade verbunden.

Wir in der Weltweiten Kirche Gottes sind mit allen christlichen Glaubensgemeinschaften verbunden. Wir suchen keine organisatorische Einheit mit ihnen, aber wir haben trotzdem Gemeinschaft mit ihnen. Wir können nicht nur das Abendmahl des Herrn mit ihnen feiern, wir akzeptieren sie auch, wenn sie an unseren Herrn Jesus Christus glauben und ihm nachfolgen.

Wir haben im weiteren Sinne Gemeinschaft, indem wir Anteil am Leben und an der Mission Jesu haben. Wir sind vor ihm Gleichrangige: Wir alle sind Sünder, durch seine Gnade gerettet, in Gemeinschaft miteinander. Er machte uns zu Geschwistern in der Familie Gottes.

Wie das Apostolische Glaubensbekenntnis es ausdrückt: Wie glauben an die Gemeinschaft der Heiligen. Wir sind eine Gemeinschaft der Heiligen - aber diese Gemeinschaft, diese Art von Einheit und Teilen erstreckt sich weit über unsere eigene Glaubensgemeinschaft hinaus. Wir sind Brüder und Schwestern all derer, die Jesus als unseren Herrn und Erlöser anerkennen. Wir schließen uns ihnen an, während sie das Werk Gottes tun, und wir laden sie ein, sich uns anzuschließen, während auch wir sein Werk tun.

Dadurch wird jedermann erkennen, dass wir Jesus nachfolgen: Nicht nur, dass wir zusammenarbeiten, nicht nur, indem wir einander tolerieren, sondern dass wir einander lieben, dass wir alle lieben, die unserem Erlöser nachfolgen, dass wir zu ihnen gnädig sind, wir er uns gegenüber gnädig war. Manchmal brauchen sie eine Menge Gnade; manchmal brauchen wir eine Menge Gnade. Aber in allem sollte unsere Gemeinschaft auf Gnade gegründet sein.

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Ein Artikel von www.glaube.de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung
von Glaube.de oder der Autoren.
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Autor: Michael Morrison, mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: sxc.hu
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