Siegfried Müller: Jesus am Teich Bethesda

In Kapitel 5 steht in den Versen 2-9+14 wie folgt zu lesen: »Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der heißt auf hebräisch Bethesda. Dort sind fünf Hallen; in denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme und Aussätzige. Sie warteten darauf, dass sich das Wasser bewegte. Denn der Engel des Herrn fuhr von Zeit zu Zeit herab in den Teich und bewegte das Wasser. Wer nun zuerst hineinstieg, nachdem sich das Wasser bewegt hatte, der wurde gesund, an welcher Krankheit er auch litt.
Es war aber dort ein Mensch, der lag achtunddreißig Jahre krank. Als Jesus den liegen sah und vernahm, dass er schon so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: „Willst du gesund werden?“
Der Kranke antwortete ihm: „Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein.“ Jesus spricht zu ihm: „Stehe auf, nimm dein Bett und geh hin!“ Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Danach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: „Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, dass dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre“.
Dieser Mann, der schon achtunddreißig Jahre an einer Lähmung litt, lag wie so viele andere Kranke am Teich Bethesda in der Hoffnung, dass er der Erste sei, der in das Wasser steigen könne, nachdem dieses von einem Engel bewegt wurde. Er wollte der Erste sein, der hineinkam, um gesund zu werden. Doch er wartete und wartete vergeblich. Der Grund, weshalb er so lange warten musste, war der, weil Jesus nicht da war. Und so ist es noch immer. Überall dort, wo Jesus nicht ist, muss man eben warten und warten. Doch Preis sei Gott, als der Herr Jesus an jenem Tage nach Jerusalem kam, als die Juden ein Fest hatten, ging er auch zu dem Schafteich Bethesda, wo viele Kranke, Lahme und Aussätzige lagen. Als der Herr Jesus zu diesem Teich kam, war die lange Wartezeit jenes Gelähmten vorbei. Der Heiland sah diesen Mann in seinem großen Elend liegen und sagte zu ihm: »Willst du gesund werden?« Der Gelähmte aber wusste nicht, dass dieser für ihn unbekannte Mann, der vor ihm stand, Jesus Christus war, der ihn das fragte. Der arme Mensch versuchte diesem ihm fremden Herrn zu erklären, dass er, obwohl er gelähmt und hilflos ist, wartet und wartet, bis mal wieder ein Engel vom Himmel herabkommt und das Wasser in Wallung bringt, damit er vielleicht eine Chance habe, evtl. doch in das Wasser zu kommen, damit er geheilt werde.
So sagte er: »Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Daraufhin sagte Jesus zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett und geh hin!« Und siehe da, als dieser kranke Mann das tat, was Jesus zu ihm sagte, konnte er zu seiner eigenen Verwunderung aufstehen und er war gesund.
Was ich an jenem Mann so großartig finde ist, dass er zu dem "Fremden" nicht sagte: "Siehst du denn nicht, dass das für mich unmöglich ist? Wie kommst du überhaupt dazu mich aufzufordern, dass ich etwas tun soll, was mir schon seit 38 Jahren unmöglich ist? - Nein, als er der Stimme des HERRN gehorchte, war die Kraft Gottes gegenwärtig, dass er aufstehen konnte. Dieser Jesus, der damals jenen armen, hilflosen Mann besuchte, der in seiner großen Not nicht mehr ein noch aus wusste, ist auch jetzt bei Ihnen. Er ist noch immer derselbe. Für jeden ist Hilfe da, der wie jener Lahme nicht nur dem glaubt, was der Herr Jesus durch sein heiliges Wort sagt, sondern das auch befolgt und danach handelt. Jede Seele, die jetzt im Glauben auf Jesus schaut, wird gerettet. Auch Sie dürfen zu ihm aufblicken, denn "jetzt ist die angenehme Zeit und jetzt ist der Tag des Heils", so steht es in 2 Kor 6,2. - Wenn Sie Ihren Blick auf den Herrn Jesus richten, ist auch für Sie die Heilung da, auf die Sie schon so lange warten.
Es gab vieles, was die Augen des HERRN fesseln konnten, als er die vielen Kranken am Teich liegen sah. Doch er richtete seinen Blick gerade auf diesen Mann, dessen Situation vollkommen aussichtslos war. Jesus ist auch Ihre Lage bekannt. Er sieht auch Sie darniederliegen. Er findet Sie inmitten vieler anderer, wo Sie auch liegen oder sitzen mögen. Er sieht Sie wie jenen Lahmen genau an und mustert Sie von Kopf bis zu den Füßen. Jesus schaut sowohl nach innen als auch nach außen und weiß alles, was in Ihrem Herzen ist. Sollten Sie jedoch der Meinung sein, dass Krankheit ein Segen sei, dann wäre es allerdings gut, wenn Sie auch weiterhin krank bleiben würden. Der Herr Jesus will keinesfalls jemand den Segen nehmen. Wenn wir den Dienst Jesu betrachten, wie er als Menschensohn hier auf dieser Erde wandelte und wirkte, dann erkennen wir, dass er zwei Drittel seiner Zeit den Kranken widmete. Der Herr Jesus kannte alle Enttäuschungen dieses Mannes.
Wie oft, wenn er versuchte, an den Rand des Wassers zu kommen, kam ein anderer ihm zuvor, und wieder war seine Hoffnung dahin. Wie schmerzte es ihn, als er sehen musste, wie ein anderer als Gesunder aus dem Wasser kam, während er seufzend auf seine Matte zurückfiel. Wie lange würde es wohl dauern, bis der Engel abermals das Wasser bewegen würde? Und vielleicht würde er auch dann wieder enttäuscht werden. - Dieser Mann sah absolut keine Hoffnung und schon gar keine Zukunft vor sich. Tag für Tag lag er in seinem Elend. Wie sehr schmerzte es ihn, als er die mitleidigen Blicke derer sah, die an ihm vorübergingen. Manchmal bekam er sogar ein Almosen.
Dieser Mann befand sich in einer völlig aussichtlosen Situation, denn kein Mensch konnte ihm in seinem so verzweifelten Zustand helfen. Alle seine Freunde hatte er verloren; denn bei seiner 38 Jahre dauernden Krankheit waren sie alle »müde« geworden. Mit Recht sagte er: »Herr, ich habe keinen Menschen, der mir hilft.«
Weil wir Christen den Herrn Jesus haben und er unsere Hilfe ist, haben wir es heute weder mit »Teichen« oder »Tümpeln«, noch mit »Engeln« zu tun, denn er ist bei uns. Wir brauchen auch nicht warten, bis sich das Wasser bewegt, denn Christus ist ja selbst das Wasser des Lebens.
Sollte es bei Ihnen ebenso sein, dass auch Sie infolge eines langjährigen Leidens keinen Menschen haben, der Ihnen hilft, so ist der HERR Ihnen dennoch nahe. Er weiß von all den Tränen, die Sie heimlich weinen. Auch kennt er Ihre Sorgen und weiß um die Krankheit, die Ihnen oftmals schlaflose Nächte bereitet. Verzagen Sie nicht, denn bei Gott gibt es kein Unmöglich. Er vermag auch Sie zu heilen und Ihnen so zu helfen, dass Sie sich wundern werden.
Nach einer Rundfunkansprache von Siegfried Müller
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Ein Artikel von Glaube.de mit freundlicher Genehmigung vom Missionswerk Karlsruhe www.missionswerk.de
Textbearbeitung: Jürgen Motzkus, ehrenamtlicher Redakteur bei www.glaube.de
Foto: sxc.hu
Dieser Artikel ist in der Zeitschrift "Der Weg zur Freude" Ausgabe vom September 2003 erscheinen.
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