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23-05-07

G.J.Matthia: Zwischen den Zeiten 16 - Wollt ihr etwa auch weggehen?

In den vorangegangenen Kapiteln habe ich manchem auf die Füße getreten. Nicht, weil mir das Spaß gemacht hätte, sondern weil ich niedergeschrieben habe, was ich vom Heiligen Geist gehört habe - so weit mir das nach bestem Wissen und Gewissen möglich war. Ich habe Traditionen in Frage gestellt, an die biblischen Grundlagen der Gemeinde erinnert. Ich habe dabei manches mal gesagt: "Herr, das will ich nicht schreiben. Kann ich nicht etwas angenehmeres sagen, etwas, was ermutigend ist, Freude schenkt, tröstet, der Seele wohl tut?" Die Antwort lautete jedes Mal in etwa: "Du kannst schreiben, was du willst. Aber was ich dir aufs Herz lege, ist das, was du jetzt sagen solltest."


Die Bestandsaufnahme unseres Zustandes als Gemeinde hat zwar Widerspruch ausgelöst, aber die Reaktionen von Leserinnen und Lesern, die dankbar für die Anstöße sind, überwiegen bei weitem. Es gibt offenbar viele, die wie ich nicht mehr zufrieden sind mit unserer Wirkungslosigkeit, unserer Ohnmacht, unserem Versagen. Das Christentum als gesellschaftliche Institution, als Freizeitclub oder als politische Stimme reicht denjenigen nicht mehr aus, deren Herzen in Brand geraten sind. Ob die Flammen schon lodern oder gerade zaghaft aufflackern, ist nicht entscheidend - sie sind bei vielen Christen zweifellos da. Es geht darum, was wir nun damit tun.

Wir können sie verhungern lassen, sie bewusst auslöschen oder die Chance begreifen, die sich uns bietet. Der Scheideweg, an dem wir stehen, lässt uns die Wahl - Gott hält nichts davon, uns zu zwingen. Er sagt, was richtig ist, und es ist unsere Entscheidung, dem zu folgen oder nicht zu folgen.

Mit Besserwissen fing die Geschichte des Versagens an: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass diese Frucht nicht gegessen werden darf? Wieso denn eigentlich? Sie sieht lecker aus, riecht gut, und mein Verstand findet keinen Grund, nicht davon zu kosten. Und den Verstand hat mir ja der Schöpfer gegeben. Sicher war das Gebot nicht so ernst gemeint, galt vielleicht letztes Jahr noch, aber heute...



Als Jesus auferstanden war, gab er seinen Jüngern einen Befehl: "Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!" Er versprach ihnen, dass sie nicht lediglich mit Worten seine Zeugen sein würden: "Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden, werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden."

Aber wir wissen es ja inzwischen besser als Jesus: Warum sollte ich in neuen Sprachen reden? Ich weiß ja auch so, dass ich errettet bin. Das galt damals, aber heute doch nicht mehr. Dämonen austreiben? Nee, wozu denn, ich bin doch aufgeklärt über psychologische Zusammenhänge, wir haben ja heute Kliniken für psychisch Kranke und überhaupt ist das nicht mehr zeitgemäß. Schwachen die Hände auflegen, damit es besser mit ihnen wird? Also wirklich, da muss man erst mal theologisch ergründen, ob das nicht gefährlich ist und psychologisch untersuchen, ob man beim Kranken nicht falsche Hoffnungen weckt.

Und da uns folglich die Zeichen nicht folgen, aufgeklärt und klug wie wir nun mal sind, lassen wir auch gleich das Predigen des Evangeliums beiseite, denn zum Glück gibt es ja die Profis, die dafür bezahlt werden.



Es ist schade, dass manche so denken und handeln. Die Bibel ist eine Aufforderung zum Handeln, keine Enzyklopädie. Sie enthält zweifellos viele historische Informationen, eine Fülle von Offenbarungen über Gottes Charakter und wir können lesen, welche Irrungen und Wirrungen die Menschen angerichtet haben, aus ihren Fehlern und Erfolgen lernen. Aber alles Kopfwissen wird nichts dazu beitragen, dass in und durch unser Leben das Reich Gottes kommt und der Wille Gottes geschieht. Wer Gottes Kraft erleben will, muss aktiv werden.



Wie wäre es, wenn man mit den einfachen Dingen anfängt, und nicht gleich die Dinge tun will, die man so bewundernswert findet? Mancher ist grandios gescheitert, weil er den dritten Schritt vor den ersten beiden versucht hat, mich eingeschlossen. Als ich zum ersten Mal vor über 30 Jahren durch ein prophetisches Wort von meiner Berufung Kenntnis erhielt, wollte ich am nächsten Tag bereits praktizieren, was noch viele Jahre an Vor- und Zubereitung gebraucht hat.

Es kann sein, dass Du zum Propheten, zur Apostelin, zum Pastor, zur Evangelistin berufen bist. Aber ist dein Herz schon bereit? Bist Du schon in der Lage, weder dem Stolz zum Opfer zu fallen noch aus lauter Unwissenheit falsche Wege einzuschlagen? Bist Du sicher, dass Du die Angriffe aushalten und den Schmerz ertragen kannst? Hast Du die Kosten überschlagen, bevor Du den Turmbau unternimmst? (Lukas 14, 28)



Manches in der Zeit, die vor uns liegt, wird von uns schnelleres Wachstum fordern als es bei früheren Generationen notwendig war. Die Erkenntnis wird zunehmen, aber die Zeichen der Zeit zu sehen ist das eine, daraus Rückschlüsse zu ziehen und zu handeln ist das andere. Die Bibel ist ganz deutlich, was unser geistliches Erwachsenwerden betrifft. Zuerst gibt es Milch, dann feste Nahrung, dann kommen Aufgaben - genau wie im natürlichen Leben. Wer bei der Milch stehen bleibt und sich große Aufgaben zutraut, beweist nicht gerade überragende Intelligenz und ist mit ziemlicher Sicherheit auf dem besten Weg zum Scheitern. Also, zuerst kommt die Vorbereitung, das Erwachsenwerden, und dann kommt das Handeln, nicht das Abwarten.

Reinhard Bonnke schreibt dazu: "Wir alle beten: Herr, gebrauche mich! Wenn wir brauchbar sind, werden wir automatisch gebraucht, aber wir sind lebendige Menschen, keine leblosen Werkzeuge oder Gefäße. Ich wurde gefragt: Warum gebraucht Gott manche Menschen nicht, obwohl sie darum beten? Gott gebraucht sie nicht, weil sie nie etwas anderes tun, als darum zu bitten. Sie sind nicht brauchbar, weil sie nichts anderes tun, als darauf zu warten, dass sie eingesetzt werden. Gott wirkt nur mit lebendigen Menschen, nicht mit leeren Töpfen, die darauf warten, dass sie hochgehoben werden. Gott handelt mit denen, die handeln, arbeitet mit denen, die arbeiten - nicht mit Wartenden." (Zitat aus der School of Fire)



Und wie, so mag mancher fragen, wird man vom Wartenden zum Handelnden? Mit einem ersten Schritt, der die weitere Entwicklung, das Erwachsenwerden, auslöst. Dieser erste Schritt ist eine persönliche Entscheidung, die zunächst auch nur auf das persönliche Leben Auswirkungen hat. Doch die Folgen der Entscheidung, die Auswirkung und Einwirkung auf die Menschen um uns her, werden nicht ausbleiben. Ich zitiere zur Verdeutlichtung meinen Freund Harald Sommerfeld:


Christen sprechen oft darüber, wie die Bibel oder eine Schriftstelle "auszulegen? ist. Es mag unter ihnen strittig sein, nach welchen Prinzipien man sie auslegt und welches die richtigen Ergebnisse dieser Auslegung sind. Unstrittig scheint, dass die Erklärung des richtigen "Schriftsinns? die eigentliche Aufgabe theologischer und verkündigender Beschäftigung mit der Bibel ist. ...

Nicht hinterfragt wird in der Regel, ob die richtige Erklärung und das richtige Verständnis der Bibel wirklich unsere einzige oder Hauptaufgabe ihr gegenüber sind, und ob die Suche nach der richtigen Bedeutung uns wirklich zu dem führt, wozu die Bibel uns gegeben ist. ...

Zu der Stunde freute sich Jesus im Heiligen Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so hat es dir wohlgefallen. (Lukas 10,21; vgl.1. Korinther 1,18-31) ...

Wenn Jesus sagt: "Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben? (Johannes 6,63), meint er nicht, es seien Worte über Geist und Leben, Worte, mit denen Geist und Leben erklärt werden, damit man erfährt, wie man beides erlangen kann. Seine Worte transportieren, worüber er spricht. Wer ihm mit offenem Herzen zuhört, empfängt nicht Worte, sondern Geist und Leben. ...

Die Schrift ist uns nicht (nur) gegeben, um einen Sinn zu finden, sondern um Speise zu finden. Wir sollen nicht die Richtigkeit des Ausgesagten entdecken, sondern die Realität. "Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht? (Psalm 119,162). Ich lese die Bibel nicht, um in ihr den einen richtigen Sinn zu finden (und mich anschließend mit denen zu streiten, die einen anderen Sinn gefunden zu haben meinen). Ich lese sie auf der Suche nach der vielfältigen, vielfarbigen, vieldimensionalen Realität, die mir in ihr begegnet. ...

Ich suche in der Schrift [zum Beispiel] nicht Einsichten über Heilung, sondern Heilung selbst. Ich lebe seit langer Zeit mit chronischen Diagnosen, die mein Leben normalerweise beeinträchtigen. Es geht mir nur gut, wenn ich mir Gottes Wort in ausreichender Dosis zuführe und es durch entsprechende geistliche Übungen wie das (Sprachen)gebet ergänze. Bisher hat die Kraft des Wortes in meinem Fall die Erreger nicht beseitigt, aber immerhin kompensiert, was ich durchaus als partielle Heilung ansehe. Wenn ich Gottes Wort (und besonders Texte über Heilung) spreche oder anhöre, bin ich deutlich vitaler und gesünder, als wenn ich das nicht tue. Es ist nicht ein Wort über Heilung, das Wort ist Heilung.

Paulus schreibt, er wolle beten und Psalmen singen "mit dem Verstand? und "mit dem Geist?. So halte ich es mit meiner Bibel: Ich lese und höre sie "mit dem Verstand? und "mit dem Geist?. "Mit dem Geist? lese und höre ich sie, wenn ich sie nur auf meinen inneren Menschen wirken lasse, ohne bewusste Reflektion und gedankliche Beschäftigung. Meine Erfahrung ist, dass sie dann (ähnlich wie das Sprachengebet) in meinem Geist - dem unbewussten Teil meiner Person - etwas deponiert, was sich später als Offenbarung manifestiert. Mitten im Alltag "tauchen? Gedanken und geistliche Wahrnehmungen in meinem Bewusstsein "auf?, mit der Plötzlichkeit von Intuition und der Gewissheit von Realität.

Wie kraftvoll dieser Umgang mit der Schrift sein kann, belegt ein Erfahrungsbericht, den ich vor vielen Jahren in der Zeitschrift von Kenneth Hagin las. Ein Ehepaar pflegte im eigenen Haus die Mutter, die an Alzheimer in fortgeschrittenem Stadium litt. Sie war völlig desorientiert und nicht ansprechbar. Als die beiden über die Kraft des gehörten Wortes belehrt wurden, kauften sie für die Mutter einen Kassettenrekorder und einen Satz Bibelkassetten und "berieselten? die alte Dame Tag und Nacht mit Gottes Wort. Die Mutter konnte nichts mit dem Verstand aufnehmen. Aber das Wort erreichte ihren Geist, und von dort entfaltete es seine Auswirkungen auf ihre Gesamtperson. Langsam kehrten die ersten Lichtblicke zurück, Momente von Klarheit und Ansprechbarkeit. Sie wurden häufiger und länger. Schließlich kam der Punkt, an dem die Mutter selber wieder Verantwortung übernehmen konnte. Sie fing an, Bibelverse auswendig zu lernen und aufzusagen. Nach längerer Zeit war sie vollständig geheilt. Das Wort wirkte selbst und unmittelbar, auch ohne Auslegung. [Ende des Zitats, der komplette Text von Harald Sommerfeld ist hier zu finden: Hasos Tafel]



Ich hatte im ersten Anlauf zu diesem 16. Kapitel der Serie "Zwischen den Zeiten" einen eklatanten Fehler gemacht: Ich wollte den Leserinnen und Lesern die Offenbarung des Johannes "vereinfachen", wollte "die Angst" vor dem Buch mindern. Dieser Weg war ein Irrweg, denn es geht nicht an, dass irgend jemand diesem prophetischen letzten Kapitel der Heiligen Schrift etwas hinzufügt oder herausnimmt, und sei es auch in bester Absicht. Meine Aufgabe ist es auch nicht, jemandem die Angst zu nehmen, sondern meine Aufgabe ist es, das aufzuschreiben, was ich selbst lebe und erlebe.



Jede kann und muss selbst das Wort Gottes zu sich nehmen, verspeisen, sich so zu eigen machen, dass es seine Wirkung entfalten kann. Eine Leuchte für meinen Fuß ist dein Wort, ein Licht für meinen Pfad sagte David (Psalm 119, 105), und das heißt nicht, dass die Worte Gottes über die Leuchtkraft lehren, über das Licht dozieren, sondern dass sie Licht und Leuchte sind. Das ist auch meine Erfahrung, und dazu möchte ich mit diesen Zeilen anstiften.


Zur Praxis: Nimm dir jeden Tag eine Stunde Zeit, in der du nichts anderes tust als die Bibel zu lesen und - auch wenn es eine Beleidigung für den Verstand darstellt - in Sprachen betest. Wenn du die Stunde am Stück nicht hast, mach zwei halbe Stunden daraus, die eine für das Gebet, die andere für die Bibel. Wenn du das vier Wochen getan hast, wirst du feststellen, dass eine Leuchte für deinen Fuß zu strahlen beginnt, dass dein Pfad in heller werdendes Licht getaucht ist. Und dann, immer deutlicher und leichter, wirst du ein Leben entdecken, das sich grundlegend vom Zustand der Gemeinde, wie ich ihn in dieser Serie beschrieben habe, unterscheidet.

So fängt es an, und dann kann und wird eine Gemeinde entstehen, die wieder Licht in der Finsternis ist, anstatt über das Licht zu debattieren, die wieder Salz ist, anstatt darüber zu streiten, warum man nicht salzig sein muss. Im zweiten Kapitel dieser Serie hatte ich auf die Worte Jesu hingewiesen, aufgrund derer sich viele seiner Jünger von ihm abwandten: Wer mein Fleisch zerkaut und mein Blut trinkt? (Johannes 6, 55) Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben; aber es sind einige unter euch, die nicht glauben. (Johannes 6, 61-64)



Viele Jünger verließen Jesus daraufhin. "Wollt ihr etwa auch weggehen?" fragte Jesus die Zwölf. (Johannes 6, 67) Die gleiche Frage stellt er uns.



Viele wollen auch heute sein Blut nicht trinken und sein Fleisch nicht zerkauen. Sie wollen über den Geist gelehrsame Gespräche führen, wollen das geistliche Leben, wie sie es verstehen, propagieren. Sie gleichen den Pharisäern, die angesichts eines von Geburt an Blinden, dem Jesus das Augenlicht geschenkt hatte, beweisen wollten, dass Satan am Werk gewesen sei, denn schließlich hatte Jesus am Sabbat geheilt und die Schrift sagt, dass man am Sabbat solche Dinge nicht tun darf. (Johannes 9)



Diejenigen, die bei ihm blieben, stellten die Welt auf den Kopf, nachdem sie zu Pfingsten Kraft empfangen hatten. Sie wollen auch heute lieber sein Fleisch essen und sein Blut trinken, als Streitgespräche über theologische Auslegungen zu führen. Sie erleben nämlich die Kraft Gottes, und was man erlebt, muss man nicht erklären. Sie gleichen dem geheilten Blinden: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht; eins weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe. (Johannes 9, 25)



Ende

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Diesen Artikal kann unter Umständen nicht verstehen, wer die vorangegeangenen Kapitel nicht gelesen hat. Hier geht es zur Übersicht: Zwischen den Zeiten
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Ein Artikel von Glaube.de
Autor: Günter J. Matthia, Redaktionsmitarbeiter
Weiterverwendung gestattet, wenn der Text nicht verändert wird.
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