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09-04-03

JOHN MULINDE: AUSGESONDERT FÜR GOTT! (Teil 1)

Fortsetzung dieses Artikels auf Teil2

Die Welt verändert sich schnell. Alle Sicherheiten, die jetzt bekannt sind, werden zusammenbrechen. Neue Not und neue Anforderungen werden entstehen. Die Umstände werden sich rapide verändern. Kommt zu dem Ort an dem ich mich mit euch treffen kann. Das wird eure einzige Sicherheit sein: Enge, persönliche, intime Gemeinschaft mit mir!


Dies ist der erste von zwei Teilen des Artikels.

Hebräer 7, 25-27: Daher kann er die auch völlig erretten, die sich durch ihn Gott nahen, weil er immer lebt, um sich für sie zu verwenden. Denn ein solcher Hoherpriester geziemte sich auch für uns: heilig, sündlos, unbefleckt, ausgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden, der nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohenpriester, zuerst für die eigenen Sünden Schlachtopfer darzubringen, dann für die des Volkes; denn dies hat er ein für allemal getan, als er sich selbst dargebracht hat.

Vom 25. bis zum 29. März 2003 war JOHN MULINDE (Pastor aus Uganda mit apostolischem Dienst) mit Pastoren und Fürbittern aus Berlin in einer Fasten- und Gebetsklausur von GEMEINSAM FÜR BERLIN (www.gfberlin.de) zusammen, um mitzuteilen, was Gott ihm für Berlin und Deutschland auf das Herz gelegt hat. Die Pastoren und Fürbitter kamen aus einem breiten Spektrum von Frömmigkeitsstilen und Traditionen, aus charismatischen, evangelikalen und landeskirchlichen Gemeinden.
Im Folgenden habe ich versucht, das, was Gott uns während dieser Zeit anvertraut hat, zusammenzufassen und in einen Umfang zu komprimieren, der das Lesen und Aufnehmen der Botschaft erleichtert. Ich habe dabei nach bestem Wissen und Gewissen der Botschaft, die John Mulinde verkündet hat, nichts hinzugefügt und nichts weggelassen und diesen Text von weiteren Teilnehmern daraufhin prüfen lassen.
Ich war allerdings – und das ging den meisten Teilnehmern so – in den Stunden, in denen JOHN MULINDE uns das Verständnis darüber öffnete, was ein Blutsbund eigentlich ist, so fassungslos und „ausgesondert“, dass ich in dieser Zeit kaum Notizen gemacht habe. Daher habe ich, was die Beschreibung der Riten und Bedingungen des Blutsbundes betrifft, mit der freundlichen Genehmigung der Autorin ROSEMARIE STRESEMANN Texte aus dem Buch „Mit Gott verBUNDen" benutzt (siehe Literaturhinweise am Schluss). Dieser Absatz ist von zentraler Bedeutung, auch wenn er zunächst wie eine „Geschichtsstunde“ anmutet.
Durch den Dienst JOHN MULINDES wurden uns Schlüssel anvertraut, die ausdrücklich für den gesamten Leib Jesu Christi in Berlin und Deutschland bestimmt sind, nicht nur für die Teilnehmer des Fastens und Betens, die sich vor den Toren der Stadt ausgesondert hatten, um von Gott zu hören, warum wir so oft Niederlagen statt Kraft und Herrlichkeit Gottes erleben.
Der Kern der Botschaft war: „Be set apart for God!“ Der englische Begriff „set apart“ kann unter anderem mit „abgesondert“, „ausgesondert“, „bestimmt“ übersetzt werden. Ich habe mich für „ausgesondert“ entschieden. Gemeint ist, „kein Teil von etwas zu sein“, „nicht dazu zu gehören“ – wie in der oben zitierten Schriftstelle Christus „ausgesondert von den Sündern“ ist. Jesus hatte absolut nichts mit den Sündern beziehungsweise der Sünde gemeinsam.
Ich habe die chronologische Reihenfolge beibehalten und nicht nach Themen neu strukturiert. Ich empfand, dass der Ablauf und die gelegentliche Wiederholung zentraler Aspekte wichtig und von Gott gewollt waren. Bibelzitate entstammen der revidierten Elberfelder Übersetzung.

Berlin am 2. April 2003
Günter J. Matthia

Eine unmögliche Mission


Es gibt Dinge in Europa, die bis heute unberührbar sind. Selbst wenn die Gegenwart Gottes in außergewöhnli-cher Weise spürbar ist, selbst wenn der Heilige Geist in der Gemeinde wirkt, sind und bleiben bestimmte Gren-zen bestehen, die mit dem System in den Herzen und der Tradition zu tun haben. Diese Grenzen sind unantastbar.
Wie viel können wir von Gott erwarten? Können wir von Ihm erwarten, dass er ganze Nationen auf den Kopf stellt? Und wenn ja – warum geschieht es dann nicht?
Was haben wir nicht erfasst, das die Apostel und die erste Gemeinde erfasst hatten? Warum können wir einfach nicht aus diesem Gefüge herauskommen und dann anderen Menschen ebenfalls heraushelfen?
Jesus trug Seinen Jüngern eine unmögliche Mission auf: Sie sollten in ein gefestigtes, existierendes System hi-neingehen und den Menschen sagen, dass ihr Gedankengebäude falsch ist. Sie, eine kleine Anzahl Menschen, sollten die gesellschaftlichen und religiösen Werte ihres Volkes und darüber hinaus der Nationen auf den Kopf stellen. Ein unmögliches Unterfangen.
Die Jünger taten genau dies. Wie? Warum?

Gott sagt heute zu Seiner Gemeinde: Sei ausgesondert! Werde zu einem Gefäß, das ganze Nationen auf den Kopf stellen kann. Sei ausgesondert, bestimmt und vorbereitet für eine Zeit großer Erschütte-rungen, tiefgreifender Veränderungen und enormer Ernte. Es liegen gewaltige geistliche Schlachten und ernste Veränderungen vor euch.

Fallstudie: Jesaja 62


In der Bibel sehen wir immer wieder, wie Städte, Landstriche und Länder grundlegend verändert werden. Ein Beispiel: Jerusalem.
In Jesaja 62 verspricht Gott: „Und die Nationen werden deine Gerechtigkeit sehen und alle Könige deine Herr-lichkeit.“ In diesem Kapitels erfahren wir auch, wie dieses Ziel, eine ganze Stadt zu verändern, erreicht werden kann: „...habe ich Wächter bestellt. Den ganzen Tag und die ganze Nacht werden sie keinen Augenblick schwei-gen. Ihr, die ihr den HERRN erinnert, gönnt euch keine Ruhe und lasst ihm keine Ruhe...“

Welche Schlüsse können wir aus Jesaja 62 ziehen?
1. Wir brauchen eine prophetische Sicht dessen, wie die Stadt aussehen wird, wenn sie von Gottes Herr-lichkeit erfüllt ist. (Vers 1-5)
2. Wir müssen erkennen, was notwendig ist, um die Herrlichkeit Gottes vorzubereiten. Wir lesen hier von Wächtern, die Tag und Nacht vor dem Thron Gottes keine Ruhe geben. (Vers 6-7)
3. Gott spricht zu diesen Wächtern und sagt ihnen, wo Hindernisse weggeräumt und Steine beseitigt wer-den müssen, wo die Tore geöffnet werden und an welchen Stellen Altäre Gottes aufgerichtet werden sollen. (Vers 10-12).

Das Alltägliche


In Jesaja 25 können wir ab Vers 9 betrachten, wie Erweckung aussieht. Bevor Erweckung möglich ist, müssen wir jedoch die „Decke der Finsternis“, von der wir in Vers 7 lesen, aufspüren und entfernen. Diese Decke wird in Epheser 2, 1-3 als „Zeitlauf dieser Welt“ bezeichnet. Es geht hierbei um den Lebensstil, das innere System der Welt, in der wir leben.
Wir neigen dazu, an Extreme zu denken, wenn wir uns mit diesen Fragen beschäftigen. Aber es geht nicht um Mord, Vergewaltigung, Raub. Es geht hier um unseren Lebensstil, unsere Prioritäten. Es geht um unser ganz normales, alltägliches Leben. Dinge, die in sich selbst nicht schlecht oder böse sind, können genau die Details sein, die uns zurückhalten.
Das alltägliche Leben geschieht in Übereinstimmung mit den Kräften, die über einer Stadt regieren. Diese Mächte kreieren einen bestimmten Lebensstil – auch der Gemeinden.
Wenn Paulus in Epheser 6 sagt, dass „unser Kampf nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt“ gerichtet ist, halten wir dies normalerweise für eine Beschreibung besonderer Situationen, außer-ordentlicher Angriffe des Feindes. Der Zusammenhang im Brief an die Epheser macht jedoch deutlich, dass Pau-lus vom ganz alltäglichen Leben spricht. Es geht hier nicht um geistliche Kriegführung in Ausnahmesituationen. Es geht um unseren Lebensstil, um das System, dem wir angehören.

Gott sagt heute zu Seiner Gemeinde: Geht da heraus! Kommt heraus aus dem System, sondert euch für mich aus. Ein demütiges Herz und der Wille, frei zu sein, sind notwendig, um andere zu befreien.
Seid ausgesondert aus diesem System, denn es wird zusammenbrechen. Diejenigen, die es nicht verlas-sen haben, werden mit ihm zerstört und vernichtet werden.


Der große Auftrag


„Und Jesus trat zu ihnen und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Er-den. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“ (Matthäus 28, 18-20)
Wir sind berufen und gesalbt und eingebettet in diesen großen Auftrag. Wir sind berufen, Nationen zu Jüngern zu machen. Dies ist eine „MISSION: IMPOSSIBLE“. Wie kann sie jemals erfüllt werden?
Es bedarf der Macht Gottes in einem Gefäß, das für Ihn ausgesondert ist.
Solange eine Person nach Gott hungert, wird sie alles Erdenkliche tun, um Gott zu erreichen. Wollen wir und wie bekommen wir diesen Hunger?

Fallstudie: Mose


Mose war berufen, sein Volk aus dem festen und unerschütterlichen System, in dem es lebte, herauszuführen. Ägypten mit all seiner Kraft und Überlegenheit würde diesem Versuch alles entgegen werfen, was vorhanden war.
Mose wusste um seine Berufung und fing an, sie mit seinen Kräften und seinem Verständnis auszuführen. Er erschlug einen Ägypter. Das Resultat war, dass selbst Moses Brüder seine Autorität nicht anerkannten, ihn zurückwiesen und er dann fliehen musste. (2. Mose 2)
40 Jahre in der Wüste waren notwendig, damit Mose den Auftrag, den er bereits kannte und angenommen hatte, ausführen konnte. Er musste aus dem System herausgehen, vollkommen vom Lebensstil und aus allem, was er an Prioritäten und Wissen angesammelt hatte, ausgesondert sein.
Die heutige Gemeinde versucht, innerhalb des Systems zu operieren. Wir passen uns an, um die Menschen zu gewinnen. Aber das wird nicht funktionieren.

Gott sagt heute zu Seiner Gemeinde: Seid ausgesondert für Gott und zu Gott hin. Die Welt hat sich verändert und sie wird sich schneller und schneller verändern.
Die Umstände werden so anders sein, dass die heutigen Methoden irrelevant werden.
Die Menschen werden sofortige Antworten brauchen und die Gemeinde von heute ist dafür nicht bereit.
Gott richtet uns nicht. Er bietet vielmehr eine neue Ausrüstung für eine neue Situation an.
Gott fordert uns auf, dieses Reden mit allen zu teilen, die wir erreichen können. Heute noch vollständig unbekannte Menschen werden aufstehen und große Dinge tun, weil sie sich jetzt aussondern für Gott. Gott wird niemanden zwingen. Aber der Dienst kann nicht von jemandem getan werden, der nicht ausgesondert ist.

Prüfe dich selbst, ob du für Gott der bestmögliche Mensch bist. Es geht nicht darum, ob du dein Bestes tust, sondern ob du dein Bestes bist.

Erste praktische Schritte


Was heißt es nun in der Praxis, sich für Gott auszusondern und aus dem System auszubrechen? Wie kann das geschehen?

· Beginne damit, dich selbst zu prüfen, ob du der/die Beste für Gott bist.
Nicht, ob du das Beste tust, sondern ob du es bist.
· Schreibe auf, an welchen Punkten du Mängel entdeckst.
· Die Idole des Herzens herausfinden, denn Gott ist ein eifersüchtiger Gott.
Was sind „Idole unseres Herzens“? Es geht, wie bereits angesprochen, nicht um „schlimme Sünden“, sondern ganz einfach um das, worauf wir mehr hören oder mehr achten als auf Gott.
Wir haben selbst gute Dinge, die von Gott kommen, in solche „Idole des Herzens“ verwandelt. Der Dienst, den Gott uns aufträgt, unsere Begabung, die Er uns schenkt, die Familie oder anderes kann zwischen uns und Gott stehen, indem es uns wichtiger ist als die intime Gemeinschaft mit Ihm.
· Wir müssen das System verstehen, das uns fesselt.
Was ganz konkret lässt uns keine Zeit, Zeit für Gott zu haben? Unsere Prioritäten sind entsprechend der Erkenntnis neu zu ordnen.
· Die Werke des Teufels in unserem Leben aufspüren.
Dies sind zweierlei Werke: Zum einen das, was der Feind uns antut, um uns zu verletzen; zum anderen das, was wir anderen antun, und was sie verletzt. Diese Werke des Teufels gibt es auch im Leben eines wieder-geborenen Christen, ob uns das gefällt oder nicht.

Gott versteht uns und unsere Situation. Er ist nicht gegen uns! Er ist für uns! Aber wenn wir mehr von Ihm wollen, dann müssen wir andere Menschen werden.

Wir schaffen es nicht


Wir können uns selbst nicht neu gestalten. Einiges werden wir durch Disziplin erreichen, aber wir werden nie in der Lage sein, unser Innerstes zu verändern. Jeremia 13, 23: „Kann ein Schwarzer seine Haut ändern, ein Leopard seine Flecken? Dann könntet auch ihr Gutes tun, die ihr an Böses tun gewöhnt seid.“
Es ist keine Zeitverschwendung, unser Herz zu erforschen. Aber es ist immer Gott, der uns verändert, der Heilige Geist wird nicht gegen unser Wollen ankämpfen. Sollten wir diese Selbsterforschung unterlassen, werden wir gar nicht wissen, was verändert werden muss und es folglich dem Herrn auch nicht ausliefern können.
Wenn wir uns vor Ihm prüfen, werden wir feststellen, dass wir unwürdig sind, vor Ihm zu erscheinen. Das führt unweigerlich zu einer inneren Abneigung, diese Prüfung überhaupt durchzuführen. Wir müssen aber diesen Teu-felskreis durchbrechen, auch wenn es uns schmerzt. Wie geht das?

Der Auftrag Gottes an seine Gemeinde heißt: Sondert euch aus und ich werde das Werk in euch tun. Versucht es nicht selbst, ihr würdet es nicht schaffen.
Wenn wir zu dem Entschluss gekommen sind, unsere Hinderungen und Bindungen Ihm auszuliefern, werden wir wiederum nach dem Schlüssel zur Praxis suchen – weil wir bisher dabei versagt haben.

Die Lösung ist: Bleibt in mir. Wenn es irgend etwas gibt, was uns hilft, dann ist es, in Ihm zu bleiben.

· Gläubig zu sein, heißt gerettet sein.
· In Ihm bleiben bedeutet einen neuen Lebensstil und Lebenswandel, ausgesondert für Gott, zu verfol-gen.

In Ihm bleiben


Der größte Kampf ist der Kampf um den Glauben. Der Teufel wird immer versuchen, unseren Glauben anzugrei-fen, mehr als alles andere. Wir müssen daher vor allem unseren Glauben bewachen und verteidigen. Ohne Glau-ben wird nichts geschehen, selbst Jesus konnte in Nazareth nicht wirken, als er von Unglaube umgeben war.
In Johannes 15, 9-10 lesen wir, wie wir ganz praktisch in Ihm bleiben können: „Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.“
Liebe und das Halten der Gebote bedingen einander, andernfalls kommt das in Ihm bleiben nicht zustande. Der Kern ist: Die Liebe des Vaters zu Christus entspricht der Liebe Christi zu uns und soll unserer Liebe zum Vater gleich sein.
Welch eine Beziehung, die uns da vor Augen gestellt wird. Wie wird der Zusammenhang für uns begreifbar und tatsächlich praktisch umsetzbar?
Das Geheimnis liegt im Verständnis dessen, was ein Bund zwischen Gott und Mensch eigentlich ist. Diese Kenntnis ist der Gemeinde abhanden gekommen und daher halten wir den Schlüssel nicht mehr in der Hand, mit dem wir ganze Nationen für Gott gewinnen können.
Wenn wir dieses Verständnis wieder erlangen, wird die Folge sein: Wir brauchen uns nicht abmühen um Siege zu erringen, von denen die Bibel sagt, dass sie längst errungen sind.

Der Herr möchte in seiner Gemeinde wiederherstellen, was sie verloren hat:
· Den Bund mit Gott und das daraus resultierende ausgesondert sein für Ihn
· Die Liebe Gottes und das daraus resultierende Halten der Gebote

Der Weg zum Bleiben in Ihm: Verstehen, was ein Bund ist


Auch wenn die folgenden Ausführungen zunächst nicht zum Thema zu passen scheinen, öffnen sie doch das Verständnis, das uns erlaubt, die Autorität Gottes zu ergreifen.

[Beginn der Zitate aus „Mit Gott verBUNDen“ – siehe Literaturhinweise]
In der Bibel offenbart sich Gott als ein Gott des Bundes. Wenn wir kein Verständnis darüber haben, was ein Bund bedeutet, dann bleibt uns Wesentliches der Selbstoffenbarung Gottes verborgen, und das wird Einfluss auf unsere Beziehung zu dem lebendigen Gott haben. Die Offenbarung Gottes an Abraham fand in einer Zeit statt, in der die Menschen Bündnisse nicht so abschlossen, wie wir uns das heute vorstellen.
In 1. Mose 15, 18 heißt es: „An diesem Tage schnitt Gott einen Bund mit Abraham...“
Die hebräischen Wörter sind „karath“ und „berith“. Sie werden immer wieder verwandt, wenn in der deutschen Übersetzung von „Bund schließen“ die Rede ist. Das Wort „karath“ ist ein Verb, das schneiden (einschneiden, abschneiden, zerschneiden) bedeutet. „Berith“ ist ein Nomen, das auf die Wurzel „barah“ oder „bara“ zurückge-führt wird. Die Wurzelwörter bedeuten: schneiden, auswählen, speisen.
Zu der Zeit, als die Menschheit noch in Stammesgesellschaften zusammenlebte, wurden Bündnisse in der Form eines Blutsbundes geschlossen. Bei jedem Bundesschluss floss Blut. Ohne Blutvergießen war kein Bund gültig.
Wenn in der Bibel also vom „Bund schneiden“ berichtet wird, dann knüpft dieser Ausdruck an ein damals noch vorhandenes Wissen und Verständnis der Leser um die Art und Weise, wie solch ein Bund geschnitten wurde, an. Und hier beginnt unser Problem: Wir haben dieses Wissen nicht mehr.
Es war für die verschiedenen Schreiber der biblischen Bücher selbstverständlich, dass jeder mit der Art, wie ein Bund geschnitten wurde, vertraut war. Deshalb erwähnten sie bei ihren Berichten nur Details, setzten aber das Grundwissen voraus. Genauso war für jedermann klar, welche Folgen das Abweichen von den Bundesregeln, den Gesetzen des Bundes, hatte.
Die Seele
Das Verständnis, das jedem Blutsbund zugrunde liegt, ist genau dasselbe, welches uns auch in der Bibel offenbart wird: „Die Seele des Fleisches ist im Blut.“ ( 3. Mose 17, 11;14)
Bei einem Blutsbund verbinden sich zwei Menschen durch das gegenseitige Konsumieren des Blutes des Bundespartners oder durch das Vermengen ihres Blutes in einem besonderen Bundesritus so miteinander, dass ihre Seelen (= ihr Leben) zu einem einzigen, neuen Leben verbunden werden. Ein so gewonnener „Blutsbruder“ oder „Blutsfreund“ wie er auch genannt wird, steht in anderer, viel tieferer Beziehung als ein leiblicher Bruder. Ein Blutsbund ist daher auch unauflöslich.
Ein Beispiel: Zwei junge Männer, die sich schon lange Zeit gut gekannt hatten, wollten „Bruder-Freunde“ werden, indem sie in einen Blutsbund traten. Sie riefen ihre Verwandten und Freunde zusammen, damit diese Zeugen für den Bund würden. Dann verkündeten die beiden Männer öffentlich, warum sie in solch eine Verbindung treten wollten und was sie damit beabsichtigten. Diese Erklärung wurde zweifach niedergeschrieben, damit jeder von ihnen eine Ausfertigung bekommen konnte. Sie wurde von den Männern und von mehreren Zeugen unterschrieben. Danach öffnete einer der beiden Freunde mit einem scharfen Messer eine Vene im Arm des anderen Mannes. Durch ein Röhrchen saugte er das herausquellende Blut. Die Schneide des Messers wurde nun auf der Bundeserklärung abgewischt, damit auch auf diesem Dokument Spuren des Bundesblutes sichtbar zurückbleiben würden. Genauso verfuhr nun der Bundespartner, dem das Messer als nächstes gereicht wurde. Gott wurde als Zeuge des Bundes angerufen, der Bund wurde damit unter die Aufsicht Gottes gestellt, in der Erwartung, dass Gott einen Bundesbruch strafen würde.

Uns erscheint die Vorstellung, Blut eines anderen Menschen zu trinken, absonderlich. Wenn wir verstehen wollen, warum bei einem Blutsbund das Blut des Bundespartners konsumiert wird, müssen wir uns das Verständnis von der Eigenschaft des Blutes, nämlich, dass im Blut das Leben ist, unbedingt vergegenwärtigen.
Es geht um die Aufnahme des Lebens. Wenn mein Leben, die Seele, im Blut ist, dann bewirkt eine Vermengung des Blutes gleichzeitig eine unauflösliche Verbindung. Wer einen Blutsfreund hatte, besaß quasi ein doppeltes Leben, das in zwei Körpern gelebt wurde.
Diese Vorstellung über das Blut ist für uns in der heutigen Zeit schwer nachzuvollziehen. Wir können Blut nicht mehr als Ausdruck des ganzen Lebens verstehen, so wie es die Menschen früher taten. Um die Bedeutung eines Blutsbundes zu begreifen, brauchen wir aber diese biblische Sicht.
Wenn zwei Stämme miteinander in einen Bund treten wollten, war es nicht notwendig, dass alle Stammesmitglieder den Bundesritus vollzogen, sondern ein Vertreter wurde von jeder Seite ausgewählt. Dieser Vertreter galt dann als Repräsentant, durch dessen Blutsbund der ganze Stamm mitgebunden war.

Warum und wie einen Bund schließen?


Es gab drei hauptsächliche Gründe, einen Blutsbund zu schließen:
· Freundschaft: Wenn zwei Menschen sich so sehr liebten, dass sie das Bedürfnis hatten, ihre Freundschaft zu vertiefen, traten sie in einen Blutsbund ein.
· Frieden: Sehr oft diente der Blutsbund dazu, Streitigkeiten zu beenden. Er besiegelte Friedensschlüsse zwi-schen Stämmen. Er sicherte schwächeren Stämmen den Schutz zu, wenn sie sich so mit einem stärkeren verbündeten. Er schuf Rechtssicherheit zwischen verfeindeten Familien. In einer Gesellschaft, die kein ü-bergeordnetes Rechtssystem kannte, sicherte solch ein Bund, der ja meist vor einer richtenden Gottheit ge-schlossen wurde, auf optimale Art den ausgehandelten Vertrag ab.
· Geschäfte: Das oben Gesagte gilt auch für den Geschäftsbereich. Wer sicher gehen wollte, dass sein Ge-schäftspartner ihn nicht betrügen würde, trat mit ihm in einen Blutsbund ein.

Neben Rechten und Pflichten, die gesondert ausgehandelt werden konnten und dann Bestandteil einer Bundeser-klärung oder eines Bundesbuches wurden, gab es allgemeine Konsequenzen, die nicht jedes Mal neu festgelegt werden mussten, weil jeder wusste, was für grundsätzliche Folgen ein Blutsbund haben würde.

Die Rechte und Pflichten waren eindeutig geregelt:
Der Bund war unauflöslich. Er löste den Einzelnen aus seinen Stammesverbindungen heraus und stand damit über den natürlichen Blutsbanden. Wenn zwei Menschen aus verschiedenen Stämmen sich verbanden, dann ent-stand quasi ein „neuer Mensch“.
Traten zwei Familien oder zwei Stämme in solch einen Bund ein, dann wurde der Bundesschluss durch einen Repräsentanten vollzogen. Durch ihn wurde das „ganze Haus“ und auch die acht nachfolgenden Generationen in den Bund eingeschlossen.
Ein Mensch, der in den Blutsbund getreten war, gehörte nicht mehr sich selbst. Er lebte ein gemeinsames Le-ben in zwei Körpern. Er hatte gewissermaßen zwei Leben, da der Partner einen Teil seines Lebens mittrug. Dar-aus erfolgte eine absolute Verteidigungspflicht. Bei Gefahr für Leib und Leben konnte man sich auf den Schutz durch die Macht, die dem Partner zur Verfügung stand, verlassen. Ebenso hatte der Blutsbruder Verfügungs-rechte über den gesamten Besitz seines Partners. Wenn er in Not war, stand ihm eine wunderbare Hilfe zu.

Die bei einer Bundesschließung ausgesprochenen Segnungen enthielten oft die Schilderung der obigen Vorteile, sowie anderer ausgehandelter Bundesabsichten.
Die Flüche sorgten dafür, dass die Unauflöslichkeit des Bundes gewahrt wurde. Sie enthielten die entsetzlichsten Bedrohungen für das eigene Leben, wie auch das möglicher Nachkommen.
Was auch immer die Bundesabsicht war, so schaffte der Blutsbund zunächst die Grundlage durch die gemeinsa-me Verbindung des Lebens. Alle anderen ausgehandelten Absichten oder Verpflichtungen, die durch einen Schwur oder Eid bekräftigt wurden, bedurften dieser sicheren Grundlage.
Der Freundschaftsbund zwischen David und Jonathan (ab 1. Samuel 18) ist ein biblisches Beispiel für solch ei-nen Bund zwischen zwei Menschen, es gibt auch Beispiele für den Bund zwischen Stämmen und Volksgruppen.

Der Ablauf einer Blutbundzeremonie war bekannt und festgelegt.
· Die Bündnispartner kommen zusammen, um die Art des Bundes, den sie schließen wollen, zu besprechen. Diese Verhandlungen können durchaus drei Jahre andauern. Der Bundesinhalt wird so in allen Einzelheiten festgelegt und gegebenenfalls auch schriftlich dokumentiert.
· Geschenke werden ausgetauscht, bis hin zum Tausch von Waffen und Bekleidung.
· Der Bund wird geschnitten. Durch den Akt des Bundesschneidens wird ein gemeinsames Blutsband herge-stellt: eine Einheit des Blutes und des Lebens.
· Das Ablegen des Bundesschwurs. Bei den Hebräern war es üblich, dabei zwischen den Hälften zerteilter Tiere hindurchzuschreiten. So hat das zerteilte Tier, dessen Blut ausfloss, dabei die Rolle des Stellvertreters eingenommen, um so die Vereinigung in einem Blut darzustellen. Das zerteilte Tier kann auch die Todes-strafe symbolisiert haben, die auf dem Bundesbruch stand.
· Der Bund wird versiegelt. Das Siegel des Bundes wird dadurch hergestellt, dass Salz o.ä. in der Wunde ver-rieben wird und somit ein bleibendes Zeichen im Fleisch entsteht.
· Andere Erinnerungszeichen werden hergestellt: Ein Steinhaufen wird aufgerichtet oder ein großer Gedenk-stein, auf dem auch die Bundesverabredungen stehen können. Ein Baum wird gepflanzt. Teile der Bundes-vereinbarung werden in einem Kästchen eingeschlossen, oder in eine Lederhülle eingenäht, damit sie am Körper getragen werden können, z.B. am Arm oder um den Hals.
· Die Segnungen, die der Bund beinhaltet, werden laut ausgerufen. Die Flüche, die der Übertretung folgen sollen, ebenfalls.
· Dann nimmt der Bundespartner als bleibendes Zeichen eine Veränderung seines Namens vor. Er erweitert seinen Namen um den Namen des Bundespartners oder um Teile davon, so dass aus zwei Namen ein ge-meinsamer, neuer Name entsteht. Mit der Veränderung seines Namens zeigte der Namensträger die Verän-derung seines Lebens an, denn der Name steht für die ganze Person.
· Die Bundespartner bekräftigen abschließend ihre neu gewonnene Einheit durch ein Bundesmahl.
[Ende der Zitate aus „Mit Gott verBUNDen“ – siehe Literaturhinweise]

Als Gott einen Bund mit Abram schloss (1. Mose 15), folgte er diesem bereits existierenden menschlichen Mus-ter, damit Abram, der im Verlauf des Bundesschlusses übrigens auch die Namensänderung in Abraham erfuhr, begriff, worum es Gott ging: Der allmächtige Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde, schließt einen Bund mit seinem Geschöpf, dem Menschen. Gott seinerseits erweiterte Seinen Namen in „Der Gott Abrahams“.

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