John Halford: Allen Menschen ein Wohlgefallen - Weil er uns liebt

Der Urtext ist ein wenig kryptisch und schwer zu übersetzen. Folglich gibt es viele Variationen dieses Lobgesangs der Engel. Die traditionelle Wiedergabe dieser Verse – jene, die Sie in Weihnachtsliedern und auf Weihnachtskarten vorfinden – lautet: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.” Für welche Version Sie sich auch entscheiden,ein Gedanke wird stets deutlich: Gott begegnet uns mit Wohlwollen – er hat Wohlgefallen an uns. Lassen Sie uns einen Moment bei dieser Aussage verweilen. Zu Beginn meiner seelsorgerischen Arbeit hatte ich das Glück, in Südostasien wirken zu dürfen. Meine Gemeinde setzte sich hauptsächlich aus jungen Chinesen zusammen, deren vorherige Glaubenserfahrung sich sehr von der meinigen unterschied. Die meisten hatten buddhistische Glaubenswurzeln mit Anlehnungen an Ahnenkult und Heidentum. Diesen engagierten jungen Menschen fiel es leicht zu begreifen, dass Gott Gehorsam zu schulden sei; der Gedanke aber, dass der Allmächtige sie tatsächlich liebt, war ihnen schwerer zugänglich. Als ich dann ihre Tempel besuchte, in denen sie zuvor ihre Glaubensfeiern abgehalten hatten, begann ich zu verstehen, warum das so war.
Obwohl ihr Glaube viele Götter kannte, schien wohl keiner von ihnen den Menschen mit viel Wohlwollen zu begegnen. Es hatte vielmehr den Anschein, dass sie für das genaue Gegenteil dessen standen, was ihre Namen implizierten. So hatte der Regengott einen natürlichen Hang zur Dürre und musste mit Opfergaben und Beschwörungen dazu gebracht werden, es regnen zu lassen. Eben - so verhielt es sich, wenn man sich eine gute Ernte oder ein gesundes Baby erbat. Und einBlick ins Gesicht der Gnadengöttin machte einem schnell klar, dass man ihr besser nicht an einem ihrer schlechten Tage begegnen So bauten die Menschen diesen Göttern gegenüber eine Abwehrhaltung auf. Sie nahmen an, die Standardhaltung dieser „Gottheiten” bestünde darin, ihre Segnungen für sich zu behalten. Man hatte sie sich mit Geschenken, Brandopfern oder speziellem Tem pelgeld (das man wiederum mit echtem Geld kaufen musste) gewogen zu machen. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass die Glieder meiner Gemeinde interessiert waren zu erfahren, was sie denn zu tun hätten, um die Gunst des biblischen Gottes zu gewinnen und ihn sich gewogen zu halten. Der Gedanke der Werkgerechtigkeit war da nur naheliegend. Glücklicherweise kennen die meisten von uns, die in der Tradition der westlichen Welt groß geworden sind, dieses Problem so nicht.
Oder doch?
Unsere Beziehung zu Gott nimmt oft die Gestalt einer Transaktion ein, mag sie auch vielschichtiger zum Ausdruck kommen als durch das Abbrennen von Räucherstäbchen oder die Darbringung speziellen Tempelgeldes. Wir glauben, Gott habe keinen Wohlgefallen an uns gefunden und Jesus sei gekommen, um für unsere Sünden den Opfertod auf sich zu nehmen und uns aufzuzeigen, wie wir zu leben haben, damit der himmlische Vater uns nicht wieder zürnt. Wenn wir Jesus annähmen und seinem Beispiel nacheiferten, werde er ein gutes Wort für uns einlegen. Und selbst dann sei der Ausgang ungewiss, da wir ein Händchen dafür hätten, es stets an Vollkommenheit fehlen zu lassen. Und selbstverständlich bliebe jenen, die Jesus nicht vor ihrem Tod annähmen, schon gar keine Hoffnung. Unterscheidet sich diese Sichtweise nun tatsächlich so sehr von jener der Gläubigen im Tempel, die annehmen, ihre Götter seien von ihrer Grundhaltung her böse mit ihnen oder stünden ihnen bestenfalls gleichgültig gegenüber?
Jesus kam nicht auf Erden, um nur einigen Möchtegern-Gutmenschen die Rettungsleinezuzuwerfen. Er kam, weil Gott – Vater, Sohnund Heiliger Geist – uns liebt und Gefallen an uns findet. Weit davon entfernt, etwas von uns einzufordern, hat er alles darangesetzt,sich mit uns auszusöhnen und uns neu zu machen. Mit Sicherheit kann es kein aufrichtigeres Zeichen seines Wohlwollens uns gegenüber geben als die Geburt, das Leben, den Tod, die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu.
Paulus schrieb in seinem Brief an die Römer: „Nun wird sich kaum jemand finden, der für einen Gerechten stirbt; allenfalls opfert sich jemand für eine gute Sache. Wie sehr Gott uns liebt, beweist er uns damit, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren” (Röm 5,7–8; Gute Nachricht Bibel).Mehrere Artikel in dieser Ausgabe befassen sich mit diesem Thema, und wir werden darauf auch künftig in weiteren Beiträgen eingehen. Wir hoffen, Sie lesen sie sorgfältig und mit Bedacht. Wir wollen, dass Sie im Evangelium nicht nur die Gute Botschaft erkennen. Sie ist besser, als wir sie uns vorstellen können.
-----------------------------------------------------------------
Ein Artikel von www.glaube.de
Autor: John Halford
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung der Autoren.
Ein WKG Artikel mit freundlicher Genehmigung:
Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland
Foto: John Halford
-------------------------------------------------------------






