Ursula Kischkel: Gute Beziehungen gestalten zwischen Angst und Sucht

Was gehört für Sie zu einer guten Beziehung dazu?
Mir fielen ein:
· Offenheit: ich kann mich öffnen, Persönliches erzählen, weil ich mich verstanden fühle und Vertrauen zu dem anderen habe.
· Echtsein: Ich kann so sein, wie ich bin. Ich muss mich nicht verstellen, weil ich mich akzeptiert weiß. Ich kann sogar zu meinen Schwächen stehen.
· Sich gegenseitig helfen und unterstützen: das Beste für den anderen wollen, sich in den anderen einfühlen, sich gegenseitig ermutigen, bis hin zu ganz praktischer Hilfe (Umzug, etwas ausleihen ...).
· Dem anderen Freiheit geben: Er muss nicht so werden, wie ich es will, sondern wie es für ihn gut ist, ihn nicht kontrollieren und bestimmen, sondern loslassen.
· Sich aneinander freuen und die Wertschätzung auch zum Ausdruck bringen.
· Die Stärken und Begabungen des anderen fördern.
Soweit ein paar Punkte, die man natürlich noch durch vieles ergänzen kann, was eine gute Beziehung ausmacht. Das gilt sowohl für unsere Familie wie für Freunde, auch für Beziehungen in der Gemeinde, an unserem Arbeitsplatz usw.
Ich denke, jeder von uns wünscht sich solche gute Beziehungen und echte Freundschaften. Bei Umfragen hat man herausgefunden, dass die meisten Menschen den Freundschaften einen ganz hohen Stellenwert in ihrem Leben geben. Und ich glaube, das geschieht mit Recht so. Denn es hat damit zu tun, wie Gott uns als Menschen geschaffen hat: Er hat uns auf das "Du" hin geschaffen. Wir sollen keine Einsiedler sein, sondern in Liebe mit anderen Menschen verbunden leben.
Wir dürfen uns gegenseitig beschenken mit dem Reichtum, den jeder Mensch mit seiner Persönlichkeit und seinen Erfahrungen mitbringt, so dass unser Leben miteinander verflochten wird. Aber da, wo etwas sehr Kostbares in unserem Leben ist, ist es gleichzeitig auch sehr gefährdet. Was uns sehr glücklich machen kann, kann uns gleichzeitig auch sehr viel Not bereiten.
In der Seelsorge stelle ich fest, dass die meisten Probleme, die die Leute mitbringen, mit komplizierten, verzerrten, konfliktbeladenen Beziehungen zu tun haben: Viele haben z.B. in ihrer Kindheit Ablehnung erfahren, was eine der größten seelischen Verletzungen darstellt. Solche Menschen sind daher überempfindlich bei allem, was nur entfernt nach Kritik aussieht - sie suchen verzweifelt nach Annahme und Liebe oder sie ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück, damit ihnen niemand mehr zu nahe kommen kann.
Als ich mich mit unserem Thema "Zwischen Beziehungsangst und Beziehungssucht" beschäftigt habe, dachte ich zuerst, dass Angst und Sucht zwei entgegengesetzte Pole sind, die weit voneinander entfernt liegen:
· Die einen haben Angst vor Beziehungen und Bindungen. Sie ziehen sich zurück, haben sich einen Schutzpanzer zugelegt, sie fahren ihre Stacheln aus, wenn ihnen jemand zu nahe kommt, sie wollen um jeden Preis ihre Eigenständigkeit und Freiheit.
· Und die anderen können es - im Unterschied dazu - ohne andere Menschen gar nicht aushalten. Sie brauchen ständig jemand um sich herum, sie klammern andere an sich, sie brauchen sie, um innerlich nicht abzustürzen. Aber beim näheren Hinsehen habe ich gemerkt, dass beides gar nicht so weit voneinander weg liegt. Es sind zwar unterschiedliche Verhaltensweisen, aber in ihrer Wurzel geht es oft um denselben Mangel.
Angst und Sucht sind oft wie zwei verschiedene Seiten einer Medaille: Bei beiden steht dahinter die riesige Sehnsucht nach Anerkennung und Wertschätzung. Unter hinter beiden Verhaltensweisen steht die große Angst vor Ablehnung und Kritik. Die einen hängen sich an alle erreichbaren Menschen, um Annahme und Liebe zu bekommen. Die anderen gehen lieber anderen Menschen aus dem Weg, gehen auf Distanz, um nicht mehr neu abgelehnt zu werden. Natürlich spielen noch andere Faktoren eine Rolle bei Beziehungsstörungen. Aber sehr oft geht es im Kern um den Mangel an bedingungsloser Annahme und Liebe, bei dem auf verschiedene Weise versucht wird, ihn bei anderen Menschen zu stillen.
Ich möchte einige Ursachen von Beziehungsstörungen benennen und die entsprechende Wege der Veränderung und Heilung. Alle drei Aspekte hängen natürlich eng zusammen.
1. Umgang mit unserer Persönlichkeitsstruktur
2. Seelische Verletzungen und ihre Heilung
3. Beziehungen so leben, wie Gott es sich gedacht hat
1. Umgang mit unserer Persönlichkeitsstrukur
Es gibt in jedem Menschen zwei ganz natürliche Bedürfnisse:
· Zum einen liegt in uns Menschen der Wunsch nach Freiheit: Wir wollen ein Individuum sein mit einer unverwechselbaren Persönlichkeit. Wie wollen selbständig sein, einen klaren eigenen Weg gehen und uns nicht von anderen Menschen bestimmen lassen.
· Zum anderen sehnen wir uns nach Geborgenheit: Wir wünschen uns, in ein größeres Ganzes eingebettet zu sein, zu einer Gemeinschaft dazuzugehören. Wir möchten Nähe und Gemeinschaft, Schutz und Halt durch andere Menschen. Diese beiden Grundbedürfnisse des Menschen stehen sich wie 2 Pole gegenüber. Das Verhältnis dieser 2 Grundbedürfnisse ist bei jedem anders (z.B. 80 % Freiheit, 20 % Geborgenheit oder umgekehrt 80% Freiheit und 20 % Geborgenheit).
· Bei den Distanztypen ist das Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit stärker ausgeprägt als das Bedürfnis nach Gemeinschaft.
· Bei den Nähetypen ist umgekehrt das Bedürfnis nach menschlicher Nähe stärker als der Wunsch nach Unabhängigkeit.
Wo würden Sie sich einsortieren?
Bilder drücken das manchmal deutlicher als Worte aus. Ein Mitarbeiter in unserer Lebensgemeinschaft, der wohl eher zu den Distanztypen gehört, sagte neulich: "Das Schönste, was ich mir denken kann, ist auf einem einsamen Berg allein oben auf dem Gipfel zu stehen." Ich selbst gehöre eher zu den Nähetypen: Was mich z.B. sehr anzieht, ist ein Haus, das Wärme und Behaglichkeit ausstrahlt (viel Holz, Blumen, ein Haus mit erleuchteten Fenstern etc...). Meinen Mann (eher Distanztyp) fasziniert dagegen die Weite des Meeres.
Sowohl Distanz- wie Nähetypen können liebevolle Beziehungen leben, aber sie verstehen sie anders und leben sie anders. Kein Typ ist besser als der andere, auch nicht aus Gottes Sicht. Jeder Typ hat seine besonderen Stärken und seine spezifischen Schwächen, auch seine besonderen Gefahren, schuldig zu werden.
Stärken des Distanztyps (eher anfällig für Beziehungs- und Bindungsängste) sind Selbständigkeit, Klarheit, Treue und Verläßlichkeit. Schwächen sind, dass er oft wenig von sich preis gibt, zu sehr zurückgezogen ist und zu wenig Gemeinschaftsgefühl hat.
Mein Mann z.B. trifft Entscheidungen am liebsten allein, während ich gern andere frage. Das Schlimmste für meinen Mann ist es, von jemandem dominiert, kontrolliert und bestimmt werden. Für mich ist es besonders schlimm, aus einer Gemeinschaft herausfallen, isoliert werden und ausgeschlossen zu werden.
Was dürfen sich Distanztypen von Gott schenken lassen? (Veränderung ist dann nötig, wenn die Schwächen zu stark ausgeprägt sind, mitbedingt durch frühere Verletzungen, z.B. dominiert worden sein von den Eltern) Bei ihnen geht es um mehr Mut zu ihren Gefühlen, mehr Nähe zu wagen und sich zu öffnen, also gemeinschaftsfähiger zu werden.
Der Nähetyp ist eher anfällig für Beziehungssucht. Bei ihm sind als Stärken zu nennen, dass er sich der Bedürfnisse anderer annimmt, dass er für Harmonie und Treue sorgen kann, mitfühlend und opferbereit ist. Schwächen können sein, dass er sich Liebe verdienen will, dass er abhängig vom Gefühl ist, gebraucht zu werden und dass er sich zu sehr von starken Menschen abhängig macht. Was dürfen sich Nähetypen von Gott schenken lassen?
· Sie dürfen zu den eigenen Bedürfnissen stehen lernen
· den eigenen Wert (Identität) nicht bei anderen Menschen festmachen, sondern in Gottes bedingungsloser Liebe.
· sich an Gottes Willen zu binden statt an Menschen (Menschengefälligkeit)
· den versteckten Egoismus entlarven ("Ich brauche es, gebraucht zu werden", halte andere Menschen deshalb von mir abhängig).
Wie war das eigentlich bei Jesus?
Wie hat er Nähe und Distanz gelebt? Wir können bei Jesus sehen, wie er in der völligen Bindung an den himmlischen Vater beides in gesunder Weise leben konnte:
Nähe: Jesus hat sich völlig an die Menschen hingegeben, voller Liebe und Mitgefühl. Aber er hat sich nie den Menschen angepasst, um ihnen zu gefallen.
Eigenständigkeit: Jesus ging sehr klar seinen Weg, den Gott ihm aufgetragen hat, ohne sich von anderen Menschen beeinflussen zu lassen (z.B. Petrus, der ihn von dem Leidensweg abhalten wollte). Er zog sich immer wieder in die Einsamkeit zurück, um zu beten. Aber er blieb dabei immer in Liebe mit den Menschen verbunden.
An Jesus können wir also sehen, dass die enge Verbindung zu Gott uns sowohl aus den Gefahren des Distanztyps wie aus den Gefahren des Nähetyps herausholt. Und dass wir in der Bindung an Gott die Stärken beider Typen in der besten Weise leben können.
2. Seelische Verletzungen und ihre Heilung
Bei der Persönlichkeitsstruktur spielt zum einen die Erbanlage eine große Rolle. Mein Bruder und ich sind z.B. in der gleichen Familie und in den gleichen Umständen aufgewachsen, trotzdem sind wir vom Typ her sehr verschieden: Er ist eher der Freiheits- Unabhängigkeitstyp, der schon als Teenager rebelliert hat, während ich mehr der Nähe- und Harmonietyp bin.
Unsere Persönlichkeitsstruktur wird zum anderen aber durch unsere Geschichte, d.h. unsere Erfahrungen mit anderen Menschen geprägt. Gerade, wenn die Merkmale sehr extrem sind, spielen fast immer frühere Verletzungen eine Rolle. Wenn z.B. ein Nähetyp zu wenig bedingungslose Liebe von den Eltern bekommen hat, wird er als Folge davon versuchen, sich die Liebe irgendwie zu verdienen, durch gute Leistung oder indem er versucht, es immer allen recht zu machen.
Die Abhängigkeit von anderen Menschen wird also durch den Liebesmangel in der Kindheit sehr verstärkt. Oder wenn ein Distanztyp von seinen Eltern sehr dominiert wurde, verstärkt sich dadurch seine Angst, eingeengt zu werden, sein Freiheitsbedürfnis wird immer größer. Als Erwachsener reagiert er dann extrem empfindlich auf alles, was ihn festlegen und kontrollieren will. Durch verletzende Erfahrungen bleibt die Persönlichkeitsstruktur nicht in einer gesunden Balance, sondern ihre Schwächen kommen besonders zum Vorschein.
Ich denke, dass Beziehungsangst und Beziehungssucht immer die Folge von irgendeiner seelischen Verletzungen sind. Was sind das für Wunden, die in unserer Seele geschlagen werden können?
· Jemand erfährt, dass er ein unerwünschtes Kind war und die Eltern an Abtreibung gedacht haben (ich hatte in der Seelsorge mal eine Frau, die das erlebt hat und das ist sehr, sehr hart).
· Grundsätzlich gilt: Je enger das Verhältnis zu den Beteiligten war (Eltern, Familie) und je jünger die Person war, umso schwerwiegender ist die seelische Verletzung).
· Ein Kind wurde von den Eltern nur dann geliebt, wenn es gute Leistungen brachte, oder wenn es brav war ...
· Missbrauch: besonders schwerwiegend, kommt erschreckend oft vor. ·Erfahrung von Ablehnung durch Schulkameraden, am Arbeitsplatz
·Ausgelacht, verspottet, ausgeschlossen, bloßgestellt werden von anderen
·Vertrauensbruch in einer Freundschaft, fallen gelassen zu werden u.v.a.
Das alles sind sehr schwerwiegende Erfahrungen. Nicht nur unser Körper bekommt Narben, wenn er verletzt wurde, auch unsere Seele. Entscheidend für die spätere Beziehungsfähigkeit ist, welche Reaktionsmuster jetzt als Folge der seelischen Verletzungen entstehen.
Wenn man tief verletzt wird, errichtet man innere Schutzmauern, um nicht wieder neu verletzt zu werden. Z.B. "Ich werde mich nie wieder jemandem anvertrauen." - Angst, sich zu öffnen. Oder besonders aggressives, cooles Auftreten (harte Schale) als Schutz. "Bevor ich wieder verletzt werde, verletze ich andere." Oder Gefühlsblockaden, da die Verletzung verdrängt wurde - man spürt sie zwar nicht mehr, aber man ist auch sonst im Gefühlsleben blockiert. Unfähigkeit, wirklich Liebe zu empfangen und zu geben.
Weitere Folgen von Verletzungen: Innere Festlegungen, Lügen: "Liebe ist nur für Leistung zu haben." Ständiger Drang nach Anerkennung. Ständiger Wunsch, den eigenen Liebesmangel zu füllen - Beziehungssucht (z.B. eine Frau, die mir sagte, dass sie 50 Freundinnen hätte und sich in unnormaler Weise an sie klammert). Überempfindlichkeit: "Du betrittst einen Raum und in diesem Raum ist jemand, der dich nicht sofort beachtet. Woraufhin du denkst, dass alle in diesem Raum dich nicht mögen. Du fühlst dich gleich abgelehnt, nur weil jemand dich eventuell nicht beachtet hat. Die Wahrheit könnte jedoch auch ganz anders aussehen. Vielleicht hat die Person dich nur nicht gesehen oder war in Gedanken gerade woanders."
Das Tragische ist, dass diese Reaktionsmuster auf die Verletzungen wiederum die Beziehungen stören und weitere Verletzungen die Folge sind. Es entsteht dadurch ein negativer Kreislauf. Der Verletzte erfährt durch sein Verhalten immer neue Verletzungen. Ich will es an einem Beispiel deutlich machen: Z.B. ständiger Drang nach Anerkennung: Sobald einer mit allen Mitteln versucht, Anerkennung zu bekommen und die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen (ein Jahresteamler: lachte immer übermäßig laut, erzählte überall die auffallendsten Stories aus der Zeitung ...), ärgert das die anderen über kurz oder lang. Sie denken: Der schon wieder! Der macht sich immer so wichtig! Und sie weisen ihn zurück, ziehen sich von ihm zurück, denn es ist sehr anstrengend, mit jemand zusammenzusein, der ständig Anerkennung will. Dadurch fühlt sich die Person bestätigt: Ich habe es ja gleich gewusst, keiner mag mich! Und ihr Wunsch nach Anerkennung und ihr Bemühen darum wird immer größer.
Wie kommt man aus so einem Kreislauf heraus? Ja, wie kann überhaupt Heilung von seelischen Verletzungen geschehen? Es gibt viele gute psychologische Ansätze.
Aber das Wichtigste für mich ist, dass Jesus gesagt hat, dass er gekommen ist, um zerbrochene Herzen zu heilen (Jes. 61, 1: "Er hat mich gesandt, damit ich alle heile, deren Herz zerbrochen ist." - Lk. 4) Jesus ist selbst jemand, der schlimmste Ablehnung erlitten hat, als er verraten, verleugnet, verspottet und ans Kreuz geschlagen wurde. Deshalb kann er alle verstehen, die Ablehnung erlebt haben. Er versteht nicht nur unsere Wunden, sondern trägt sie auch für uns.
Deshalb ist der erste Schritt auf dem Weg der Heilung, sich in den Schutzraum der Liebe Jesu zu begeben.
In Kurzform einige Schritte der Inneren Heilung (bei schwerwiegenden Dingen in Begleitung eines Seelsorgers). Innere Heilung ist der beste Ausgangspunkt, um gute Beziehungen gestalten zu können.
1. Wir brauchen den Schutzraum der Liebe Jesu
Wir können uns mit allen unseren Verletzungen in die Arme Jesu flüchten und bei ihm unser Herz ausschütten. Er versteht uns wie sonst niemand. Er verurteilt uns nicht.
2. Ehrlich zu unseren Gefühlen stehen und sie zulassen
Warum hat mich das so verletzt? Was ist genau geschehen? Tränen, Schmerz, Wut zulassen. Sich eingestehen: Ja, das hat mir wehgetan! Das war ungerecht! Auch der Heilige Geist kann uns an verschüttete oder verdrängte Erinnerungen heranführen. Er tut es zur richtigen Zeit und so, dass wir dann damit auch in guter Weise umgehen können.
3. Entscheidung zur Vergebung Gegenüber demjenigen, der uns verletzt hat.
Das Unrecht klar beim Namen nennen (nicht ent-schuldigen) und an Gott übergeben. Es kann ein längerer Prozess sein, vergeben zu können.
4. Innere Festlegungen erkennen und sich davon im Namen Jesu lösen
Z.B. "Ich werde alles tun, um nie mehr abgelehnt zu werden". "Ich muss immer gut sein, um geliebt zu werden". Die Festlegungen engen unser Leben ein und erschweren gesunde Beziehungen. Aber im Namen Jesu können wir uns davon lösen.
5. Gottes Wahrheit und seine Liebe empfangen
An die Stelle der inneren Lügen tritt Gottes Wahrheit: "Gott liebt mich so, wie ich bin". "Ich bin wertvoll - unabhängig von meiner Leistung".
3. Beziehungen so leben, wie Gott es sich gedacht hat
Als Jesus die Frau am Jakobsbrunnen getroffen hat, hat er zu ihr gesagt: 5 Männer hast du gehabt, und den du jetzt hast, ist nicht dein Mann (Joh. 4,18). Ich denke, diese Frau hatte ein Problem mit Beziehungssucht, weil sie ständig auf der Suche nach Liebe war.
Aber das Wichtigste ist, wie Jesus reagiert hat. Er hat ihr "lebendiges Wasser" angeboten, das ihren Durst nach Liebe stillt. Das lebendige Wasser ist ein Bild für den Heiligen Geist, der die Liebe Gottes in unser Herz gießt.
Jeder von uns braucht dieses lebendige Wasser, um seinen Liebesmangel zu stillen. Am besten können wir Beziehungen leben, wenn wir uns selbst immer wieder mit Gottes Liebe füllen lassen. Wir überfordern andere Menschen, wenn wir verlangen, dass sie unseren Mangel stillen sollen. Man kann es vergleichen mit einer Nabelschnur, durch die alles Wichtige läuft, was ein Baby braucht.
Für uns ist die Frage: Was ist meine Quelle? Woran mache ich meine "Nabelschnur" fest? An Jesus oder an anderen Menschen? Wenn wir selbst gefüllt sind mit der göttlichen Liebe, dann können wir sie weiterschenken.
In unseren Beziehungen geht es dann nicht zuerst um uns, sondern um den anderen. Klar, wir werden auch beschenkt, aber das steht nicht im Zentrum. Wir kommen damit aus der Ichbezogenheit heraus, die unsere Beziehungen so krank macht. Bei Angst oder Sucht kreisen wir immer um uns selbst. Aber wenn Gott meine Quelle ist, an Liebe, Halt und Geborgenheit, dann habe ich einen sicheren Ort, von dem aus ich die Beziehungen gestalten kann.
Fragen zum persönlichen Nachdenken:
1. Bin ich eher ein Nähe- oder ein Distanztyp?
Wozu will mich Jesus ermutigen? (z.B. unabhängiger von Menschen zu werden oder mich mehr anderen Menschen zu öffnen)
2. Liegen hinter meinem Verhalten seelische Verletzungen, die noch nicht ganz ausgeheilt sind? Was ist der nächste Schritt für mich, um Heilung zu erfahren?
3. Was heißt es für mich konkret, dass Jesus meine Quelle sein will? (z.B. für mein Selbstwertgefühl)
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Ein Artikel von www.glaube.de
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Genehmigung der Autoren bzw. Glaube.de.
Textbearbeitung: D. Bauer / Redaktionsleitung Glaube.de
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Eingereicht vom Herausgeber der Autorin: Ursula Kischkel, theologische Mitarbeiterin
im Wörnersberger Anker, www.ankernetz.de
Dieser Vortrag wurde am diesjährigen Freundestag des EC-Lebenshofes in Freudenstadt gehalten.
Foto: www.gebetswaechter.de
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